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 Betreff des Beitrags: Eine verwirrende Begegnung
BeitragVerfasst: 29.08.05, 00:48 
Altratler
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Müde von den heutigen Ereignissen lehnte sie sich an die Mauer des Rathauses in Brandenstein. Sie wollte nur dösen und im Schatten des Baumes den Tag entspannt ausklingen lassen.
Schamane, Geisterbeschwörer...irres Pack. Wenn sie ihre eigene Mutter wäre, würde sie sich raten einen großen Bogen um diese Verrückten zu machen, die Geister an sich banden um an mehr Macht zu kommen.

Den ganzen Marsch über zu Edomawyrs kleiner Festung in Südfall hatte sie dieses jammernde Heulen der Geistermutter in den Ohren, die ihr Kind wiederhaben wollte. Nun ja, das Kind war tot und alles was der Schamane dem Geist überreichen konnte waren ein Kleid und Knochen. Sie war froh als das alles endlich vorbei war.

Und nun? Nun hallte das Weinen eines Kindes in ihren Ohren. Mitten in Brandenstein! Gern hätte sie sich eingebildet, dass sie es sich nur einbildet, doch die Klagelaute wurden immer aufdringlicher, so das ihr gar keine Wahl blieb, als in den Wald zu gehen, wo sie einem blonden Mädchen begegnete, das fröhlich Blumen zauberte.

Hier stimmte doch was nicht! Sie hatte das Kind noch nie vorher gesehen, aber dennoch konnte es die schönsten Pflanzen in den prächtigsten Farben wachsen lassen ohne sich im geringsten anzustrengen. Etwas, was viele Zirkelhexen vor Neid erblassen lassen konnte.

Sie folgte dem Mädchen in den Wald und ermahnte das Kind mehr belustigt, als mahnend, sie solle nicht so verschwenderisch mit ihren Gaben umgehen. Das Kind wandte sich ihr zu und begann mit einer Stimme zu sprechen, die für ein Kind, ob der Reife, absolut unüblich war:

Zitat:
Du bist eine von den Unsrigen. Ich werde die Gerechtigkeit bringen. Ich bin der Wille der Natur. Warne sie, warne sie. Dies sei nur der Anfang, die Waagschale werde wieder zu gleichen Teilen gefüllt sein.


Kaum hatte sie geendet verschwamm sie auch schon mit der Luft und lies Akora genauso verwundert wie ratlos sitzen. Tierisches Grollen riss sie aus ihrer Grübelei. Ein Wolf zu ihrer linken mit unverkennbarer Angriffslust, die nicht von der Tollwut her rührte, in den Augen. Rasch erhob sie sich, sammelte ihre Konzentration und hob Einhalt gebietend ihre Hand gen attackierenden Wolf. Dummerweise hatte sie sich vertan und anstatt der Beine des Wolfes begannen ihre eigenen Füsse zu kribbeln und die Lähmung breitet sich in den Venen aus. Da musste sie wohl noch etwas üben!

Die Lähmung verschwand just in dem Moment, als der Wolf seine Zähne im Bein vergrub. Aus dem Augenwinkel nahm sie einen weiteren Wolf wahr, der sie als Opfer auserkoren hatte. Mühselig schüttelte sie den einen Wolf ab, entzündete mit ihrem Willen die Fackel und fuchtelte sie in Richtung der Wölfe, die sie immer weiter zurück gegen Stadtmauer trieben, wo sie letztendlich dann von ihr abliesen und wieder in den Wald verschwanden.

Regen setzte ein und zerstörte in wenigen Sekunden die flapsig hergerichtete Frisur. Sie stand im wahrsten Sinne des Wortes da, wie ein begossener Pudel.


