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 Betreff des Beitrags: Der Ruf des Hetmanns
BeitragVerfasst: 5.06.02, 15:47 
Bürger
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Die Musik des Stahls


Lange starrte er der Möve hinterher. Sie flog den anderen kreichenden Vögeln als Letzte hinterher, wieder auf die schon längst am Horizont verblasste Insel zu. Gleich nachdem die Abschiedsfeierlichkeiten vorbei waren, kam er wieder aus seinem Schlaflager hervor und schaute auf die langsam im Nebel des Horizontes verschwindenede Insel. Wie er sie doch hasste diese Abschiede!
Doch er konnte nicht schlafen. Die Träume plagten ihn schon seit seiner Rückkehr auf die Insel. Keinem hatte er davon erzählt, und keinem würde er je davon erzählen. Die verdammten Träume von seinem Bruder und wie er ehrenvoll zur Hinrichtung vorbereitet wurde. Und auch der Traum über den großen Bären, dem er diese verdammte Narbe zu verdanken hatte. Sie brannte wie verrückt in seinem Gesicht!
Plötzlich knallte er die Faust auf die Reling und schüttelt den Kopf. Von sovielem Nachdenken über Träume und Abschiede bekommt er immer Schmerzen hinter den Schläfen.
Langsam wendete er sich von der Reling ab und ging wieder zu seinem Schlaflager, vielleicht schaffte er es doch noch ein oder zwei Stunden ein Auge zuzudrücken, schließlich ging gerade die Sonne unter und der beruhgende salzene Geruch des Wassers umgab ihn.

... Langsam geht er durch die engen Gassen der kleinen Hafenstadt. Vielleicht nicht prächtige, aber große und ehrfürchtige Holz- und Steinbauten umgaben ihn. Die Nortraven bauten zwar auch manchmal in ihre großen Städte Steinhäuser, jedoch anders als Menschen oder gar Zwerge. Die Nortravischen Gebäude waren von einer groben, einfachen Schönheit; stark und massiv. Mit festem Schritt näherte er sich dem Marktplatz. Er wußte schon was ihn erwartete und er musste es mit ansehen. Endlich hatte er ihn gefunden, seinen Bruder. Nach langer und schwerer Suche, vielem ihm meist sinnlos vorkommenden Herumgefrage. Die Ironie des ganzen, er würde nie mit ihm sprechen können. Der Wärter hatte ihm gesagt man brächte ihn gerade zu seiner ehrvollen Hinrichtung. Seine Mannschaft und er waren bei einem Überfall auf diese Stadt gefangen genommen worden, jedoch in einem ehrvollen und verlustreichem Kampf. Er drängte sich durch die dichte Menschenmenge, die ihm den Weg zu dem Hinrichtungsbock versperrte, nur langsam konnte er sich vorschieben, denn die Zuschauer schoben sich gegen ihn. Als er nah genug herangekommen war wußte er auch sofort warum. Die Hinrichtung war vorbei! Zwei Wachen sammelten gerade die Köpfe und die Körper der Piraten auf einen Karren. Blut bedeckte die Erde. Er würde nie in seinem Leben mit seinem Bruder sprechen können ...

Leise murmelnd und fluchend zog Hrolf sich an und stieg über Kurga, der sabbernd in sein Fell eingerollt friedlich vor sich hinschlummerte. Er schaute sich nochmal um, schaute sich all die Gesichter aus seinem geliebten Westhever an und ging dann in Richtung Bug. Kurz winkte er dem Steuermann zu, dann schaute er in den klaren Nachthimmel, der mit einem Meer aus Sternen übersäat war. Er suchte den Himmel sorgfälltig ab, bis er das Sternbild des weißen Drachen gefunden hatte. Nachdenklich und doch erfurchtsvoll schaut er das Sternenbild an. Wieder schmerzte sein Kopf und es schien ihm fast als würde er bald zerplatzen.

