Leise schnaufend und mit schweren, müden Beinen drückt sich die kleine Gestalt mit einer letzten Kraftanstrengung hinauf und legt sich dann flach auf den kleinen Vorsprung des Berges um sich auszuruhen.
Nach einer kurzen Weile setzt sich die Gestalt mit dem Rücken an die Felswand und greift aus seinem Beutel sein letztes Stück gebratenes Fleisch, das er vor einigen Wochen in den Überresten der Halblingssiedlung aufgetrieben hatte.
Dunkel erinnert er sich an die finstere Nacht als er auf dem Rücken seines treuen Ponys durch den Finsterwald ritt um seinen Brüdern am alten Friedhof beizustehen. Kurz bevor er den verfluchten Ort erreichte scheute Schattenfell plötzlich und stieß ein klagendes Wiehern aus. Ein dunkler Pfeil ragte aus seiner Flanke und schon hörte man das Surren neuer todbringender Geschosse in der Luft. Tief beugte er sich über den Rücken seines treuen Gefährten und riß ihn dabei weg von den nahen Bergen hinein in das Tal von Tiefenbach.
Er wusste das dort die Lage nicht besser sein würde, doch hoffte er darauf das die finsteren Gesellen von dort gen Friedhof gezogen waren.
Arkadon schien in dieser Nacht kein Auge auf seine Schützlinge geworfen zu haben, denn schon von weitem sah er die noch brennenden Häuser und die sich davor abzeichnenden Umrisse der dunklen Brut. Er konnte nicht noch weiter abschwenken, er war schon jetzt zu weit vorgedrungen und zügelte Schattenfell. Geschmeidig glitt er vom Rücken des Ponys und betrachtete sich die Wunde die der Peil hinterlassen hatte. Mit Schrecken sah er das der Pfeil bei der Flucht durch den Wald abgebrochen war und die Spitze noch tief in der Flanke steckte. Er würde Schattenfell führen und einen sicheren Platz finden müssen um die Spitze zu entfernen.
In den Splitterbergen gab es genügend Verstecke, doch würde der Weg heute Nacht nicht sicher sein und man würde ihn bestimmt entdecken. So schlug er den Weg zum Strand ein um sich von der Meerseite den Bergen seiner Heimat zu nähern. Er war noch keine Stunde unterwegs als er jäh nach hinten gerissen wurde und unsanft auf dem Rücken landete. Schattenfell war eingeknickt und hatten ihn mitgerissen. Nun lag es auf der Seite und ein leichtes Zittern lief durch seinen Körper. So schwer schien ihm die Verletzung nicht zu sein und besorgt beugte er sich erneut über die Wunde. Angewiedert ruckte sein Kopf herum als er den modrigen Eiter aus der Wunde treten sah. Vorsichtig nahm er den Kopf des Ponys zwischen seine Hände und schaute ihm in die Augen. Gift, kein Zweifel. Die Augen seines Freundes waren schon milchig und trübten sich immer mehr. Zum Glück schien er keine Schmerzen zu haben und so sprach er ruhig auf ihn ein bis der letzte, schwache Herzschlag sein Ende verkündete. Still zog er sein Drachenmesser und schnitt einige Strähnen der Mähne ab die ihm so viele Jahre Halt geboten hatten und ließ sie in seiner Brusttasche verschwinden, wo sie neben einer anderen schwarzen Haarlocke ihren Platz fanden.
Der stetige Wind in diesen Höhen trocknete die Tränen schnell und ohne wirklichen Hunger zu verspüren aß er die Hälfte des Fleisches auf. Er wußte das er bei Kräften bleiben mußte um auch das letzte Stück des Weges zu bestehen. Die Zahl der Gegner schien unermeßlich und obwohl er auf seinem langen Weg viele von ihnen niedergestreckt hatte konnte jede Wegbiegung und jeder Pass sein Ende bedeuten. Waren sie allein oder zu zweit und unaufmerksam vielen sie unter seinem Kriegshammer, doch meistens war er es der sich verbergen mußte oder auf den Rücken seiner geliebten Berge vor Ihnen sicher war. Die letzten lebenden Wesen hatte er in den Feuerbergen getroffen, doch die Myten mußten ihn abweisen, da auch sie nicht sicher waren. So war er Woche um Woche ausschließlich in der Nacht gewandert. Seine Augen waren die Dunkelheit gewohnt und verhalfen ihm oft zu einem Vorteil. Oft war es nur um Bartesbreite gewesen das er entkommen konnte und stetig hatte er nur das Ziel vor Augen ohne an all die Schrecken der vergangenen Monate zu gedenken.
Wenn er sich tagsüber in dunklen und kalten Gebirgshöhlen versteckte und sich ausruhte dachte er oft an seine Freunde und an die Dwarschim. Was war aus ihnen geworden, damals am Friedhof. Hatten sie die Heimat halten können und ging es ihnen gut?
Brockental war geschliffen und bevölkert von den Schwarzpanzern. Sie hätten ihn beinahe erwischt und wäre es nicht einst seine Heimat gewesen wo er jeden Stein kannte wäre sein Ende besiegelt gewesen. Er hatte sich daraufhin drei Tage in der alten Druidenhöhle verborgen und war erst dann in der Nacht auf den Rücken des Berges gestiegen.
Selbst er hatte über drei Wochen benötigt um in dem Bergmassiv einen Weg zu finden und bis zum Sichelberg zu gelangen und in der letzten Nacht hatte er zum ersten Mal die Lichter Brandensteins in der Ferne gesehen.
Mit der einbrechenden Dunkelheit macht er sich wieder auf den Weg und hielt sich grob in Richtung Handelsstrasse. Die Nacht war fast vorüber als er die Grenze des Berges erreichte und weit hinab auf die Handelsstrasse blicken konnte.
Menschen mit Fackeln hielten an einem Tor Wache, ein Heerlager, geschäftiges Treiben auch zu dieser Zeit.
Ein leichtes Lächeln umspielte zum ersten Mal seit langer Zeit seine Lippen. Er würde ein Seil verlieren um vom Berg zu gelangen, aber wußte das er es geschafft hatte. Er hatte die feindlichen Linien hinter sich gelassen und würde bald im Schoß der Familie sein.....
Die Reisestrecke