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 Betreff des Beitrags: Ein Schrei in der Nacht
BeitragVerfasst: 23.09.03, 01:46 
Ehrenbürger
Ehrenbürger

Registriert: 10.06.03, 00:42
Beiträge: 602
Wohnort: Land of cheese & chocolate
Nacht. Bizarre Schatten, durch der Laternen fahlen Scheins zum Leben erweckt. Vor der Bibliothek. Das leise Knarzen einer Tür. Jemand verlässt die Bibliothek. Dann eine schemenhafte Silhouette. Unwirklich schnell in ihren Bewegungen. Ein kurzes Aufblitzen. Metall? Ein Dolch? Schliesslich ein gellender Schrei. Ein dumpfer Aufprall. Und dann Stille.

*

Vor der Bibliothek. Drei Gestalten. Um eine vierte, liegende Gestalt herum kauernd, kniend. Unwirklicher Schimmer blauer Funken. Und dann Stille. Bangende Stille. Und schliesslich leises Flüstern. Tuscheln. Erschöpft. Erleichtert.

*

Im Krankensaal des Hospizes. Eine junge Frau im blauen Habit der Diener Astraels. Liegend. Ein abstossender, grässlicher rotbrauner Fleck, der die Robe verunziert. Trocknend. Sie schläft. Ruhig. Die Wangen rosig von neu geschenktem Leben. Daneben ein Mann. Sitzend. Den Kopf gesenkt. Schlafend? Erschöpft? Wachend? Eine Rote Tunika. Die Insignien des Ordo Belli. Stille. Quälende, erleichterte, erholsame, genesende Stille.


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 26.09.03, 10:37 
Einsiedler
Einsiedler

Registriert: 8.05.03, 10:20
Beiträge: 67
Gedankenverloren ins Leere blickend saß der Elf auf dem Rand des kleinen Beetes vor der Bibliothek des Ordo Astraeli. Der flackernde Schein der Straßenlaterne lockte Motten an und ließ sie im Feuer verbrennen, doch an diesem Abend schenkte der Elf dem bizarren Sterben keine Aufmerksamkeit.
Neben ihm im Beet lugte eine zarte, blaue Blume aus der Erde, im schlechten Licht kaum von anderen Blüten zu unterscheiden.

Der Elf hatte eine einfache Laute auf seinen Schoß gelegt, zupfte an den Saiten und lächelte. Wie an jedem Abend sang er für die kleine, blaue Blüte im Beet, die vielleicht Wurzeln hatte und vielleicht nicht. Die Melodie an diesem Abend klang in ihrer Einfachheit wehmütig. Der Elf war kein großer Sänger.

So kann das Leben Fäden weben,
Unschuldsweiß und blutigrot,
Ist ein Nehmen und ein Geben,
Strebt hin zum einen, letzten Tod.

Mit der Geburt beginnt das Sterben,
Ich muss sterben um zu leben,
Doch muss ich töten um zu werden?
Wieso muss ich die Fäden weben?

Als wär’ zu sein eine Schuld,
Von den Göttern aufgeladen,
Um sie zu tragen mit Geduld,
Ohne unser Leid zu klagen.

So bin ich hier und stehe frei,
Unschuldig-schuldig, blutrot-rein,
Fürs Leben, das nur ein Faden sei,
Im großen Netz bin ich allein.


Der Elf lächelte verträumt und verneigte sich im Sitzen vor der blauen Blüte.
„Das war eine Lektion über das, was dir erspart bliebe, wenn du nicht sein wolltest und keine Wurzeln hättest, Feenwiege“, sprach er leise zu ihr. Trotz allem schien er nicht traurig, eher im Gegenteil: Das Lächeln des Elfen wirkte friedlich.


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