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Ein letzter roter Schimmer lag auf den Häuserdächern Brandensteins, während es sich Saphyriella mit einem Glas Rotwein vor der Tür so gemütlich wie möglich gemacht hatte, in dem sie sich an die Brüstung des Aufgangs lehnte und den Himmel betrachtete. Ein angenehmer Wind wehte sanft durch die Strassen und dennoch war es noch nicht allzu kühl.
Sie nahm einen kleinen Schluck und verzog das Gesicht. Innerlich fluchend, äusserlich nur scheinbar beherrscht, stellt sie das Glas zur Seite - wie konnte sie auch erwarten, dass sie in solchen Zeiten einen guten Wein auf Siebenwind kaufen könnte?
Leise seufzte sie auf und schaute wieder zum Himmel empor - wie einfach war doch ihr Leben vor wenigen Monaten noch gewesen? Die exklusivsten Köstlichkeiten, die besten Weine, kostbare Düfte aus aller Herren Länder, erlesene Stoffen hatten ihren Körper umschmeichelt und ständig stand jemand bereit, um ihre Wünsche von ihren Lippen abzulesen. Sie brauchte sich um ihre Zukunft keine Gedanken machen - das hatten schon andere getan und das war es letztendlich was sie fort aus ihrem trauten Heim getrieben hatte. Sicherheit und Reichtum gab sie auf, um endlich von der Freiheit zu kosten, doch manchmal hat die Freiheit auch einen Beigeschmack wie eben jener Wein, den sie am liebsten wieder ausgespuckt hätte.
Sie verschränkte die Arme. Sie hatte aber durchaus auch Glück - eine Unterkunft mitsamt der Möglichkeit hier ihrer Arbeit nachzugehen, die sichere Liebe eines Mannes, der sie auf Händen tragen würde (und es schon getan hatte) und offenbar lebte auf dieser Insel trotz Krieg und Mangel eine recht eitle Bevölkerung, die ihrer Dienste oft bedarf.
Doch aller Anfang ist schwer - sie war es nie gewohnt, Kunden zu beraten, hatte nie erlernt, wie es ist unter Zeitdruck zu arbeiten. Ein leiser Seufzer rann über ihre Lippen - all das und so viele Dinge, die sie von ihrer Mutter nie gelernt hatte, musste sie sich nun selber erarbeiten. Ihre Gedanken schweiften dabei zu dem Tisch im Haus, auf dem ein verhunztes Kleid lag und das letztendlich den Ausschlag gegeben hatte, an die frische Luft zu treten.
Doch dieser Rückschlag hielt sie nur kurz auf - wie so oft rappelte sie sich rasch wieder auf, spornte sich an und auch dieses Mal gab sie die Hoffnung nicht auf.
Hoffnung darauf, irgendwann selber eine exklusive Schneiderei zu besitzen.
Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht und sie drehte sich um, einige Passanten betrachtend, die vorbeihuschten.
'Exklusiv,' dachte sie mit einem grimmigen Lächeln, 'mal sehen, wie weit die Eitelkeit auf dieser Insel geht und wieviel Profit sich damit machen lässt.'
Sie schmunzelte - solche Gedanken waren wohl das Einzige, was sie von ihrem Vater geerbt hatte.
Sie nahm das Weinglas auf, kippte mit einer eher lässig-lockeren Bewegung den Wein auf die Strasse und ging schmunzelnd zurück ins Haus.
'Irgendwann wird man sich rühmen dürfen Kleidung aus meiner Werkstatt tragen zu können.'
_________________ Q: I've always tried to teach you two things. First, never let them see you bleed. James Bond: And the second? Q: Always have an escape plan.
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