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Musste es denn noch immer regnen? Es hatte angefangen zu regnen, als er seinen Fuß in den Schrein Vitamas gesetzt hatte. Weinte der Herr um seinen treuen Sohn?
Noch immer brannten die Risse in seiner Haut. Sie schienen nicht heilen zu wollen. Im Gegenteil, jedesmal wenn er an sie dachte, gab die gespannte Haut nach und platze auf. Mit zittrigen Fingern strich er über sein Gesicht. Und fühlte erneut den Schmerz in sich.
Er war bereit für sie zu sterben.
Er war bereit für sie sein Leben zu geben.
Er konnte nicht mehr ohne sie.
War es dies was ihm der Fürst immer eingeprägt hatte?
War es tatsächlich jenes Gefühl, dass man hatte wenn man einen Menschen verliert?
Heiße Tränen liefen Thorwins Wangen hinunter als er an sie dachte. Und in diesem Moment fühlte er sich enger verbunden mit dem Fürsten als je zu vor.
Diese verdammten Viere, hatten sie von ihm genommen, durch ihre Lügen hatten sie sie dazu gebracht ihn zu fürchten. Er hasste die Viere, doch nun war dem Hass etwas schlimmeres gefolgt. Wut, blanke Wut.
Als Lügner hatte sie ihn bezeichnet, ihn, der gelobt hatte stets die Wahrheit zu sprechen. Doch was ihm das Herz gebrochen hatte, war der Blick, mit dem sie ihn angesehen hatte. Er konnte die Angst in ihren Augen sehen, und er spürte die fürcht in ihr. Was hatten die Lügenmäuler der Viere nur mit ihr angestellt?
Und als er sie umarmte, unter dem Baum und der Regen sie druchnässte, sie ihn ansah mit ihren glasigen, grünen Augen, und ihm über die Wange streicheln wollte und dann ihre Hand zurückgezogen hatte...
Thorwin hob den Kopf. Er sah auf den Altar, der auf dem Dach ihrer Feste stand. Der Wind heulte, und fast schien es so, als würde der Wind mit Thorwin schluchzen. Er wischste sich mit einer langsamen Handbewegung eine nasse Strähne aus dem Gesicht. Er wusste nicht, ob sie druch den Regen so durchtränkt war, sondern ob es seine Tränen waren.
Dann war da wieder dieser Schmerz. Nein, kein körperlicher Schmerz, den hatte er schon zur genüge ertragen. Dieser Schmerz kam aus seinem Innersten, aus seinem Herzen und langsam fraß er ihn auf. Konnte er ohne sie leben?
Ja, wollte er ohne sie leben?
Zuletzt geändert von Thorwin Eiswolf: 2.06.02, 23:27, insgesamt 1-mal geändert.
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