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 Betreff des Beitrags: Der Geist der dunklen Kriegerin
BeitragVerfasst: 19.08.02, 20:55 
Festlandbewohner
Festlandbewohner

Registriert: 17.08.02, 11:20
Beiträge: 5
Wohnort: Umbra
Der Elf hockte auf dem Oberkörper der Frau, sein ganzes Gewicht drückte sie zu boden. Unter der Robe welche die Frau trug, zeichnete sich schwere Plattenrüstung ab. Die Bärenmaske auf seinem Kopf hebt und senkte sich. Seine stechend gelben Augen, wie die Farbe von hellem Feuer, starrten den Reiter vor sich an. Die rechte Hand des maskierten Elfen lag um das Heft des fahlgrau schimmernden Schwertes. Die Spitze des Schwertes ruhte am Hals der Frau unter sich, die nur noch schwach atmete.

„Geh!“, rief der Elf ein drittes mal, seine stimme war verzerrt und grollend, doch der Reiter vor ihm machte keine Anstalten fort zu reiten. Die Schwarze Rüstung des Reiters vor ihm glitzerte im Sonnenlicht. Bedrohlich bleckte der Mann unter dem Schwarzen Nasenhelm die Zähne. Verstand er ihn nicht?

Der Reiter schien nicht zu verstehen, er musste wachen, er konnte sie nicht hier herumziehen lassen. Die Sippe vertraut ihm! Doch der Reiter wusste von all dem wohl nichts, nur ein unwichtiger kleiner Elf hockte auf seiner Dienerin, sein Herr würde es richten. Voll vertrauen intonierte der Reiter ein Gebet. Seine Stimme war tief und bedrohlich, die Worte voll Selbstsicherheit. Der sehnige Elf, gekleidet in von Schwerthieben zerfetzten Kleidern, verlor die Kontrolle, dreimal hatte er den Reiter aufgefordert zu gehen, dreimal hatte dieser ihn, den Wächter des Simil, ignoriert. Sie hatten vor seine Sippe zu schaden! Sie wollten den Hain vernichten! Ruckartig drückte der Elf die Klinge seines Schwertes in den Hals der Frau. Der Körper unter ihm zuckte auf, doch der Reiter vor ihm schien es nicht wahr zu nehmen. War er blind in seiner Selbstsicherheit? Unterschätzte er den Elfen so sehr? Oder hatte er den Stich in den Hals seiner Dienerin einfach nicht gesehen? Wieder forderte der Elf.

„Geh! Der Findil der Frau wird dir folgen.“, krächzte der Elf mit einer seltsam verzerrt klingenden Stimme. Verstand er es? Scheinbar, er wendete das Pferd, und ritt langsam in den Wald, mit einem Fauchen das unter dem Helm hervor kam verschwand er im Wald.

Die Brüder des Elfen tauchten aus ihren verstecken auf. Waren sie die ganze Zeit hier gewesen? Der Elf hatte sie nicht wahr genommen. Es war egal, er hatte die Sippe verteidigt.

Die Frau unter dem Elfen atmete nur noch röchelnd, während sich der Blick des von der Maske bedeckten Elfen langsam herabsenkte. Schnell öffnete er die Halskrause der Frau, und blickte auf die Wunde an der Oberseite ihres Halses. Die Wunde war tief, hatte er den Hals doch fast ganz durchstochen. Blut strömte aus der Wunde, der Atem der Frau ging langsam in einem Gurgeln unter, sie spuckte Blut. Das Leben wich aus ihrem Körper.

Langsam zog der Elfe den verstärkten Handschuh von seiner linken Hand, eine klauenartig entstellte Hand kam zum Vorschein. Die Haut an der Hand war fast gänzlich entfernt, die Reste verkrüppelt und vernarbt. Die Fingernägel waren zu langen Krallen gewachsen, welche im Sonnelicht scharf funkelten. Auf dem Handrücken war eine elfische Rune eingeritzt. Die Hand senkte sich zitternd auf die Wunde am Hals der Frau, die Rune auf dem Rücken der hand begann fahlgrün zu leuchten. Zitternd schloss der Elf die Augen.

Leid, Trauer, Schmerz, Verlust, Verrat. Bilder des Schmerzen der Frau zeigten sich dem Elf. Dienen dem Herren. Er verstand es nicht. Warum war sie nicht um Gleichgewicht? Ihre Seele verloren? Ihr Findil viel zu weit entfernt. Doch die Schmerzen und der Kummer der Frau gingen in ihn über, verloren sich in seinem Geist. Das Amulett. Ein weiterer Schnitt in seiner Seele. Die Klinge senkte sich in seinen Hals und er spürte wie sein Blut aus der offenen Wunde an seinem Hals floss.