Nachdem endlich die Sonne aufgangen war, konnte er sich der Arbeit zuwenden, für die er geboren ward. Eisen, Stahl, Krieg. Jedes Schwert, jede Axt und jede noch so kleine Waffe hatte er sich geben lassen. Nun saß er da umgeben von den Metallbergen und bewaffnet mit seinem Werkzeug.
Sorgsam befühlt er die Oberfläche der Axt des Berserkers. Einige Schrammen und leichte Scharten zerstörten ihre kalte Tödlichkeit. Man hatte ihm gesagt, daß sie mit voller Wucht in die Reling gehauen wurde bei einem Zweikampf mit einer Frau, aber das interssierte Hrolf nicht. Waffen sind zum kämpfen da! Er befühlte die kalte stählerne Oberfläche. Berührte leicht die Schneide. Schaute sich die Axt aus jedem erdenklichen Winkel im Sonnenlicht an. Auch wenn sie jetzt noch gut war, er würde sie wieder tödlich machen. Mit einem Schleifstein aus dem großen Beutel, welchen er mit auf das Schiff gebracht hatte, in der Hand machte er sich an die von ihm ersehnte Arbeit. Leidenschaftlich liebkoste er die Klinge mit den Stein. Stahl auf Stein. Stein auf Stahl.
Das zischende Geräusch spielt wie Musik in seinen Ohren. Manchmal leise, lieblich, zart; manchmal hart, kreischend und dröhnend. Es ist die Musik des Stahls. Die meisten nehmen sie nur in Angst war; hören sie im Kampf und auf den Schlachtfeldern, wenn die Waffen aufeinander prallen. Doch er, er hörte sie immer wenn er eine Waffe kennenlernt. Jetzt kannte er die Axt des Berserkers Ulf und die ihr eigene Musik.
Als die Sonne schon wieder ihren Höhepunkt verlassen hatte, legte er die nun hochtödliche Klinge endlich beiseite. Hrolf ließ seinen Blick langsam über die vor ihm aufgebarrten Waffen schweifen. Er sah mindestens Arbeit für zehn, wenn nicht gar zwölf lange Tage. Genug zu tun, um ihn wenigstens teilweise von den Träumen abzulenken.

... langsam und vorsichtig stapfte er durch den Schnee. Den Speer vor sich haltend, mit der sicheren Gewissheit in bald zu gebrauchen. Links und rechts neben ihn schlichen mehrere weitere Nortraven, ebenfalls bewaffnet und teilweise auch in der Jagd erfahren. Es waren die Bauern und Bewohner aus dem Dorf, denen er seine Hilfe angeboten hatte. Kaum noch Essen war vorhanden, die Nutztiere fast alle gestorben, geschlachtet oder von der galadonischen Besatzung mitgeschleppt. Der Winter zerrte hart an den Bewohnern des Norlandes.
Nun folgten sie der großen Bärenspur. Anscheinend konnte selbst sie nicht ihre Winterruhe halten. Das Tier war jedoch unglaublich groß, wahrscheinlich ein weiße Nordbär. Die Nortraven folgtem ihm schon zwei Tage und jetzt schien es sie hätten fast ihr Ziel erreicht. Sie brauchtem nicht mehr nur den Fußabdrücken des Bären zu folgen. Eine große Blutspur schlängelte sich neben den Spuren entlang, wahrscheinlich von einer Robe, die der Bär gefangen hatte und nun mitschleppt.
Dann sah er ihn. Er lag neben seinem Opfer, doch es war keine Robe sondern die Überreste eines Mannes. Er stockte, hockte sich in den Schnee und hob die Hand um die, die hinter ihm liefen auf sich aufmerksam zu machen. Langsam begann die Gruppe den Bären einzukreisen und bewegten sich vorsichtig auf ihn zu. Doch der Bär hatte sie schon bemerkt und rappelte sich auf. Ein lautes und wütendes Brüllen erfüllte Hrolfs Ohren. Doch er ließ sich nicht abschrecken, er rannte jetzt auf den Bären zu, wie auch die anderen. Einen Nortraven, einen jungen Bauern, hatte der Bär sofort mit einer Pranke attackiert und ihn gegen einen Baum geschleudert, noch bevor der Nortrave ihm seinen Speer in den Bauch stoßen konnte. Der Junge blieb tot am Fuß des Baumes liegen. Doch nun war Hrolf an dem riesigen Bären, stieß seinen Speer in die Schulter des Bären, worauf dieser wieder begann zu brüllen. Dann sah er nur noch wie sich der Bär aufrichtete und eine Tatze auf ihn zuraste...

Schweißgebadet erwachte er plötzlich. Schon wieder viel zu früh und wieder mit brennenden Kopfschmerzen. Laut fluchte er über diese verdammte Hitze, die nun auch Nachts das ganze Schiff auszufüllen schien. Als Dietger ihn irgendwas über Ruhe brabbelte, stapfte er zum Bug und schaut wieder in die Sterne, die man gerade noch in den sich rötlichfärbenden Himmel erkennen konnte. Hrolf wußte nicht mehr worüber er geträumt hatte, und ehrlich gesagt wollte er es auch nicht wissen. Denken strengt bei dieser Hitze nochmehr an, die selbst Nachts nicht mehr sonderlich viel abnimmt.

