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Nah am Ufer stand sie, ihre Augen versprühten reinen Hass als sie auf die andere seite starrte. Ein Katze neben ihr, wildfauchen, die Krallen entblößent.
Sie wusste nicht mehr wo sie ihn kennenlernte, wusste nicht mehr was sie sprachen, wusste nicht wieso sie sich in seiner Gegenwart wohl fuehlte, wusste nicht mehr wie er es schaffet ihr Vertrauen zu erlangen. Eine salzige Meeresbrise... Sieh das Meer!... Worte die sie nie vergessen sollte, Worte kurz gesprochen bevor sie bewusstlos zu Boden sank. Er trug sie, trug sie fort, Tränen in den Augen und sei fand sich wieder, am Strande liegend.
Wie ein dunkler, fast schwarzer Nebelschleier lag es ueber ihr, selten nur dachte sie daran, oder konnte sich gar erinnern. Kalt was es gewesen, so kalt, kalte Mauern, bittere Braune Augen.
Sie erzählte ihm von den Steinen im Wain, vertraute ihm ihre niah`an.
Er offenbarte sich ihr, und wieder schloss es sich wie eine kalte,eiserne Klaue um ihr Herz.
Schmerzhaft spuerte sie das kalte, nachtschwarze Metall auf ihrer Haut, dachte, fuehlte als wuerde es sie verbrennen.
Leblos lag er im Laub, fast greifen konnte sie ihn, so echt shcien die Erinnerung. Schwer beladen mit der kupfernen Ruestung, halb von Laub bedeckt, und Blut, voll Blut. Zunächst wie erstarrt beobachtete sie ihn asu dem Schutz der Blätter hindurch, wenige Worte röchelte er, nur einen Namen, ein Wort verstand sie, was sie dazu brachte zu ihm hinabzuspringen und neben ihm niederzuknien, ins Laub zu sinken.Dem Tode war er nahe, doch konnte sie ihn einfach sterben lassen? Biunda, kalt, soviel kälter, dunkler als viele andere. Nill, konnte sie nicht. Heilung war nie ihre Stärke, sich zu öffnen ebensowenig. Leise begann sie zu summen, schien den Wald um sie herum deutlicher wahrzunehmen. Hörte das leise plätschern des nahegelegenen Flusses, das melodiöse Zwitschern und Keckern der Tiere um sie herum. Eins anfter Windhauch umspielte sie, wärmte sie und gab ihr Kraft. Muehevoll, mit geschlossenen Augen begann sie die Plattenteile zu lösen, wenn auch bei jeder Beruehrung ein eiskalter Schauer durch ihren Körper zu laufen schien.
Langsam wurde ihr Summen intensiver, ihre Hände und Finger glitten ueber seine Wunden, beschmierten sich mit seinem Blute. Sie wusste nicht mehr was sie tat, doch schaffte sie ein Band, gab ihm einen Teil von ihr, auf das er weiter Leben konnte.
Erinnerungen vermischten sich, Schmerz mischte sich mit Schmerz, Tränen mit Blut.
Im matten Licht der Abendsonne trabte Ravija über die Auen nahe Avindhrells, Miriamel auf ihrem Rücken. Doch schon wenige Schritte später stockte Ravija, kam aus dem Takt und hielt plötzlich inne. Wild schnaubend schüttelte sie ihren stolzen Kopf, wiegte diesen etwas zurück zu der jungen Elfe auf ihrem Rücken. Wie aus einem Traum gerissen sah diese auf, das rabenschwarze Haar wirr im Gesicht hängend. Tief zog sie die Luft ein, als sie den Gesang vernahm.. das Lied Avindhrells hatte sich verändert. Mit stetig bleicher werdendem Gesicht bat sie Ravija weiterzugehen, und mit stockenden Schritten näherten sie sich dem Dorf der Auelfen. Mit eine beklemmenden, fast schon panischen Gefühl überquerten sie die Furt, ritten wie jeher zu dem Baum, welcher ihren Bund zum Simil festigen sollte.. und dort rutschte sie vom Pferd. Leise atmete sie auf, das weiche Moos unter ihren nackten Füßen spürend, für einen Moment sich zurückerinnernd an wärmende Sonnenstrahlen kitzelnde Grashälme und sanfte Berührungen, dunkelgrün schimmerndes Haar in ihrem Gesicht… Unwirsch wischte sie diese Erinnerung weg und blickte um sich.
