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Noch immer flimmerte die Luft von der Hitze des Tages, jedoch neigte sich die Sonne schon in ihrem üblichen Wege dem Untergang zu. Sie verweilte an dem stillen Platze am Flussufer, wo sie so gerne verweilte um die Ruhe die sie dort umgab zu genießen. Sie hatte die Sandalen von den Füßen gelöst und hielt sie an den Riemen locker in der Hand und leicht schaukelten sie in dem Rhythmus ihr schritte. Das sommerlich warme und grüne Gras federte leicht unter ihren Füßen und auch schienen sie kaum unter ihrem Gewicht niedergedrückt zu werden. Sie schloss die Lider langsam und genoss die letzten warmen Sonnenstrahlen des Tages auf ihrer Haut und die leichten, frischen Böen die manchmal vom Fluss zu ihr wehten. Sie lief langsam zu der hellen Holzbank hinüber und lächelt gedankenverloren und ein wenig verträumt. Sie wusste als sie das letzte einmal hier war, war sie nicht allein und endlich schien jemand zu verstehen warum sie diesen Ort so liebte. Langsam setzte sie sich nieder auf die Bank und strich sorgfältig über die golden glänzenden Runen auf ihrem Kleid. Ihre Fingerspitzen wanderten dann langsam hinab über das raue und spröde Holz, scheinbar jede kleine furche oder Astloch abtastend. Hatte er nicht dort gesessen und mit ihr in die aufgehende Sonne gesehen die den Horizont in eine Explosion der Farben tünkte und ihre Herzen erwärmt?
Dha, hier war es...
Ihr Blick wanderte zu dem letzten Rest des orangenen Feuerballes der die Dächer der marmornen Stadt in sein Licht tauchte und erwärmte. Nie wirkte Rohehafen so lebendig wie in diesen Momenten. Ein leichtes Lächeln umspielte verträumt ihre Mundwinkel. Die Sonne...
Hat sie doch erst jetzt ihre Wärme erkannt die sie umfingen wie tröstende oder liebende Arme. Dann schmunzelte sie wieder Willen, denn beinahe schien es ihr wie Ironie. Sie lies die Sandalen langsam aus der Hand in das Gras neben der hölzernen Bank gleiten. Ihr Blick streifte langsam über die Wiese und langsam hob und senkte sich ihre Brust in einem tiefen Atemzug als sie die natürliche Schönheit der Gegend auf sich wirken lies. Ihr Blick glitt über die vielfarbigen Blumen und schien jedes einzelne Blütenblatt zu bewundern. Er wanderte weiter zu den runenbesetzten Kreuzen, die trotz ihrer Rauheit in diese Umgebung zu passen schienen, als wären sie mit ihr entstanden als sich Tare zu dem formte was es nun war. Sie löste auch von dort den Blick und richtete ihn auf den Fluss.
Sie erhob sich mit ihrem leise, raschelndem Gewand und schritt langsam zu dem Ufer. Sie setzte sich schweigend in das Gras und ihr schien es gleich ob sie ihr Kleid damit beschmutze oder es zerknittern konnte. Der Fluss floss stetig und langsam dahin. Sein Anblick war beruhigend zugleich auch atemberaubend. Rötlich schimmerte er in den letzten Strahlen der sinkenden Sonne. Kleine Strudel bildeten sich ab und an einigen Stellen und schienen zu tanzen. Einen Tanz der nur ihnen gehörte und sich irgendwann wieder in den langsamen Zug des Flusses anpasste. Ein schillernder Körper durchbrach die Oberfläche und sprang in einem kleinen Bogen zurück in das Wasser. Für einen Moment schillerten die Schuppen des Fisches in den Farben des Regenbogens bevor er mit einem leisen Platschen wieder verschwand und nichts zurück ließ als die kleinen kreisförmigen Wellen die sich im Flusse ausliefen.
Sie neigte den Kopf leicht zur Seite und betrachtete schweigend ihr Spiegelbild im dämmrigen Lichte. Eine Stimme hallte in ihrem Kopf. Weit entfernt schien sie und so vertraut, doch löste es in ihr auch die Erinnerung das dies nicht mehr zu ihrem jetzigen Leben gehörte. Bilder der Erinnerung begannen sich vor ihrem geistigen Auge zu formen.