Ein neuer Landsreifen erschien am Horizont. Noch kaum zu erkennen, erstreckt er sich blass knapp über dem Horizont. Leif, zwei Berserker und Dietger unterhielten sich am Heck und planten. Er fragte sich, wie sie bei einer solchen Hitze überhaupt denken können. Dann wendete er seinen Blick wieder dem Land zu. Er hat sich sichtlich von den anderen abgesondert. Fynia fragte ihm einmal warum, doch er beantwortete ihre Frage nicht. Er redet nur noch sehr wenig, seit er auf dieses Schiff betreten hatte.
Der Wind brachte ein paar Wortfetzen vom Heck zu ihm:
„.....landen etwas .... von Orah-Ahij.........“, „.......suchen........Zeichen ......Brüder“, „nähern.........Küste ..lang.“
Hrolf konnte nur mit dem Merkwürdigen Namen etwas anfangen. Man hatte ihn schon oft während der Fahrt genannt. Orah Ahij. Er fluchte über diesen Namen und über alles was ihm einfiel. Bald würden sie endlich eintreffen. Dann würde er kämpfen und alles um sich herum vergessen. Noch lange starrte er auf die sich langsamnähernde Küstenlandschaft, dann ging er das nötigste seiner Sachen zu packen.

Nach über 20 Tagen Schiffsfahrt betraten die Nortraven nun endlich das Land Endophal. Und es war heiß, trocken und sehr häßlich, wie man an all ihren Mienen ablesen kann. Hrolfs blick schweifte langsam über die sandig felsige Küste, und er fragte sich dabei wie hier überhaupt Menschen leben könnten. Die Berserker ertrugen erstaunlicherweise die Hitze und behielten alle ihre Bärenmasken auf. Trotzdem hatten alle Nortraven haben die Lederrüstungen abgelegt. Das war nur unnötiger Ballast, kaum von Nutze in diesem Schmiedeofen von Land.
Trotz all der Bedingungn hatte sich seine Laune wieder erstaunlich gewandelt. Er redete immer noch nicht viel, aber seine Miene bleib auch nicht mehr so abweisend.
Leif und der Berserker Ulf erklärtem im Schatten eines größeren Felsen langsam, das sie nun nach Orah-Ahij marschieren würden. Danach setzten sie sich langsam in Marsch. Es war schwer die steinige Küste entlang zu gehen, doch sie waren Nortraven und keiner beschwerte sich. Nach einen halben Tag Fußmarsch sahen sie endlich die Mauern der Hafenstadt. Gelbe aus Sandstein gefertigte Mauern, jedoch waren anscheinend mehrere große Löcher und Spalten darin, mehr war nicht zu erkennen. Jedoch als sie immernäher kamen wurden auch die Schäden immer deutlicher, große Löcher befanden sich in den Mauern Orah-Ahijs. Man sah einzelne rauchfäden aus der Stadt heraussteigen, jedoch war er sich sicher, daß es keine Kochfeuer waren.

Mit mürrischer Miene durchsuchte er die völlig zerstörte Stadt. Knapp hinter ihm, gerade ein größeres Haus durchsuchend brummte Kurga. Die Anderen waren überall in der Stadt verteilt um nach Spuren, von den verdammten Zwergen und den gefangenen Nortraven zu suchen. Ab und zu fand er Reste der galadonischen Soldaten und auch die der endophalischen Menschen, jedoch meist nur noch bleiche Knochen und rostige Rüstungen. Nach einer Weile erscholl ein einsamer Ruf über die Stadt. Ein Berserker hatte eine Spur entdeckt.
Ausserhalb der Stadt war eine breite Spur, Hrolf fragte sich warum sie die erst so spät gefunden hatten. Die Spur schien von mehreren hundert Füssen zu stammen und war noch sehr gut sichtbar. Sie führte mitten in die karge sandige Wüstenlandschaft hinein.
Nach einer kurzen Unterredung machten sie sich sofort an die Verfolgung. Obwohl bald schon wieder die Sonne untergehen würde, wußten alle das sie keine Zeit hatten zu zaudern. So marschierten sie so schnell wie möglich in die trockene Wüste hinein, alle ihre Wasserschläuche waren gefüllt, doch keiner wusste ob sie reichen würden, keiner wollte darüber nachdenken.
Als es schließlich dunkel wurde bauten sie ein provosporisches Lager. Statt die Zelte richig aufzubauen, kam Fynia auf die Idee, die Tierhäute und Felle um das Lager herum aufzubauen, um sich vor dem Sand zu schützen. Alle asen noch ein Stück Dörrfleisch und gingen dann schlafen.