Wenige Schritte neben sich erblickte sie Elen Daril und Aethion Sturmlied. Rasch musterte sie beide prüfend, Aethion lag auf dem Boden, Elen kniete neben ihm. Schon wollte sie ihren Blick abwenden, da bemerkte sie Elens müdes, und abgezehrtes Gesicht. Verwundert wiegte sie ihren Kopf zur linken Seite, den Blick auf Aethion richtend. Erneut sog sie scharf die Luft ein als sie das Blut bemerkte, welches sich von seinem Oberkörper abwärts zog und das gesamte Lederhemd bedeckte. Ungläubig starrte sie den ihr so lieben, verletzten Bruder an, unfähig sich zu rühren, bis schließlich Elen – die sonst so gewandte Tänzerin – sich mühselig auf die Beine stellte, und einige Schritte auf Miriamel zutaumelte. Mit einem schwachen, matten „sah“ begrüße sie diese, und bat sie, Aethion zum Heilerhaus zu bringen.
Mühsam gelang es ihr und Kilian den Verletzten den schier endlosen Weg zum Haus der Heiler zu bringen. Aethion im einen Arm, und mit dem anderen die Türe aufschiebend, trat sie ein. Sogleich traf sie ein schwall schwüler, heisser und nach Blut riechender Luft. Nach Luft ringend sah sie sich um – kurz weiteten sich ihre Augen vor Entsetzen. Kilian dirigierte sie beide zum hinteren, mit einem schweren Vorhang abgegrenzten Teil des Hauses. Bestimmend und dennoch sanft drückte sie Aethion auf das einzigst freie Bett, die sich rasch entfernenden Schritte Kilians schon nicht mehr bemerkend. Mit bleiernen Bewegungen zog sie ihr Ay`tri, und schnitt den letzten Rest des Lederhemds auf. Innerlich geschockt, jedoch ruhig bleibend starrte sie auf die sich ihr offenbarende wunde, und die scheinbar unmengen an Blut. Einige Augenblicke war sie unfähig sich zu rühren, bis Aethion ihr in knappen, und schwachen Worten zuhauchte, was zu tun sei. Mit abgehackten Bewegungen tränkte sie einige Verbände in frisches, klares Wasser… und wischte vorsichtig das Blut um die wunde herum weg. Achtlos ließ die das blutdurchtränkte Stoffstück fallen, nur um erneut nach dem nächsten zu greifen. Mi ungeschickten, aber vorsichtigen Bewegungen versuchte sie, den freigelegten, blutverkrusteten Geschwulst sauber zu tupfen, darum bemüht, Aethion nicht noch mehr Schmerzen zu bereiten.
Nachdem Aethion eingeschlafen war, verließ auch sie das Haus der Heiler, und schritt langsam, nachdenklich und zugleich entsetzt durch den Wain. An den Wegen zum Gemeinschaftshaus lagen zwei merkwürdige, schimmernde Steine. Sie sangen ein merkwürdiges, nicht greifbares Lied… und strahlten eine Aura des Unbehagens aus, verkündeten von schrecklichem.
Zum nächsten Morgengrauen verließ Miriamel das Dorf, und durchquerte den Wald, am Spinnennest vorbei. Sie hatte vor, zwei ihrer niah` zu Fynia nach Westhever zu bringen, doch ohne groß nachzudenken schlug sie diesen Umweg ein. Wie jeden morgen, dachte sie über ihre Träume nach, wie sie sich gewandelt hatten, von einstiger Schönheit, von Leben, zu etwas von einem unbestimmten Gefühl beherrschten. Vom warmen tröstenden Licht der Sonne zu einer kalten Meeresbrise, und anstatt vom Lied der Wälder ihrer Heimat zu träumen, sah sie vor sich nur kaltes Gemäuer.