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BeitragVerfasst: 1.09.05, 16:43 
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Lange konnte sie diese Nacht nicht einschlafen. Dazu verdammt sich in ihrem Bett hin und her zu wälzen und den Gedankengängen nachzugehen, die ihrem Geist keine Ruhe gönnten. Selbst die geduldigste ihrer Katzen zog es nach einer Weile des Mitmachens vor das Weite zu suchen. Sie verfolgte die Schattenspiele, der vom Wind bewegten Äste an ihrer Wand, die der helle Vitamalin durch das Fenster herein warf und doch sah sie etwas ganz anderes. Städte, die dem Erdboden gleich gemacht waren und dünne, zum Himmel kräuselnde, Rauchsäulen, die vom Feuer zeugten, dass hier gewütet hatte.

„Die Bollwerke der Städte müssen zerstört werden. Es wird Zeit die Waage wieder zu gleichen Teilen zu füllen!“ Natürlich war es nicht der selbe Wortlaut, wie das Mädchen ihn be-nutzt hatte, aber es war das, was ihr im Moment durch den Kopf schoss und im groben die Aussage, die das Kind sie wissen lies. Das Kind. So es denn eins war oder sich lediglich einer anderen Form bemächtigte, die auf Menschen rein und unschuldig wirkte.

Auch das zweite Aufeinandertreffen mit diesem Wesen, oder falschen Prophetin, wie es einer der Zirkelhexer ausdrückte, warfen eher noch mehr Fragen auf. Die Gestalt hatte sie als eine der Ihren tituliert, was sie dennoch nicht davon abhielt ihr eine Meute von Wölfen auf den Hals zu hetzen. Unter den „Ihren“ , die sie kannte und kennen gelernt hatte, war es nicht üblich sich untereinander zu bekämpfen, zumindest dann nicht, wenn nicht irgendwo ein ausgespannter Liebhaber im Spiel war und das wiederum würde sie ja wohl wissen.

Sie spürte die alte machtvolle Magie, die förmlich die Luft erfüllte, wenn das Mädchen sichtbar oder unsichtbar ihren makaberen Schabernack treib. Anders konnte sie es im Moment einfach nicht nennen. War es aber wirklich die Magie, die auch sie nutzte? Und wenn es tatsächlich IHRE Magie war, seit wann hatte die Mutter Interesse daran „Gesandte“ damit zu beauftragen um Städte zu vernichten, besonders auf einer Insel, wo die Hälfte sowieso schon in Schutt und Asche lag und dringend einem Wesen bedurfte, das Blumen und Pflanzen in Hülle und Fülle zaubern konnte.

Blumen, die aus Steinplatten wuchsen und nach Verschwinden des „Kindes“ und bei Berührung zu Asche zerfielen. So hatte ihr die andere Zirkelhexe berichtet. Alles nur mächtige Illusionszauber? All die Schönheit und Reinheit der Natur, die dieses Wesen augenscheinlich umgab, nur Tarnung um ihr wahres Ich und Intentionen zu verheimlichen?

Sie konnte es nicht sagen. Es bedurfte mehr Zeit, mehr Wissen und vor allem mehr Begegnungen um ihre Intuition entscheiden zu lassen.


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BeitragVerfasst: 2.09.05, 15:14 
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Es hätte eigentlich nur eine Expedition werde sollen und endete dennoch mit dem Untergang der Burg von Südfall. Eine Schar von fast 25 Leuten hatte sich auf den Weg gemacht die Neuerungen nach dem Erdbeben im Ödland zu erkunden. Zahlreiche obskure Gebilde waren wie Pilze nach einem Regenuss aus der Erde geschossen und der Säuresee, der den Meteor umgab, in dem ihr Vater den (noch) gebannten Dämonen Sha’Nhaz’Ghul vermutete, war um ein gutes Stück abgesunken.

Anfangs war es ruhig. Abgesehen von ein paar tollwütigen Wölfen, die die Krieger aber schnell mit gezielten Schwerthieben zu Recht wiesen. Ihr Blick wanderte zu Aekoric, einem Anwärter des Bundes der Tapferen, der ihr seid geraumer Zeit nachstellte, was sie aber als nicht unangenehm empfand, auch wenn er ihr ständig wie ein Minnesänger mit Lobeshymnen über ihr Äußeres Honig ums Maul schmierte. Sie stellte fest, dass sie in diesem Moment zum ersten Mal seit einigen Tagen wieder an Jamari dachte, dem Herrn, der sie wie ein überdrüssig gewordenes Spielzeug hatte stehen lassen. Sie musste aufpassen, dass er nicht völlig in ihre Kategorie der gleichgültigen Personen fiel, sonst würde auch der Wunsch sich an ihm zu rächen in Resignation umschlagen. Nach allem, was er ihr angetan hatte, wäre es schade gewesen ihre Planungen nicht umzusetzen.

