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 Betreff des Beitrags: [Brief] Schreiben an den Ordo Belli nach Draconis
BeitragVerfasst: 16.01.18, 19:44 
Bürger
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Registriert: 17.08.15, 23:25
Beiträge: 282
Der Hochgeweihte und Prior des Ordo Belli auf Siebenwind mag erkannt werden, wie er dem nächsten Schiff gen Festland ein Schreiben mitgibt. Schlicht und einfach, ohne jeglichen Prunk wird es wohl zwischen der üblichen Korrespondenz landen, welche zwischen der Insel und dem Festland ausgetauscht wird.

Zitat:
16. Oner 29 n. H.
Ordo Belli in Brandenstein
Siebenwind


Mit Bitte zur Weiterleitung und Beratschlagung z.H des Erzconsilium in Draconis


Den hochheiligen Vieren zur Ehr,

die Zeilen entstammen eines Dieners, welcher auf der Insel Siebenwind seinen Weg zu den Vieren fand und dort demütigst seinen Dienst im Eid der Kirche leistet, im Wort zu seinem Orden gebunden ist und dessen Leben nichts weiter als den Tugenden der Vier verschrieben ist, auf das wir in diesen finden, was uns Frieden und Wohlstand, Freiheit und Leben ermöglicht. So möchte ich die Zeit des Erzconsilium aber nicht weiter mit meinem Bart in Anspruch nehmen, da dieser in Anbetracht des derzeitigen Seins gering, wenn nicht sogar unbedeutend ist, sondern gleich mit meinem Anliegen voran treten.

So die Kirche Lenker der Geschicke in den letzten hunderten wenn nicht tausenden von Götterlaufen war, so drängt sich meinem Bart die bange Frage auf, ob der Kirche nicht die Zügel zu entgleiten drohen, mit denen sie in ihrer Weisheit über das Wohl und Wehe Tares entschieden hat, ja ob sie noch weiß, wie die Geschicke unserer Zeit zu lenken sind. Ja, ob sie im Allgemeinen noch gewillt ist Antworten auf die drängenden Fragen dieses Zeitalters zu geben. Ich will daher ohne Zögern und Zaudern, da jedes Wort ohnehin das unausweichliche nicht verhindern kann, meine Sorgen zum Ausdruck bringen. Die Sorge, dass die Kirche sich überlebt hat, ein Relikt des letztens Zeitalters welches nur noch durch uns hinüber gerettet wurde, indem wir das was einst war, als Traditionen, als Gewohnheiten und Rituale konserviert haben, aus denen aber jedes Leben gewichen ist. Ist das Ende des Zeitalters der Götterkriege auch das Ende des Zeitalters der Kirche?
Nun, meinem alten Grembargh ist bewusst, wie diese Zeilen zu wirken haben und er kann versichern, sollte man mich für diese Worte belangen, so wird mein alter Grembargh auf Siebenwind auf seine gerechte Strafe warten, aber solange hierzu noch kein Urteil gefällt, keine Strafe gesprochen wurde und man diesem Schriftstück und den Zeilen eines einfachen Dieners noch Zeit schenkt, lasst es mich ausführen.

Die Kirche war einst das Fundament dieser Gesellschaft, die Spitze des gleißenden Lichts im Kampf gegen alles Übel, jedes Chaos, der Kompass für ein rechtes Leben, die Maßgabe für das was Gut und Richtig ist. Gewiss, die Zeiten waren einfacher, die Ordnung klarer gezeichnet und dennoch, braucht es nicht gerade in den schwierigen Tagen einen vorgezeichneten Weg, statt nur Abzweigungen aufzuzeigen?

Eine Fähigkeit, die der Kirche immer innen wohnte, eine Leistung die sie immer vollbrachte. Grundlage dessen war eine Lehre, so in sich geschlossen, so in sich gefestigt, ein Steichen welchen auf das andere Steinchen passte und so ein Bollwerk gegen jeglichen falschen Gedanken, jeglichen Frevel und Unglaube darstellte. Es war die starke Hand der Kirche, welche unsere Gesellschaft zusammenhielt, welche uns die eine Hand in die andere legte und so den Frieden sicherstellte. Eine Lehre, welche die Welt ordnete und uns eine Glaubenswahrheit aufzeigte, auf das wir unsere Gedanken und unsere Seele danach zu richten hatten.

