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Nun ist es wohl an der Zeit, Licht in das Dunkel zu bringen. Niederzuschreiben, was heute, am diesen wohl verhängnisvollen Tage geschehen ist.
Nicht kann ich behaupten, dass ich all die Dinge wirklich verstehe, oder sie verarbeitet habe – nein, jetzt wohl noch nicht – aber trotzdem muss ich es niederschreiben, solange die Erinnerung noch frisch ist.
Ich war heute früh auf, da ich Nordre versprochen hatte, sein altes Rüstlager einzuschmelzen, so er genug Material hat, neue, bessere Rüstungen anzufertigen. Nun, so stand ich schon zu früher Stunde an der Esse vor der Donnerschmiede und arbeitete. Zuerst traf ich Bruder Kentor an, welcher mir kurz behilflich war, indem er mir ein paar Gussformen brachte.
Kaum hatte er sich niedergelegt, kamen die beiden Brüder Granwhor und Bugul. Während ich meinem Werke nachging, unterhielten wir uns über dies und jenes, wenig von Belang für die weiteren Geschehnisse. Die Zeit verflog schnell, sodass es bald spät nachts war und die Beiden sich niederlegten, um sich auszuruhen. So blieb ich alleine zurück, alleine zwischen Rüstungen, einer heißen Esse und nötigem Werkzeug.
Von Minute zu Minute wurde es ruhiger im Tale, keinen Laut vernahm ich mehr, außer meinen eigenen Atem und die Töne meines Arbeitens. Schleierhaft dunkel ward es, nur die Esse spendete noch karges Licht, was mich dennoch nicht sonderlich störte. Auch im Dunkeln vermögen wir gut zu sehen, so ist es wohl nicht verwunderlich, dass es mir vorerst gar nicht auffiel, welch Dunkelheit sich über das Tal legte.
Es war aber nicht die Dunkelheit der Nacht, es war eine finstre Düsternis, die sich in die Ecken legte und das Sehen unmöglich machte. Die Sterne waren verdeckt von einem pechschwarzem Vorhang, welcher sich über das gesamte Tal spannte. Verstört blickte ich gen Himmel und um mich herum, doch bevor ich einen klaren Gedanken fassen konnte, ertönte ein dumpfes Poltern, ein leises Rumoren. Es war derart leise, dass man sich nicht direkt im Klaren darüber sein konnte, ob es wahrlich war, oder nur in einem müdem Geiste ertönte. Doch war ich überzeugt, dass ich etwas gehört hatte und nicht nur Gespenster sah.
Es kam aus der Richtung der Nordmine, wie es vor langer Zeit bereits aus dieser Richtung kam, als der Seelenfresser das letzte Mal auftauchte. Spielten mir die Sinne einen Streich? Wenn ich dort alleine an der Esse saß, ohne dass ich einen andren Dwarschim vernehmen konnte, war dies durchaus möglich. Doch ich zweifelte auch daran, dass mich meine Sinne trügen sollten.
Dies wurde dadurch bestärkt, dass das Tal wie ausgestorben wirkte. Natürlich, es war späte Nacht, doch auch Richtung Taverne hörte man nichts mehr. Gar, als wären alle ansässigen Dwarschim in einen tiefen, ruhigen Schlaf verfallen, aus dem sie nicht mehr erwachen sollten!
Ich ging die zwei Schritte von der Esse zu Nordre’s Türe, in der Hoffnung, ihn oder Kentor wecken zu können. Jedoch wurden meine Rufe und mein Klopfen nur von der allumfassenden Stille beantwortet, während meine Stimme von den Bergen wiederhallte.
Dies bereitete mir noch mehr Sorgen, und so entschloss ich mich, alleine in die Mine zu gehen und nachzusehen, da ich Gewissheit haben wollte, ob ich nun langsam ein Greis werde, oder ob es tatsächlich etwas Beunruhigendes gab. Auf dem Weg zur Zunftmine, ich war wohl etwa bei der Höhe der Grollbarts angekommen, ward ganz klar ein dumpfes Pochen aus der Mine zu hören. Es klang, als sein ein halb erstickter Dwarschim in einem abgeschlossenen Raum gefangen und klopfte mit einem Hammer gegen die Steinwand. Doch hätte dies niemals eine solche Lautstärke annehmen können, schon gar nicht hätte es sich angehört, als Pocht der ganze Berg!