Ihr Augemerk richtete sich wieder zum Bund der Tapferen, von denen sie den Eindruck hatte, das diese auf dieser Expedition lieber ihr eigenes Süpplein kochten. Verständlich, so ein eingeschworener Kampfestrupp würde kaum Befehle von einem Bronzekübel, wie ihr Vater treffend Lothar in seiner Rüstung formuliert hatte, entgegen nehmen. Immerhin waren sie mit gekommen um den Schutz der Magier zu gewährleisten, wo die Ritterschaft es nicht mal für nötig erachtete einige Bannerristen zur Sicherheit abzustellen, was sie ihnen hoch anrechnete.

Die Exkursionsteilnehmer zogen gegen Süden und hielt unweit des Splitterfelsens inne. Eine Gestalt, in Lumpen verhüllt und den Anschein erweckend ein harmloser Wanderer zu sein, lenkte Torans Aufmerksamkeit auf sich. Hier, wo alles tot war, gab es keine einfachen Spa-ziergänger. Der alte Dur sollte recht behalten. Das Wesen entpuppte sich als ungewöhnlich und zusammengehörend mit den anderen seltsamen Kreaturen, die neustens die Insel bevölkerten. Irgendwann schien ihm der Gossenmagier zu aufdringlich zu werden und er schleuderte ihn fort, während der Trupp von einer Hitze gequält wurde, wie sie selbst in den Wüsten Endophals nicht zu finden war. Ihrem Vater blieb letztendlich gar nichts anderes übrig, als zurück zum Wall zu marschieren, wenn er verhindern wollte, dass die Menschen von der immer heißer werdenden in Brand gesetzt wurden.

Dort tauchte die verhüllte Gestalt wieder auf, etwas, das sie aber erst im Nachhinein mitbekam. Eine Stimme, die durch ihren Kopf ein Wiegenlied summte und ihr unangenehm vertraut vorkam, zog sie in ihren Bann. „Das erste Bollwerk soll nur eine Warnung sein, des Dörfleins kleine Burg. Wachset kleine Pflanzen, wachset, nehmt euch zurück, was euch einst aberkannt.“ Eine Pause trat ein, in der sie apathisch herum stand und auf andere wohl den Eindruck machte vollkommen irre geworden zu sein. Sie sank mit dem Rücken an der Mauer nieder, das Gesicht bleich und von der Farbe dem einer Myte konkurrierend. Aekoric und Sandor nahmen das als Anlass sich beinahe rührend um sie zu kümmern. Edomawyrs Feste auf den Klippen von Südfall war zerstört. Sie wusste es ohne es gesehen zu haben. „Sucht mich, sucht. Mich zu finden ist leicht. Gefallen ist es, das erste Opfer!“ erklang wieder der Ton des Mädchens. Aekoric half ihr auf die Beine, blickte sie ein wenig verstört, ob ihres Verhaltens an und konnte nicht mehr tun, als ihr zu helfen den alten Dur zu finden. Unten hatten sich einige Krieger zusammengescharrt um ein glibberiges Etwas anzugreifen. Ihr Vater schien die selbe Vision gehabt zu haben, nur vermutete er Seefort sei zerstört. Gemeinsam machten sie sich auf den Weg nach Südfall.

