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 Betreff des Beitrags: Der Nebel war der einz´ge Zeuge
BeitragVerfasst: 14.12.05, 16:01 
Einsiedler
Einsiedler

Registriert: 5.12.04, 11:42
Beiträge: 168
Wieder fielen die gelbbraunen Blätter von den nebelvereisten Zweigen der Bäume. Langsam in kreisender Flugbahn glitten die toten Blätter zu Boden um sich zu den anderen, welche schon am Boden ein dunkles Meer gebildet hatten, dazuzulegen. Wie ein weißer träger Schleier lag der Nebel auf Manneshöhe zwischen den Bäumen und feuchtete Boden, Blattwerk und Stämme in ein silbrig schimmerndes Kleid. Nur spärlich durchbrach das Licht der Spätherbstsonne das dichte Nebelgespinnst und tauchte den Wald gänzlich in ein fahles Licht.

Es war still.

Dennoch vermöchten jene Sonnenstrahlen ein Glitzern und Blinken in jedem Tröpflein zu wecken. Nur das vereinzelte Zwitschern von Vögeln war noch in einiger Entfernung, mal hier mal da, zu hören. Ein kühler Wind zog zwischen den Bäumen hindurch und bildete Gestalten von Nebel die sich im selben Moment wieder auflösten um an anderer Stelle wieder aufzusteigen.

Langsam kam jenem Ort, die Stille durchbrochen von Huftritten, ein Reiter nah. Die Hufe versanken leicht in dem aufgeweichten Weg, welcher sich zwischen den Bäumen hindurch längs eines Rinnsals schlängelte. Begleitet von einem saugenden Geräusch bei jedem Heben der Hufe, ebenso mit jedem wässrigen Quetschen beim Aufsetzen, ritt die Gestalt durch den Wald.

Ein zweites Pferd, mit bräunlichem Fell und viel stämmiger als das des Reiters, war vollbepackt mit Tragekörben, Kisten und sonstigem Gezeug. Schnaufend und die hellen Dunstschwaden aus den Nüstern pustend folgte es dem Pferd vor sich. Plötzlich ohne Vorahnung verhakte sich das Pferd mit den Vorderläufen in etwas und strauchelte leicht.

Die dickliche Gestalt glitt seitlich vom Pferd heran und besah sich das Missgeschick. Irgendetwas war falsch, denn die Fesseln des Pferd bluteten. Der Mann sah sich um und schlug die Hutkrempe seinen rötlichen Hutes empor. Mit zusammengekniffenen Augen blickt er erst hinter sich, dann in Richtung des Weges. Nichts. Kein Ton drang durch den Wald nur das schwache Licht spielte ungerührt das Spiel mit den Nebelschwaden.

Der Mann ging suchend weiter als er plötzlich stoppte und wie angewurzelt stehen blieb. Irgendetwas war an seinem Fuß, doch bewegte es sich nicht. Aus den Augenwinkeln prüfte er wie starr vor Schreck die Umgebung.

Stille nichts als Stille nur das Schnaufen der Pferd und sein Herz was im laut in der Brust schlug.

Er stand an einer schmalen Stelle des Wegs, da wo er sich zwischen zwei Fichten hindurchdrückte. Nach einiger Zeit wagte der Mann den Blick hinabzusenken zu seinen Füßen und staunte darauf nicht schlecht was er sah. Zwei eingeschwärzte, lange, dünne Klingen waren schräg mit den Spitzen zur Wegesmitte angebracht. Noch schien etwas vom Blut des Pferdes und etwas Haar an der Klinge zu kleben. Sichtlich schlicht, wohl in Eile, waren die Schäfte an den Bäumen festgebunden worden. Er machte erleichtert einen Schritt zurück und atmete einmal durch. Er wendete sich wieder auf den Fersen herum und machte sich daran in Richtung seiner Pferde zu gehen. Ein Surren, ein Pfeifen rauschte durch den Nebel an ihm vorbei, knapp vor seiner Brust und ritzte ihm in den edlen Umhang. Dann wieder Ruhe, auch nur einen Augenblick doch wirkten die Sekunden ewiglich.

