Mavion Kaufmann - Mensch - 31 Jahre - Attentäter
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Mavion Kaufmann wurde im Jahre 17 vor Hilgorad in Rothenbucht, innerhalb der Baronie Rothschild als Sohn einer gutsituierten allerdings verwitweten Dame geboren. Über die Vaterschaft kursiert innerhalb der höheren Gesellschaft Rothschilds einiges an Gerüchten, allen voran dass Mavion ein unehelicher Sohn des Barons von und zu Rothschild sein soll, der sich laut dem was man auf den Bällen und Festen Rothenbuchts munkelt, mittels einer beträchtlichen Summe von jeder Art der Verantwortung freigekauft haben soll. Mavion wurde von privaten Lehrern aus der Akademie der Scholastik zu Rothschild jeden Tag privat unterrichtet. Er lernte dort alles was ein junger Mann höheren Standes wissen muss, von der Schreibkunst über Diplomatie, Rhetorik, die bekannten Dinge über verschiedene Rassen ebenso wie deren Geschichte, wenn auch nur in Auszügen. Nach diesen Unterweisungen entschied sich seine Mutter ihn zur weiteren Ausbildung ins ferne Endophal, um genauer zu sein nach Crowahst in eine Akademie die ihr ein Mann ihrer Leibwache empfohlen hatte, zu geben, da sie verhindern wollte dass Mavion unter den kursierenden Gerüchten in seiner Heimat Rothenbucht zu leiden habe.
Die Reise nach Crowahst trat Mavion alleine mit Roland, ebenjenem Krieger der Leibwache an, der seiner Muter empfahl ihn dort weiter ausbilden zu lassen. Auf ihrem Weg fuhren sie mit einer Kutsche aus dem Hause Mavions Mutter, über die holprigen Wege von Rothenbucht in die Baronie Savaro, mit einem zweitägigen Aufenthalt in Erwelds Weg, von wo aus sie nach Taras weiterreisten. Auf der Strasse in Taras, kurz vor der Weggabelung die nach Burg Savaro führt, machte der inzwischen 16 jährige Mavion seine ersten Erfahrungen mit räuberischem Gesindel.
Es fing ganz harmlos an, ein junger Mann in ärmlicher Kleidung bettelte am Fenster der Kutsche um ein wenig zu essen. Als Roland schließlich auf das Drängen Mavions die Kutschentür öffnete um dem Vagabunden einen Laib Brot und einen Schlauch Wein zu geben, kamen plötzlich drei vermummte Gestalten aus dem Gebüsch gesprungen, die ebenso wie der vermeintliche Bettler einen Dolch zogen, und Roland, der in der Tür der Kutsche stand bedrängten. Roland, ein erfahrener Kämpe, der sein ganzes Leben nichts anderes getan hatte als gekämpft, mähte die Halunken ohne Probleme mit seinem Schwerte nieder. Ihr Blut und ihre Innereien waren rund um die Kutsche verteilt. Mavion sah dem Kampf vom Fenster der Kutsche aus zu und war hin- und hergerissen, zwischen der Bewunderung für die Eleganz mit der Roland seine Klinge durch die Luft wirbelte und der Abscheu die ihn bei dem grausamen Zucken der durchbohrten Leiber und den gequälten Schreien die von den Wegelagerern dabei ausgestoßen wurden, überkam.
Auf der weiteren Fahrt war Mavion ausgesprochen still und sprach fast keinen Ton, doch innerlich kreisten seine Gedanken wild umher. Einerseits bewunderte er die scheinbare Gelassenheit Rolands und seine scheinbar mühelosen, raschen und präzisen Bewegungen, doch andererseits verachtete er die rohe Gewalt und das Töten, das Roland bei der Verteidigung des Wagens wie im Kampfe allgemein offensichtlich rücksichtslos an den Tag legte.
Als die Kutsche nach einer langen Fahrt durch die Baronien schließlich an der Grenze nach Endophal ankam, hatte Mavion seine Zweifel fast gänzlich zerstreut und war voller Neugier auf das ihm unbekannte Land, auf die Stadt Crowahst, seine dortige Herberge und natürlich auch die Akademie die er besuchen sollte.