Seine Füsse schmerzten ihm! Sie wanderten nun schon drei Tage durch diese verdammte Wüste. Er hatte versucht ohne Stiefel zu laufen, dass war jedoch schmerzhafter als mit ihnen, denn der Sand war brühend heiß. Bisher hatte er nur zwei Tiere gesehen, eine seitwärtsgehende Echse mit unheimlich langen Schwanz und die Vögel, die sich kreischend um einen merkwürdigen Kadaver stritten. Der verfluchte Sand war inzwischen überall an seinem Körper, in den Haaren, der Kleidung und am schlimmsten in den Stiefeln. Selbst in seinem trockenen Mund klebten Sandkörner und knirschten unter seinen Zähnen.
Jedoch wußten sie jetzt jedenfalls ungefähr wo sie hin mussten. Am Horizont ragte ein Schatten auf, ein großes Gebirge, darauf hielt die Spur des Trosses dem sie folgten zu.

Der Wind hatte sich unangenehm verstärkt. Inzwischen mussten sie sich Tücher vor Mund und Nase spannen um überhaupt atmen zu können. Der Sand umspielte sie, doch schon jetzt wurde es unangenehm. Hrolfs Narbe begann wie verrückt unter dem Schleifen der Sandkörner zu brennen. Sie brauchten Schutz oder alle wären verloren, daß wusste er. Doch er sah keine anderen mehr, der peitschende Sand wurde zu einem peitschenden Nebel. Er konnte sich kaum noch auf den Füssen halten, so stark wehte der Sturm.
Völlig allein wurde er duch den Wind auf den sandigen Boden gepresst. Es brüllte in seinen Ohren , die Augen brannten fürchterlich, doch bal ließ das schreckliche Gefühl nach. Schwärze holte ihn und er wurde unter Sand lebendig begraben.
Nach einer langen Zeit verschwand die unglaubliche Schwärze und grobe Hände holten ihn aus dem Sand heraus. Langsam öffnete er die Augen und sah Dietger und einen der Barbaren vor sich. Nach einem kurzen „Geht’s dir gut?“ musste er mit nach den anderen suchen. Noch zwei Nortraven waren verschwunden, ein Berserker und einer der Schiffsmannschaft, der mitgekommen war. Den Seemann fanden sie, er war unter den Sandmassen langsam erstickt. Den Berserker fanden sie nicht und sie hatten auch keine Zeit länger zu suchen. So begann ihr Marsch wieder von vorne. Doch jedes Gesicht zeigte inzwischen verbitterten Ernst.
Hrolf achtete kaum noch auf die Umgebung um sich herum, sein Blick war meist in seinen eigenen Gedanken, oder auf die dunkle langsam näherkommende Masse des gebirges gerichtet.

Nach drei weiteren Tagen, meist im schweigen verbracht, hallte ein überraschter Ruf über die Ebene. Einer der Berserker zeigt war stehen geblieben und zeigte auf eine Staubwolke, zwar noch weit in der Ferne, aber schnell näherkommend. Man konnte einzelne rennende Gestalten, vollkommen in Schwarz gekleidet ausmachen. Alle Nortraven der Gruppe drehten sich herum und zogen ihre Waffen, sie würden wenn es soweit wäre, ehrvoll untergehen.
Als die Sonne direkt über ihnen stand kamen die Schwarzgekleideten an. Sie riefen in einer merkwürdigen Sprache und hatten lange krumme Schwerter gezogen. Anscheinend hatten sie aber nicht vor anzugreifen. Es waren um die sechzig Mann und alle waren in schwarze Tücher gekleidet, die sogar ihre Gesichter bedeckten und nur einen Augenschlitz offenliesen. Er fragte sich wie sie es in der Hitze aushielten. Nachdem sich die Wüstenbewohner eine weile in ihrer kehligen Sprach unterhalten hatten, trat einr von ihnen vor. Er legte symbolisch sein Schwert in den Sand und ging auf die Nortraven zu. Er fragte etwas, das jedoch keiner verstand, dann nickte er und begann in einem stockenden Galadonisch zu reden:
„Werrr sinn ihrr, wasss wolln?“
Leif trat vor und beantwortete ihm seine Frage. Er musste sie mehrmals wiederholen bis der Mann verstand. Dieser nickte und rief seinen Freunden etwas in ihrer Sprache zu, worauf sie dann alle ihre Waffen wegsteckten. Die Nortraven taten es ihnen auf Leifs Befehl gleich.
Nach einer langedauernden Unterredung zwischen den Wüstenbewohnern und Leif kam er wieder und eklärte, daß es endophalische Wüstennomaden wären und sie uns, als er von den Zwergen erzählte uns begleiten wollen.
Hrolf war es egal, wer sie begleitete, hauptsache sie erreichten endlich das Gebirge, das die Normaden Wrathji nannten.
Also begann ihr Marsch wieder, diesmal mit den Nomaden. Die Wüstenbewohner wußten um das Leben in der kargen Sandumgebung, mit ihnen schien es ihm als ginge das laufen schneller. Während sie durch die Sanddünen schritten unterhielten sich Leif und der Anführer der Nomaden. Leif erklärte Hrolf später warum die Wüstenmenschen sie begleiten. Die Zwerge haben ebenfalls Gefangene von ihnen, und anscheinend warteten schon andere ihres Clans am Fuß des Wrathji um dies zu befreien.
Hrolf begann langsam die Wüstenmenschen zu respektieren. Sie schienen ebenfalls soviel von Ehre zu halten wie die Nortraven und litten ebenfalls unter ihren Feinden, den Zwergen. Jedoch ihr äußeres machte sie etwas abstoßend. Ihre Haut war dunkel, fast schwarz, vermutlich ist das wie bei verbrannten Fisch dachte er sich, hier war es ja fast wie in einem Ofen. Trotzdem ertrugen sie die unglaubliche Hitze unter ihren schwarzen Tüchern, wie die Nortraven in ihrer Schneelanschaft die Kälte ertrugen. Ja Nortraven und Nomaden waren sich wirklich in gewisser Weise ähnlich, jedoch hörte er wieder auf darüber nachzudenken. Bei dieser Hitze tat ihm der Kopf unheimlich weh, besonders vom vielen nachdenken.
Die schwarzen Nomaden marschierten unglaublich schnell durch den Sand. Fast alle Nortrave befanden sich am Ende der Kolonne, aber auch sie marschierten verbissener und schnellen Schrittes, die Berserker natürlich allen anderen voran, wollten sie doch nicht vor den Endophalie wie Schwächlinge dastehen.

