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 Betreff des Beitrags: Leonhards Rückkehr nach Siebenwind
BeitragVerfasst: 18.06.02, 15:12 
Edelbürger
Edelbürger
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Registriert: 14.12.01, 13:08
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Wohnort: Vandrien
Als der Schleier der Nacht sich über das kleine Städtchen Greifswalde legt, ist nichts mehr zu vernehmen als die Rufe des Nachtwächters. Das Licht weicht der Dunkelheit und eine melancholische Stimmung macht sich auf den nassen Plastersteinstraßen breit, so wie die Stadt zu schlafen scheint. Doch schlafen sie alle in diesem Städtchen? Nein... denn hoch oben des Hauses gegenüber des Ratsgebäudes brennt ein flackerndes Licht. Das Licht einer Kerze, welche gegen den Wind ankämpft, der durch das offene Fenster weht. Am Fuße des hohen stattlichen Gebäudes kann man ein Kritzeln hören... ein Kritzeln, welches von einem einfachen Kohlestift kommen muss, welcher krakelige Worte auf ein altes Pergament niederschreibt... und es ist wahrlich so. Hoch oben in der kleinsten Kammer des prächtigen Gebäudes sitzt er... ein in die Jahre gekommener Dwarschim. Seinen knorrigen Stab hat er an den Tisch gelegt und sich selbst in seinen braunen Mantel eingehüllt. Leicht über den Tisch und dem Pergament gebeugt, blickt er wie von der Flamme gebannt zu der Kerze, welche sich den Spielereien des Lichtes hingibt. Ein Lächeln huscht im über das bärtige Gesicht und gemütlich brummt er... er scheint sich an etwas zu erinnern und muss er dies auch, denn das, woran er schreibt, ist nichts weniger als seine Biographie, sein gesamtes Leben.
Der kleine Zwerge schweift nochmals seinen alten, trüben Blick zu dem Beginn der Geschichte, sie zum letzten Mal lesend, um sich dann anschließend zu legen und seinen letzten Traum zu träumen...

„Vor mehr oder weniger als 350 Jahren... ich vermag mich nicht mehr genau zu erinnern... wurde meine Heimatstadt Greifswalde um eine Seele reicher.. um meine. Ich war der Sohn eines Dwarschimpaares, welches sich schon vor langer Zeit in dieser Stadt voll von Menschen und Hochelfen niederließ, um ihr Glück zu machen und Reichtum anzuhäufen. Mein ehrenwerter Vater, von dem ich noch heute behaupte, dass er den längsten aller Bärte trug, hieß Grundo und meine „liebliche“ Mutter war Darfala, deren lautstarke Schelten mir noch heute im verpelzten Ohr zu liegen scheinen.
Mein Vater Grundo fing wie jeder andere auch, welcher nach seinem Glück suchte, klein an. Von daheim brachte er seine Fähigkeiten als Schneider mit und eröffnete einen kleinen Laden. Das, was er zurechtschneiderte, war nicht das beste, doch schienen die Einwohner seine liebenswürdige Art zu mögen und so kamen sie immer wieder, weniger der Kleider wegen, sondern um sich von seiner Laune anstecken zu lassen. So gedieh sein kleiner Laden, gedüngt vom Golde der Langbeiner und der Spitzöhrchen, wie ich sie scherzhaft zu nennen pflege. So war er sogar in der Lage eine zweites Geschäft zu eröffnen... und im Laufe der Jahre, so erinnere ich mich gern zurück, lernte er auch das Schneidern und zwar so gut, dass man glauben konnte, seine Waren entstammten Elbenhände... Von all dem Gold, welches er sich anhäufen konnte, zogen wir in ein neues Heim, direkt gegenüber das Rathauses, in welches ich einst wiederkehren sollte.
Doch auch mein Mütterchen war nicht untätig... von dem Besitz, welchen wir nun hatten, eröffnete sie ein „Restaurant“, doch war es eine Taverne... Sie verstand viel von Pflanzen- und Naturkunde und ließ mich ihr Wissen mitteilen. Ich half dort gern aus in der Taverne und mochte den Geruch von Spanferkel und das gute Zwergenbier, welches reichlich ausgeschenkt wurde... Aber auch meinem Vater aushelfen, denn das Geschäft hat keine Ehrfurcht vor dem Alter und so entschloss ich mich in einem Alter, in welches ein Zwerg sich für seinen weiteren Weg entscheidet, es meinem Vater gleich zu tun. Ich wollte Schneider werden und er lehrte mich seine Kunst... viele Jahre hinweg.
Als Lehrling an seiner Seite und Arkadons Segen an unserer sah ich viele Menschenkinder zu Männern heranwachsen und auch viele gute Freunde, welche der Tod einholte.
Mit der Zeit wurde auch ich geschickter in meinem Handwerk und mir wurde der zweite Laden anvertraut, welchen ich würdig weiterführte und dies mit Stolz. Meine Familie und ich waren nun geachtet, reich und beliebt... doch hatte mein Zwergenleben erst begonnen und das Erreichte war mir ehrlich gesagt zuviel. Was sollte ich nun noch hier in einer Stadt mit uns wenigen Zwergen. Nie sah ich andere und so sehr wünschte ich mir, bei meinen Brüdern und Schwestern zu sein. Meinen Laden ließ ich immer mehr in Stich, bekümmert von der Sehnsucht nach etwas neuem, einem Abenteuer, welches mich dorthin führen sollte, wo ich allein ohne die Hilfe meiner Eltern neu beginnen konnte. Im Kummer verstrichen wieder Jahre... ich weiß nicht wie viele es waren. Jahre vermochte ich nie zählen zu wollen... vielleicht waren es fünf... zehn oder sogar 25...
Doch eines Nachts als ich das Licht in meinem Laden löschen wollte, wurde ein Brief unter die Ladentür geschoben. Ich öffnete ihn, eher müde als hastig vor Neugierde. Ich überflog die Zeilen und je mehr ich las, desto freudiger wurde das Lächeln unter meinem Bart. Der Brief war von Gerihon und in Dwarschim geschrieben und dies gar nicht mal so unelegant wie es den Dwarschim zugeschrieben wird. Gerihon war ein alter Freund von mir und auch meiner Familie... er schrieb, dass er einer Wache beigetreten sei und sein Glück bei Brüdern und Schwestern auf einer entlegenen Insel namens Siebenwind fand. Er bat mich, ihn doch mal zu besuchen und einen Schneider würde „Brockental“ gut tun...
Brockental... erklang der Name in meinem zwergischen Dickschädel erneut.
Ich stand nicht lang da und grübelte über irgendwelche Risiken oder Probleme, die hätten auftreten können. Entschlossen packte ich in der gleichen Nacht meine Sachen, hinterließ eine knappe Nachricht „Bin weg... komme so schnell nicht wieder! Arkadon mit euch!“ und schlürfte mit meinen kurzen Beinchen zum naheliegenden Hafen der Stadt...
Ich weiß nicht, ob es Schicksal oder Zufall war, dass ein Schiff zu meinem Ziel ablegen wollte... Ich bin mir heute noch nicht im klaren über solche Begriffe. Ich nehme an, Arkadon hatte es so gewollt.
Auf der Überfahrt machte ich mir Gedanken, über das, was ich zurückließ... Was dies nur alles eine dumme Idee...
Ironie, dass mich die Übelkeit vom Aufwippen des Schiffes, meine Sorgen vergessen ließ...
Nach einigen Mondzyklen, und vielen Brocken, welche gekotzt werden mussten, erreichte das Schiff Tiefenbach.
„Ein widerlicher Ort“ schrie ich halblachend über den Platz am Hafen... und sogleich machte ich mich auf, auf der Suche nach „Brockental“...“