Zitternd öffnete der Elf wieder die Augenlieder und starrte auf den Hals der Frau. Der Reiter stand wieder vor ihm, er hatte ihn gar nicht bemerkt. Doch seine Brüder waren hier. Doch der Findil der Frau lag noch um ihren Hals. Mit einem Ruck riss er das Amulett vom Hals der Frau. Krallte es in der blutigen Hand fest. Der Reiter vor ihm sprach irgendetwas, doch er hörte nicht zu, sollte er doch die Hülle haben, der Findil der Frau würde in den Simil zurückkehren. Langsam erhob er sich aus der Hocke auf dem Brustkorb des schlafen Körpers unter ihm und wankte einen Schritt zurück. Der Reiter im dunklen Plattenharnisch sprang von seinem Pferd, hievte den schlaffen Körper der Frau auf das Pferd und verschwand im Dickicht des Waldes.

„Komm nie wieder! Oder dein Findil bleibt auch hier.“, rief der Elf ihm nach. Hatte der Reiter das verstanden? Wusste er überhaupt was seiner Dienerin zugestoßen war? Ly wusste, er wird zurückkehren.

Einen Moment starrte er zu seinen Brüdern. Sein Bruder Lorion, schwach und wankend stand er etwas entfernt, die Wunden die der Reiter im zugefügt hatte offen und scheinbar nur mit größter Mühe konnte er sich aufrecht halten. Der Elf mit der Maske nahm es kaum war als seine Brüder sich abwandten und in Richtung Hain gingen. Noch immer starrte er auf das Amulett der Frau. Langsam wickelte er es um sein linkes Handgelenk, zog dann den Handschuh darüber.

Ein letztes Mal blickte er in die Richtung in die der Reiter verschwunden war. Er wusste der Reiter würde zurückkehren, und den Findil der Frau suchen.


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BeitragVerfasst: 19.08.02, 23:24 
Ehrenbürger
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Registriert: 19.08.02, 23:21
Beiträge: 661
Die Kriegern konnte schmerzhaft ihren eigenen Herzschlag spüren, immer wieder pochend in den Wunden, wo die Elfenpfeile Schwachstellen in dem Plattenpanzer gefunden hatten. Es war nicht das erste Mal, dass sie Elfen gegenübergestanden hatte. Der Zweikampf mit der Kriegerin aus den Auen hatte sie gelehrt, wie schnell sie zuschlagen konnten. Ohne den schweren Panzer hätte sie sich geschlagen geben müssen, schon allzu bald. So hatte sie gewonnen. Derselbe Panzer, der sie damals gerettet hatte – in dem Duell um ihr eigenes Leben – war ihr nun zum Verhängnis geworden. Die Pfeile hatten Schwachstellen des Panzers durchschlagen und allein konnte sie die schweren Plattenteile nicht abnehmen, um die Wunden zu versorgen. Es konnte nicht mehr lange dauern, bis die beiden anderen zurück waren. Sie ließen einander niemals im Stich.

Die Kriegerin zählte ihre Herzschläge mit. Sie durfte nicht bewusstlos werden. Der Schweiß trocknete auf ihrer Stirn. Der Schmerz war zu einem dumpfen Pochen herabgesunken, solange sie sich nicht bewegte. Sie würde laufen können, zumindest ein Stück weit. Bald würde der Reiter die junge Anwärterin gefunden haben. Sie war noch vor dem kurzen Kampf im Wald verschwunden. Die Kriegerin selbst musste nur durchhalten. Das anhaltende Wispern der Blätter im Wind mischte sich mit dem Rauschen des Blutes in ihren Ohren. War das das Sonnenlicht, das im Laub auf dem Waldboden tanzende Muster malte? Sie blinzelte mehrmals um klarere Sicht zu bekommen – vergeblich. Der Wald schien sich zu drehen, um sie herum anzuwachsen. Zornig über ihre eigene Schwäche ballte sie die Fäuste und das Metall ihrer Rüstung klirrte leise. Die Worte des Gebetes, das sie in den vergangenen Mondläufen so oft gesprochen hatte, kamen wie selbstverständlich über ihre Lippen. Es half. Der Wald hörte auf, sich um sie her zu drehen. Sie spürte den mittlerweile fast vertrauten Halt in den Worten, in ihrem Herzen.

Viel zu spät hörte sie den Elfen nahe kommen. Viel zu spät nahm sie die mattgraue Klinge wahr, von hinten gegen ihren Hals gelegt. Viel zu spät begriff sie, dass der Elf, der mit ihr zusammen zu Boden gegangen war, sich allzu schnell erholt hatte als hätte der Wald selbst ihn geheilt. Sie konnte nicht mehr reagieren. Es blieb nichts, als stillzuhalten. Tot konnte sie ihrem Herrn nicht dienen, ihre Aufgaben nicht erfüllen, ihren Brüdern und Schwestern nicht beistehen. Sie hielt still. Seltsamerweise blieb sie ruhig. Als hätte das Gebet ihren Geist gestärkt, spürte sie keine Furcht. Ihr Herr wusste, was geschah. Sie war nicht allein. Er war die Wahrheit, die sie nach der bitteren Lüge und dem grausamen Verrat gesucht hatte. Es gab keinen Grund für Zweifel und keinen für Furcht.