Nach mehreren langen Tagen Marschg und kurzen Nächten Ruhe kam die Gruppe schließlich am Fuß des Wrathji an. Leif und der Nomadenführer waren schon vorausgegangen. Jetzt kamen der Rest, fast alles Nortraven, in dem chaotischen Lager der Endophalie an. Überalle standen, anscheinend so schnell es ging Zelte. Die meisten davon aus merkwürdigen schuppigen Tierhäuten, manche jedoch aus bunten Stoffen und Planen. Leif stand mit dem Anführer der Gruppe vor einen mit Schmuck überladenen Krieger. Um seinen Hals hingen viele Ketten aus unterschiedlich großen spitzen Raubtierzähnen. Seine Arme und Beine waren mit metallenen, hölzernen und ledernen Reifen und Ringen geschmückt und an seinem Rücken hing ein riesiges Krummschwert, das man nur mit zwei Händen benutzen könnte. Er schien der Anführer des Clans der Nomaden zu sein. Überall im Lager waren kleine Feuer auf denen die merkwürdigsten Kreaturen gebraten wurden. Hauptsächlich verschiedengroße Echsen, aber auch anderes. Einmal glaubte Hrolf er sähe so etwas wie einen riesigen fetten Wurm, aber die Nomaden waren alle blitzschnell darum und nahmen ihn auseinander, wie Hrolf es mit einem Schwein gemacht hätte.
Die Nortraven verteilten sich im Dorf und sahen sich um, wobei sie von großäugig guckenden Endophalie bestaunt wurden. Auf Hrolf kam der Anführer, der kleinen Gruppe von Wüstenmenschen zu und fragte im gebrochenen Galadonisch:
„Du seiens Wafffnmäker?“.
Bevor Hrolf acch nur nicken konnte wurde ervon der Nomade am Arm gepackt und in ein Zelt gezogen. Darin befand sich eine kleine Lagerkammer mit unglaublich vielen schartigen und kaputten Speeren und Krummschwertern.
„Könns du schnelll repa....rerpari....kanz machen?“, fragte der Endophalie und war schon wieder gegangen.
Er setzte sich auf den mit merkwürdigem Fließ belegten Boden, nahm aus seinem Sack Schleifsteine und Werkzeug und begann sich jede Waffe einzeln vorzunehmen.
Noch zwei Tage lang ertönte aus dem Zelt scharrende und zischende Musik. Hrolf schien wieder etwas glücklicher, während er die Waffen bearbeitete, obwohl er kaum Zeit hatte sich auszuruhen. Doch für Hrolf war das Erholung genug.
Schließlich wurde er von Kurga abgeholt und in das größte Zelt des Lagers gebracht. Dort saßen alle Nortraven, die Anführer des Nomadenclans und noch andere Nomaden und berieten scheints den Verlauf der kommenden Schlacht.
Es würde zwei Gruppen geben, eine würde sich durch mehrere Höllen und Tunnel, die die Nomaden anscheinend können von hinten heranschleichen, während die andere versuchen wird die Feste durch einen Frontalangriff zu erstürmen oder wenigstens abzulenken. Ein geflohener Gefangener, ein Endophalie, wird den Trupp der die Feste von hinten angreift begleigten um sie durch die Feste zu führen. Hrolf bedachte den Geflohenen mit einem ehrfürchtigen Blick. Obwohl er fast schon um die 50 Sommer alt zu sein schien und unheimlich mager, scheints von der Gefangenschaft war, brannte in seinen Augen ein kaltes Feuer. Es schien ihm als wollte der Alte noch etwas ehrvolles tun bevor er starb, einen ehrvollen Tod in der Feste der Bergzwerge.
Nach langem und kopfschmerzen bereitenden Nachdenken, hat sich Hrolf schließlich der Gruppe, die den Sturmangriff machen wird angeschlossen, wie auch die meisten Berserker.
Er würde nur noch eine Nacht schlafen müssen, das machte ihn gleichzeitig fast frohlockend, aber auch unheimlich ernst. Bald wird eine andere Art stählerne Musik durch die Schluchten und Täler des Wrathji hallen. Keine erschaffende Musik, sondern zerstörerische, kriegerische Musik.

