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 Betreff des Beitrags: [Plot] Blaue Blüten
BeitragVerfasst: 28.03.17, 16:48 
Edelbürger
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Es war überwältigend. Mit einem mehr als zufriedenen Lächeln verneigte sich das Opernensemble von Papin Stadt vor der Zuschauerschaft, die ihnen stehend Beifall klatschten. Der Blick der jungen Violinistin ging zum Konzertmeister. Ein wahrer Tyrann, der jeden falschen Ton erahnte noch bevor man ihn gespielt hatte und der auch an der besten Leistung immer noch etwas aus zu setzen hatte, aber auch dieser Schinderhannes schien heute mehr als nur glücklich und zufrieden zu sein. Die Premiere war mehr als geglückt. Dabei war das Stück selbst nicht einmal sonderlich originell. Klar war das Thema Liebe, wie in so vielen Werken, aber mit erstaunlich wenig Drama, was es schon eher zu einem Märchen denn einer Oper machte. Eine Oper in der niemand starb? Kaum Wirrungen? Eine Prinzessin, die sich in einen Köhler verliebte, das klang ja schon ein wenig nach dem Prinzen, der in einen Frosch verwandelt worden war. Und die Stiefmutter und die Stiefschwester? Beide waren doch eher um den Ruf der Prinzessin besorgt, als ihr wirklich Böses zu wollen, auch wenn beide sich vehement gegen diese Liebe stemmten. Dennoch kam man nicht umhin dem ungleichen Paar alles Gute zu wünschen wenn am Ende nach viel hin und her dann doch der Smaragdbund fürs Leben geschlossen wurde und dass ohne wie es vorher in Opern doch üblich war die halbe oder die ganze Verwandtschaft durch Gift und Meuchelmörder dahin gerafft wurde.

Alles wirkte so leicht, irgendwie verträumt, etwas märchenhaft eben. Die Rolle der Prinzessin war aber auch wirklich gut besetzt worden, ein junges, frisches Gesicht mit einer Stimme, die selbst Steine zum Weinen hätte bringen können. Viele helle Lieder, nur eine Prise Schwermut wenn sie von der Einsamkeit sang oder davon wie das rußige Gesicht vom Markt, das sie aus der Kutsche heraus nur flüchtig gesehen hatte sie in ihre Träume begleitete, die männliche, aber angenehme Baritonstimme mit der er seiner Arbeit nach ging um das Einfache zu preisen, das er den Leuten auf dem Markt an zu bieten habe. Das Mutter und Schwester die Stimme erheben wollten am Schluss als die Geweihte fragte ob jemand Einwände gegen diesen Bund habe und diese daraufhin in zwei Singvögel verwandelt wurden, die ein fröhliches Gezwitscher anstimmten als der Bund dann auch geschlossen wurde und der letzte Vorhang fiel rundete das Gesamtbild ab.

Zugegeben, anfangs war sie sehr skeptisch gewesen ob so leichte Kost die verwöhnten Ansprüche der Papiner Oberschicht nicht unterfordern würde, aber alles hatte so schön ineinander gegriffen, das Thema, die Kostüme, Musik und Gesang, es war eine wundervolle Harmonie, die wenn man sich auf sie ein ließ einen einfach in ihren Bann zog und einen die Daumen drücken ließ, dass die beiden einander denn auch kriegen mochten. Es war leicht, angenehm und ließ einen die Kriegswirren des letzten Jahres erscheinen als lägen diese Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte zurück. Vielleicht war es ja gerade das was ihnen allen so gut gefiel, dass diese Oper auf ihre Art frisch war: Eine Prinzessin, kein Prinz. Keine Gewalt, keine Missgunst, keine Intrigen, nur übertriebene Fürsorglichkeit. Sie entführte einen ein Stück weit zurück in die eigene Kindheit, in bessere Zeiten.