Die Kutsche holperte unterdessen unentwegt weiter über die staubigen Strassen Endophals und erreichte Crowahst nach zwei Wochen schließlich. Sofort bezog Mavion sein Quartier unweit des Basars. Nachdem die Räume eingerichtet waren und Roland Mavions Habseligkeiten verstaut hatte, überreichte Roland Mavion noch das Geld von seiner Mutter und machte sich dann auf die Rückreise.
In den nächsten Jahren wurden Mavion dann, ebenso wie den anderen Schülern der Akademie, samt und sonders Zöglinge aus gutem Hause, von Söldnern und anderen Ausbildern die verschiedenen Arten des Kampfes beigebracht. Mavion zeigte sich zwar geschickt, was die grundlegenden Techniken anging, fand aber nie wirklich Freude an dem Kampf mit dem Schwert oder anderen groben Waffen. Auch die Axt und die langen Stielwaffen konnten Mavion nicht im geringsten begeistern und er zeigte sich hier nur mäßig motiviert. Einzig und allein das Fechten, der Kampf mit dem Degen und das schnelle und elegante zustoßen begeisterten den jungen Mann und dieser Disziplin widmete er seine gesamte Aufmerksamkeit im Nahkampfunterricht.
Die anderen Fächer, die nachmittags abgehalten wurden, lehrten ausschließlich die theoretischen Grundlagen die für den Kampf benötigt wurden. Hier faszinierte den jungen Mavion vor der Kampfestaktik und den Schlachtenaufstellungen vor allem die Anatomie, ermöglichte sie doch schnell und mittels eines wohl angesetzten Stiches den Kampf zu gewinnen ohne wie ein Metzger den Opponenten zu zerlegen, was Mavion sowohl als unappetitlich und unpassend als auch ekelerregend empfand.
Letztlich beendete Mavion die Akademie mit einem mittelmäßigen Abschluss, da seine Zensuren in den Stich- und Fechtwaffen und der Anatomie zwar herausragend waren, er allerdings in den anderen Fächern nie übermäßigen Eifer oder auch nur Willen zeigte.
Mavion entschied sich vor seiner Heimkehr nach Rothenbucht die Stadt Crowahst noch weiter auf eigene Faust zu erkunden. Dabei fand er durch seinen Abschluss auf der Academia Militia Galadonis de Crowahst sofort zahlreiche Kontakte innerhalb der Stadt. Unter anderem auch zur Unterwelt Crowahsts, wo ihm zwei freie Kämpen von einer speziellen Schule für sogenannte Assassini, Krieger die lautlos und im verborgenen töten, erzählten.
Mavion gefiel die Idee an sich, zumindest im Vergleich zu dem was er auf der Akademie gelernt hatte und er beschloss sich auf die Suche nach diesen ominösen Assassini zu machen.
Dies gestaltete sich schwieriger als er zunächst vermutet hatte, denn wenn er auch nur das Wort Assassini aussprach, drehten sich die Leute weg, gingen einfach wortlos weiter oder beteuerten nie etwas davon gehört zu haben.
Doch eines Abends passierte es, er hatte wieder in einer der schummrigen Tavernen Crowahst nichts als eisiges Schweigen auf seine Fragen nach den Assassini geerntet und wollte sich müde und schon fast enttäuscht auf den Heimweg machen. Trostlos schlenderte er über die dreckige Nebenstrasse die direkt von der Taverne zu seinem Quartier führte, als er plötzlich einen heftigen Schlag auf den Kopf spürte.
Dann lange Zeit nichts als Schwärze und Leere.
Als Mavion wieder erwachte, fand er sich in einem großen, fensterlosen Raum wieder. Trotz des Lichts, das alleine von Fackeln an der Wand verbreitet wurde, sah der Raum sehr prunkvoll aus. Die Wände waren mit aufwendig geknüpften Teppichen versehen und über in Freiräumen dazwischen hingen golden und silbern verzierte Krummsäbel und Dolche und die Decke war mit prunkvollen Säulen abgestützt.
Inmitten des Raumes war ein großes Podest aus schwarzem Ebenholz und darauf stand ein komfortabler Lehnstuhl in dem, gesäumt von zwei grimmig wirkenden Wachen, ein offenbar recht alter und weißhaariger, bärtiger Mann saß.
Der Alte sah Mavion zunächst einige Zeit lang starr an, bevor er mit den beiden Wachen einige Worte auf endophalisch wechselte. Daraufhin nickten die beiden hastig und verließen den Raum.