Ranken schlossen sich, wie die Fangarme einer Krake, um die Mauern der Feste. Aus der massiven Felsformation wucherte unnatürlich natürliches Gestrüpp, wie todbringende Geschwülste, zog es sich über den Stein. Irgendwie erfüllte sie der Anblick mit hämischer Schadenfreude. Hier hauste der Hochmagier, der sich für die ganzen Geschehnisse und Kreaturen auf der Insel nicht zu interessieren schien, obwohl er doch so hilfreich hätte sein können. Und nun nahm ihm eins dieser Wesen sein Heim. Vielleicht würde dieses Ereignis ihn animieren sich mehr mit dem Niemand, der Lichtgestalt, dem glühenden Feldherren, der verhüllten Gestalt, dem Mädchen und letztendlich auch Sha’Nhaz’Ghul zu befassen.

Welche Bollwerke kamen als nächstes in Frage? Der Magierturm, Seefort, Falkensee, Brandenstein. Die höheren Magier des Turmes und die Ritterschaft hatten sich bisher auch nicht gerade einsatzfreudig gezeigt die drohenden Unheile in Erfahrung zu bringen. Sie konnte sich ein heimliches Grinsen nicht verkneifen, bei der Vorstellung die Ritter obdachlos zu sehen, weil die zu sehr damit beschäftigt waren allen auf der Insel zu zeigen, wer hier der Herr war und dabei die Gefahr, die ihnen als einzigstes die Herrschaft streitig machen konnten, vollkommen missachteten.

Der angreifende Wolf lies ihr Lächeln erfrieren. Wie sie dieses Mädchen dafür hasste, dass es sie zwang die aggressiv gemachten Tiere zu töten. Leben, dass ihr eigentlich hätte heilig sein müssen, so nutzlos zu opfern. Wiedereinmal bestätigte sich ihre Theorie, dass Taten mehr aussagten als Worte. Sie war eine falsche Prophetin, die ihre eigentlichen Absichten hinter dem Deckmantel der Mutter verbarg, anders konnte sie sich dieses rücksichtslose zu Nutze machen der Tiere und der Natur nicht erklären.

Als hätte sie ihre Gedanken gelesen tauchte das Kind auf, in seiner reinen, unschuldigen Hülle. Offenkundig war sie sehr erfreut über ihr Werk und lies jeden wissen, das es erst der Anfang sei. Nicht nur sie reagierte ungehalten darauf, nach dem eine weitere Tierleiche den Bo-den pflasterte, auch der Zwerg war alles andere als begeistert und sprach von pervertierter Zauberei und anderen Dingen, was das Mädchen mit einem Zwergenweitwurf quittierte.
Der Bewohner der Burg, Edomawyr, stand plötzlich kalt und erhaben, das Werk des Kindes betrachtend, in der Nähe. Seine Miene gleichgültig und abweisend. Nichts an seinem äußeren Auftreten lies schlussfolgern, dass ihm der Verlust der Feste schmerzte. Gefasst und mit dem Ausdruck eines in Fels gehaunen Wasserspeiers begegnete er den Blick des Mädchens. Was für ein komischer Kerl. Sie sollte ihn in die Liste der eigenartigen Gestalten Siebenwinds mitaufnehmen.

Sie hatte genug für heute gesehen, es war Zeit Heim zu kehren.


Zuletzt geändert von Thara: 2.09.05, 15:50, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 5.09.05, 10:41 
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Das war zuviel. Ihr Herz setzte aus, als Caeden ihren Vater aus dem Haus trug und sie den winzigen Baum entdeckte, der blutig aus seinem Bauch empor ragte, wie eine Schwertspitze, die dem Feind von hinten durch den Rücken gejagt worden war. Tagelang war sie voller Zweifel, was das Mädchen betraf. Selbst noch nach dem Ereignis in Südfall, wo sie zusammen mit einem Zirkler und einem anderen Hexer versuchten mit dem Kind zu reden und den Wuchs der Ranken zu stoppen, die kurze Zeit später die Feste gänzlich mit solcher Kraft zusammendrückten, dass der Stein darunter endgültig barst. Vor Ort hatte sie das Gefühl, das Mädchen hätte Raban und ihr ein ähnliches Schicksal beschert, wie ihrem Vater, wenn der Zirkler nicht dabei gewesen wäre, der dem Kind auf eine gewisse Weise Paroli bieten konnte.

