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Der Brief erreichte Augustin erst am nächsten Morgen. Er kam gerade von einem Patrouilliengang zurück, als er den Brief auf dem Tisch erblickte und er öffnete ihn hastig, wie als würde er bereits ahnen was in ihm stehen würde.
Er musste den Brief mehrmals durchlesen, bis er überhaupt vollends begriff welch schreckliche Nachricht man ihm da überbracht hatte. "Nein, dies kann nicht wahr sein" versuchte er sich selbst zu beruhigen. Er sank langsam in den Stuhl und betrachtete nachdenklich die verwischten Worte auf dem Briefpapier.
Umso länger er den Brief betrachtete, umso unwirklicher kam ihm das alles vor.. "Es muss eine Fälschung sein", redete er sich ein, doch so richtig glauben konnte er dies selbst nicht. Schließlich wusste niemand außer Maria, dass er sich auf Siebenwind befand.. und wer sonst wusste soviel über seine Vergangenheit und sein bisheriges Leben, dass er einen solchen Brief hätte verfassen können? Er hatte schließlich keinem etwas über Maria erzählt - oder etwa doch?
Das erste Mal in seinem leben überkam ihn eine Unsicherheit, die ihn an den Rand der Verzweiflung brachte.. Selbst wenn er sich tatsächlich aufmachen würde, so wäre er tage-, vielleicht sogar wochenlang unterwegs.. und auch der Brief muss schon mehrere Tage unterwegs gewesen sein, denn schliesslich lag Siebenwind weit fernab der normalen Post- und Handelswege.
Selbst wenn er auf dem schnellsten Wege zurückkehren könnte aufs Festland, so würden diese Banditen schon längst über alle Berge sein.. Fast wie in Trance faltete er den Brief wieder zusammen und steckte ihn in den Briefumschlag. Beim Gedanken an Maria und die schrecklichen Dinge, die diese Bastarde mit ihr anstellen könnten, wurde ihm Angst und Bange und die Tränen kamen ihm.
Sovieles hatte er bereits überstanden und er war tatsächlich auf dem besten Wege einmal ein Ritter zu werden - doch diesesmal musste er erkennen, wie machtlos er war. Ihn überkam tiefste Verzweiflung und anstatt, wie er es sonst tat, aufzuspringen um etwas zu unternehmen, blieb er wie betäubt sitzen, das Gesicht in den Händen vergraben und bittere Tränen der Enttäuschung weinend.
Warum nur? Warum nur sie? Warum taten ihm die Götter solch ein Leid an? Er konnte und wollte es einfach nicht verstehen.. und ihm blieb nichts anderes übrig, als abzuwarten, was die kommende Zeit bringen würde..
Zuletzt geändert von Larus: 24.05.02, 13:16, insgesamt 1-mal geändert.
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