Der Zeitenwandel hat diese Mauer, dieses Bollwerk, zusammen getreten, jenes was wir als Wahrheit kannten, was wir als Wahrheit dem Volk mitgaben, als uns ungewissen und unbekannten Plan der Götter offenbart. Diese Offenbarung hat all jenes in Zweifel gezogen was wir wussten, was wir dachten, was wir predigten. Mag der eine dies als Schauspiel beschreiben, als Aufführung unter den Sterblichen, als schreckliches Theater, wird der andere die Weitsicht der Götter loben mit der sie uns in ihren Plan geführt haben. Meinem Grembargh steht es nicht weiter zu, das göttliche Wirken zu bewerten, sondern nur als das zu nehmen, was es ist. Festzuhalten bleibt, dass vieles von dem was wir über das Übel dieser Welt zu wissen glaubten, keinen Bestand mehr hat. Vieles was wir über den rechten Weg wussten, in Zweifel zu ziehen ist. Weder scheint der Glaube an Angamon eine Gefahr für das Seelenheil, noch scheinen seine Tugenden unvereinbar mit denen der Vier.

Die Kirche der Vier hat sich davon verabschiedet, Wegweiser in Zeiten des Ungenauen und des Umbruchs zu sein. Von der kirchlichen Lehre bleiben nur noch die Stützen, eine Ansammlung von Tugenden, eine Sammlung von Weisheiten. Voller Bewunderung sehe ich zu meinen Geschwistern, welche unermüdlich die Gaben der Vier loben und unter das Volk tragen, welche so beten und dienen, als sei nichts geschehen. Aber was versuchen wir damit zu erreichen? Es drängt sich unweigerlich auf, was wollen wir damit erreichen? Bedarf es eines in sich geschlossenen Glaubens an die Vier in Tagen wie diesen.

Haben wir hierbei nicht selbst den Hammer angesetzt, indem wir nun auch Angamon in unseren Messen loben, indem wir ein Gebet an die Fünfe schicken, indem wir die Enhor in unsere Worte einschließen und den Glauben an die Viere, nur als eine Möglichkeit unter vielen lassen. Was bleibt der Kirche noch zu schützen? Jeglicher Glaube wird als Nebeneinander angesehen, als geduldet, als nicht verfolgt – man dient den Elementaren Götzen, man dient Angamon, man glaubt seinen Naturgottheiten oder wirft sich vor den Geistern in den Staub, als sei so auch nur ein Fünkchen Seelenheil zu erlangen. Ich frage, was bringt der Glaube und die Überzeugung an die eigenen Tugenden, wenn man aufgegeben hat, selbst an sie zu glauben, wenn man Ungleiches Gleich setzt. Warum predigen wir die Tugenden Bellums, schließen zwei Sätze weiter Angamon in unsere Gebete ein und drei Tage später sehen wir, wie sein Horwah uns dazu ermutigt, die Tugenden des Axtherrn zu missachten. Erkennen und glauben wir denn wirklich an das Versprechen der Vier, wenn wir in unser Handeln und unseren Segen auch jene Wesen einschließen, denen jede Tugend und Moral gleichgültig ist, solange das gewünschte Ergebnis zustande kommt? Glauben wir wirklich noch an die alleinige Kraft der Vier, wenn wir achtgöttergefällige Artefakte bauen?

Nun mag man sagen „Bruder Halgrim, das ist die Wahrheit des neuen Zeitalters, auch wir passen uns daran an, nehmen die neuen göttlichen Wahrheiten, so wie sie sind“. Gut, aber braucht es dazu eine Kirche der Vier? Die Viereinigkeit wird nicht nur alleine, durch unser Tun und Handeln in Zweifel gezogen, das Dogma der Kirche ist unzweifelhaft zerbröckelt. Die alten Narrative verstauben in den Bibliotheken. Doch wenn die Kirche keine Lehren mehr hat, keine alleinigen Wahrheiten und Versprechen, woraus speist sich dann ihr Anspruch? Die Kirche ist nicht bloßer Wissensvermittler, ist nicht bloße Bibliothek, neutraler Beobachter göttlicher Deutungen. Die Kirche war immer der moralische Kompass dieser Gesellschaft. Aber was ist das Verspechen der Kirche in diesem Zeitalter? Seelenheil? Wahrheit? Erkenntnis?

