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 Betreff des Beitrags: Anais Fundstück in der Bibliothek
BeitragVerfasst: 22.09.03, 13:52 
Festlandbewohner
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* dein prüfender Gang durch die Bibliothek lässt deinen Blick auf einer Ecke Pergament, die unter dem Regal hervorschaut, verharren, du nimmst es auf und erkennst darauf zweierlei Text von zweierlei Handschrift, die Kommentierung scheint von Donarius zu sein, auch sieht das Blatt aus, wie eines derjenigen, die in dem abgegriffenen Folianten, welchen Donarius so verzweifelt neulich suchte, beigelegt waren. *

* der ältere zentrierte Text lautet *
Es sprechen wahr die alten Meister, wenn sie sagen die Yehramnis, die uns berichtet vom Anfang der Welt, berichtet auch vom Sein der Welt und ihrem Ende, jeder Buchstabe hat seinen Platze im Buch Yehramnis, wie auch jeder Mensch, jeder Lebende seinen Platz hat in der Schöpfung und so wie ein Mensch durch Geburt, Leben und Tod seinen Platz im Buche der Schöpfung ändert, niemals aber sein Dasein, so kann der Kundige, der weiß die Buchstaben der Yehramnis weiter zu setzen, die Zukunft der Schöpfung erkennen und lesen. Und so sagt der Meister Bilmar: ‚Kein Satz steht allein, kein Buchstabe ohne Sinn, wie auch kein Mensch allein steht und ohne Sinn, Jeder Satz ist gebunden in sein Gefüge, jeder Buchstabe ebenso, verschiebe die Buchstaben nie mehr als es ein Mensch sich in seinem Leben bewegen kann.’

*danach folgen Notizen von Donarius, die immer wieder abgeschabt und neu formuliert wurden, an einigen Worten und Konstruktionen kann der geübte Leser Stellen der Yehramnis erkennen die anscheinend lange hin- und hergeschoben wurden.*

Vierfach soll die Versuchung sein, die der eine über das Land sendet um die Gerechten sich abwenden zu lassen vom Antlitz Viere.

Die Versuchung des Kampfes der unehrenhaft sein wird, den sie dennoch aufnehmen und sich Bellums Zorn zuziehen.

Die lebenden Toten, die ihnen den Trost der Hallen Morsans nehmen sollen, und darauf sich vom Ruhenden abwenden und sich am Leben klammern werden.

Der Hunger wird die harten Herzen hervorbringen, die uns das Schwert gegen den Bruder erheben lassen werden und Vitama wird weinen um ihr erstes und ihr letztes Kind.

Die Lüge, welche er aussenden wird, um in uns den Siegestaumel zu schüren und auszusprechen Falschheit wider allem und des Astrael Waage wird nimmer ausgewogen sein.

Die, die sich gerecht nennen werden vergehen im Staub der Äonen, nur jene die sich prüfen und in ihr Herz hineinlauschen und die sich verneinen und den Willen der Götter durch sich Bahn brechen, können hoffen, doch wenige werden es sein, 4x4x4x4 Schreine der göttlichen Seelen werden die letzte Zuflucht sein.

Sind die Gerechten, die Flammen der Viere unter den Völkern, beieinander, wird der Himmel zerbersten wir morsches Holz und die Viere werden sich abwenden und ihrem Sohn dieses Zeitalter schenken und er wird reiche Ernte erhalten und nur die Gerechten werden sie erretten und in das neue Zeitalter, das wahre ihrige, mitnehmen.

_________________
"Es wird der Diamant an sich selbst nur erkannt.
Denken lernst du im Denken, das Wahre erkennst du am Wahren.
Liebe nur, wenn du schon liebst, nichts durch die bloße Kritik."
Ludwig Feuerbach