In Malthust wiederum hielt man eher wenig von derartigem Kurzweil. Es gab noch immer viel zu tun um das vom Krieg gebeutelte Lehen wieder auf zu bauen um es auf eine Zeit vor zu bereiten, in der nicht der Krieg sondern wieder Seefahrt und Handel den Alltag bestimmten und den Wohlstand sichern sollten. Die Arbeiten schritten gut voran. Die Akademien hatten einige kluge Köpfe hervor gebracht, die ihr Talent nun nicht mehr in den Kriegsdienst stellten, sondern mit neuen, teils doch eher unauffälligen Ideen das Vorhaben voran trieben. Nicht wenige bestaunten die neuen, massiven Baukräne die überall zum Einsatz kamen und durch ein geschicktes System aus Gegengewichten und Umlenkrollen so konzipiert waren, dass nicht mehr Ochsen und Dutzende Männer benötigt wurden um sie zu bedienen, sondern dass bereits zwei bis drei Mann genügten um gewaltige Lasten sicher bis in große Höhen zu bewegen vermochten. Neue Winkelmaße und Sextanten wurden für die Bestimmung von Höhe und Länge benutzt. Kein "wird schon stimmen" und "wenn es nicht passt hauen wir halt ein Stück wieder weg" mehr, präzise und effizient waren die neuen Schlagwörter in der neuen Bauweise, die zusätzlich von mehreren Magiern profitierte, die nun ebenfalls nicht mehr zum Kriegsdienst verpflichtet wurden, sondern ihr Wissen und ihr Können ebenso in den Wiederaufbau stecken konnten. Ja, man war ein Kriegervolk und stolz darauf. Aber ebenso stolz war man auf seine Heimat und was man hier tat würde garantieren, dass diese Heimat abermals erblühen würde.

Mochte das Schlachtenglück launisch sein und mochte man beim Handel auch immer wieder von den gerissenen Papinern und den norländischen Piraten übers Ohr gehauen werden, wenn es auf diese Art weiter ging würde Malthust abermals einem wohlhabenden Zeitalter entgegen steuern und sie alle würden ein Teil davon sein, es zu errichten. Für sich selbst und für kommende Generationen.

(Von Diana.)

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 Betreff des Beitrags: Re: [Plot] Blaue Blüten
BeitragVerfasst: 29.03.17, 19:12 
Edelbürger
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Die nun bald vierzig Götterläufe alte Magierin, Gwenn Ryandar, konnte ihr Glück nicht fassen. Ihr Leben lang in Vandrien dazu verdammt gewesen zu sein, dass ihre Gabe unter allen Umständen unter Verschluss gehalten werden muss, wollte sie der Inquisition nicht zum Opfer fallen, durfte sie erstmalig vor den Pforten der neuen Cortanischen Magierakademie der Vereinten Pfade in Ersont um Einlass bitten.

Ehemals war der Turm des Nordwinds ein Ort einzig und allein für sehr wind- und sturmverbundene Elementarmagier, die dort ungestört ihrer Forschungen in der Elementarmagie nachgehen konnten. Doch hochambitionierte An- und Umbaupläne und ein Etat, dass dem zehnfachen der vorherigen Mitteln entsprach, die der Turm zur Verfügung hatte, ließen den Erzmagier des Nordwinds-Turm schnell umstimmen. Es spielte keine Rolle woher die neuen Schüler stammten, wie alt sie waren, ob sie den Enhor oder Sahor mehr verbunden waren. Ein jeder der eine Begabung für die Magie hatte, bekam eine Empfehlung ausgesprochen die Magierkademie, die seiner Majestät König Theobald I. von Cortan nun unterstand und vom ehemaligen Erzmagier geleitet wurde, aufzusuchen und sich dort nicht nur einen Studienplatz, sondern auch einen Rang und Namen zu erwerben. Selbst die Hochelfen, die zuvor recht reserviert dem cortanischen König gegenüberstanden, ließen sich durch ihren Forschungsdrang schneller dazu verleiten, als ihr anfängliches Zaudern vermuten ließ, diese Stätte des Studierens und Lehrens aufzusuchen. Kein einziger, der die Schwelle zur neuen Magierakademie übertreten hat, hatte den Weg nach Hause wieder aufgesucht. Sie alle waren geblieben. Die Gerüchte über neue bahnbrechende neue Theorien und neuartige magiepraktische Verfahren von ungeahnten Möglichkeiten gelangten bis an den Königssitz Theobalds.

Mit Zufriedenheit betrachtet der König Cortans die Grundmauern seines Schlosses. Die Pläne der Baukräne, die in Malthust entwickelt wurden, waren ein wahrer Segen für den Bau. Noch nie hatte man seit Menschengedenken so schnell die Grundmauern eines derart massiven Baus gesetzt. Theobald vertraute keinen Speichelleckern oder renommierten, altgedienten Bauherrn, die von sich behaupteten schneller und höher zu bauen als jeder andere. Er setzte auf frisches Blut, neue und kreative Gedanken. Männer und Frauen die einen Unterschied machen wollten. Denen das Handwerk und die Kunst im Blut lag. Etliche Dukaten floßen in Emporkömmlinge des Handwerks. Kunst- und Handwerksakademien schossen in ganz Ersont aus dem Boden, so wie die Knospen des satten grünen Vitamaboden emporschnellten.