Langsam trabte Ravija den Weg entlang, dichtauf gefolgt von Nachtnebel. Immer noch in ihren Gedanken gefangen, bemerkte Miriamel nicht den Mann, vor welchem das Pferd hielt. Ihre Hand hatte sich in die Mähne des Pferdes verkrallt, und sie blickte auf, geweckt vom freundlichen, fast grüßend wirkendem Schnauben der Stute. Ihr Blick fiel auf den Mann vor sich, und für eine Augenblick durchfuhr ein weiterer Schock sie, und für einen weiteren Moment breitet sich entsetzen aus. Auch dieses Lied hatte neue Klänge, einen Ton der ihr Angst machte, Unbehagen bereitete, und dennoch, schien sie mit diese verbunden zu sein. So jäh wie das Gefühl sie befiel… verließ es sie auch wieder, und zurück blieb nur ein unangenehmes Gefühl im Magen, welches langsam von schnellen Herzklopfen und daraufhin von Erleichterung begleitet wurde. Rasch musterte sie den Mann, und rutschte vom Pferd fast direkt vor ihm auf die Füße kommend. Mit einem leichten Lächeln trat er auf sie zu, und suchte sie zu umarmen. In jenem Moment fiel auch die letzte Anspannung von ihr und für einen Moment blieb sie einfach nur – innerlich nach Halt- und Hilfe suchen – in seinen Armen hängen, spürte seinen Atem auf ihrem Hals, ebenso kurz seine Lippen .
Er wirkte verändert, scheinbar gravierender als ihre Veränderung. Wenige Worte sprachen sie, doch sie vertraute ihm ihre niah`an, fest davon überzeugt sie wäre bei ihm in guten Händen. Als sie ihre letzten Worte zu dem Pferd sprach, das letzte mal ihre Gefühle mit ihr teilte, liefen ihr Tränen über die Wangen und sie war unfähig, sich wieder zu dem Menschen umzudrehen. Fahrig wische sie sich über die Augen, und wendete sich ruckartig um, die letzte Berührung zu genießen, bevor er Ravija mit sich nahm.
Wieder in den Wain zurückgekehrt, ließ sie sich an der Furt im Gras nieder, den Blick auf die reissende Strömung gerichtet. Erst als ein Schatten auf sie fiel, sah sie auf und sah vor sich Amaron, einen Bekannten Avindhrells – einen fey`haim. Nach einer kurzen, freundlichen Begrüßung seinerseits, folgte die Frage auf das gestrige Geschehen, jedoch konnte er ihr wohl mehr erzählen als umgekehrt. Er erzählte ihr von dem Angriff und sie ihm von den Verletzten.
Vom gegenüberliegenden Ufer waren Stimmen zu vernehmen, und in ihrem gerade persönlicher werdendem Gespräch unterbrochen, hoben beide gleichzeitig den Kopf und spähten hinüber. Ein leise „Thaliya Feanhall“ rufend, hüpfte sie, Amaron im Schlepptau leichtfüßig über die unter dem Wasser verborgenen Steine. Kurz vor dem Ufer hielt sie auf einem der Steine balancierend inne und sah aus kreidebleichem Gesicht auf die beiden Nortraven, Armgard und Bavjana. Beide wirkten eher verwirrt, und fragten besorgt nach dem Befinden der Bewohner Avindhrells, da Tingil bei ihnen gewesen wäre, und sowohl besorgt wie auch erschöpft gewirkt hätte. In knappen Worten erzählten sie den Feanhall was geschehen war, welche daraufhin ihre Hilfe anboten wann und wo immer nötig. In ein Gespräch über den Verlauf der Dinge vertieft, und darüber was an tun könne, bemerkten alle 4 erst spät das sich nähernde Hufgetrappel. Zunächst fiel Miriamel Blick nur auf die zwei großen und stolzen Reittiere, eines der beiden kam ihr vage bekannt vor, jedoch schien es ihr nicht einzufallen – oder vielleicht wollte sie es auch gar nicht wissen, denn als sie ihren Blick weiterhob durchfuhr ein Schreck ihre Glieder, die zwei Reiter waren in nachtschwarze Metallrüstungen gesperrt, und hielten ein unbehagen verströmenden Schild vor sich. Die zwei Pferde verharrten vor den zwei Elfen, und blechern erklang ein ruhiges „Angamon Vobiscum“ unter den kalten, leblosen Helmen hervor. Zunächst ausdruckslos und daraufhin verdattert wanderte Miriamels Blick zwischen den beiden hin und her, wohingegen Amaron sofort die Hand an seinen Bogen legte und fragend zu ihr sah.
