Dichter Nebel, kaum wenige Schritt weit konnte man sehen und so dümpelte das Schiff im Ozean daher. Stille herrschte, nur dann und wann die gebrüllten Anweisungen des Bootsmannes waren zu hören.
Eine einzelne, einsame Gestalt stand nahe der Reling, starrte in die scheinbar ewig sich hinziehende Nebelwand, ein Tuch dicht um den Hals gezogen, hing ihren Gedanken nach, ehe die Gestalt die sich nähernden Schritte wahrnahm.
"Verzeiht mir, wenn ich euch störe," erklang die freundliche Stimme eines der Passagiere, die ebenso auf diesem Schiff nach Siebenwind reisten, "aber der Kapitän hat zu einem Gebet an die Viere in der Schiffsmesse aufgerufen. Wenn ihr möchtet, könnt ihr euch uns gerne anschliessen."
Kein Zögern ging von ihr aus - ein kurzes Nicken, ein höfliches und die Falschheit recht gut verbergendes Lächeln, dann folgte die Person dem Mann hinab auf das Unterdeck und in die Schiffsmesse.
Die Häupter gesenkt, die Hände gefaltet - ein jeder lauschte den Worten des Kapitäns:
Ihr heiligen Vier Götter, Hüter über unseren Leib und unsere Seele
Sein unseres Lebens und Strebens
Licht in der Dunkelheit
Wir bitten Euch, erhört uns, Eure Kinder.
Oh Herr Bellum, Gott der Ehre und des Mutes
Schutz und Schild Tares
Gib uns, Deinen Kindern, Deine Stärke
Verleihe uns Mut in den Tagen des Dunkelheit.
Bellum, erhöre uns!
Herrin Vitama, Göttin des Lebens und der Liebe
Mutter Tares, Freude unseres Herzens
Gib uns, Deinen Kindern, Deine Wärme
Schenke uns Deine Güte, auf dass wir sie tragen in unseren Herzen.
Vitama, erhöre uns!
Oh Herr Astrael, Allsehender und Allwissender
Hüter der Magie und des Wissens
Gib uns, Deinen Kindern, Deine Weisheit
Lass uns teilhaben an Deinem Licht auf dass wir sehen den Weg in der Dunkelheit.
Astrael erhöre uns!
Herr Morsan, Gott des Schlafes und der ewigen Ruh
Schweigsamer Hüter der Dritten Shpäre
Gib uns, Deinen Kindern, Deine Ruhe
Erfülle uns mit Deinem Frieden in diesen dunkeln Tagen.
Morsan erhöre uns!
Manche sprachen leise mit, auch sie, jedoch die Worte eher leidenschaftslos herunterzitierend. Unbekannt war ihr jene Bittstellung an die Viere nicht.
Dann und wann ein kurzer Seitenblick, hinüber zu den anderen Betenden.
Was mag in ihren Köpfen vorgehen?
Die wenigsten sehen so aus, als würden sie wirklich all ihre Hoffnung in die Viere setzen. Sicher mag auch nicht jeder die Viere verehren, der ein oder mag vielleicht nun in seinem Inneren eher Ventus bitten, dass er für Wind sorgt.
Aber in diesen Zeiten vertrauen die meisten doch auf einen neuen Gott - Gold. Wie oft erlebte ich es in Draconis - ein gewisser Betrag reichte, um die meisten gefügig zu machen. So oft sah ich es, dass mein Meister sich so die Seelen dieser Einfaltspinsel erkaufte.
Nur mühselig hielt sie ein kurzes Lächeln zurück.
Wenn diese Ungläubigen nur wüssten, wie verletztlich sie doch mit ihrem materiellem Glauben sind! Welch' leichte Opfer sie damit werden...
Ein rasches Berauten, ein höfliches Lächeln in die Runde, dann entfernte sie sich leise und unauffällig aus der Messe.
Solch' eine Gesellschaft widerte sie für gewöhnlich einfach nur an...
Gebet stibitzt und etwas gekürzt von Tim/Benions Seite: http://stories.st.ohost.de/vier/