Sie lies den alten Dur zum Hafen bringen und schickte Caeden und Aekoric fort, um sich nicht selbst durch das, was sie nun tun musste, zu entlarven. Nach einem vergewissernden Blick, auch tatsächlich nicht beobachtet zu werden, schloss sie die eine Hand um die Pflanze, die aus Torans Bauchdecke, wie ein triumphierendes Mahnmal gewachsen war und platzierte die andere dicht neben dem Auswuchs. Mit leiser, aber rituell betonter Stimme, rief sie die Mutter an und lenkte den Impuls der Unversehrtheit in Torans Körper. Der Baum schrumpfte zusammen und die Wunde schloss sich. Nur ein Haufen Unkraut und getrocknetes Rot auf der Robe zeugten von der lebensbedrohenden Verwundung, die das Mädchen dem Alten zugefügt hatte. Dankbar begegnete Toran ihrem Blick, als er zitternd wieder zu sich kam.

Sie war erleichtert, als sie zurückkehrten zu dem pflanzenumwucherten Haus am Goldquell in Brandenstein, und keiner Toran oder sie fragte, was aus dem Baum geworden sei. Die meisten waren wohl zu sehr damit beschäftigt das Werk des Mädchens in Augenschein zu nehmen. Auf die Schnelle wäre ihr auch keine passende Lüge eingefallen, oder nur eine, die die etwas Gelehrteren rasch durchschaut hätten.

Ihre Aufmerksamkeit lag auf dem rankenumwundenen Gebäude. Man hatte sehr zum Verdruss von Ayr die Tür zunageln lassen, und mehr als das die Pflanzen nun nur noch normal und nicht mehr magisch konzentriert wuchsen, konnte der in die Jahre gekommene Druide nicht feststellen. Sie fühlte sich schuldig, weil sie das Gefühl hatte die Tat hätte verhindert werden können. Das Mädchen hatte sie es vorher wissen lassen. „Ein Haus am Wasser“ hatte sie gesagt und sie hatte geglaubt Falkensee wäre damit gemeint. Mehr als Seufzen konnte sie nicht. Es war sinnlos in Gedanken die Vergangenheit ändern zu wollen.
Dieses verdammte Kind aber hatte um ein Haar ihren Vater umgebracht. Von jetzt an sollte es ihr gleich sein, ob es der Mutter diente oder nicht, ob ihre Ziele und Intentionen verehrens- oder verachtenswert waren. Sie würde mit allen Mitteln, die sie besaß gegen sie kämpfen


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BeitragVerfasst: 19.11.05, 14:38 
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"Quasel, quasel, quasel! Ihr macht viel zu viele Worte, meine Kinderchen! Und trotzig seid ihr und verstockt!" war die ruhige, um besonnenen Tonfall bemühte Stimme eines Kindes zu hören. Die beiden Hexen verstummten sofort. Was wollte sie nur von ihnen? Sie hatte Toran weggeschickt, weil er kein Hexer war und das, was sie nun verkünden wollte anscheinend nur selbige etwas anging.

Wochenlang hatte sie von dem Mädchen nichts gehört. Seit dem Zeitpunkt nicht mehr, als das Kind Eras und ihr ins Ödland gefolgt war um das Raubtierauge an sich zu bringen. Zur Verblüffung aller Anwesenden gesellte sich zu dem Mädchen noch die Stimme der anderen sonderbare Kreatur hinzu, die von den Gelehrten eine Zeit lang als Jüngling von Yota bezeichnet wurde und als sich dies als falsch entpuppte einfach nur 'Heerführer' genannt wurde.

Doch dieses Aufeinandertreffen der beiden eigenartigsten Gestalten, die sie je gesehen hatte, verlief alles andere als freundlich. Ja, man musste keine besonders feinfühlige Person sein um die Nuancen des Hasses der Beiden aufeinander heraus zu hören. Nach einer Weile der Hasstiraden aufeinander schien es gar als würden sie sich gegenseitig bekriegen. Das Heulen von wilden Tieren auf der einen Seite gegen das Waffenklirren zahlreicher Schwerter auf der anderen. Irgendwann kehrte Ruhe ein ohne das sie auch nur eine im Sonnenlicht aufblitzende Waffe zu sehen bekam.

