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Die Mutter der Luft und der Winde ist wohl wütend, wütend wie sie selbst. Schwarze, schwere Wolken entleerten sich seiner nassen Last. Blitze zucken pausenlos und erhellen die düstere Stimmung für wenige Augenblicke, gefolgt von einem unablässige dumpfen Donnergrollen. Der Wind peitscht die schweren Tropfen gegen das Gesicht der Frau welche unbeweglich an einem Baumstamm lehnend sitzt. Ihr schneeweisses Haar hebt sich glänzend ab gegenüber dem dunklen Stamm der alten Eiche und die eine Seite tanzt gülden im schwachen Licht eines kleinen flackernden Feuers, geschützt vom Wind und Regen in einer tiefen Mulde von altem Wurzelwerk umgeben. Nur beim kurzen Schein der Blitze kann man sehen wie sich die Lippen der Frau bewegen. Das Rauschen der Blätter wie das unablässige Heulen des Windes, das dauernde grollen des Donners und das prasseln der Tropfen auf Blätter und Boden ersticken die Worte. Sie ist im Gespräch mit der Mutter. Sie erbittet um Kraft und Stärke, um Zuversicht und Glauben. sie dankt der Mutter für ihre Gabe und erbittet ihren Schutz.
Sie nimmt den Dolch den sie vor sich liegen hat. Vorsichtig fährt sie mit dem Zeigefinger über die scharfe Spitze und zuckt, an der Fingerkuppe blutend, schnell zurück. Lange betrachtet sie die scharfe Waffe. Mit der, mit edlen Steinen eingefassten und mit Zeichen reich verzierten Waffe, fährt Kitara mit der Spitze über ihren Oberschenkel. Trotz der sofort tief klaffenden Wunde rinnt kein Tropfen Blut. Vorsichtig öffnet sie einen kleinen Beutel der mit Blättern ausgelegt ist. Sie entnimmt einen erbsengrossen schwarzen Pfropfen und reibt die offene Wunde mit der Salbe vorsichtig ein. Im Lichtschein eines Blitzes kann man kurz das schmerzverzehrte Gesicht der Frau erkennen. Nachdem sie die Salbe wieder vorsichtig verpackt hat, verbindet sie die Wunde sorgfältig mit einer sauberen Binde. „Du verdammter Hurensohn eines Dämonen. Ich werde nicht ruhen bis ich dich ins Feuer der Mutter Erde verbannt habe.“ So schreit sie es in den stürmischen Tag hinaus. Ihr Schrei vermischt sich mit dem Wind und schwillt zu einem brausenden Orkan an. Durch den starken Regen ist nicht zu sehen, dass sich die Tropfen mit Tränen vermischen.
Das kleine Feuer ist schon lange erloschen. Noch immer sitzt Kitara im strömenden Regen. Reglos wie es scheint, mit dem Baum tief verwurzelt.
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