Gelehrte wurden eingesetzt um die üblichen Bauverfahren zu verbessern oder aber neue Wege zu finden die althergebrachten Mittel zu ersetzen. Erfinder und Feinwerker wurden in ihren aberwitzigsten Ideen finanziell unterstützt. Der Hofstaat des Königs bestand aus einer ungeheuren Menge an Verwaltern, die die unzähligen Anträge auf Unterstützung bearbeiteten, prüften und Ab-, sowie Zusagen, schrieben. Unter dem Strich waren es deutlich mehr Zusagen.

Sand von Vandriens westlichen Küsten war das neue Gold geworden. Glaser aus Vandrien setzten nun ganz auf ihren neuen König. Es waren nicht mehr nur noch Fenstergläser und Glasgefäße die gefordert waren. Man wollte das Glas in neue Sphären erheben. Fernrohre wurden perfektioniert. Die Sichtweite jener übertraf all jenes was man zuvor im Glasschliff erreicht hatte. Man nutzte Kristalle und Magie um die Grenzen des Glasschliffes auszureizen. Die ersten Vergrößerungsgläser, die einem jede einzelne Facette eines Auges einer Fliege im Detail zeigen konnten, wurden in Vandrien hergestellt.

Erstmalig wandte sich Vandrien vom Kriegshandwerk ab. Die Reichen waren damit beschäftigt ihre Dukaten in schöne Dinge zu investieren. Die Handwerker hatten keine Zeit mehr um Katapulte, Waffen und Rüstungen herzustellen. Zuletzt auch, da sie für letztere kaum noch genügend Aufträge hatten um sich damit das Brot auf dem Tisch zu sichern. Die untere Mittelschicht der Handwerker stieg auf zur oberen Mittelschicht und allmählich gewannen die Handwerker und Bauern in Vandrien immer mehr Einfluss. Endlich waren sie mit den Bürgern auf einer Augenhöhe angekommen. Vandrien fand ein neues Vorbild im prosperierenden Ersont. Man wandte sich ab vom Krieg und wollte das alte Reich Galadon überflügeln. Alteingesessene Vandrier besahen diesen Frieden mit einer gehörigen Portion nordischen, sturen Misstrauens. So lange gab es Glaubenskonflikte und nun sollen ein paar Glasplatten und ein steter Dukatenfluss dies alles vergessen machen? Die wahren Vandrier waren nicht überzeugt. Doch ließen sich die jüngeren Generationen davon keineswegs abbringen auf dem Goldteppich, der sich von Ersont hinüber nach Vandrien legte, verträumt und mit neuem Selbstbewusstsein entlangzuschreiten.

Die Knospe die Cortan war, war mit Blut getränkt, doch je mehr sich die Blüte entfaltete, legte sie das Rot ab und strahlte im unnachahmlichen blau. Man war stolz darauf Cortaner zu sein. Cortan war die Zukunft.

(Von Eule.)

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 Betreff des Beitrags: Re: [Plot] Blaue Blüten
BeitragVerfasst: 1.04.17, 13:04 
Edelbürger
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Helbert hatte einen schlechten Tag. Auch an seinen besten Tagen war er gewiss keine Frohnatur, aber dieser Felatag stand unter einem besonders üblen Zeichen. Es hatte schon schlecht angefangen, als er am frühen Morgen sich der Gläubiger an der Türe erwehren musste. Inzwischen musste er sie beinahe täglich vertrösten und versichern, dass die diversen Ausstände bald bezahlt werden würden. Doch wovon? Sein Meister, der Bildhauer Griselher von Raufels, tobte bereits seit den frühen Morgenstunden durch das Atelier und ergab sich ganz seinem cholerischen Gemüt. In einer schier endlosen, klagenden Litanei beklagte er sein mangelndes Talent und unterstrich dies gelegentlich, indem er einer der kunstlosen Skulpturen einen Tritt verpasst – und sogleich über seinen schmerzenden Fuß fluchte. Bei jedem Aufschrei und jedem lauten Ausruf zog Helbert den Kopf ein und griff den Besen fester, mit dem er seinem Herren hinterher putzte. Gerade hatte dieser den unförmigen Entwurf einer Büste so wuchtvoll umgeworfen, dass der Gips sich in Scherben auf dem Boden verteilte. Wie beim letzten Ausbruch dieser Art würde der arme Lehrling mehrere Zyklen brauchen, um das Durcheinander zu beseitigen. Was seinem Meister an Talent fehlte, das konnte er auch mit seinem widerborstigen Temperament nicht ausgleichen.