Da stand ich nun, vor dem Eingang der Mine, aus dem diese so merkwürdigen Geräusche drangen und Unheil verkündeten.
Ich nahm meinen Mut zusammen und setzte einen Fuß vor den Anderen, wobei mir ganz und gar unwohl war. Einerseits sträubte ich mich, hinein zu gehen, anderseits musste ich Gewissheit haben. Das Pochen musste ja schließlich irgendwoher kommen.
Als ich den Torbogen passierte, bemerkte ich sofort die düstere Stimmung, welche in der Luft lag. Gar so, als wäre lauter Ruß in der Luft und als würde man von jeder Seite her beobachtet werden, wobei jene Beobachter es alles andere als gut mit dir meinen.
Ich sah in beide Gänge, doch vorerst konnte ich rein gar nichts ausmachen. Nur mit großer Mühe konnte ich die Finsternis durchdringen und die Stollen betrachten, ohne etwas Bemerkenswertes zu erblicken. Doch dann, plötzlich, fegte ein eiseskalter Schauer durch den Eingang der Mine, sodass die Esse beinahe komplett verlosch und Staub aufgewirbelt wurde. Woher dieser Hauch des Bösen kam, konnte ich nicht bestimmen, er war einfach da, bis er auf die gleiche, unerklärliche Weise wieder verschwand.
Ich entschloss mich, den Gang Richtung Brücke einzuschlagen, um dort nach dem Rechten zu sehen. Doch bevor ich auch nur einen Schritt machen konnte, erklang dieses Pochen wieder. Diesmal pulsierte es regelrecht, sodass ich es am ganzen Leibe spüren konnte, wobei es mir bis ins Mark drang. Entsetzt sah ich mich um, konnte aber rein gar nichts ausmachen. Was immer mich antrieb ich ging einen Schritt voran, fest entschlossen, dem Spuk ein Ende zu bereiten, oder wenigstens den Aufrührer zu enthüllen. Soweit kam es jedoch nicht, denn kaum setzte ich mich in Bewegung, lachte es hinter mir auf: Tief, hohl.
Als wolle es mich wegfegen, meinem Leibe das Leben aushauchen. Es bereitete mir Schmerzen, verwirrte meinen Geist und ließ mich geradezu in Panik ausbrechen.
Sofort fuhr ich herum, doch hinter mir war nichts zu sehen, kein Schatten, keine dämonische Gestalt, kein Anblick des hereinbrechenden Todes!
Immer noch klang das Lachen von hinten an mich ran, als hätte sich das Wesen um mich herum geschlichen. Panisch drehte ich mich im Kreise, mich gehetzt umsehend. Mir gelang es trotzdem nicht, ihn auszumachen. Nein, ER war nicht dort, wo ich hinsah, er war immer direkt hinter mir.
Selbst für mein altes Dwarschimherz, was schon vieles erlebte und durchmachen musste, ward dies zuviel. Mit einem entsetzten Aufschrei sprang ich in Richtung Ausgang, wobei ich über etwas metallenes am Boden stolperte und mit voller Wucht an die Steinwand krachte. Benommen, und von der Wucht des Aufpralls zu Boden geschleudert, lag ich nun dort. Nein, nicht für lange, denn gepeinigt rappelte ich mich wieder auf und wankte durch den Torbogen nach draußen, wo mich die düstere Stimmung für eine halbe Sekunde verließ, um dann mit noch stärkerer Macht zurückzukommen.