Erneut hob einer der Reiter seine Stimme „Seid gegrüßt Volk der Elben…“. Verwirrt zog Miriamel die Brauen zusammen, kein Wort verstand sie von den fremden Klängen. Weitere Worte sprachen sie, der Sinn der meißten blieb Miriamel verborgen – weniges blieb hängen….Raziel….Paladine…Paradies…segnen wir das volk der Elben… in nomine angamonis adqu honoros regis Razieli et Tardukaiorum … . Um sich herum bemerkte sie kaum die unruhe und steigende Agressivität der Traven und Amarons, ebenso nicht die Arroganz der Reiter, noch das was sie vielleicht darstellen sollten. Was scherte sie das Gerede über Götter, … . Erneut erklang es aus einem der Helme, blechern wieder. „Verstehen die anwesenden unsere Worte nicht? Wir bieten dem Volk der Elben Hilfe an…“Immernoch verwirrt blickte sie die zwei an, fühlte und schrak zurück. Dennoch hielt sie den aufbrausenden Amaron zurück, dies war kein moment für einen Konflikt. Das nächste was sie hörte, wurde zu einem aufbrausenden Streit über Glauben, Gier und Tugend, Wahrheit, lüge und Tot. Beinahe ungläubig lauschte Miriamel all dem, bis sie die Reiter aufforderte zu gehen, welche sie jedoch schlichtweg ignorierten. Zum Schutze der fey`amrai zogen sie sich daraufhin in den Wain zurück, jedoch wollten die Feanhall nicht mit.. sondern griffen an. Sogleich zog auch Miriamel ihren Bogen, um den Feanhall zu Hilfe zu heilen doch weder vermochte sie auf die dunklen Reiter zu schießen, noch hätte es genutzt, da die Feanhall nur wenige Augenblicke bewusstlos und scheinbar schwer verletzt am Boden lagen. Wütend über das Geschehen brachten sie die zwei Verletzten ins Dorf und versorgten sie im Gästehaus.
Daraufhin verließ sie den Wain um im Simil Ruhe zu finden. Lautlos streckte sie sich unter einer Eiche auf dem Waldboden aus, verschränkte die Arme hinter dem Kopf, und blickte ins Blätterdach. Die durch die grünen Blätter fallenden Sonnenstrahlen berührten sie und mit geschlossenen Augen lauschte sie dem Lied einen kleine zwitschernden Vogels. Erneut fühlte sie sich von dunkelgrün schimmerndem Haar berührt… sah es im Wald verschwinden. Sah die grünen Augen, den Finger welcher ihr bedeutete zu schweigen…seinen letzten Blick, seine letzte Berührung… Ruckartig öffnete sie ihre Augen und blickte wieder hinauf, erneut unwirsch die Erinnerung wegwischend. Der kleine Vogel tapste über das Holz ihres Bogens… hielt auf diesem inne… pickte kurz in einer liebvoll erscheinenden Geste mit dem Schnabel dagegen. Und wieder schloss sie die Augen, fühlte den Retiu`as, das Band zu diesem, das Band zu Raziel. Raziel… was war mit ihm geschehen… Hass leuchtete aus seinen matten Augen, Bitterkeit und eine kalte Entschlossenheit. Leise stöhnte sie auf, ihr Bruder hatte sich von ihnen gelöst, das Band zur Sippe fast völlig zerreissen lassen… oder hatte er es gar selbst zerrissen ? Sie sah ihn vor sich, hochaufgeschossen und verschmolzen mit dem Wald. Sah ihn vor sich, wie er ihr ihren Bogen nahm und ihr seinen gab. Sah den Ausdruck seiner Augen, fühlte seine Hilflosigkeit. Dennoch waren sie verbunden.