Langsam näherten sich die nortravischen und endophalischen Krieger. Sie waren immerhin fast 400 Mann stark. In der Feste der Zwerge ertönten Hörner und schreie. Frontmauern der Festung sahen aus, wie aus dem Stein gewachsen. Unzerstörbar schienen sie ihm, das Tor selbst bestand aus reinem Stahl. Er wußte das die Zwerge meisterliche Schmiede waren, aber ein ganzes fast fünf Schritt hohes und breites Tor aus reinem Stahl empfand er versetzte ihm als Schmied eine schauerliche Ehrfurcht. Die ganze Feste schmiegte sich an eine Felswand, auf der anderen Seite war ein Abgrund. Er hatte seinen graniten Hammer bereits in den Händen und näherte sich mit den Berserkern und den Endophalie den mächtigen Mauern, auf knappe einhundert Meter. Dann tauchten die Zwergenköpfe in den Schießscharten der Mauer auf. Es müssten über sechzig sein, doch er hatte keine Zeit zu zählen, denn schon flogen die ersten Bolzen aus den Armbrüsten der Zwerge. Zwei Endophalie die gerade noch neben ihm standen fielen wie Puppen unter dem Beschuß auf den Boden und versanken in einem Nebel aus Sand und Blut. Er rannte so schnell er konnte zu einem großen Fels hinter dem sich schon einige Kriegr scharrten um nicht von den Bolzen gespickt zu werden.
Dort wo er gerade noch gestanden hatte blieb ein kleiner Krater, eine Staubwolke und ein Pfeilschaft zurück. Er rannte so schnell er konnte, überall um ihn herum waren die schreie der rennenden, fallenden und wütenden Kämpfer zu hören. Ein Berserker rannte mit schon zwei Bolzen im Bauch gespickt in der Raserei auf das Tor zu. Er rannte überzwanzig Schritt und fiel dann unter einem Bolzenschauer der Zwerge. Doch in der tiefen unempfindlichkeit der Raserei stand er torkelnd wiedre auf und wankte weiter auf das Tor zu. Über all rann Blut von ihm und er hinterließ eine dunkelrote Spur. Schließlich fiel er unter dem zweiten Beschuß der Zwerge gänzlich und blieb tot liegen, doch die Zwerge jagten noch auf ihn herunter, bis er zur unkenntlichkeit entstellt, als ein blutiger Fleischklumpen, unter dem roten Nebel seines eigenen Blutes verschwand. Viele weitere Körper lagen auf dem Feld, manche zuckten noch, manche schrien vor unglaublichen Schmerz, jedoch die meisten Augen waren geschlossen, oder starrten einfach ins Unendliche. Hrolf hatte den sicheren Schatten des Felsen erreicht. Andere hatten sich an eine Felswand gerettet, die zum Teil im toten Winkel der Feste lag. Obwohl kaum noch einer auf dem eigentlichen Schlachtfeld stand, flog der Bolzenregen noch minutenlang weiter, so schien es ihm jedenfalls. Die Endophalie riefen sich einander in ihrer Sprache zu und starteten dann ein unglaubliches Gebrüll, jeder der Nomaden schrie was die Kehle hergab, nach einiger Zeit stimmten die Nortraven, die mit im Sturm kämpften ein. Hrolf dachte noch, das sich Endophalie und Nortraven wirklich sehr ähnelten, dann stürmten die brüllenden Horden los und er mit ihnen.
Anscheinend wurden die Zwerge durch das plötzliche und laute Gebrüll irritiert, sie vergasen eine das schießen mit ihren schweren Armbrüsten, dann jedoch brach der Hagel von neuen und fast noch stärker los. Die Angreifer fielen bei dem Sturm, wie Puppen und nur wenige standen wieder auf. Er sah wie in Zeitlupe, wie vor ihm ein Endophalie getroffen wurde. Blut spritzte aus der Wunde in der Brust des Nomaden, dieser schrie und fiel auf den Boden. Weder Hrolf noch die anderen Krieger hinter ihm hatten Zeit auszuweichen und so wurde der Gefallene, ob schon tot, oder noch lebendig von seinen eigenen Schlachtbrüdern überrannt. Er hörte das knacken der Knochen deutlich aus dem Kriegslärm heraus, jedoch ist sein Gesicht eine Maske, vom brüllen verzehrt, vom Staub zerschmiert, aber ohne jegliche Regung. Sein Kopf schmerzte nicht mehr, auch wenn die Hitze auch im Gefecht nicht nachgelassen hatte. Er dachte einfach nicht mehr, er lief, kämpfte, lief und kämpfte...
Nach einer Zeit, die ihm ewig vorgekommen war erreichten die Angreifer, schließlich das Tor. Ein paar Zwerge jedoch hatten schon einen Ausfall durch ein verborgenes Seitentor unternommen und standen nun erwartend, die Schilde hoch erhoben mit großen Streitkolben, Äxten oder Hämmern bewaffnet am Tor. Angreifer und Verteidiger prallten aufeinander.