Schmerz schoss erneut durch ihren Körper, als der Elf sie niederdrückte. Sie spürte, wie einer der Pfeile, die sie nicht hatte herausziehen können brach, als sich ihr Panzer verschob. Die Spitze grub sich schmerzhaft in ihr Fleisch. Sie schrie nicht. Der Schmerz schien ihr seltsam fern, während das Gebet in ihrem Kopf nachhallte. Aus einem Impuls herauf blickte sie auf. Vor ihren Augen tanzten rote Schlieren wie gezogen durch das Blut unter ihrem Panzer. Der Elf hockte auf ihrer Brust – war es ein Elf? Er wirkte wie ein Tier, Haut verschwamm mit Fell, gelbe Augen wie die eines Wolfes stachen aus dem Gesicht aus Fell hervor. Ein Knurren drang aus der Kehle des Elfen, des Tieres. Das Geräusch ließ Talisha sich anspannen. Sie kannte das Knurren von Wölfen, erinnerte sich nur allzu gut daran. Wölfe waren es gewesen, die sie fortgelockt hatten, ihre Pflicht zu erfüllen. Ihre Pflicht den Schwächeren gegenüber, ihre Pflicht den Göttern gegenüber, ihre Pflicht... – die Klinge lag auf der bloßen Haut ihrer Kehle, kurz oberhalb des Metallkragens. Es war alles Lüge gewesen, alles Verrat. Nur eine Wahrheit war geblieben, eine Gewissheit ohne jede Täuschung, jeden Zweifel. Eingebrannt in ihre Erinnerung und in ihr Herz. Sie fürchtete sich nicht, immer noch nicht. Ihre eigenen Gedanken kamen ihr bizarr vor, als wären es nicht ihre, als läge eine andere verwundet auf dem Waldboden, die scharfe Klinge an der Kehle. Ihr Herr sah und wusste.

Sie hatte nicht bemerkt, dass der Reiter zurückgekehrt war. Die Worte, die die Kreatur auf ihrer Brust mit ihm wechselte, hörte sie kaum, verstand gar nichts. Worte des Gebetes klangen immer noch in ihren Ohren. Sie merkte, wie sie selbst die Worte nachsprach, hörte aber nicht, was sie sagte. Sprach sie wirklich? Ihre Kehle war trocken, die Klinge hatte ihren Druck verstärkt, warmes, salziges Blut rann daran hinab, über das glänzende Metall. Das lederne Band um ihren Hals schnürte ihr die Luft ab, als sie sich zu regen versuchte. Es musste sich zwischen Panzer und Kragen gehakt haben. Das Amulett hing daran, Zeichen der Wahrheit, die sie gefunden hatte und Hohn den Lügen, an die sie viel zu lange geglaubt hatte. Sie hob die Hand, um es zu lösen, das Metall zu spüren, das nach dem Brand und der Glut nie ganz abgekühlt war. Sie hatte es immer auf der Haut getragen und sie ahnte, dass es ihr die Kraft geben konnte, die sie brauchte. Noch immer hockte die Kreatur auf ihrer Brust wie ein Parasit. Nur noch ein wenig weiter und sie würde den Parasiten von sich schütteln können. Ihre Fingerspitzen berührten fast schon das Metall.

Der Schmerz schoss ihren Arm hinauf, als er niedergedrückt wurde. „Herr, hilf deiner untertänigen Dienerin...“. Der Satzfetzen hallte in ihrem Kopf nach, Teil des Gebetes.
„Schenk mir die Kraft, um dir zu dienen...“. Sie spürte die Nähe des schwarzen Reiters auf seinem Pferd, die Nähe des Bruders im Glauben, das unerschütterliche Wissen um die Wahrheit. Es fühlte sich an, als brenne das Amulett auf ihrer Haut. „Mein Leben in deinen Händen, meine Seele in deinen Hallen, mein Streben allein nach deinem Willen...“.
Plötzlich durchzuckte sie ein scharfer Schmerz. Blut floss warm und klebrig über ihre Haut. War das ihr Blut? Verzweifelt versuchte sie, zu atmen, noch einmal Luft zu holen.
Der Wald, der Schmerz unter dem Panzer, das Gewicht des Elfen, der Reiter, alles schien auf einmal unendlich weit weg. Das Gebet war unterbrochen, grausam beendet. Alles verschwamm, verzerrte sich, wie sich einst die Zeichen auf dem Amulett verzerrt hatten, zerschmolzen im Feuer. Die Lungen der Kriegerin brannten und trotzdem war ihr kalt, entsetzlich kalt. Ihre Aufgabe war noch nicht beendet, das Ziel nicht erreicht, sollte sie dennoch schon gehen? Es war, als hieße das Feuer sie erneut willkommen, als lüde es sie ein, heim zu den ihren. Immer noch verspürte sie keine Angst. Eine einzige, salzige Träne rann die Wange der Kriegerin hinab. Mehr Tränen hatte sie nicht mehr übrig, nicht einmal für ihren Tod.
„Und selbst im Tode bin ich dein.“


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