Zurück im Dorf, ereilte sie der nächste Schreck. Neue Steine waren aufgetaucht, und hatten alle Tiere getötet, darunter auch Nachtnebel. Ausdruckslos starrte sie auf den Körper des toten Tieres, bis ein Bruder – sie wusste nicht mehr welcher – sie zu den verletzten ins Gästehaus brachte. Dort begab sie sich zum Fenster und starrte hinaus. Alles ging an ihr vorbei, alle Elfen, alle Verletzten, all Chaos und Hysterie, selbst die ersten Riesen bemerkte sie nicht. Ihr Blick war durch das Glas des Fenster auf einen der schimmernden Steine gerichtet, welcher sprühende, magische funken versprühte und dessen unheilverkündende Aura sich noch verstärkt hatte. Erst als es mit einem male schwer gegen die Hauswand pochte schrak sie zurück, und in einem erschrockenen Satz sprang und rannte sie zum andern Ende des Hauses. Ihre Brust hob und senkte sich, und unbemerkt rutschte ihr Bogen ihr den Arm hinab in die Hände. Dennoch starrte sie nur ausdruckslos an den Elfen und dem Hobbitmädchen vorbei zur Tür… welche ruckartig aufgerissen wurde, und durch die sich ein junger, unbehäbiger Riese zu zwängen versuchte. Mehr als ein Arm passte nicht hindurch – ein glück könnte man sagen, sonst hätte er wohl das Haus zu Trümmern geschlagen. So jedoch verließ Miriamel das Haus durch die andere Türe, bis die Kampftänzer den jungen Riesen erledigt hatten. Doch der Strom der Riesen hörte nicht auf, mehr und mehr erschienen durch die so zahlreich gewordenen Steine. Seufzend, und dennoch ausdruckslos im Blick zog auch Miriamel ihren Bogen und erlegte zusammen mit Kilian einen der jungen Riesen. Kurz nach diesem ließ sie jedoch wieder davon ab, um zurück ins Haus zu gehen. Und wieder starrte sie nur aus dem Fenster, auf den Stein oder vielleicht doch ins Leere an ihm vorbei. Um sich herum nahm sie nichts mehr wahr, doch sah sie vor sich, wie sie mit Nachtnebel Freundschaft schloß, wie er Aufwuchs… erinnerte sich daran wie sie ihn im Sumpf verlor, zurücklassen musste als man sie dem Tode nahe in den Wain trug, daran wie sie schrie als die Bäume sich auf sie stürzten, und wie sie heute noch den Schmerz des Feuer spürte, wie sie selbst vor Kerzenlicht zurückschrak. Ebenso erinnerte sie sich ihrer Freude, als er eines Tages vor dem Wain graste und auf sie zu warten schien, erinnerte sich wie sie mit ihm und den Lath` sang, und wie sie einander erzählten. Einen augenblick strahlten sie Aglareth`s Augen an, als sie mit ihm und Nachtnebel Fynia besuche… und gefangen in ihren Erinnerungen starrte sie aus dem Fenster, bemerkte nicht wie sich zum zweiten mal in so kurzer Zeit eine Träne löste, und ihr verloren die Wange hinabrollte.
Anidhai ging an ihr vorbei, und schob vorsichtig die Tür auf. Miriamel löste sch aus ihrer Starre und ging ohne Zögern der Schwester nach… berührte sie am Arm und ließ sich mitziehen. Nur wenige Schritte später endete ihr Weg, und sofort ging Anidhai in die Hocke, und blickt, alle angst vergessend auf den Stein. Leise begann sie eine Melodie zu weben, den Stein zu erspüren – Miriamel legte ihr eine Hand auf die Schulter, gab ihr Kraft, selbst jedoch unfähig einen Laut von sich zu geben, oder dem Lied des Steines zu lauschen. Anidhai streckte eine Hand aus… Magie erfüllte die Luft um sie herum knisternd- und sie wurde zurückgestoßen, prallte gegen Miriamel, und blieb bewusstlos auf dem Boden liegen – der Stein schimmerte bläulich. Außdruckslos starrte Miriamel auf ihre Schwester – und zog sie dann ohne zögern aber mit bleiernen Bewegungen in Richtung des Hauses zurück.
