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Langsam trug sie Mandrakor zurück zum Tempel. Ein leichter, sanft wiegender Trab. Als ob er um ihre Erschöpfung wüsste. Sie war so müde. So unendlich müde.
Hart trommelten die Hufe auf die Mamorbrücke, nur dieses Geräusch in der so willkommenen Stille. Ein mühsames Ringen nach Luft. Gleich würde sie Ruhe finden in SEINEM Schrein. Im Lied der Stille aufgehen.
Ihre Gedanken weilten beim Ketzer im Kerker des Turms.
So gierig nach Leben, so hungrig nach der Macht greifend. Und doch.... so suchend. Sie hatte ihm zugehört. In stiller Verzeiflung ahnte sie erneute Flammen, die menschliches Fleisch verzehrten. Wenn sie ihn doch nur retten könnte! Doch in den Augen der jungen Magier, die ihn stellten und einkerkerten las sie das Urteil. Auch bei dem jungen Magier der Grauen Garde, dem sie ihr geweihtes Amulett umgelegt hatte. Ihr Amulett, das Geschenk Morsans. Er war so voller Furcht und Schmerz gewesen. Sein Blut genommen um einen Platz zu schänden für ein dunkles Ritual. Sanft schlossen sich ihre schlanken Finger um das geweihte Symbol. Sie hatte ihm Morsans Segen zuteil werden lassen. Keine Geweihte legt jemals ihr Amluett ab. Man bettet sie damit zu ruhe. Aber es musste sein. Um dem verzweifelten Kind der Vier Tröstung zu schenken.
Nun lag es wieder um ihren Hals. Sie fand wieder die Ruhe, Morsans sanfte Tröstung, die sie ohne es so
entbehrt hatte.
Immer weiter trug sie Mandrakor. Sanft, geduldig ohne ihre Hilfe den Tempel entgegen. Ihre Gedanken kreisten um die dunklen Paladine, den Angriff von dem man ihr berichtet. Die Flugblätter mit ihren finsteren, verführerischen Lügen. Tiefe Trauer überkam sie. Sah in ihrem Geist das gequälte Gesicht des letzen Paladins.
Ihre Worte hallten in ihr wieder: .....lasst mich das Zünglein an der Waage sein. So viel Leid. So viel Schmerz und Hass. So falsch, so unendlich falsch. Ein weiteres Antlitz im Strom der Bilder, die durch ihren Geist
schwebten. Tzara, geliebte Schwester. Ein flimmerndes Halsband. Eins Opfer und eine so grosse Gefahr.....
Immer weiter trug sie Mandrakor. Vorbei am Hochelfenviertel, vorbei an der Herberge....
Sie dachte an den Marktplatz, die zuckenden Blitze aus dem Nichts. Und jenen unseeligen Streit mit ihren kleine Brüdern und Schwestern, die die Herren der Elemente verehrten. So falsch, so unsinnig. Missverständnise in einer lärmenden Welt, die sie nie verstanden hatte....
Mandrakor trug sie weiter. Vorbei am enstehenden Geweihtenhaus und am Hof, in dem sie noch immer die Flammen sah, auch wenn man jede Spur des Scheiterhaufens schon lange getilgt hatte. Ihre Gedanken eilten zu der Urne mit der Asche des reuigen Ketzers. Sie musste ihm noch die Riten gewähren. In aller Stille. Aber nicht auf jenem Morsanacker, wo noch immer die erhobenen Hüllen der Verstorbenen ruhelos umherirrten.....
Soviel, so unendlich viel zu tun. Und ein so unvollkommenes Gefäss. Sie war nur 13 Jahre alt......
Mandrakor blieb stehen. Hielt brav still, als sie ungschickt aus dem Sattel rutscht und sich für einen Moment festhalten musst um nicht zu fallen. Ihr Stab währe nun eine Hilfe gewesen, doch er war beim Ritual der Reinigung für die dunkle Kriegerin ihn ihrer Hand zerbrochen....
Müde hob sie den Blick zu den Türen des Tempels.
Sah verhüllte Gestalten, Rüstungen aus menschlichen Knochen, rot glühende Augen. Und in ihrer Mitte ihren geliebten Bruder Donarius. Langsam ging sie auf sie zu.
Ein unvollkomenes Gefäss. Aber das einzige was zu Verfügung stand. Wipsernde Stimme senkten sich in ihren Geist. Störten ihre Harmonie, ihre Ruhe. Schmerzten. Donarius.... Schritt für Schritt ging sie weiter. Betrachtet mit stiller Verwunderung diese Geschöpfe ihres Herrn. Sah Donnarius Angst. Sie selbst kannte keine. Waren es doch Geschöpfe ihres Herrn, so fremd sie auch waren. Sie trat hinzu. Ein Befehl schneidend wie Stahl drangt durch ihren Geist.
ZURÜCK!
Doch ihre Füsse hatten bereits die Stufen des Tempels berührt und ihre Hand schloss sich um ihr Amulett. Das Lied der Stille hies sie willkommen. Spendete Trost und Stärke. Sie konnte nicht gehen. Nicht Donarius diesen fremden Geschöpfen überlassen. Nicht hier....
In Gedanken formte sie immer wieder:" mein Haus....
mein Bruder... nicht gehen.....Frieden..."
Doch wurde sie verstanden? Besorgt blickte sie zu ihrem Bruder. So viele dieser Geschöpfe. Auf den Stufen des Tempels. Ihres Tempels. Sie bat um Donarius. Umsonst. Immer der Befehl:
ZURÜCK!
Sie wurde weggezerrt. Spürte den Schmerz an ihren Arm. Und ging dann wieder langsam zurück. Hilflos sah sie zu diesen Geschöpfen, so fremd, so sonderbar, so unwirklich.
Sie wünschten ihnen keine Leid. Spürte weder Furcht noch Zorn. Nichts Verderbtes ging von ihnen aus. Aber Donarius.... Sie wirkten so bedrohlich. "Frieden......" flehte sie im Geist. Sie war zu unvollkommen um sie zu erreichen. Langsam ging sie in den Schrein ihres Herrn. Verbeugte sich tief vor seinem Altar. Ergiff ehrfurchtsvoll das Buch der Seelen, die höchsten Insignie Morsans. Küsste es demütig und trug es zum Eingang. Sie würden nun verstehen.....
Sie hörte ihre Stimme....
brach ihr schweigen. Es war für Morsan, für Donarius.
Sie sprach in SEINEN Namen, sprach das kein Leid geschehen sollte. Das die Geschöpfe gehen sollten.....
in Frieden.
Sie sah den Pfeil nicht kommen. Spürte nur den plötzlichen Schmerz. So scharf, so wirklich. Fühlte Blut ihre Ordenskleidung tränken. So falsch, so unendlich falsch...
Wankend ging sie auf die verschwimmenden Gestalten zu. Das heilige Buch erhoben. Ihre Beine knickten unter ihr weg. Dunkelheit umfing sie. Das Lied der Stille hiess sie willkomen. War so klar, so überwältigend wie niemals zuvor.
Sie war ein unvollkommenes Gefäß. Sie war erst 13 Jahre alt.......
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