|
*er weinte, lange weinte er, dann stand er auf und rezitierte ein Gedicht, welches er immer im Herzen bei sich trug*
TENEBRAE
Nah sind wir Herr,
nahe und greifbar.
Gegriffen schon, Herr,
ineinander verkrallt, als wär
der Leib eines jeden von uns
dein Leib, Herr.
Bete, Herr,
bete zu uns,
wir sind nah.
Windschief gingen wir hin,
gingen wir hin, uns zu bücken
nach Mulde und Maar.
Zur Tränke gingen wir, Herr.
Es war Blut, es war,
was du vergossen, Herr.
Es glänzte.
Es warf uns dein Bild in die Augen, Herr,
Augen und Mund stehn so offen und leer, Herr.
Wir haben getrunken, Herr.
Das Blut und das Bild, das im Blut war, Herr.
Bete, Herr.
Wir sind nah.
*dann setzte er ein Pergament auf und schrieb an den Freund*
Werter Freund,
mir ist wohl bekannt, dass ich von solcherlei Freunden umgeben bin, dass ich keine Feinde mehr bedarf, und ich werde euren Rat achten.
Euer Vorschlag des spontanen Treffens scheint mir angemessen und ich werde eurer harren. Die Geschicke der Elementarkultisten werden von mir weiterhin beobachtet und man wird sicher eine Lösung finden, welche uns adäquat erscheinen wird.
Weiterhin freut es mich, dass ihr das Buch, welches mich Jahre meines Lebens begleitet hat, zur Kurzweil gereichte und ihre Lehren aus diesem zoget, die mir von euch zugesandten Verse haben mich sehr traurig gestimmt, sprechen sie doch von einer gänzlichen Missinterpretation des Geschehenen, aber sei es drum, wir haben alle Zeit dies zu klären, hier oder dort, wie es halt kommen wird.
Denn Zeit und Raum spielen keine Rolle.
DD
*das Schreiben liegt an bekannter Stelle*
[ooc: der Autor des Gedichtes ist Paul Celan]
_________________
"Es wird der Diamant an sich selbst nur erkannt. Denken lernst du im Denken, das Wahre erkennst du am Wahren. Liebe nur, wenn du schon liebst, nichts durch die bloße Kritik." Ludwig Feuerbach
Zuletzt geändert von Donarius: 20.06.03, 21:57, insgesamt 1-mal geändert.
|