Dann wandte sich der Alte wieder Mavion zu. Er sah ihm einige Zeit wortlos in die Augen, bevor er in akzentfreiem Hochgaladon anhob zu sprechen:
„Du begehrtest die Assassini kennen zulernen.“
Stumm nickte Mavion.
„Nun,“ fuhr der alte Mann fort, „was führt dich zu uns?“
Mühsam versuchte Mavion sich aufzurichten und nuschelte schließlich:
„Meister äh, ich begehre die äh Kunst eures Kampfes zu lernen“
Langsam nickte der Alte und sagte ruhig:
„Nun, Mavion Kaufmann, so heißt du doch wenn ich recht informiert bin. Nach dem zu urteilen was man sich auf der Akademie über dich erzählte, scheinst du dieser Aufgabe gewachsen zu sein. Allein die Zeit wird zeigen, ob du die richtige Wahl getroffen hast, doch eins lasse dir gesagt sein. es gibt kein Zurück, so du einmal aufgenommen bist.“
Mavion nickte sofort heftig, die letzten Wochen war er nur davon beseelt gewesen die Assassini zu finden und bei ihnen ausgebildet zu werden.
Am selben Tag noch bezog Mavion sein neues Quartier bei den Assassini, begleitet von zweien der Wächter, holten sie alle seine Habseligkeiten aus seiner Herberge und brachten sie in die Stube die man ihm in der Schule und dem gleichzeitigen Hauptquartier der Assassinen bereit gestellt hatte. Es handelte sich dabei um ein großes Handelskontor im Zentrum, das über über mehrere Kelleretagen verfügte, in denen die Assassinen sowie die meisten Lehrräume untergebracht waren.
Mavion verbrachte die nächsten Wochen in dem Haus und es war ihm nicht gestattet dieses ohne ausdrückliche Aufforderung seines Ausbilders zu verlassen. Zunächst brachte man ihm bei, wie man sich bewegen kann ohne gesehen oder gehört zu werden, indem man Schatten und Dunkelheit ebenso ausnutzt wie natürliche Tarnung oder aber auch laute Geräuschkulissen.
Danach wurde die Ausbildung fortgesetzt, er lernte die Wirkungsweise verschiedener Gifte ebenso wie deren Anwendung, sprich den fachgerechten Aufstrich auf die Waffe und die Spezereien mit denen man den herben Nachgeschmack des Giftes in Speisen übertönen kann.
Anschließend wies man ihn durch einen ehemaligen Spielleiter des Theaters zu Venturia in die Kunst des Rollenspiels ein und er lernte die Gesten seines Körpers, ebenso wie seine Mimik unter Kontrolle zu bringen und sich zu verstellen. Mavion fand großen Gefallen an diesen Rollenspielen und wurde von seinem Meister in diesem Fach auch oft gelobt.
Inzwischen schrieb man das Jahr 5 nach Hilgorad und für Mavion waren bei den Assassinen bereits zwei Jahre vergangen. Man hielt nun den Zeitpunkt für richtig, ihn in die Kunst des eigentlichen Kampfes einzuweihen, in den Stich mit dem Dolch und den wohlfeil gezielten Armbrustschuss. Seine Ausbilder im eigentlichen Kampfe zeigten sich hochzufrieden da Mavion sowohl die empfindlichen Stellen des menschlichen Körpers kannte, als auch den Kampf mit der Stichwaffe bereits recht gut beherrschte. Wirklich neu erlernen musste Mavion eigentlich nur das Schiessen mit der Armbrust, eine wirkungsvolle Technik um Personen zu bekaempfen, die sich ausserhalb der eigenen Reichweite befinden und zu dem ist der Schuss mit der Armbrust, so er denn wohlgezielt ist, ebenso tödlich wie leise. Die Schusshaltung und richtige Position lernte Mavion in wenigen Wochen und konnte bald auch die Armbrust ohne Schwierigkeiten bedienen.
