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 Betreff des Beitrags: Zweifel
BeitragVerfasst: 19.10.02, 20:52 
Bürger
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Registriert: 11.01.02, 10:21
Beiträge: 358
War es Rechtens was sie da taten?
War es nach dem Willen des Fürsten?
Mit zitterndem Blick starrte er auf jenen Mann der ihm soviel gegeben hatte. Doch seit Tagen saß er nur da und las. Selbst Thorwin wagte es nicht den Fürsten zu unterbrechen. Das Essen was er ihm an seine Seite gestellt hatte, war unberührt und schon längst erkaltet.
Es war Thorwin nicht unbekannt, es geschah jedesmal zu dieser Jahreszeit. Es war die Zeit des großen Unglücks und je länger es her war, umso verschlossener wurde der Fürst, wenn sich der Tag jährte.
Wenn er den Fürsten so da sitzen sah, das Buch in seiner Hand und das Bild seiner Familie neben sich, da beschlich eine unglaubliche Traurigkeit den sonst so kalten Satai.
Wenn er so sah und den Fürsten betrachtete, dann fragte er sich nach dem Sinn des ganzen.
Warum waren die Viere so grausam? Warum mordeten sie abscheulich?

Eine kleine Regung ließ Thorwin hochschrecken. Der Fürst hielt nun in seiner Hand das Bild seiner Familie, heiße Tränen liefen sein Gesicht hinab. Und Thorwin konnte es fühlen, konnte die unendliche Traurigkeit im Herzen des Fürsten spüren, welche sich mit seiner eigenen vermischte und einen Wimpernschlag später saßen sich die Männer schweigend gegenüber und Tränen liefen nun beiden über das Gesicht. Thorwin weinte um seine eigene Familie, weinte um das Leid das dem Fürsten und ihm angetan wurde.

Minuten, die Thorwin wie Jahre vorkamen, verstrichen und plötzlich schob der Fürst langsam, seinen Blick noch immer auf das Bild gerichtet, das Buch zu Thorwin.
Thorwin kam es vor, als würde ihn die Trauer in den Sitz pressen und vorsichtig wandte er seinen Blick auf das Buch und ihm war als würde ihm sein pochendes Herz aus dem Leibe gerissen.

Ich weiß Du kommst nie mehr zurück
Du lässt mich ganz allein
Doch meine Tränen sagen dir
Ich werde immer bei dir sein


Waren die einzigen Worte die in diesem Buche standen, sich stest und ständig wiederholend. Diese Worte voller Leidenschaft und Trauer hatte der Fürst in den Grabstein seiner lieblichen Frau meißeln lassen, nachdem sie ihm genommen ward.
Diese Worte, voller Schmerz und Wehmut ließen Thorwins Herz bluten.
Doch in diesen Augenblick sah er ein Funkeln in den Augen des Fürsten und es überkam ihn ein Gefühl, welches er schon lange nicht mehr so intensiv espürt hatte, der blanke, schiere Hass kroch durch seinen Körper. Und da erkannte er warum das alles Geschah und ihm wurde beusst wofür er kämpfte. Niemand sollte mehr unter dem Joch der Viere leiden, niemand sollte mehr um jene Trauern die ihm lieb und teuer waren und der Hass schwoll in ihm an und er spürte wie der Fürst das gleiche fühlte ...


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