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Ein Bestialischer Gestank war zu vernehmen, wie eine Mischung aus Urin, geronnen Blut und Verwesung. Der Geruch setzte sich in der Nase fest, er kroch immer höher. Ekel breitete sich aus. Die Häuser, nein die Hütten, schienen statisch kaum noch zu stehen, man könnte denken, sie brechen ein. Es wirkte pittoresk alles. Obwohl es ein Graus war, fesselte der Blick einen. Verlauste Kinder spielten auf den Straßen, heruntergekommene Gestalten bahnten sich Ihren Weg. Ein fast jeder von Ihnen durch Krankheit geplagt, körperliche Beeinträchtigungen schienen besonders die Männer zu haben, herrührend durch Kriege oder einfach nur heimtückische Angriffe wegen einem Weibe. Man mag sich das Elend kaum vorstellen, welches hier haust. Ein jeder, der hier lebe, kämpft wahrlich täglich ums Überleben. Was würde nur passieren, wenn ihnen niemand mehr hilft ? Sie würden voraussichtlich krepieren an allen vorstellbaren Krankheiten.
Obwohl nur Trauer an jenem Platz verweilen sollte, was man bei diesem Anblick vermutet, sah man das genaue Gegenteil davon auf der Strasse. Herzenserwärmendes Lachen durchströmt die Strassen, Kinder die vor Freude tollen, geschäftiges Treiben mit allerlei Waren und Frauen, die sich entspannt unterhielten. Diesen Leuten ging es nicht gut, aber sie waren zufrieden mit dem, was sie hatten. Und auch für jene wenige Gaben, waren sie mehr als dankbar. Tiefste Demut.
Langsam schritt die Frau barfuss durch die Gasse, ihre Augen wanderten teils entsetzt von dem Leiden, aber auch teils begeistert von dem „Glück“, die die Menschen für sich vereinnahmen. Die Straße war staubig. Man wollte in diesem Teil der Stadt nichts bezahlen, so musste ein platt getretener Boden reichen. Kleine Augen waren zu erkennen, die sich im Schutz des Schattens verkrochen. Ratten waren die wahren Herrscher dieses Stadtteils. Sie waren überall zugegen und machten sich über die kärglichen Speisen der Bewohner her, wenn sie nicht selber die Speisen sind.
Die junge Frau verweilte kurz an einem Stand, das Treiben auf der Strasse nahm zu, Leute kamen aus jedem Hauseingang. Mit einem lächeln auf den Lippen nahm sie eine Tomate vom Stand, sie war rot bräunlich. Man erkannte, dass die Tomate schon verdorben war. Sie blickte kurz über den Stand. Es schient fast so, als wäre alles andere am Stand in derselben Qualität. Eine Menschentraube bildete sich langsam um diese Frau. Deutlich vernahm man erleichterteres Seufzen oder gar Freudenrufe. Nur langsam schaute sie sich um, das Leben schien für einen Augenschlag stehen geblieben zu sein. Ein Grossteil derer kniete sich nieder und warf sich mit der Brust auf den Boden. Sie verweilten dort, ohne Regung, ohne Anstände zu machen, aufzustehen.
Leise erhob die Frau dann ihre Stimme. Ihre sanfte Stimme umspielte ein jeden anwesenden wie einen warmen Hauch.
„Gepriesen sei die Göttin,
möge Ihr Segen auf uns niederkehren.
Bringe Schutz vor Krankheit und dem Übel,
Segne die Strassen, auf den Sie leben.
Seie hier und lausche Ihrem lachen,
die Freude verweile immerdar.
Beschütze jene, die deine Pfade beschreiten,
jene die dein Handwerk treiben.
Erhalte Sie am Leben,
schenke Speisen für all’ die Leut’
Möge Ihr Segen auf uns niederkehren.
gepriesen sei die Göttin.“
Die Anwesenden lauschen Ihren Worten, gebannt von Ihrer Stimme. Sie zeichneten einen nach oben geöffneten Halbkreis auf der Brust und erheben sich. Langsam schreitet diese Frau weiter, die Leute beobachten Sie gebannt. Augenblicke später verschwindet sie in eine Gasse. Als die Leute wieder ihrem Treiben nachgehen wollen, fällt ihr Blick auf die Stände. Die Früchte der Herrin schienen frisch zu sein, Tomaten rot und knackig, Äpfel rund und fest. Erstaunen lag auf ihren Lippen, dann schrie ein alter Mann, „Ich kann wieder sehen!“ Ein anderer schrie: „Ich kann wieder laufen!“
Die Freudenschreie überhäuften sich, es schien, als sei die Herrin für einen Moment selber heruntergekommen und habe alle gesegnet. Niemand derer, die Anwesend waren, schien danach noch Leiden zu haben oder Hunger zu verspüren.
"Wisset, jene die demütig sind, werden belohnt. Auf jenen ruhen die Augen der Viere und schützen sie für immerdar."
Alte Überlieferung aus Draconis, Schreiber Unbekannt
Zuletzt geändert von Said: 24.11.05, 15:37, insgesamt 1-mal geändert.
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