Die Sonne strahlte hell und noch recht warm für die herbstliche Jahreszeit. Der Vorort der alten Stadt schien in diesen Tagen voller leben, denn jeder schien sich auf das Erntedankfest vorzubereiten. Geschäftig trugen hier und da einige Menschenfrauen Körbe voller rotbackiger Äpfel die Strassen entlang. Die Männer führten vollbeladene Packpferde am Zügel und die Packtaschen quollen beinahe über von eingebrachtem Heu. Schäfer trieben schreiende schlafe und Lämmer zu ihrem Stall und lächelten zufrieden mit der Fortpflanzung derer. Würde es doch sicher gutes Gold geben, wenn man saftige Lämmer oder Hammel verkaufte. Eine Hohe Elben schienen ebenso von dem Eifer ergriffen alles für den Winter vorzubereiten. Gerüche drangen aus den Stuben von eingemachten Früchten. Weine wurden gebraut und jeder war sich sicher das es dieses Jahr wohl die beste Weinlese gewesen sein musste. Fleisch wurde gepökelt oder zum trocknen aufgehängt. Und zwischendrin tobten die Kinder. Ob elfisch oder menschlich alles tollte in den Strassen, um die letzten sonnigen Tage noch zu nutzen.
Auch sie selbst war darunter. Sie spielte mit Llilian und einigen anderen Elben haschen und sie kreischten und kicherten vergnügt. Das kleine luftige Kleid mit den bestickten großen Blumen flatterte ebenso heftig beim rennen wie ihre langen, goldenen Locken. Sie tobte ausgelassen und lachte vergnügt. Sie sah aus den Augenwinkeln ihren Onkel Elathalion vor die Türe treten. Er lächelte und schien dem treiben zu folgen. Sogleich stürmte sie auf ihn zu in seine Arme. Er fing sie lachend auf und drückte sie an sich. Sie kicherte vergnügt und sah ihn an. „Onkel warum spielst du nie mit mir?“ Er strich ihr lächelnd über das Haar und antwortete: „Nun, wenn du älter wirst, wirst du auch lieber die ruhe suchen, dich von dem treiben entfernen wollen um wieder zu dir zu finden!“ Sie kniff leicht die Augen und schüttelte wild den Kopf, so dass ihre locken nur so wild um ihren Kopf flogen. Denn verstehen konnte sie es nicht. „Nill, ich glaube ich werde das niemals tun!“ Etwas zupfte an ihrem Rockzipfel und sie sah von der Höhe Elathalions Arme hinab. Dort stand Llilian und schaut sie abwartend an. „Ich muss nun gehen, wir essen gleich!“ Sie nickte und ihr Onkel ließ sie zurück auf den Boden gleiten. Sie schaute Llilian lachend an. „Nah’ Llilian wir sehen uns nach dem Essen“ Er rührte sich jedoch nicht vom Fleck sondern trat ein oder zweimal verlegen von einem Fuß auf den anderen. Dann beugte er sich schnell vor und drückte ihr einen schnellen ungeschickten Kuss auf die Lippen und stürmte so schnell davon wie ihn die Beine trugen. Hinter ihr begann Elathalion schallend zu lachen und mit hochrotem Kopf wand sie sich wieder zu ihm um und schaute ihn verstört an. „Was war das?“ Er setzte sich immer noch lachend zu ihr auf die Stufe. „Das war ein Kuss. Man schenkt ihn denen die man mag, doch vor allem denen die man liebt. Ich weiß es wird der Tag kommen, da wirst du es verstehen. Vielleicht wirst du dich irgendwann wieder verstört fühlen, obwohl du vielleicht schon tausende Male geküsst hast. Dann wirst du wissen, das es ein Neuanfang ist und du beginnst neu zu leben und vor allem zu lieben“ Dann lachte er wieder und das Lachen wurde ferner und ferner und die Bilder verblassten...
Der Fluss mit seinen beharrlichen murmeln und Plätschern war wieder da und erfüllte sie und ihre Gedankengänge. Sie schien die Hitze der Rötung ihrer Wangen wieder zu spüren. Dann lachte sie heiter: „ Dha, er hatte recht, ich habe es verstanden!“ Sie ergriff die Sandalen an der Holzbank und wanderte langsam am Flussufer entlang auf die nächtliche Stadt zu.
Zuletzt geändert von Fayola: 7.08.02, 11:08, insgesamt 1-mal geändert.
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