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 Betreff des Beitrags: Dunkler Horizont
BeitragVerfasst: 31.10.02, 15:37 
Altratler
Altratler

Registriert: 3.12.01, 20:44
Beiträge: 315
Die "Goldene Möwe" schob sich stampfend durch die aufgewühlte See. Es wehte ein steifer Westwind, der die Takelage zum Knarren und das Deck zum Schlingern brachte. Kapitän Jannsen hatte ihn vorgewarnt, sich an diesem Tage nicht auf dem Deck aufzuhalten, da die Nachwehen des Sturmes immer noch tobten. Doch er hatte es besser gewusst und hielt sich nun schon fast krampfhaft an der Reling fest, während seine Augen unablässlich den Horizont absuchten.
Wie lange er nun schon dieses grüne Insel, die er seine Heimat nannte, nicht gesehen hatte, er wusste es nicht mehr.
Zurückdenkend an jene schicksalhafte Nacht, als er Hals über Kopf via Tiefenbach Siebenwind verlassen hatte, musste er grimmig lächeln. Wiedermal einer seiner jugendhaften Züge. Alles musste schnell und am besten vorhin geschehen. Aber er war nicht zu spät gekommen.
Mit dem Brief von Lord McMorn, den er damals erhalten hatte, war er sofort nach Draconis gereist und von dort weiter an seinem Geburtsort. Bran hatte keinen Hehl darum gemacht, dass es wohl dringend sei. Und wie dringed es war. Die Front der Dunklen war über Falandrien hereingebrochen wie ein Gewitter über ein Kornfeld. Und letztendlich hatte sie auch seinen Geburtsort erreicht und dem Verbotenen einverleibt. Lange hatte er sich abgemüht, doch es war vergebens gewesen. Wenigstens hatte seine Familie überlebt, auch wenn er seinen Bruder mehr aus der Burg tragen musste anstatt dass er freiwillig mitgekommen wäre. Aber sie waren alle in Draconis angekommen, auch wenn die Ländereien und alles drumherum nun zum schwarzen Lande gehört. Innerlich seufzte er bei dem Gedanken daran, aber es liess sich nun nicht mehr rückgängig machen. Nach diesen Wochen hatte er sich, ohne zu zögern, auf das erstbeste Schiff begeben, dass gen Siebenwind ausgelaufen war. Erstbeste war eigentlich schon zu hoch ausgedrückt, letztbeste war wohl treffender.

Das Dunkel am westlichen Horizont nahm weiter zu und stirnrunzelnd blickte er weiter gen Westen. Das hatte nichts gutes zu bedeuten...

Einige Stunden später schob sich das, was der Reisende von Siebenwind zuerst sah, in die Blickfläche. Der Vulkan kam in Sicht. Aber etwas störte ihn am Anblick der Insel. Fast war es, als sei sie in Rauch oder in ein Zwielicht getaucht, auch wenn er es nicht genau identifizieren konnte. Langsam drehte er sich um und rief das Deck herunter:
"Dreht hart backbord, ich fürchte, mit Tiefenbach stimmt etwas nicht Kapitän" hallte die tiefe Stimme des Mannes übers Deck. Wenige Minuten später hatte man Kurs auf Brandenstein genommen. Jetzt hiess es wieder warten, aber das hielt den blonden Mann nicht davon ab, weiter an seiner Stelle an Deck zu verharren und die Insel am Horizont zu beobachten aus graugrünen Augen.
Viele Nachrichten waren nicht über das Meer gedrungen, ausser, dass wohl der grosse Krieg gegen den Einen auch die Insel erfasst haben zu schien. Umso besorgter gestaltete sich die Miene des Mannes. Er wollte nicht noch eine Heimat verlieren.
Wenige Zeit später erreichte die "Möwe" den Hafen von Brandenstein und das hektische Treiben der Hafenstadt war schon vom Wasser aus zu sehen. Tief atmete er die würzige Luft ein und begab sich unter Deck, um die Kiste, die seine Habseligkeiten beinhaltet zu holen. Währenddessen legte das Schiff an den Pier an und einige Stadtwachen und ein Beamter stellten einen Tisch auf, an dem jeder Reisende zu warten hatte, während sein Hab und Gut auf zollfplichtigkeit überprüft wurde, sowie Name und Herkunft erfragt wurden. Als er an die Reihe kam, dämmerte es bereits.
"Stellt eure Truhe dort ab und öffnet sie, damit meine Männer sie durchsuchen können"
Er stellte die Kiste ab, machte aber keine Anstalten sie zu öffnen und wendete sich dem Hafenbeamte zu.
"Dies wird nicht nötig sein, denn ich kehre nur nach Hause zurück"
"Vorschrift ist Vorschrift, Herr, also fügt euch, oder wir werden sie aufbrechen und euch festnehmen", kam es kühl zurück.
Seufzend straffte sich der Reisende. Er hatte schon mit soetwas gerechnet, in dieser Kleidung, aber auf der Insel schien einiges im Argen zu liegen.
Kühl blitzen seine Augen auf, als er einen Ring aus der Tasche zog, ihn überstreifte und dem Beamten vor die Augen hielt.
"Sir Talliostro Barnabas, Ritter Siebenwinds und des Königs von Falandrien. Lasst mich passieren, besorgt mir ein Pferd und die letzten Ausgaben des Siebenwindboten. Aber zügig!" donnerte der Ritter den Beamten an, der mittlerweile kleiner geworden zu sein schien und ein wenig fahler.
"Ja Herr, sofort Herr" sagte er und machte eine eilende Geste zu den Soldaten.
Mürrisch nahm Talliostro die Kiste auf und folgte einem Soldaten zum Hafenhaupthaus. Alles schien sich wohl doch nicht verändert zu haben...


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