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Eine junge Frau sitzt in einem dunklen Zimmer vor dem lodernden Feuer eines Kamins. Neben ihr liegt ein nasser Umhang, dicht am Feuer. Gerade so dicht, daß er nicht abfackelt. Die Frau trägt ihr langes Haar offen, leicht zerzaust und nass, hat die Beine eng an sich angezogen und blickt mit ernstem Gesicht in die Flammen. Sie scheint zu grübeln....
Warum? Wenn ich nur wüßte, was los ist. Gestern war die Welt noch in Ordnung. Und jetzt? Warum zerbreche ich mir nur den Kopf über diesen Menschen? Einen Grauling.
Sie schüttelt fast unmerklich den Kopf.
So grau, daß bei seiner Anwesenheit selbst die Sonne erblaßt. Jeder Mond verkriecht sich, wenn er bei Nacht durch Rohehafen wandert. Aber... aber das paßt nicht. Nein, wirklich nicht. Es paßt nicht zu seiner Art. Er ist... er ist... jedenfalls ist er nicht grau. Dieses breite Grinsen...
Sie lächelt ohne es selbst zu merken.
...es ist ansteckend. Xxxxx muß sich irren. Das kann kein Magier sein. Ein Magier schreitet würdevoll. Ein Magier macht immer ein ernstes Gesicht. Ein Magier grinst nicht, daß man lachen muß. Und vor allem hat ein Magier nicht solch einen schelmischen Blick. Obwohl... seine Art Türen zu öffnen... hm
Ihr blick wirkt leicht verträumt.
Spricht er mit ihnen? Überredet er sie mal eben, aufzugehen? So leise, daß ich es nicht höre?
Sie verkneift sich ein Lachen und beläßt es bei einem Schmunzeln.
Hm, die Bücher....
Gedankenverloren schweift ihr Blick über einen zerschlissenen Rucksack.
...zwei Bücher sind mir geblieben. Eines behalte ich. Für wichtige Sachen. Nein, für ganz wichtige Sachen. Sollte ich in das andere die weniger wichtigen Dinge schreiben? Ist ein Grauling ganz wichtig oder weniger wichtig? Oder ist ein Grauling gerade so mittendrin, daß er in keines paßt? Nein, Tagebuch schreibe ich nicht.
Ich sollte wütend auf ihn sein. Er spricht nicht mit mir. Was habe ich ihm denn getan? Ich? Warum eigentlich ich? Hat ihm irgendjemand was getan? Die Fröhlichkeit, die Unbeschwertheit... alles wie weggepustet.
Ein tiefes Seufzen erfüllt den Raum. Die Flammen zucken. Wie abwesend greift sie nach dem Umhang. Sie dreht das noch feuchte Ende dem Feuer zu.
Und dann ausgerechnet... ausgerechnet als dieser aufdringliche Mann sich neben mir befindet... ausgerechnet dann muß er mir wieder über den Weg laufen!
Wütend haut sie mit der Faust auf den Rucksack. Sie nimmt die Hände vor’s Gesicht und atmet tief.
Was mag er nur von mir denken? Denkt er überhaupt an mich?
Sicher nicht.
Sie schlingt die Arme um sich und beginnt leise eine kleine Melodie zu summen.
Ich muß schlafen. Einen klaren Kopf kriegen. Ich habe ihn gesucht. Aber nicht gefunden. Nein, suchen bringt nichts. Wenn man jemanden sucht, findet man ihn mit Sicherheit nicht. Nur dann, wenn man es überhaupt nicht erwartet, dann...
...es ist wie mit den Kräutern. Wenn man etwas bestimmtes sucht, findet man es nicht. Erst dann, wenn man fast den Namen des Krautes vergessen hat, dann findet man es, damit man den Namen nicht vollends vergißt. So ist der Lauf der Dinge.
Schwerfällig zieht sie den Umhang um sich, hüllt sich warm darin ein. Müde sinkt ihr Körper auf den Holzboden. Der Rucksack kratzt leise auf den Dielen, als sie ihn sich unter den Kopf schiebt.
Nein. Ganz sicher hat er andere Dinge im Kopf. Wichtige Dinge.
Ich bin nicht wichtig.
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