Die Zeit lief unaufhörlich weiter. wie dies so eine ihrer Angewohnheiten ist, und im fünften Jahre schließlich, das der 25 jährige Mavion, inzwischen bei den Assassinen verbrachte näherte sich die Prüfung, die über das weitere Schicksal eines jeden Assassinen entscheidet. Die Abschlussprüfung, in der alles was der Schüler je lernte präsent und abrufbar sein und innerhalb von Sekundenschnelle eingesetzt werden können muss. Diese Abschlussprüfung ist bei den Schülern der Assassinen wahrlich von Legenden umrankt, Schauergeschichten über Prüflinge die diese abschliessende Prüfung nicht überlebten, erzählte man sich allerorten in der Schülerschaft und die Prüfer, allesamt erfahrene Assassinen und Lehrmeister der Akademie legten den Schülern die gefährlichsten Hindernisse in den Weg, die man sich nur vorstellen kann, so man den Gerüchten glauben schenken konnte.
Die Prüfungen begannen traditionell am ersten Onar im siebten Dunkelzyklus. Mavion erhielt ebenso wie jeder andere Prüfling kurz vor Beginn des siebten Zyklus einen versiegelten Brief, den er dann auf seiner Stube öffnete. Er überflog den Inhalt kurz und schluckte dann. Sein Prüfer war Rhowist Al Eriom, u Rohin, einer der Lehrer in Giften und der Konstruktion von Fallen. Er war unter allen Assassinen-Anwärtern verrufen und sogar einige der Lehrer schienen ihn auf eine gewisse art unheimlich zu finden. Sein Gesicht zeigte eine sehr glatte Haut, war aber von einer Narbe die senkrecht von seiner Stirn über sein rechtes Auge bis hinunter zur Wange verlief entstellt. Die Mimik des Endophali schien nie auch nur die geringste Gefühlsregung zu offenbaren und er war bekannt für seine mitleidlose, sehr zynische Art. Die Prüfung selber bestand darin, dass er in einer alten Villa am Rande der Stadt einen Kaufmann mittels eines gezielten Bolzenschusses töten sollte. Ein Plan des Hauses lag ebenso in dem Umschlag, wie auch ein kleiner Holzstich von dem Mann, den er töten sollte.
Mavion schauderte, er hatte in seinem ganzen Leben noch nie einen Menschen getötet, weder willentlich noch unwillentlich. Natürlich, es war ihm eigentlich klar gewesen, dass er dies spätestens bei der Abschlussprüfung der Assassinen tun müssen würde, aber er hatte diesen Gedanken immer so gut es ging verdrängt. Sehr gut, wie seine plötzliche Bestürzung zeigte. Seine Gedanken rasten. Er wollte niemanden töten. Schon gar nicht für eine Prüfung. Seine Unsicherheit mit Wut überspielend schob er seine Gedanken zur Seite. Er hatte keine 5 Jahre die Schule der Assassinen besucht um nun vor der Prüfung zurückzuschrecken. Er zog sich hastig um und sammelte seine Ausrüstung, die er für die Prüfung mitnehmen wollte zusammen. Er zog sich ein recht modern geschnittenes und somit unauffälliges Gewand an, das ihn trotzdem ob seiner Weite nicht behinderte und steckte ein stabiles Hanfseil, den Kletterhaken und seine kurze Armbrust zusammen mit ein paar mit Orkwurz vergifteten Pfeilen ein. Seufzend sah er sich noch einmal in seiner Stube um und ging dann aber schnellen Schrittes los in Richtung der Villa. Während er über das Pflaster der dunklen und engen Gassen von Crowahst lief, versuchte er seine Zweifel und die Angst die sich tief in ihm zeigte beiseite zu schieben. Er lenkte seine Gedanken auf die Übungstunden, erinnerte sich, wie er mit der Armbrust zum ersten Mal ins Schwarze der Zielscheibe getroffen hatte, wie die Maus umgefallen war, als er sein erstes selbstgemischtes Gift an ihr testete.