Auch in den darauf folgenden Nächten kehrte keine Ruhe ein, drangen doch die denkbar sonderlichsten Geräusche aus dem Schlafgemach. Während Helbert auf seinem Strohlager zwischen den Marmorblöcken nächtigte, wälzte sich Griselher wütend im Bette. Selbst im Traum schien der glücklose Künstler mit seinem Schicksal der Mittelmäßigkeit zu hadern. Mehrmals im Zyklus erwachte Helbert vom Klang erstickter Schreie, wenn sein Meister wieder von Alpträumen einer Zukunft als brotloser Dilettant heimgesucht wurde. Dann war es üblich, dass er rastlos seine Runden durch die bescheidene Stube drehte. Und wenn es eine besonders üble Nacht war, so kam er hinab in das Atelier und besah in melancholischer Laune seine bisherigen Werke. Sein Lehrling war weitsichtig: Sobald er die nahenden Schritte auf der morschen Treppe hörte, ging er vorausschauend in Deckung und ließ Griselher mit seinem Kummer allein. Es brach ihm das Herz, ansehen zu müssen, wie ein erwachsener Mann schluchzend sich selbst bemitleidete, und darüber hinaus seine Pflichten und sein Werk vergaß. Und zugleich, so musste er sich beschämt eingestehen, bedachte er auch immer seinen eigenen Nachteil – wie sollte er sein Handwerk erlernen, wenn nicht einmal sein Meister es beherrschte? Würde ähnlich verarmt auch er an den Rande seines Verstandes kommen?

Doch als er des Morgens die Ausstellungsräume aufsuchte, stockte ihm der Atem. Zwischen marmorweißem Staub kniete sein Lehrmeister vor einem vollendeten Werk. Griselher schien gänzlich entrückt, denn er reagierte kaum, als sich sein Lehrling näherte. Stattdessen betrachtete er seine Schöpfung: Das mannshohe Abbild eines Jünglings. Dieser stützte sich auf einen Hirtenstab und hatte eines der Beine spielerisch abgewinkelt, während er mit leicht angehobenem Kopf einen Punkt in der Ferne fixierte. Die lässige Haltung, aufgestützt mit nur einem Bein, verriet jedem kundigen Beobachter, wie sorgfältig die Statue ausbalanciert sein musste. Jeder einzelne, steinerne Muskel zeichnete sich mit anatomischer Klarheit ab und war von solcher Plastizität, das man meinen könnte, dass er jeden Moment von seinem Sockel springen wolle. Mit ungeahnter Verliebtheit zum Detail war insbesondere das Gesicht gestaltet worden, bis hin zu einzelnen Wimpern und den Augen voll jugendlichem Ausdruck. Diese Sorgfalt setzte sich fort im Mantel, den der Hirte sich leger über die Schulter geschwungen hatte. Hier war jede einzelne Falte so fließend gestaltet worden, dass man bei bloßer Berührung erwarten würde, Seide statt Stein zu ertasten. Helbert war überwältigt von der Offenbarung solch klassischer Schönheit und ging neben seinem Meister auf die Knie, freudige Tränen in den Augen.

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 Betreff des Beitrags: Re: [Plot] Blaue Blüten
BeitragVerfasst: 30.04.17, 09:33 
Gumper
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Zitat:
Geschäftig zählte der Kapitän die Dukaten in der Schatulle nachdem der Steuereintreiber von Rothenbucht sein Schiff verlassen hatte. Das konnte sich doch sehen lassen.

Rothenbucht war schon immer ein Handelshafen gewesen, ein Ort an dem die Waren der Nord- und Südreiche zusammen kamen, jedoch von den wirklich profitalen Routen zwischen dem Norland und Endophal war die Stadt durch ihre Lage größtenteils ausgeschlossen gewesen. Der Umweg hatte sich nur höchst selten gelohnt, so dass man lieber Papin oder Venturia an lief um frisches Wasser und Vorräte auf zu stocken und in dem Zuge auch gleich ein paar Waren los schlug um die Hafenzölle begleichen zu können. So kam es, dass er seinen Heimathafen seltener sah als die seewärts gerichteten Häfen anderer Lehen, häufig nur als Anfangs- und Endstation um das Schiff im Dock überholen zu lassen. An Waren hatte er dann dabei gehabt was er woanders nicht hatte losschlagen können oder was von Fährleuten den Beborn hinauf nach Draconis gebracht werden sollte. Gegen Gebühr und noch einmal Zölle versteht sich. Er musste grinsen.