Schon kam das zweite Rauschen hörbar näher. Tschack! Der Dicke schrie auf und griff sich aus Reflex an sein wuchtiges Bein. Ein Pfeil schwarzen Holzes mit blutroten Federn stack ihm in der Kniekehle. Hektik und Angst durchpeitschten den Mann.

Ohne sich umzusehen begann er sich in Richtung der Pferde zu begeben, doch schon die erste Belastung auf das Bein ließ ihn in die Knie gehen. Ein sehniges reißenden Geräusch durchzuckte den Körper des vor Schmerz abgeknickten. Schmerz... das war alles was der Behutete empfand als er rasenden Pulses an seine rechte Schulter griff, direkt in eine Pfeilspitze hinein. Ein scharfer Pfeil, so wie der erste, war durch seinen Leib quer durch die Schulter gebohrt. Die Kleider auf seiner Haut wurden von blut getränkt.

Das Treten von Schuhen auf dem Weg, begleitet vom düsteren Geräuschs knarrenden gewachstem Leders, kündigte das jähe Heranschreiten eines anderen hörbar. Der Dicke war vollends mit dem Schmerz zu kämpfen und hörte das Herantreten wehrlos und ausgeliefert. Er kniete im Matsch des laubbedeckten Weges und die Sichtweite war auf seine Augenhöhe durch den Nebel beschränkt. Ein Tritt prasselte in den Nacken des Dicken der daraufhin vor sich auf den Boden niedersank.

Der Angreifer griff nach dem Pfeil im Rücken des Mannes, hielt in fest und dreht ihn genüsslich um ein Viertel, eh er mit einem starken Ruck die Widerhaken des Pfeils durch das Fleisch des Dicken rückwärts herauszog. Der Mann schrie auf vor Schmerz und krümmte sich.

Fetter Narr! Du glaubst doch nicht wir würden Dich nicht beobachten. Glaubst Du, deine Preisdrückerei lohnt den anderen Händlern?

Der Händler drehte den Kopf ängstlich herum um einen Blick zu erhaschen, kurz darauf donnerte eine Faust auf das Jochbein ein. Alles was er sah war eine Gestalt mit langem Haar und feinem Bartschnitt, jung und kräftig gebaut und gänzlich in Schwarzbärleder gehüllt. An seinem Gurte hingen die verschiedensten Untensilien - um Tiere zu schächten oder Menschen zu töten so grausam. Daraufhin konnte er das Knie des anderen in seinem Rücken spüren.

Wer seid Ihr, was wollt Ihr? quälte sich der Liegende heraus.

Wer ich bin? ...Euer schlimmster Alptraum, Falschglaubender!

Der Kerl griff mit den Lederhandschuhen von hinten nach dem Hals des Liegenden und zog den Hals zurück. Der Dicke konnte das atmen des anderen an seinen Ohren spüren.

Glaubst Du wirklich die Viere sehen nicht deinen Frevel? Denkst Du sie schicken nicht auch Jünger, welche sich um jene kümmern, die dem unheiligen Sohne dienen?

Ein Stoß und zwei lange Dolche steckten im Körper des Liegenden. Deine Klinge mit feinen Wiederhaken besetzt bohrte sich langsam immer tiefer in die Brust.
Ein Schrei und die Klinge drang in das Herz ein und zerschnitt die Muskelwand. Kurz darauf ein Ziehen an den Dolchen und sie glitten heraus, dabei rissen sie das Fleisch das Opferd auseinander. Blutüberströmt lag er da, der Angreifer richtete sich zufrieden auf. Wieder ein tritt in das Genick und ein lautes Knacken, danach kehrte völlige Ruhe im Nebelwald ein.

Der andere stand noch lange da, fasst eine Ewigkeit. Dann nach er den Toten und band ihn an den Sattel des Reittiers und trieb es mit einem Klatschen auf das Hinterteil durch den Wald hinfort.

Schweigend entschwand die Gestalt mit dem anderen, bepackten Pferde in den Nebel, da wo er hergekommen ward. Ein gemeines Lachen durchzog die Stille wie ein Lied. Der Nebel war der einz'ge Zeuge.


Zuletzt geändert von Xeyth: 15.12.05, 09:29, insgesamt 1-mal geändert.

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