Die Kirche hat sich längst selbst verkauft und ihr letztes bisschen, als man sich den Anhängern Angamons in die Arme geworfen hat, als man beschlossen hat, die Entscheidung folgt nicht mehr dem Dogma, wohlweißlich als man erkannte, man hatte kein Dogma mehr, sondern dem politischen. Aber ich frage: Seit wann ist der Kirche das politische?

Der Kampf wider die Dämonen ist das letzte Feigenblatt, welches man sich vorhält, ein Lendenschurz der Verzweiflung in der Hoffnung, so noch in der Aufführung dieses Zeitalters mitzuspielen. Die Dämonen, gewiss eine Bedrohung für jedes atmende und beseelte Wesen, aber in ihrer Form auch roh und für das Heilsversprechen der Kirche im Wesentlichen doch unbedeutend. Sie Freveln der Lehre durch reine Ablehnung, sie unterstehen selbst keiner nennenswerten Lehre, sie sind einfach und schlicht. Es bedarf keiner Geistlichkeit, die Worte und Schriften prüft, keiner Geistlichkeit die auf den Marktplätzen mit frommen Worten darauf achten, dass man nicht vom Weg abkommt. Es ist der reine Kampf der Existenz. Der Kampf gegen die Dämonen ist sogar von einer derart schlichten Natur, dass sich allerorts Gruppen bilden, sich diese Gefahr anzunehmen. Elfen, Zwerge, Magier – ich kann es ihnen nicht verübeln, der Glaube an die Vier scheint für den Kampf gegen die Dämonen auch nicht weiter von Bedeutung. Ob man den ehrenhaften Kampf sucht, sich ganz Bellum verschreibt oder man sich mit Tücke und List gegen die Dämonen kämpft, wie es Anhänger Angamons mitunter zelebrieren oder von einer Gleichgültigkeit jeglicher Moral gegenüber geprägt, wie es die Anhänger der Enhor teils tragen, scheint für die Sache keinen Unterschied zu machen. Es ist durch und durch von einem widerlichen Pragmatismus geprägt – was hilft, das scheint recht zu sein. Ist das die Kirche des neuen Zeitalters?

Es zwingt sich die Frage auf, ob die Kirche überhaupt noch mehr ist, als all diese Gruppen, die sich dem Kampf gegen die Dämonen entgegen stellen, nachdem sich das göttliche von den Dämonen getrennt hat? Ich habe Dämonen gesehen, welche die Zeichen der Vier zertreten haben, als seien es Spielzeuge, wertloser Tand ohne jeglichen Wert. Zu Recht stellt man sich im Volk die Frage, ob die Kirche noch das Bollwerk gegen dämonisches Wirken ist, wie es das in anderen Zeitaltern war.

Nun Geschwister, was ich sehe ist eine Kirche in Auflösung, keine Kirche im Umbruch. Ich bitte daher darum, setzt selbst den Hammer an und reißt das letzte bisschen an Fundamenten der Kirche ein, ehe die Geschichte das selbige von ganz alleine machen wird. Lasst uns keine Kirche der Lippenbekenntnisse, keine Kirche der Gleichgültigkeit und keine Kirche des blanken Pragmatismus sein.
Ich sage nicht, entsagt den Vieren, ich sage nicht schwört ab – aber eine Kirche der Vier hat keinen Wert mehr, da es nichts mehr gibt, über das sie wachen müsste, nichts gibt, was sie bewahren muss. Das Dogma der Viereinigkeit scheint mir nicht mehr als ein schwaches Licht, ein letztes aufglimmen einer einstmals stolzen Flamme.

Beendet das Trauerspiel, lasst die Kirche eine Kirche des letzten Zeitalters sein, lasst uns durch Tare ziehen und das Wort der Götter predigen – als einer unter acht - aber geben wir uns nicht die Blöße eine Lehre zu erhalten, wo schon lange keine Lehre mehr ist, wo man vom Glanz und Ruhm alter Tage lebt. An die Stelle der Kirche werden andere treten, werden andere die Dämonen bekämpfen.

Möge der Herr Bellum uns Schild und Schutz sein,

Halgrim Goldaxt


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