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Es dämmert in den Straßen der Hauptstadt Rohehafen und langsam aber sicher verschwindet die Sonne hinterm dem Horizont, die Schatten in den nur spärlich beleuchteten Nebenstraßen werden immer länger, als der scheinbar alte, auf einen knorrigen Stab gestützte Mann langsam durch die Gasse schlurft.
An einer Ecke erblickt er ein kleines Mädchen, das vielleicht um die zehn Sommer alt sein mag und in lumpige Kleider gewandet zitternd an einer Ecke sitzt und bettelnd die Hand aufhält. Langsam und sich mehrfach umsehend schlurft er zu ihr hin und als die Kleine aufsieht, erblickt sie über sich die hagere Statur des Mannes, der gänzlich in eine zerschlissene Robe undefinierbarer Farbe gehüllt zu sein scheint. Nur eine knochige Hand mit langen Fingern ragt aus einem der Ärmel hervor und umklammert den knorrigen Wanderstab, auf den er sich stützt. Auch sein Gesicht ist tief unter der Kapuze verborgen und nur kurz fällt das Licht der Laterne eines vorbeigehenden Passanten darunter und zeigt ein schmales Gesicht mit leicht eingefallenen Wangen und schwarzen Augen. Ehe das Licht wieder verschwindet und die Dunkelheit unter seine Kapuze zurückkehrt, wird der Ansatz einer Narbe über seiner linken Schläfe sichtbar.
Einen knappen Schritt vor dem Mädchen bleibt er stehen und bückt sich dann schließlich zu ihr hinunter, sich hustend auf den Stab stützend. Er nähert sich ihr und beginnt leise auf sie einzuflüstern, wobei die andere Hand unter der robe auftaucht und ihr ein paar blinkende Goldstücke ins Auge fallen. Eifrig nickt sie, den Blick nicht von dem Geld nehmend, das so verlockend in seiner Hand glänzt.
Schließlich nickt sie ein wenig eingeschüchtert und die Münzen fallen in ihre kleine, schmutzige Hand, woraufhin sie sie schnell in ihrer Hosentasche versteckt und dann erneut ausstreckt. Die Hand des verhüllten Mannes verschwindet ebenfalls und kommt kurz darauf erneut zum Vorschein und übergibt dem kleinen Mädchen eine in schmutziges Leinen eingeschlagene Rolle. Erneut dringt ein Zischen unter der Kapuze hervor, ehe er sich rasch erhebt, kurz mißtrauisch umsieht und dann langsam davon humpelt...
Das Mädchen wartet noch kurz, bis er verschwunden ist und springt dann auf und verläßt die Stadt. Sich vorsichtig durch die fast völlige Dunkelheit schlagend erreicht sie schließlich Schieferbruch und begibt sich dort über die Zugbrücke zum Torhaus, das in die Burg der Ritterschaft führt. Vor einem der Torwachen bleibt sie stehen und redet kurz leise auf ihn ein, ehe sie ihm die leinene Rolle übergibt, die der Torwächter einem Knappen überreicht, der sie daraufhin an Zamar Farqh überbringt. Als sie das Leinentuch aufschlägt, steigt ihr ein unangenehmer Bestank in die Nase - von dem zuammengerollten Pergament ausgehend, das durch einen roten Faden zusammengehalten wird. Als sie diesen zerreißt, faltet sich das Pergament auf. Es scheint eine Rauhe, leicht bräunliche Farbe zu haben - während die Rückseite einen leicht rötlichen Farbton hat... In blutroten Lettern ist zu lesen:
Verräterin... Seid ihr so feige, daß ihr es nicht einmal wagt, unseren Anweisungen Folge zu leisten - um der Liebe willen, deretwegen ihr die Dienerschaft des Einen jüngst verrietet? Wir hießen euch ein magisches Portal zu durchschreiten - nun seht ihr das Resultat eurer Weigerung - und haltet diese Nachricht in euren Händen, geschrieben auf der Haut eurer Geliebten. Ihr habt ab jetzt genau bis zum 30. Trier Zeit, die Burg zu verlassen und sämtliches Hab und Gut zu sammeln, welches ihr jemals durch die Gemeinschaft erhieltet. Ihr werdet im Laufe dieser Tage neue Anweisungen erhalten. Sucht dazu am Fuchs an der Hinterwand nach einem lockeren Stein im Mauerwerk. Solltet ihr euch erneut weigern oder sonstwie nicht in der Lage sein zu antworten, wird unsere nächste Nachricht euch in einem Korb erreichen.
Angamon vobiscum, denn SEIN wird die Rache sein!
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