Denn laut hörte ich es wieder, das Pochen, während eine Windböe mich erfasste. Als wäre diese Böe geradezu lebendig, flüsterte sie mir zu. Nein, sie sang gar! Unmissverständlich waren diese Worte zu vernehmen, geschmückt in ein Lied des Untergangs: „ES ist mein!“
Der Alptraum schien kein Ende zu nehmen, so legte ich mir meine kräftigen Hände auf die Ohren und fing laut an, gegen den Winde anzubrüllen. Laut schrie ich nach meinen Freunden, nach meinem Volke – dass sie mich retten mögen, oder mir wenigstens beistanden. Nichts dergleichen geschah. Ich ward alleine gelassen, obwohl doch in jedem Haus um mich herum ein, oder gar mehrere Dwarschim schlafen müssten!
Der Wind ebbte langsam ab und ich fand mich, niedergekniet, vor der Mine wieder. Meine Ohren immer noch zuhaltend und am ganzen Körper zitternd, starrte ich in die Dunkelheit hinaus. In diesem Moment bereute ich es, überhaupt geboren worden zu sein. Die Qual, soeben alleine mit Worten in die Flucht geschlagen worden zu sein, derart verlassen zu sein ... selten war ich derart verloren gewesen, bei keiner Schlacht war es so gewesen, bei keinem verlorenem Kampfe. Ich ward ganz alleine, mit einem übermächtigen Dämon, der es geradezu nur darauf auslegte, mich in die Knie zu zwingen. Und das hatte er geschafft!
Diese Erkenntnis schürte in mir den Trotz, der Wille zu Kämpfen flammte auf und erwärmte mein Herz wieder, welches ich vor einigen Sekunden nicht einmal mehr in meiner Brust getragen hatte.
Ich stand auf, fest entschlossen mich zur Wehr zu setzen. Erst jetzt, als ich mich auf den Weg zu meinem Haus machte, fiel mir auf, dass das Pochen vergangen war. Kein Lachen konnte ich vernehmen, kein einziges Geräusch hallte durch die Nacht. Das Letzte, was ich vernommen hatte, war ein irres, verhöhnendes Lachen – danach kehrte die gespenstische Stille ein, die geradezu es mit all dem davor an Schrecklichkeit aufnehmen konnte. Denn sie signalisierte mir umso mehr, wie alleine ich doch war.
Auf meine Rufe war kein Dwarschim erschienen, niemand war mir zur Hilfe geeilt. In diesem Moment war ich sogar überzeugt, dass sie allesamt tot waren und nur ich noch als einzige lebende Seele im Tal verweilte, um als grausames Spielzeug dem Bösen zu dienen, sodass er noch ein wenig Spass an mir hatte, bevor er mich vom Antlitz Tares fegen würde.
Diese Erkenntnis hielt mich davon ab, mich bei dem Gedanken an meinem Plan selbst auszulachen. Denn wie sollte ich, ein einzelner Dwarschim, der sich der Bergarbeit verschrieben hatte, einem Dämon besiegen, dessen Macht an die des unheiligsten Gottes heranzureichen schien?
In jenem Moment interessierte mich diese Frage wahrlich wenig, denn schon stand ich vor meiner Haustüre und schloss sie auf. Zum ersten Male griff ich in die gut gesicherte Kiste, um das Meisterwerk der Schmiedekunst herauszuholen, mit dem Vorsatz, dieses heilige Metall im Kampfe zu tragen. Ich rüstete mich eilig, wenn auch nicht eingehend. Ein starkes Kettenhemd aus Fethril zierte meine Brust und meine Arme, eine Kettenhose aus demselben heiligen Metall schützte meine Beine. Darüber trug ich schwere Stiefel, die schon manchen Kampf gesehen hatten und die ich vor langer Zeit von meinem verstorbenen Freund Gimilkhad eingetauscht hatte. Dazu griff ich nach dem gesegnetem Kriegstreitkolben und einem kupfernem Rundschild. Während ich mich anzog, glaubte ich von der Ferne her etwas arg Merkwürdiges zu vernehmen, es klang, als ob eine große Schar Vögel am Himmel kreiste und derweil wundersame Schreie ausstieße.
Nun, so gerüstet stapfte ich zurück zur Mine, mit grimmigem, fest entschlossenem Gesicht. Kaum in der Mine angelangt, war mein Mut wieder kräftig gesunken, doch das rüttelte nicht an meiner Entschlossenheit, so machte ich einige Schritte in den Gang hinein, den ich auch schon vorher betreten hatte. Ich kam nicht viel weiter als wie zuvor, denn plötzlich zerbarst ein Knochen laut, ohne dass ich bestimmen konnte, woher dieses Geräusch kam.
