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Eine junge, rothaarige Frau macht sich vom brandensteiner Hafen auf in die Stadt. Auf dem Markt erkundigt sie sich nach dem Palast des Grafen. Als man ihr jedoch mit Spot begegnet und ihr sagt, dass die neue Lehenshauptstadt Falkensee im Inselinneren sei, macht sie sich eilig auf zum brandensteiner Rathaus. Leider traf sie zur Mittagsstunde niemanden an und so kam sie zu Beginn des 7. Zyklusses erneut zum Rathaus. Doch noch immer war niemand zugegen. Sie wartete noch einige Zeit vor dem Gebäude, legte dann die kleine, verschlossene Lederröhre vor die Türe des Amtszimmers und eilte dann wieder zum Hafen.
*Die röhrenförmige Wildledertasche ist nicht ganz einen Spann lang und besitzt am oberen Ende eine Verschlusskappe. Auf ihr ist ein Wappen eingebrannt, welches eine Trauerweide und einen Turm zeigt. Das Leder ist recht durchnäßt und ein leichter Geruch von Salzwasser geht von ihr aus.
In der Tasche steckt zusammengerollt ein Stück Pergament, welches von einer schwarz, weiß, grünen Kordel zusammengehalten wird. Das Pergament scheint durch die Nässe relativ unbeschädigt geblieben zu sein. Lediglich die Ränder des Stückes sind feucht und das rote Wachssiegel, welches auf der Kordel klebte, ist zum Teil gebrochen und abgefallen. Jedoch läßt sich an dem Rest Wachs noch erkennen, dass der Brief bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht gelesen wurde.*
Wandeltag, der 2. Querlar im Jahre 16 Hilgorad
Euero hochwohlgeborn Lordschaft McKevin,
Graf von Siebenwind, Grotzmeyster des Ordens der sieben Winde und Hochmeyster des Drakenordens
Gepriesen seyd Ihr, von den Göttern erwählt!
Am gestrigen Tage suchte mich eyn jung Knappe vom Nam Duncus, vom herzöglich Hofe auf, welcher ganz aufgeregt ward. Er verzählte mir, dass er in das grausig Unwetter, welches unsere Provinz in den letzten Tagen hat heymgesuchet, gekommen war. Nah bey des Ortes Rahm warf ihn seyn untreu Ross ab und ward dadurch. Jedoch kam es nicht weyt. Vor seynen Ouge schoss eyn gewaltig Blitze auf des Tier nieder und mit eyn ohrenbetäubend Knall ward es verschwunden.
Nichts blieb vom Tiere oder der Ausrystung auf Tare. Lediglich eyn gülden Schlüssel lag im Regen. Eyn seltsames Glühen ging von diesem aus und es ebbte wohl erst nach etwa eynem halben Zyklus ab.
Zuryck in Ventria suchte er den Haupttempel auf und fragte die dortigen Geweythen nach eynen Deut. Diese versicherten ihm eynen direkten Fingerzeig der Götter. Er solle vull Zuversichte auf das Kummende schauen.
Duncus reichte dies aber mit nichten und suchte mich auf. Er wolle wissen, ob er mit meyn Hylf das Kummende ergründen könne. Wyr befragten der Kugel und sahen eyn Eynblick in die Ränke des Schicksals:
Aus dem grauen Nebel der Zeit streckte sich eyn Eilande empohr. Auf ihr waren viele Menschen, Zwerge, Elfen und ander Volk. Doch Tag für Tag ward ihnen der Alltag mehr und mehr eyn Greuel. Gier, Neyd und Hass machte sich unter den Bewohnern breyt und es teylten sich zwei Lager. Sie errichteten eyn unyberwindbar Mauer mit eynem großen, auf ewig verschlossenen Tore.
Hoch über all, auf eyne Hygel, stand stolz der Ritter Schar, angefyhrt von Euch, my Lord. Neben Euch der Knappe Duncus, um den Hals seyn Schlüssel an einer Kette.
Dann verfinsterte sich der Himmel und der Jahreszeiten vollzogen ihren Wandel. Große Ändernis suchte Euch und die Ritterschaft heym.
Als nächstes standet ihr vor dem großen Tore, jedoch in gewöhnliche Kleydung, nicht in Eurer Amtstracht. Um Euch herum eyn gar unnennbares Getöse, in Eurer Hand den glyhenden Schlüssel. Unter größter Kraftanstrengung ihr das Portal mit dem Schlüssel öffnetet und all erstrahlte in eynem grellen Licht.
Die Vision ward vorryber und Duncus war klar, dass er zu Euch auf des Eilande reysen müsse. Ich setzte dieses Schreyben auf, und riet Duncus es Durchlaucht orzulegen und ihn darum zu bitten ihn ziehn zu lassen.
Schutz und Schild auf all Euren Wegen, my Lord.
Cylothis die Ältere
Seherin zu Ventria
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