Wieder und wieder kamen neue Riesen, es schien kein Ende zu nehmen und bald war auch das Haus kein großer Zuchfluchtsort mehr. Die meissten verließen es somit, und auch Miriamel begab sich zur Furt, und war überrascht dort Nortraven herbeieilen zu sehen. Irgendjemand musste sie geholt haben, gegen die vielen Riesen die bald schon nicht mehr zu bewältigen waren. Einer nach dem anderen überquerte die trostlos wirkende, dennoch immer noch vor Strömungen reißende Furt.
Als langsam die Dämmerung einbrach, ging von einem der schimmernden Steine ein noch größeres magisches Knistern aus – und der düstere Mensch der so oft kurz erhascht wurde, zeigte sich wieder. Er hatte schlohweisses Haar und war in dunkle Kleidung gehüllt – sein Blick war eiskalt, und ein bläulich leuchtendes Armband viel an ihm besonders auf.
Langsam nahm der Schwall der Riesen ab, und stattdessen sandte ihnen der Mensch Skelette der Angst, welche mit Feuerbällen um sich warfen. Fast panisch eilte Miriamel zur Furt, hüpfte rasch von Stein zu Stein – und kippte auf dem mittleren fast wieder nach hinten. Mit den Armen rudernd konnte sie sich ausbalancieren, den Blick auf die Gestalt am anderen Ufer. Reglos saß die Gestalt auf dem dunklen, seltsam erscheinenden Pferd. Starr, jedoch ruhig schien er aus dem roten Knochenhelm um sich zu blicken, und sein Roter Knochenpanzer war blutverkrustet. Wenige Augenblicke später schien sie ihn zu spüren, er schien nach dem Weg zu fragen… und so hüpfte sie rückwärts, sicher von Stein zu Stein, und ebenso jeden der verborgenen Steine vor sich sehend. – wieder ans Ufer. Wort und Regungslos, ohne die geringsten Anzeichen eines Gefühls, trabte er auf seinem Fe-Daykin an ihnen vorbei. Um den Stein hatte sich einen Traube von elfen gebildet – der Mensch war verschwunden. Ohne zu zögern gliederte sie sich zwischen ihre Geschwister, griff nach den Händen der beiden umstehenden. Zunächst leise und kraftlos viel sie in das summen mit ein, welches von den Elfen ausging und sich auf den Stein zu konzentrieren schien – während um sie der Kampf tobte. Langsam schwoll es an, schien bis in den Himmel hinaufzugleiten, ebenso langsam, ruhiger werdend legte es sich um die Anwesenden, berühre in der nächsten Variation den Stein, zog sich wieder zurück. Es zeugte von Zusammenhalt, es verband die Elfen und sie woben es um den Stein – um sich herum nichts mehr wahrnehmend. Stetig wurde es intensiver, genährt von der Kraft der Sippe, es wurde sicherer, die Melodie variierte noch mehr, jedoch harmonisch bleibend und nach und nach gewann ihr Lied über Terthao, über sie selbst, über die Sippe … erneut an Kraft. Die Elfen nicht beachtend trat der Myte LennartzRa-Veh auf den Stein in ihrer Mitte zu, fixierte diesen mit seinem kalten Blick, und streckte seine Klauen nach diesem aus. Eher er ihn berührt hatte wurde auch er schon zurückgeworfen – und die furchterregende Gestalt in dem roten Knochenpanzer lag bewusstlos am Boden. Sich auch dadurch nicht abhalten lassend, wurde das Lied der Elfen weiter gewoben – um sie herum waren die Skelette zahlreicher geworden. Der Myte stand, seine wunden nicht beachtend wieder auf – und unvermittelt traf einer Feuerball Miriamel. Erschrocken zuckte sie zurück, das summen nicht abschwellen lassend. Als der nächste sie traf entrang sich ein lautes keuchen ihrer Kehle, und verzweifelt versuchte sie den Schmerz zu unterdrücken, das summen, das band nicht zerreissen zu lassen – sowie