Hrolf hob seinen Hammer und ließ ihn auf den Kopf eines Zwerges herabsausen, dieser blockte jedoch geschickt mit seinen Schild ab, unter dem Verlust seines Armes, da dieser vom Aufprall des Hammers auf das Schild brach. Der Zwerg schrie und schlug wild mit einem Streitkolben nach ihm, doch zuspät, er war zu der nutzlosen Schildseite gesprungen und ließ den Hammer nun wirklich auf den Kopf des Zwerges nieder. Es war als sacke der Kopf und der Helm ein stück in die Rüstung des Zwerges. Die Augen traten aus den Höhlen und Blut trof unter dem Helm der zwar nur etwas zerbogen war, aber so den Kopf des Zwerges zerquetscht hatte, hervor. Bevor sich Hrolf auch nur umwenden konnte und nach dem nächsten Zwerg zu suchen, wurde er durch einen Stoß umgerissen. Etwas schweres lag auf seiner Brust und drückte ihm mit metallenen Klauen die Kehle zu. Als der rote Nebel aus seinen Augen verschwand konnte er sehen, wie Bergzwerg mit zusammengebissenen Zähnen und bluttriefendem Gesicht auf ihm saß und versuchte ihn zu erwürgen. Hrolf krümmte und bog sich, versuchte den Zwerg abzuwerfen, dieser klammerte sich jedoch mit unglaublicher Stärke an ihm fest.
Doch plötzlich erzitterte der Zwerg und fiel von ihm herunter, ein langer Speer ragte aus seinem Rücken und ein ernster Endophalie stand dahinter. Er beachtete Hrolf nicht, sonder trat mit dem Fuß auf den Zwerg und zog so den Speer wieder heraus und verschwand wieder im Getümmel der Kämpfenden. Hrolf stand keuchend auf und suchte seinen schweren Granithammer, den er durch den Zwerg verloren hatte. Dann atmete er nochmals durch und schaute sich um, er stand am Rand der Schlacht. Die Zwerge die sich ihnen entgegengestellt hatten waren fast besiegt, jedoch begannen die Armbrustschützen wieder von oben zu feuern. Mehr als ein Zwerg fiel unter ihren eigenen Armbrüsten, aber auch unglaublich viele Endophalie und Nortraven. Das Feld vor dem Tor war überseht mit Leichen übersäat. Hrolf rannte zu den Mauern, um halbwegs sicher vor den Bolzen zu sein und stolperte. Als er sich schnell wieder aufrappelte erkannte er das er über die Leiche des Anführers der kleinen Nomadengruppe gestolpert war. Aus dessem Rücken ragten mehrer Bolzen. Hrolf stand schnell wiedre auf und rannte weiter. Andere schienen die gleiche Idee gehabt zu haben wie er, denn auch sie rannten in die Sicherheit der Mauer, doch plötzlich rollte von oben ein riesiger Felsen herunter und erschlug drei Krieger, darunter ein Berserker. Mehrere weitere Felsen folgten. Es schien für ihn, das die Schlacht verloren sein, mehr als die Hälfte der Angreifer lagen gefallen vor der Feste und bald würde es den anderen auch so ergehen.
Doch plötzlich knarrte das Tor. Es öffnete sich langsam und man hörte Kampfeslärm von innen, für Hrolf wie Musik, für die es sich zu sterben lohnte. Alle Krieger, ob Endophalis oder Nortraven rannten brüllend auf das Tor zu. Noch viele fielen unter den Bolzenhageln der Zwerge. Knapp hundertzwanzig Man erreichten das Tor und kämpften sich in das Innere der Festung, Hrolf war unter ihnen. Dort fanden sie schon kämpfende Zwerge. Die zweite Truppe war erfolgreich.
Ein Berserker an der Spitze schrie laut: „Für die Ehre, für den Sitz bei Thjarek!“, und alle anderen Nortraven stimmten ein.
Die Endophalies und Nortraven fielen den vom inneren überraschten Zwergen in den Rücken und und kämpften eine große Schneise zu den anderen, die schon im inneren wüteten. Das Schlachtblatt hatte sich gewendet, die Truppen der Feste wurden immer weiter in das innere zurückgedrängt. Ein schwarzer Strich in der Luft, ein Bolzen schlug in Hrolfs Schulter ein. Er verlor das Gleichgewicht und fiel auf den harten Steinboden, der Bergfestung. Doch in Kampfeswut stand er sofort wieder auf, seinen Hammer konnte er nicht mehr tragen, so nahm er ein Krummschwert eines gefallenen Wüstenbewohners und stürzte sich mit einem Berserker und mehreren Endophalie auf einen Trupp Bergzwerge, die sich wacker an einer Treppe hielten. Der Berserker erschlug allein zwei der Verteidiger, Hrolf und die anderen kämpften mit hohen verlusten, die Treppe frei.
Er sah noch wie der Anführer des Nomadenclans, einen Zwerg in einer silbrig schimmernden Rüstung erschlug. Das große zweihändige Krummschwert, das mehr einer Axt glich, trennte den Kopf des Obersten der Feste ab. Der Körper stand noch eine Sekunde blutspritzend da, wie bei einem Hahn, den man den Kopf abtrennte und fiel dann neben seinen Kopf. Die Angreifer tosendes Triumphgeheul aus und nach einige, für alle blutigablaufende Scharmützeln gaben die Zwerge auf. Die Zahl der Toten vor und in der Feste war groß, kein leichter Sieg ward errungen, aber die allen gebührte Ehre, dachte Hrolf, als er erschöpft auf den Boden niedersank und das Krummschwert fallen ließ. Dann stand er erschöpft wieder auf und ging zu der Stelle, wo er seinen Hammer liegen gelassen hatte, er war das kostbarste aus seinem Besitz, der Hammer aus dem Stein des Norlandes. Das Krummschwert hatte er ohne es zu merken auch mitgenommen. Der Sieg war errungen, die Schlacht zuende und zum ersten mal hatte er genug stählerne Musik gehört und gespürt.

