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So lasset mich erzählen, Freunde. Berichten will ich euch von alten Brescha, welche uns längst verlassen haben. Das Tal, in welchem ihr hier verweilt, wurde einst durch ihre Bärte erbaut, durch ihre Bärte erhalten und mit ihren Bärten mit Leben gefüllt.
Nun sind sie verschwunden, genauso wie das Feuer Arkadons verschwunden scheint. Diese beiden Geschehnisse lassen sich zweifelsohne zusammenfassen, denn alles geschah zur selben Zeit, am selben Tage!
Die Erinnerungen an diese Zeiten ... ich sehe sie verschwommen, voller Trauer und Frustration. Kein Lichtblick ward zu sehen, gar so finster war es wie damals, während dem Dunkeltief – wenn nicht gar schlimmer. Ah, doch waren die Zeiten anders – ich würde sie noch einmal durchleben, wenn ich nur noch einmal bei meinen Freunden sein könnte.
Es ward der 19.Querlar, dieses Datum wird euch wahrlich bekannt sein – der Rat der Dwarschim hatte zur Schlacht gerufen. Die Bedrohung für das heilige Tal ward zu groß, als dass man noch länger hätte warten dürfen! Der Friedhof zu Finsterwangen, welcher schon so oft Ausgang des Übels war, sollte nun endlich fallen. Den Erdboden sollte er gleich gemacht werden, sodass nur noch Asche und Schutt über blieben, wenn das Heer ruhmreich wieder davonziehen würde. *lacht geqäult auf* So war es geplant, so sollte es sein!
Denn dieser Friedhof hatte vor langer Zeit, während der anhaltenden Dunkelheit, das Heer auferstehen lassen, welches die gesamte Insel mit Schrecken überzog. Gimilkhad Engrin ward damals dabei, als die Dunklen ihre Beschwörungen abhielten – kurz darauf fiel Finsterwangen unter ihrem Ansturm.
Genau diese Gefahr sahen unsere Führer damals, sie hatten recht ... ja, sie hatten recht! Und wir – aber nein, immer der Reihe nach.
Nun, wir sammelten uns zum 6ten Dunkelzyklus im heiligen Tale, sowie unsere Vettern zur selben Zeit sich in ihrem Tal versammelten. Unsere Bragarim, ha! Eine Pracht waren sie, in ihren Fethrilhemden, geziert von goldenen Helmen und Armschonern. Stolz standen sie in einer Reihe, vor dem Kan’Thrag Tegoril, welcher sich mit dem Flammenweber Ufretin unterhielt. Dann erschienen zwei weitere Dwarschim, ebenso in Fethril- und Goldrüsten. Es waren der Bra’Gar Thorgon und der damalige Verwalter und Bingenmeister Balkazar. Kurz unterhielten sie sich, denn Karag, der zweite Weber, ward noch nicht erschienen – und noch länger warten konnten wir damals auch nicht.
So hinterließen wir ihm ein Schreiben und setzten uns in Bewegung – das gesamte Heer der Klenrock’Dwarschim, ausgenommen ein paar Wächter. Es war schon für sich ein komplettes Heer ... Reiter, Schützen, Weber und natürlich die Bragarim.
Mit grimmigen, entschlossenen Gesichtern marschierten wir los, in die Richtung des Wachpostens zu Finsterwangen, welcher als Treffpunkt vereinbart worden war. Wir achteten darauf, dem Friedhof nicht zu Nahe zu kommen, während Balkazar anfing, die ersten Kriegslieder anzustimmen, in die wir natürlich sofort mit einfielen.
So stapften wir weiter, bis wir letztendlich den Wachposten erreichten. Dort warteten bereits die Brüder und Schwestern aus Brockental auf uns. Ihre Truppe war wohl kleiner, aber nichtsdestotrotz waren sie eine starke Streitmacht, welche sich nun mit unserer verbündete. Dieses Heer zu betrachten, in den Strahlen der aufgehenden Sonne, war herrlich! Die Rüsten blitzten, die Waffen waren frisch geschliffen und die Entschlossenheit lies keine Zweifel entstehen.
Das Heer stellte sich in Reihen vor dem Kan’Thrag auf, welcher uns seine Pläne mitteilte. Er hatte vor, den Friedhof zu umgehen und von Süden anzugreifen, denn weder würden die Feinde darauf vorbereitet sein, noch würden wir durch Absperrungen gehindert werden, den Ort des Bösen zu stürmen! So fiel das Heer in den Ruf mit ein: „Dwarschim!“ ertönte es aus Hunderten von rauen Dwarschimkehlen.
Darauf überließ Tegoril dem ehrenwerten Ufretin den Platz, welcher von einem Spitzohr begleitet wurde. Er teilte dem Heer mit, dass dieser Elf ein Hohepriester Arkadons sei und wir seine Unterstützung bräuchten, wenn das Ritual vollstreckt werden sollte. Selbstverständlich stieß dies auf geteilte Meinungen, sodass ein Streit vom Barte brach! Doch schon bald wurde er beendet, denn es war wahrlich nicht die Zeit lange zu reden – das Spitzohr dürfte das Heer begleiten.