die Erinnerungen wegzuschieben. Vor ihr ragten mächtige Äste auf, schlugen um sich und als der nächste Feuerschlag sie traf, schrie sie nur noch gequält auf, sich an die Händer ihrer Geschwister klammernd. Das Skelett taumelte auf sie zu, sandte ihr den nächsten Feuerball und sie kippte hinterrücks um – die Hände loslassend, das Band zerreissend vor sich sehen. Kraftlos taumelte sie so aus der Aura des Liedes heraus, versuchte sich aufzurappeln und krabbelte übers Gras. Tränen vor Schmerz und Wut rannen ihr über die Wangen, Blut lief ihr die Arme hinab und mit letzter kraft versuchte sie sich wegzuziehen, nicht bemerkend wie der Myte und der Feanhall Isbeorn sich auf das Skelett stürzten. Mit letzter Kraft kam sie auf die Beine doch kaum einen Schritt voran traf sie der nächste Feuerball – und haltlos fiel sie um, blieb benommen und daraufhin bewusstlos im Gras liegend. Leise summen umgab sie, legte sich um sie und etwas schien ihr Kraft zu geben…. Braune Augen …“Miri….“ Hörte sie es leise neben sich… stöhnend schlug sie die Augen auf, sah Isbeorns besorgten Blick auf sich ruhen. Vorsichtig versuchte sie sich zu bewegen, sog darauf vor Schmerz tief die Luft ein. Isbeorn nahm sie auf, stellte sie auf die Füße – und Aglareth riss an ihrem Arm, wollte sie zum Haus zerren. Den Schmerz, das Geschrei um sich herum nicht mehr wahrnehmend sah sie ihn an – und er ließ von ihr ab. Schwankend ging sie einen Schritt auf die Hauswand zu.. stützte sich mit einem Arm an dieser ab – und kippte erneut um. Zog sich an der Hauswand wieder ein kleines Stückchen hinauf, sich diesmal jeder einzelnen Faser ihres Körpers bewusst. Ihr Blut vermischte sich mit Schweiss und mit einer letzten Anstrengung begann sie zu summen, leise für sich… wob ihr Lied und vernahm das Rauschen des Windes, entzog ihrem Körper und Geist die letzte Kraft die
Wunden zu schließen.
Nach und nach nahm sie ihre Umwelt wieder wahr, noch immer ruhte Isbeorns besorgter Blick auf ihr. Mit ihrer Hilfe zog sie sich auf die Beine, krallte sich in seinen Arm als der Schmerz zugriff, als die Erinnerungen zurückkamen – und lies abrupt los, zurücktaumelnd als sie dies wiederum unterdrückte. Wild schlug sie um sich, im nächsten Augenblick wieder ausdruckslos vor sich starrend – leise und beruhigend Isbeorns Stimme an ihrem Ohr, sie festhaltend und tröstend wie ein kleines Mädchen.
Unsicheren Schrittes wankte sie zurück zu dem Kreis der Elfen, jedoch trieb sie etwas daran vorbei… ein dunkles Lachen, ein unbestimmtes Gefühl. Isbeorn hinter sich taumelte sie über den kleinen hof, auf den nächsten schimmernden Stein zu, in dem nun wieder der düstere Mensch stand, einige Elfen und Feanhall um diesen herum. Ausdruckslos starrte sie diesen an, den Worten nicht lauschend. Wie ein Traum ging es an ihr vorbei, die teils wütenden, traurigen und verzweifelten Gesichter. Immer nur starrte sie auf Tarundi, hörte sein lachen, sah sein schmunzeln – fühlte ihn, begann ihn zu verachten und im nächsten Moment zu bemitleiden. Weder bemerkte sie das Kampfgeschrei, noch das Gespräch, noch die Herausforderung zum Kampf, den verzweifelten Sazabi und den sein Leben zu geben bereiten Isbeorn. Langsam in die knie sinkend sah sie ihn, wie er voller Spott einen Retiu`as zu Aglareth warf, wie er lachte, gähnte, schmunzelte – seine Kälte und seinen Hass versprühte, und an ihm das bläulich leuchtende Armband. Sie registrierte nicht wie Nomolas kam, wie ihr Bruder sie