Worin nun kein Zweifel bestand war die Tatsache, dass das Mädchen wieder da war. Selbes Mädchen, dass die Burg zu Südfall vernichtet hatte, ihrem Vater einen Baum aus dem Bauch wachsen lies, verkündete alle Bollwerke der Menschen vernichten zu wollen und ihre jüngste Tat: Medox in eine riesige verzauberte Ratte verwandelt hatte. Sein klagendes Fiepen hatte sie jetzt noch in den Ohren, obwohl der Fluch wieder von ihm genommen war.

Sie blickte zum Mann neben sich, dem die Furcht und der Respekt vor dem Wesen in den Augen stand, als die Stimme des Kindes zu hören war und unsichtbare nasse Füsschen das Gras auf der kleinen, sich aus dem umgebenden Wasser erhebenden Inselchen, nieder drückten. Hätte sie nicht gesehen, wie das Kind die Burg zu Südfall zerstört hatte, wäre dies ein Ort gewesen, an dem sie sich wohlfühlen könnte. Idyllisch, naturbelassen und zahlreiche umherfliegende Glühwürmchen gaukelten Frieden vor.

"Wenigstens zeigen wir uns!" rief sie in die Richtung, wo sie das Mädchen vermutete.
"Ich zeige mich doch auch.. siehst du mich denn nicht? Hast du so wenig gelernt?" wurde entgegnet.
"Ich kann deine Präsenz spüren, aber meine Sehfähigkeit ist nicht besser geworden."
"Ich bin das Leuchten des Käfers und die Bewegung des Wassers, der Lauf der Käfer und das Rascheln der Blätter. Aber gut, wenn es hilft... schau... schau..."

Und damit begannen die Glühwürmchen um den jungen Baum auf dem Inselchen ihren Kreis zu weiten und schwirrten hinauf, wobei sie wie ein Blendwerk ein Bild enthüllten. Aus dem Sprössling schien ein schattenhafter majestetischer Baum zu werden. Ganz ohne Blätter, doch durchzogen von feinen, dünnen Äderchen grünlichem Flimmerns. In der zentralen Astgabel dieses Baumes, kam die kleine Kindergestalt mit schräg stehenden, grüngelben Augen, mit süss hochgestecktem Haar und dem schattenförmig noch zu erkennenden Kleidchen zum Vorschein.

"Schön, dass der Heerführer dich nicht ganz vernichtet hat!" rief sie ihr entgegen ohne zu wissen, ob die Vernichtung des Mädchens gut oder schlecht gewesen wäre.
"Er.. vernichten? Das Feuer wird mich niemals vernichten können, denn die Asche ist mein Nährboden."
Der Mann neben ihr begann hinter vorgehaltener Hand etwas zu Murmeln, woraufhin sich die seltsamen Augen des Mädchens ihm zuwandten.
"Das nächste mal nicht in eine Ratte.. sondern.. einen Käfer, vielleicht...?" passend zur Aussage des Kindes begannen grüne Leuchtkäfer den Baum zu umsummen und der Mann neben ihr rieb sich verlegen den Nacken.

Mit versöhnlicher Stimme fuhr das Mädchen fort: ".. aber ich bin nicht hier um euch den Hosenboden stramm zu klopfen, auch wenn das vermutlich nötig wäre. Ich bin hier, um euch etwas zu erklären. Etwas, das ihr eigentlich schon wissen solltet." Ihre Stimme wurde der eines Geschichtenerzählers nicht unähnlich, als sie zu erzählen begann:
"Ihr nennt diesen Ort 'Burg', gerade eben, als ihr durch meinen Wald gegangen seid habt ihr es so genannt, aber dies ist nicht wahr. Dieser Ort gehört der Natur, gehörte ihr schon bevor die Wellen von totem Holz geteilt wurden und ihr Fuss auf dieses Land setztet. Hier.. erhob sich einmal... vor dem, was ihr Krieg nennt, ein Baum.. ein wundervoller Baum, dessen Schemen ihr nun noch seht. Es war ein friedfertiger Ort .. ein ruhender Ort, der gehegt und umsorgt wurde von Waldelfen und Menschen, die noch atmen konnte trotz ihres Königs und ihrer Häuser."