Kurz schnaufft der alte Zwerg am Tische auf, übefliegt seufzend die nächsten Stellen und setzt dann wieder lächelnd gegen Ende der Geschichte ein...

„Nun da war ich nun in Brockental... Ramon hinterließ mir eine prächtige Schneiderei... viele Freunde gewann ich und sogar Verwalter der Stadt wurde ich. Viele Zeit verging erneut... und genauso viel arbeitete ich, doch es wurde nicht besser, denn es konnte nicht besser werden. Zuviel war wieder erreicht. Zu satt war ich. Es gab keine Herausforderung... Geld und Ansehen hatte ich. Nur die Sache mit den Druiden machte mir zu schaffen... Der Obmann war verschwunden und Altumion, sein Stellvertreter machte seine Sache gut, um das Chaos zu überwältigen. Doch trafen unsere Dickschädel immer wieder aufeinander... und so verfasste ich einen Brief... verfasste einen Fehler... ohne die Zustimmung der anderen Ratsmitglieder...“

Dem Zwergen tropfen Tränen aus seinen glasigen Augen, welche die Passagen verwischen.

„...vertrieben aus Brockental setzte ich vor lauter Kummer meine Heimreise an...“
„...in Greifswalde wieder angekommen setzte ich meine Arbeit als Schneider nicht mehr fort, lieber saß ich an meinem Tische und dachte nach... ich verlor die Fähigkeit des Schneiders mit der voranschreitenden Zeit und gewann Weisheit und Wortgewandtheit mit dieser...“

Der Zwerg seufzt auf vor Kummer... wirft den Kohlestift aus dem Fenster, auf dass es in der Nacht klirrt. Greift zu seinem Stab, stützt sich auf den Fenstersturz und brüllt von Senilität überkommt in die Nacht: „Brüder... verzeiht, ich komme wieder!“

So wickelt Leonard, trunken von Abenteuerlust und seiner noch lebenden Spontanität, sich in seinen Mantel, packt sich seine Schriften und verlässt das Haus unabgeschlossen mit der Intention, nie wieder zu kommen und seine Tage bei seinen Brüdern und Schwestern zu erleben und als Zeuge der Zeit, ehrfürchtig vor dieser alles niederzuschreiben für die Kinder seiner Brüder, auf dass man ihn nie vergessen wird.

Erneut zum Hafen tappelnd und wieder wie damals das Schiff erwartend, steigt er auf... alle jungen Burschen von sich weisend und grummelnd sich in seine Kajüte verziehend.

Die Zeit der Überfahrt vertrieb er mit dem Schreiben von Gedichten und dem Zeichnen kleiner Karten.. Übelkeit überkam ihn diesmal nicht mehr... er wirkte mit seiner Müdigkeit dagegen und schnarchte sich die Fahrt spannend.

Dann war es soweit... Leonard erblickt den sich gewandelten Hafen von Tiefenbach und stapft trotzig drauf... „Auf, auf!“


Zuletzt geändert von Varg: 19.06.02, 22:23, insgesamt 1-mal geändert.

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