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 22.09.03, 17:01 
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Beiträge: 602
Wohnort: Land of cheese & chocolate
Er war in matt schimmerndes Leder gebunden, welchem die Zeit eine ebenholzfarbene Patina geschenkt hatte. Endlose, mäandernde Linien formten seltsame, verwirrende Muster, die als Blindprägung in das Leder eingelassen worden waren. Die metallenen Beschläge schimmerten in der Farbe alten Kupfers, das regelmässig aufwändig poliert wurde. Das Muster der Blindprägung des Leders wiederholte sich in den vier metallenen Riegeln – jeweils einer oben und unten, zwei an der Seite – mit denen der Foliant verschlossen werden konnte. Kostbare, seltsam altertümliche Illuminationen in Purpur, Kobaltblau, Smaragdgrün und Gold zierten die Pergamentseiten und die Minuskeln aus schwarzer Eisengallustinte waren in einer Art ausgeführt, wie sie in den Scriptorien Galadons schon lange nicht mehr gebräuchlich war.
Neben dem Folianten lag ein gefaltetes Stück Linnen, das so fein gewoben war, dass es wie kostbare Seide anmutete. Es hatte die Farben hellen Brauns, denn man hatte es nach dem Weben unbehandelt gelassen. Unter dem Linnen lag ein hölzerner Schuber aus altem, matt schimmerndem Holz, welches mit altertümlichen, filigranen Schnitzereien versehen worden war. Auf einer Seite trug der Schuber eine hölzerne Klappe mit Lederschlaufen, mit der der Schuber verschlossen werden konnte. Der Schuber war nur wenig grösser als der Foliant, neben dem er lag. Vermutlich gerade so gross, dass der Foliant – in das Linnen gewickelt – hineinpassen würde. Der Schuber war zweifelsohne kostbar. Doch nicht annähernd so kostbar wie der Foliant. Und auch nicht annähernd so gefährlich.

Auf dem Lesepult, auf dem der Foliant lag, fanden sich noch zwei Handschuhe aus dünnem Leinen; auch dieses hellbraun, unbehandelt. Es wäre undenkbar gewesen, den Folianten mit blossen Händen anzufassen oder seine Seiten umzublättern. Die Säure menschlichen Schweisses umblätternder Hände hätten dem Werk über all die Zeit hinweg geschadet. Und nicht nur aus praktischen Erwägungen wäre es für die Frau niemals in Frage gekommen, den Folianten mit blossen Händen zu berühren.

Auf dem grossen Tisch neben dem Lesepult fand sich hingegen nichts mehr von der aufwändigen Sorgfalt, mit dem der Foliant behandelt worden war. Dort lagen in blankem Chaos durcheinander ungezählte grosse und kleine Stücke Pergament, einige Schiefertafeln, Kohlestifte, ein Fässchen Tinte mit Federkiel, Schabemesser, Bimssteine zum Glätten frischen Pergaments, ein Stück Kreide. Überall fanden sich verwirrende Buchstaben und Zahlenkolonnen. Hier eine Skizze – ein Gitter in das Zahlen eingetragen worden waren. Dort eine Liste von Buchstaben, mit Linien miteinander verbunden. Und dazwischen immer wieder Gitter und Tabellen, in die Worte, Buchstaben, Zahlen eingetragen worden waren. Textfetzen waren niedergeschrieben und frustriert wieder durchgestrichen worden. Ein kleines Stück Pergament war gar in schierer Resignation zerknüllt und zu Boden geworfen worden. Mathematische Formeln und geometrische Muster durchzogen einige notizenhaft dahingekritzelte Textpassagen. Es bestand kein Zweifel, dass hier nach der Antwort auf ein seltsames Rätsel gesucht worden war. Doch das ganze Durcheinander an Pergamenten, Texten, Skizzen, Formeln liess keinen Zweifel daran, dass – was auch immer hier gesucht worden war – es vergeblich gesucht worden war.

Nein. Nicht gänzlich vergeblich.

Inmitten all des Chaos stand eine Frau und hielt in ihren Händen zwei Pergamente. In ihrer rechten Hand jenes, auf das sie bei ihrer Arbeit in der Bibliothek gestossen war. Und in ihrer linken Hand ein anderes, auf das sie eine einzige Zahl geschrieben hatte:

365

Die Frau stand noch lange dort, als ihr schliesslich bewusst wurde, dass sie die Herleitung des Textes in ihrer rechten Hand vermutlich niemals würde nachvollziehen können. Aber im gleichen Augenblick wurde ihr auch bewusst, dass der Text ohne jeden Zweifel korrekt war. So korrekt wie die Zahl in ihrer anderen Hand.

365


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