Im klaren Wasser des Sees sah man flüchtige Schemen von Menschen und Waldelfen in grüner, schlichter Kleidung, mit Bögen... dann verblassten sie wieder.

"Der Krieg hat diesen steinernen Zufluchtsort vernichtet, entweiht .. und zerstört, doch wie ich sagte: Asche ist Nährboden für Wachstum, so wird Krieg nie das letzte Wort haben. Und so kam die Natur zurück, zuerst als Staub, dann als Samen, dann als Gras und Moos. Nachdem die Erde hier wieder geheilt war, kamen die Menschen und errichteten ihre Burg bevor der Baum, der hier einst stand wiedergeboren werden konnte, denn dieser Baum, er war etwas besonderes, dem Gleichgewicht der unberührten Natur dieses Landes entsprungen. Aber er musste wiedergeboren werden, wenn es für das Land Hoffnung geben sollte. Und so hatte die Burg zu weichen, mir zu weichem, dem Willen der Natur. Die Natur dieser Insel ist geschwächt, das Gleichgewicht gestört, die Ödnis wird sich nicht wieder mit Grün und Leben füllen, wenn schon diese Seite des Landes krankt und das Gras Kummer trägt und die Bäume Trauer. Der Baum, der hier einst stand, und wiedergeboren wurde, er ist die Hoffnung. Er wird wachsen und mit ihm, wird die Kraft und die Urtümlichkeit in die Natur der Insel zurück kehren. Schützt ihn! Schützt diesen Ort und die Ödnis wird eines Tages wieder mit grünen Wäldern bedeckt sein und wogendem Gras. Redet mit Niemandem. Dies ist eure Aufgabe, denn ihr seid in der Lage den Willen der Mutter zu hören!" sie kicherte verhalten "Meistens jedenfalls, wenn ihr euch nicht zu sehr mit den Steinbewohnern und Holzessern abgebt." Und damit endete sie.

Akora zog die Brauen zusammen und verdaute nach und nach das Gesagte. Warum klang das alles nur so widersprüchlich zu dem Verhalten, dass das Mädchen noch vor einigen Wochen an den Tag gelegt hatte? Was wollte das Kind überhaupt bezwecken? Es schien gerade redselig zu sein und da sie noch keine Tier und Pflanzenwesen auf sie gehetzt hatte, wäre das vielleicht die Möglichkeit gewesen Antworten zu bekommen.

Mit heiserer Stimme und um einen nicht reizenden Tonfall bemüht begann Akora:
"Wenn du nur das HIER wolltest, warum dann das Haus in Brandenstein, warum die Aussage, du willst alle Bollwerke der Menschen zerstören?"
"Du bist nicht im Stande das ganze Gewebe zu erblicken, dass die Natur webt, das die Natur ist. Ich hingegen, kann mehr sehen und mehr wirken, wo es von Nöten ist. Oft wirst du mein Handeln nicht verstehen können, so wenig, wie die, die fern der Mutter sind. Nicht verstehen können, warum eine Dürre kommt oder ein Fluss versiegt. Es ist der Lauf der Dinge."

Ein unbefriedigter Gesichtsaudruck legte sich auf Akoras Züge. An mutwillig zerstörten Häusern gab es nicht viel zu verstehen. Alles nur eine mystisch klingende Phrase, die sie verwirren sollte um davon abzulenken, dass das Kind eigentlich tatsächlich keinen Grund hatte, ein Brandenstein Häuser zu vernichten, wenn ihr eigentliches Anliegen doch nur dieser Baum wäre? Es war so abwegig oder verstand sie es wirklich nicht? Zeit darüber nachzudenken hatte sie später.