wieder aufstützte und festhielt, noch wie Aglareth unter Berührung der Hand des Menschen schreiend zu Boden ging. Erst im nächsten Moment, seine Worte an ihr vorbeigehenden, stand sie neben ihm – umgeben von knisternder Magie, einem Ruf nach Hilfe und einem düsteren mächtigen Lied. In einem schier unendlichen Augenblick sah sie die verzerrten Gesichter ihrer Sippe, ihrer niah´um sich, sah wie sich ihre Münder bewegten, sie ihre Waffen zogen, erahnte ihr verzweifeltes, wütendes schreien – und im nächsten Augenblick war sie fort. Aufgelöst, umgeben von nichts, Leere, Einsamkeit…und schmerzhaft aufprallend auf hartem Stein. Keuchend blieb sie liegen, nach Luft ringend ehe Tarundi sie am verletzen Arm packte, auf die Beine zerrte und hinter sich herschleifte. Durch den dunklen, leblosen Raum folgte sie ihm, Leiter um Leiter hinaufstolpernd, langsam die Sinne verlierend. Grob stieß er sie in einen kleinen Raum hinter ein Gitter und warf sie aufs Stroh, zog die knarrende Metalltür knallend hinter sich zu und verschloss sie. „so mein kleines…“ . Wiederum nach Luft ringend lag sie auf dem Stroh, keuchte, und schloss die Augen. Kälte griff nach ihr, schnürte ihr die Luft ab, und sie hörte die Worte des Hexers nicht mehr, nahm nichts mehr wahr… eine salzige Brise umwehte sie, schlaff lag sie ins seinen Armen wie er sie durchs dunkle leblose Gemäuer trug…“sieh das Meer“ .. unfähig war sie die Augen zu öffnen, leblos sackte sie auf den kalten Stufen zusammen, den Wunsch zu schreien, um sich zu schlagen unterdrückend… sanft hob er sie an, die braunen Augen voll Trauer und Bitterkeit auf ihr. Langsamen Schrittes trug er die leblose Elfe die Stufen hinab, an den Wächtern vorbei…. Eine salzige Brise umwehte sie…. Langsam kam sie zu sich, benommen und rührte sich nicht… „Mal sehen vielleicht hole ich mir noch ein kleines Elfchen, zum testen… wenn eines stirbt habe ich ja noch das andere“ mit diesen Worten verschwand Tarundi die Leiter hinab. Langsam quälte sie sich auf die Beine, fühlte nach Halt und schreckte vor der kalten, leblosen und abschreckenden Mauer zurück… keuchte… tastet sich voran… nach Luft ringend, nach einem Hauch von Leben suchend. Fast erstickt keuchte sie aus dem Fenster heraus, rang nach Luft… sah hinab. Atmete den Hauch frischer Luft ein…sah die leblose Erde unter sich, die aggressiven Tiere.. zog den Kopf zurück.
Wenige Augenblicke später rumorte es… und Tarundi zog eine um sich schlagende Nifiel mit sich. Entsetzt blickte sie auf ihre niah`, sah wie er sie ebenso grob in die Zelle warf wie er es mit ihr tat… fing ihre Schwester auf, hielt sie im Arm – ausdruckslos zu Tarundi starren. Ebenso reglos blieb sie stehen, seine Worte, Taten Schmerzen nicht wahrnehmend – die tobende Nifiel nicht wahrnehmend, die schreiende Nifiel nicht wahrnehmend, den unglaublichen Wut der fey`simil nicht wahrnehmend – erst als sie bewusstlos auf dem Boden zusammensacke, kam sie zu sich..half ihr.
Erinnerungen, nicht als Leere..geschehen. Was bleibt sind Erinnerungen, was fruchtet aus dem Schmerz und der Furcht ist der Hass.
Nah am Ufer stand sie, ihre Augen versprühten reinen Hass als sie auf die andere seite starrte. Ein Katze neben ihr, wildfauchen, die Krallen entblößent.
Und danach, danach war ER wieder gekommen. ER...oder doch ES ?
Sie hatte sich gelöst, hatte sich lösen muessen, wollen - und er riss sie zurueck, legte ihr neue Ketten an...
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