D
er neue Herrscher von Rothschild hatte das Lehen mit eiserner Hand genommen und unterworfen, aber nun da allmählich Frieden eingekehrt war zeigte sich, dass er das Lehen nicht ausbluten lassen wollte. Die Zölle im Hafen waren für Einheimische so niedrig wie nirgendwo sonst, so dass es sich mittlerweile für Handelskapitäne wie ihn lohnte den Hafen öfter an zu laufen als früher. Insbesondere für Rohstoffe und der Umstand ließ ihn geradezu frohlocken.

Früher hatte er nur fertige Waren für die wenigen wohlhabenden Bürger der Stadt oder eben vornehmlich für die Bernsteiner hier feilgeboten. Pelzmäntel aus dem Norland, Seidenkleidung und Gewürze aus Endophal, Waffen und Werkzeuge aus Malthust und Ventria, gelegentlich nur Getreide, Fisch oder Eisen aus Savaro, Malthust oder von den heimischen Händlern. Mittlerweile jedoch war es um einiges profitabler lediglich Leder, Pelze, Erz, Barren, Hölzer und Seidenrollen zu erwerben und mit einem guten Gewinn in Rothenbucht an den Mann zu bringen. Etliche der hiesigen Handwerker hatten damit begonnen sich auf die Verarbeitung dieser zu verlegen und das musste man neidlos anerkennen, ihre Arbeiten mussten sich nicht hinter denen der anderen Lehen verstecken. So profitierten sie alle davon, ihm selbst blieb mehr von seinen Gewinnen, die ansässigen Handwerker waren gut ausgelastet und gut entlohnt und die Stadt hatte unter dem Strich mehr Einnahmen, da mehr Schiffe den Hafen an liefen und die Erzeugnisse der ansässigen Bewohner immer gefragter wurden. Rothschild mochte gefallen und gedemütigt worden sein, aber dank Handel und Handwerk kam es wieder auf die Beine.

Sie alle spürten das. Es ging endlich aufwärts
.


Danke an PO Diana Weidenbach


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 Betreff des Beitrags: Re: [Plot] Blaue Blüten
BeitragVerfasst: 12.05.17, 16:15 
Gumper
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Zitat:
Mit einiger Verwunderung blickte der junge Leutnant über den Kasernenhof. Junge Magier und Magierinnen in roten und blauen Tuniken rannten, sprangen und flogen über den Platz, kleine Elementarwesen huschten zwischen ihnen hin und her, Mauern aus Ranken, Stein und Feuer ragten empor, während überall um ihn herum Feuerbälle und Blitze zuckten, die an unsichtbaren Mauern und Schilden zu zerplatzen schienen, während die gesamte Meute einer glühenden Steinkugel hinterher wetzte und versuchte diese in einem Korb in gut 20 Schritt Höhe unter zu bringen. Es war das reinste Chaos. Kopfschüttelnd betrat er den Hof, nur um zusammen zu zucken, als ein Magier aus gut 20 Schritt Höhe auf ihn herab zu stürzen drohte, als dessen Schwebezauber gebannt wurde. Instinktiv duckte er sich weg, doch der Magier wurde von einer seiner Kolleginnen oder vielmehr deren Zauber auf gefangen, der ihm fast das Barett vom Kopf fegte. Auf ein lautes "Achtung" hin hielten die Magier in ihrem Tun inne. Noch vorhandene Zauber wurden aufgelöst, dann traten sie in Reih' und Glied an. Ein Soldat trat auf ihn zu und salutierte Der Leutnant schätzte ihn auf Anfang 20 vielleicht.