Wir marschierten, wie befohlen, um den Friedhof herum, schon auf dem Wege fielen uns wilde Tiere an! Ihre Mäuler schäumten, ihr Blick verriet blanken Wahnsinn und Todesangst. Sie stellten natürlich keine Gefahr für unser Heer da, doch verlangsamten sie unseren Aufmarsch. Letztendlich kamen wir aber trotzdem zum Friedhof, wo sofort ein Kampf mit großen Verbänden von untoten Kriegern entbrannte.
Ich vermag nicht viel darüber zu berichten, der Kampf dauerte lange und zweifelsohne war er hart – trotzdem schafften wir es, uns langsam vorzukämpfen. Letztendlich standen wir vor den Toren des Friedhofes, welche durch brennende Skelette beschützt wurden – deren Kräfte es mit 3 oder gar 4 Dwarschim aufnehmen konnten!
Doch letztendlich fielen auch sie unter den Waffen der Dwarschim und das Heer drang in das Gelände des Friedhofes ein. Dort gab es weitere Kämpfe, doch war an der entschlossenen Wut unseres Volkes nichts zu rütteln. Die Feinde wurden nach und nach zu Boden geschlagen, bis auch der letzte Knochen zersplittert war!
Bellum hatte gesorgt, dass das Kriegsglück auf unserer Seite war, wir hatten diesen Kampf gewonnen.
So finden wir an, das mitgeführte Holz auf dem Friedhof zu verteilen. Nach und nach schichteten wir die Stämme auf, über den ganzen Ort hinweg. Der größte Stapel wurde in der Mitte aufgeschichtet, sodass schon ein normales Feuer jegliches Leben an diesem Orte vernichten müsste – ein Feuer, gesegnet durch Arkadon und in dieser Größe ... unvorstellbar!
Als das Werk vollendet war, stellten sich Ufretin und das Arkadonspitzohr vor den angezündeten Flammen auf und fingen an, das Ritual zu vollführen. Das gesamte Heer stand um den Friedhof herum und fing an zu beten. Für Arkadon, für seine Macht beteten hunderte von Kehlen, gebündelt durch die Flammenweber, welche bald noch durch Karag verstärkt wurden. So beteten wir, fortwährend hin, während uns alle ein ungutes Gefühl beschlich. Etwas beobachtete uns ... etwas kam langsam, aber unaufhörlich auf uns zu!
Doch was hätten wir schon tun können ... wir beteten weiter, bis plötzlich in der Mitte des Friedhofs ein Spalt aufriss. Immer weiter breitete er sich aus, bis schließlich immer weitere Flammen darin versanken – oder in dem Nebel, welcher aus ihm strömte, langsam zu Grunde gingen!
Im aufkommenden Tumult konnte ich nicht genau erkennen, was vor sich ging, doch eine Gestalt trat aus den Flammen, durchgehend gepeinigt von einem seltsamen, schwarzen Raben.
Arkadons verließ uns genau in jenem Moment ... die Flammenweber wurden von etwas zurückgeworfen und schlugen hart zu Boden auf, als weitere Untoten überall sich aus dem Boden gruben. Teilweise noch bewaffnet, formierten sie sich und sprangen auf uns zu ... unser zerstreutes Heer konnte gegen den Ansturm nichts ausrichten, unter der aufprallenden Woge wurde es zurückgeworfen und niedergeschmettert. Manche Truppen konnten sich wohl gegen die wandelnden Knochen behaupten, indem sie sich gegenseitig den Rücken deckten, doch wurden die Meisten zu Boden geschlagen.
Vor allem ein Geist, dessen Hände scharfe Klauen trugen, wütete unerträglich und schlug Dwarschim um Dwarschim nieder – unter ihnen ward Balkazar, welcher von den Klauen regelrecht durchbohrt wurde!
Letztendlich konnte eine größere Truppe Dwarschimkrieger dieses Monster besiegen, doch ward es zu spät.
Die Schlacht war verloren, Arkadon hatte die Dwarschim im Stiche gelassen!
So man vermochte, zerrte man die Verletzten und Toten vom Schlachtfeld – in einzelnen Gruppen versorgte man die Verletzten und trauerte um die Toten.
Balkazar’s Leichnam hatte man zu so einer Gruppe getragen, er lag neben Torquil, welcher, wie allzu viele andere, sehr schwer verletzt war.
Als Torquil den toten Leib neben sich sah, erlosch in ihm der Lebenswille und er griff nach Balkazars Hand ... und so starb auch er, ihre Freundschaft auch im Tode noch besiegelnd.
*er atmet schwer durch, ein lautes Seufzen ist zu hören*
*mehrmals reibt er seine wässrigen Augen*
*dann erhebt er sich, rückt einen Humpen beiseite und stapft ohne weitere Worte eine Treppe hoch*
*man hört, wie eine Türe im Obergeschoss zuknallt*
*es ist still am ganzen Tische, keiner der Jungbärte sagt nur ein Wort, sie starren nur mit betroffenen Gesichtern in ihre halbleeren Humpen*
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