"Warum greifst du uns an? Die anderen Hexen und mich? Meinem Vater einen Baum aus dem Bauch wachsen zu lassen war nicht nett. Die Tiere und Pflanzen auf uns zu hetzen und vollkommen zweckzuentfremden war nicht nett!"
"Selbst die liebevollste Mutter schlägt ihrem Halbwüchsigen auf die Finger, wenn er aus Unwissenheit das Neugeborene in der Wiege gefährdet. Und was deinen Vater angeht... er ist nicht von der gleichen Art, wie wir .. ein Schaf ist nicht 'erfreut' darauf vom Wolf gerissen zu werden, und doch ist dies der Weg der Natur."

Wieder so eine Antwort mit der sie nichts anfangen konnte. Die nichts erklärte. Es war zum Haare raufen.

"Warum sollen Halbwüchsige etwas schützen, von dem sie keine Ahnung haben" begann Akora sich in Rage zu reden "oder gar dazu unfähig sind, wo du doch da bist, die jeden mit einem Handschlag in eine Ratte verwandeln kann?"
Das Kind nahm jedoch nocheinmal ihre zweite Frage auf:
"Und die Tiere, die Pflanzen, sie kamen nicht von mir gehetzt.. ich habe sie gebeten.
Geisterbaum: Und sie haben meinen Wünschen Folge geleistet und ihr Leben für etwas höheres gegeben."
sie machte eine kleine Pause "mein trotziges Kindchen, ich erkläre euch mein Tun, damit ihr mündig werdet auch wenn ich, wie du schon richtig erkannt hast, mächtig genug wäre diesen Ort...diese Insel.. allein zu beherrschen und zu bewachen. Aber dann wäre ich eine Herrscherin und das ist nicht mein Begehr. Ich will Wachstum und Friede; das Leben von Wächtern, die würdig sind und weise und auf lange Sicht die Natur auf dieser Insel stark halten können, damit ich mich zur Ruhe legen kann."

Warum klang das alles nur so unglaubwürdig? Warum standen ihre jetzigen Worte nur so unendlich im Kontrast mit ihren Taten in vergangener Zeit? Akora war innerlich aufgebracht.

"In dem du Tiere in einen vollkommen sinnlosen unnützen Schlachterladen namens Falkensee hetzt? Sie haben die Tiere mit ihren Schwertern niedergemetzelt. Bären die Tatzen abgeschlagen, ihnen den Schädel vom Rumpf getrenn und keiner redet mehr heute davon!"
Die schrägstehenden Augen des Kindes blitzten auf.
"Vielleicht habe ich mich geirrt, erneut, und euch für reifer gehalten, als ihr seid. Kindchen ... wie dumm .. wie blind du bist ... du fügst mir Schmerz zu .. .. Schmerz in deinem Unverstehen und Schmerz in deinem lückenhaften Verständnis der Natur. Geh hin! Denke über meine Worte nach und schweige über jene. Schweige! Denn wenn die Blätter dich reden hören, dann werde ich dich hören .. und fühle ich mich verraten. So werde ich diese Wiege, diesen Baum schützen müssen, wenn selbst ihr so unverständig seid, dann muss ich hart vorgehen und mich gegen die anderen erst recht verteidigen. Geht nun! Ich bin in Trauer."

"Ich habe nicht gesagt, dass ich den Baum nicht beschützen werde, ich will doch nur verstehen! Ich will Antworten!" versuchte Akora sich zu rechtfertigen, dass Mädchen aber war schon verschwunden.

Was für ein blanker Irrsinn. War sie wirklich zu dumm zu verstehen oder hatte sie mit ihren Fragen das Mädchen tatsächlich in die Verlegenheit einer sinnvoll erklärenden Antwort gebracht? Warum musste auch immer nur alles so verdammt kompliziert sein? Brah...

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„Probleme können nicht von den Personen gelöst werden, die diese erst verursacht haben.“


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