Langsam wanderte der Trupp durch die kahle Wüste. Hinter ihnen der drohende Schatten des Wrathji. Die Gefangenen und die Krieger hatten sich wieder soweit erholt, daß sie zum Schiff zurückkehren konnten. Sie hatten einige Geschenke des Nomadenvolks erhalten, jeder einen Sack mit den merkwürdigsten Dingen. Doch Hrolf hatte noch nicht hineingeschaut, er wollte zurück, zurück in die Heimat. Nach mehreren Tagen Wanderung begegneten sie einer Gruppe galadonischen Soldaten. Diese fragten merkwürdig vorsichtig, was Nortraven in Endophal suchten und erstaunten sich über die, fast prahlerisch erzählten Geschichten der Schlacht bei den Wrathji. Doch die Nortraveb wollten nicht lange mit ihnen zutun haben und schleppten sich langsam weiter in Richtung Küste. Nach einer Woche Wanderung erreichten sie endlich das Schiff. Und nach einer weiteren Übernachtung setzten sie endlich die Segel in Richtung Siebenwind. Alle waren geschafft von Endophal und keine wollte je zurück in diesen merkwürdigen Schmiedeofen von Land. Doch Hrolf hatte keine Schmerzen mehr hinter den Schläfen, er sang sogar wieder und sprach munter mit den anderen. Der Arm, den er noch in einer Schlinge um den Hals tragen musste, würde bald wieder heilen, doch er stank von der merkwürdigen nomadischen Salbe, die die Heilerin der Wüstenbewohner darauf geschmiert hatte. Sie fuhren heimwärts, er war glücklich.

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