"Leutnant Biedler? Adjutant Kesseler, wir haben Euch erwartet."
Was? Das Milchgesicht? Ob der sich wohl schon rasieren musste? Der Leutnant schüttelte den Gedanken ab und erwiderte den Salut.
"Geht das hier immer so zu Adjutant?"
"Nur während der morgendlichen Übungen."
"Und ihr lasst sie scharf üben?"
"Natürlich. Nur so lernen sie es richtig."
Sein Blick ging über die Reihen. Kesseler mochte ja sehr jung aussehen, aber das hier?
"Ich sehe nur den Nachwuchs Adjutant. Wo sind die älteren Klassen?"
"Das hier sind alle. Das gesamte Kolleg."
"Wie? Das sind doch noch Kinder!"
"Korrekt."
"Nun Adjutant hier muss ein Missverständnis vorliegen. Ich habe um einen Magier ersucht. Nicht um einen Milchbart."
"Es sind Magier. Die besten, die ihr hier in Malthust außerhalb der Hallen der tausend Funken finden werdet. Unkonventionell, zugegeben, aber Alter allein sagt über die magischen Befähigungen nichts aus. Ihr seid mit unserer Geschichte vertraut?"


Der Leutnant schüttelte den Kopf und der Adjutant fuhr fort.

"Das Kolleg für taktische Magie ist noch während des Vandrienkrieges gegründet worden. Die Zielsetzung war militärisch geschulte und aufeinander eingeschworene Magier unter dem Banner des Fürsten zu vereinen. Wir bilden hier Magier aller drei Pfade aus. Die meisten kamen schon in einem sehr jungen Alter zu uns, hauptsächlich Menschen, nur sehr geringer Elfenanteil. Wir legen hier das Augenmerk auf magische Zusammenarbeit. Elfischer Gemeinschaftssinn gepaart mit menschlichem Ehrgeiz, eine sehr effiziente Kombination. Wir haben sie funktional gemacht. Unsere Magier hier sind gut ausgebildet, hoch diszipliniert und aufeinander eingestimmt. Aber urteilt selbst."


Der Adjutant schritt in den Hof und rief:

"Taktische Magier, antreten. Jeder, der bei der letzten Prüfung weniger als 90 Prozent der Punkte erreicht hat, weggetreten. Jeder, der noch keine Veröffentlichung an einer Akademie außerhalb des Kollegs vor zu weisen hat, weggetreten. Jeder, der bei den morgendlichen Übungen dieser Woche nicht mindestens 3 Siege vor zu weisen hat, weggetreten. Jeder, der nicht stolz darauf ist den Vieren und Fürst Kasimier von Malthust zu dienen, weggetreten!"


Mit Befriedigung nahm er zur Kenntnis, dass außer den jüngsten unter ihnen alle an ihrem Platz verblieben. Nun, eine Dissertation eines Achtjährigen wäre wohl auch zuviel verlangt gewesen. Dann wandte er sich wieder dem Leutnant zu.

"Wie ich sagte, urteilt selbst. Das Kolleg wurde ursprünglich für den Krieg ausgehoben, aber durch dessen Verlauf verlegen wir uns hier hauptsächlich auf die Forschung. Ritualistik, theoretische Magie, Artefaktologie und insbesondere Wechselwirkungen und Unterstützung verschiedenster Magieformen. Das Ganze ist so innovativ, dass ich kaum ein Wort verstehe wenn sie erst einmal anfangen zu dozieren. Gerade letzteres findet zunehmend Anklang an den etablierten Akademien, die sich häufig nur auf einen Pfad der Magie beschränken. Hier hingegen lernen sie wie die verschiedenen Formen der Magie miteinander interagieren, wie jeder von ihnen durch die Eigenarten seiner ihm eigenen Magie die Zauber der anderen unterstützen oder auch kontern kann. Wir können die Übungen gleich wieder aufnehmen wenn Euch an einer kleinen Demonstration gelegen ist wie verschiedene Magier mehrere Zauber zu einem einzelnen verweben. Denn wie ihr gesehen habt auch wenn ihr Augenmerk heutzutage auf der Forschung liegen mag, so erziehen wir sie hier nicht zu Stubenhockern und Federkiellutschern. Jeder hier ist ein vollständig einsatzbereiter Magier. Ihr könnt sie als Offiziere oder Adjutanten einsetzen, als einfache Soldaten oder auch als Leibwächter oder was auch immer Euch in den Sinn kommen mag. Sie kennen das Prinzip von Befehl und Gehorsam von klein auf und sind es gewohnt sich in eine Gemeinschaft ein zu fügen und ihr Bestes für diese zu geben. Ihr habt um einen taktischen Magier angefragt. Reden wir über die Anforderungen, die ihr an diesen habt."



Danke an PO Diana Weidenbach


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