Ich hatte nicht vor, mich noch einmal von meinem Unternehmen abhalten zu lassen und marschierte, schweißnass, weiter. An der Abbiegung angekommen, ging ich den Gang Richtung Mine entlang, als plötzlich der Gang vor mir sich zu bewegen schien. Es sah aus, als führte er in die Höhe, hinauf in den Himmel, doch schon nach einigen Metern konnte ich nichts mehr ausmachen, undurchdringlich Dunkel war es dort.
Ich beugte mich dem Urteil und drehte wieder um, um den anderen Gang zu nehmen, welcher in die Zunftmine führte. Doch kaum bog ich in ihn ein, erwartete mich ein weiterer, schrecklicher Anblick. Ein Skelett, aufrecht stehend, blickte mich mit dunklen, hohlen Augen an. Es bewegte sich nicht, sondern stand starr da, trotzdem fühlte ich mich durch es beobachtet. Seine Größe ließ darauf schließen, dass es einst einer aus unserem Volke war, ein verlorener Bergarbeiter, der vor vielen Jahren unter Obolosch gestorben war und nun für die Zwecke des Seelenfressers benutzt wurde!
Wir starrten einander einige Zeit an. Unmöglich ist es mir, die Zeit genau zu definieren, es können Sekunden, als auch Stunden gewesen sein. Doch, wann immer es war, die Knochen wurden auf einmal mit Leben gefüllt, als ein weiteres Gelächter aus dem Berge erschallte. Das Lachen ließ die Knochen marschieren, und jenes widerliche Ding stapfte ungelenk, aber direkt auf mich zu.
Ich riss meinen Schild hoch und blockte seinen Angriff vorerst ab, um selber zum Schlag zu kommen. Die wandelnden Knochen hielten sich nicht lange, zu wütend war mein Gemüt und zu sehr sehnte sich mein Streitkolben danach, Rache zu tun. Kaum fielen die Knochen vor mir auf den Boden, stürzten die nächsten Wesen auf mich zu, sodass ich in einen gewaltigen Kampf verflochten wurde. Mehrmals trafen sie mich schwer, und nicht nur einmal ging ich zu Boden, doch trotz allem konnte ich mich der Untoten erwehren, die unnachgiebig auf mich einschlugen. Mittlerweile stand ich in der Mine, durch den Kamf dorthin getrieben. Nun stand ich schließlich gleich drei dieser grässlichen Wesen gegenüber. Wieder hörte ich das Lachen, diesmal schrie ER, selbstsicher und fanatisch, die Worte: „ES ist mein! HAR HAR!“
Mit letzter Kraft zerschmetterte ich einen Eindringling, doch sah ich mich immer noch den anderen zweien staksigen Knochen gegenüber. Ich war erschöpft und keineswegs sicher, diese Beiden bezwingen zu können, doch plötzlich tauchte ein weiterer Dwarschim auf um gnadenlos seinen schweren Kriegshammer durch die Knochen der Feinde zu treiben.
Ich wankte zurück und betrachtete, wie der Gardist Garinox die Mine, in die ich getrieben worden war, von den Knochen säuberte, indem er sie mit lautem Kampfgeschrei zerbarst. Königlich war der Anblick für mich, der sich schon verloren glaubte. Es lebte also doch noch jemand in diesem Tale, ich war nicht der Einzigste!
Hier möchte ich vorerst meinen Bericht beenden, um am morgigen Tage weiter zuschreiben. Mit Schwermut erfüllt mich der Gedanke an die Geschehnisse, so will ich nicht zuviel auf einmal über mich ergehen lassen.
[Edit: War gestern etwas müde, habe jetzt einige Fehler ausgebessert + stilistisch sollte es schöner sein ...]
Zuletzt geändert von Balkazar: 1.08.02, 11:44, insgesamt 1-mal geändert.
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