Bevor er sich recht versah, ragte schon der grosse Schatten des Hauses vor ihm auf. Er schwenkte seinen Kopf herüber zum Balkon, nickte sich dann selber wie zur Bestätigung seines Planes zu und begann den Kletterhaken auseinander zu klappen und an das Hanfseil zu knoten. Leise vor sich hin murmelnd zog er dann noch über jeden einzelnen der Metallhaken ein Lederfutteral, um bei dem Wurf des Hakens weder Geräusche noch längerfristige Spuren zu erzeugen. Dann holte er weit aus, und warf das Seil mit dem Kletterhaken über den Rand des Balkons. Ein dumpfes * Klong * ertönte, als der Haken aufkam, und während Mavion an dem Seil zog, signalisierte ihm ein leises Klicken, dass der Haken auf Widerstand gestossen war. Mavion zog noch einmal kräftig daran, und als das Seil sich spannte ohne nachzugeben nickte er zufrieden. Er konnte nur hoffen, dass der Haken wirklich sicher sass und nicht während seines Aufstieges wegrutschen würde. Langsam zog er sich an dem Seil hoch. Als das Seil zwischendurch leicht hin und her schwang klammerte er sich fest und hielt den Atem an. Als er so verharrte kamen ihm sofort wieder die Gedanken an seinen bevorstehenden Auftrag. Fast dankbar kletterte er weiter, als das Seil sich wieder ausgependelt hatte. Solange er in Bewegung blieb, konnte er seine Gedanken verdrängen und einfach handeln. Mühelos schwang er sich über die Brüstung des Balkons. Sein erster Blick galt dem dahinterliegenden Raum. Alles war dunkel. Zufrieden nickte Mavion und griff nach dem Messer in der Brusttasche seines Gewandes. Er setzte es an der Tür des Balkons an, schob es in den schmalen Spalt zwischen der Tür und dem Rahmen in Höhe des Schlosses und nach ein paar Hebelbewegungen, schwang die Tür mit einem Klicken nach vorne. Erneut nickte Mavion sich selber zu, und schlich langsam in den Raum vor sich. Der Grundriss des Hauses, der in seinem Umschlag lag, schien zu stimmen, er befand sich offensichtlich im Schlafzimmer des Kaufmannes. Die gesamte Einrichtung war aus teurem dunklem Ebenholz gefertigt. In den langen Regalen an der Wand standen unzählige Porzellanfiguren, Glaspokale, kostbar verzierte Messer und viele andere sicherlich kostbare Kleinodien. Fasziniert betrachtete Mavion das Regal, und er konnte isch nicht helfen, schnell ließ er eines der Messer, mit einer schönen Damastklinge, Griffen aus dunklem Holz und glänzenden Silberbacken, in seine Tasche gleiten. Danach nahm er den Plan aus seiner Tasche und studierte ihn erneut. Wenn er das Schlafzimmer verliess würde er auf den oberen Flur gelangen, der rund um den grossen Salon verlief. Nach dem was in dem Brief stand, müsste der Kaufmann um diese Zeit meist im Salon sitzen und sich mit seinen Büchern beschäftigen. Die Bediensteten sollten bis auf das Küchenmädchen bereits alle zuhause sein. Vorsichtig packte Mavion seine Armbrust aus dem Samtbeutel, in dem er sie mitgenommen hatte. Er spannte sie, und legte einen der Bolzen auf die Führungsschiene. Dann schlich er bemüht möglichst leise zu sein zur Tür, drehte vorsichtig den Knauf um und öffnete die Tür langsam. Verstohlen drückte er sich hindurch, wie er es im Training schon Hunderte von Malen getan hatte, die Armbrust in seiner rechten Hand. Er huschte gebückt herüber zum Geländer und presste sich daran. Mühsam richtete er sich auf und spähte vorsichtig über das Geländer.
Tatsächlich, dort sass der Alte in seinem Lehnsessel, vertieft in ein dickes, in Leder gebundenes Buch. Langsam richtete sich Mavion auf. Er hob seine Armbrust an, und versuchte auf den Mann im Sessel zu zielen, doch seine Hand zitterte. Schweiss trat ihm auf die Stirn. Er sah in Gedanken den Bolzen auf den Mann zu fliegen und sich langsam in seinen Kopf bohren. Wie in Zeitlupe. Er wollte nicht schiessen. Er musst würgen.
Plötzlich erklang inter ihm leise und zischend eine Stimme mit deutlichen endophalischen Akzent:
„ Los schiess, Mavion. ich habe nicht den ganzen Tag zeit für deine Prüfung.“
Mavon starrte in das boshaft grinsende Gesicht Rhowists al Erioms. Er drehte sich dann ganz zu ihm herum und starrte ihn an. Rhowist zischte erneut:
„ Starr mich nicht an wie einen Geist, du Tölpel aus Galadon. Schiess endlich.“
Mavion, nickte langsam wie in Trance und drückte ab. Die Sehne sirrte laut in der Stille der grossen Halle in der vorher nichts ausser dem Blättern des Alten unten im Salon zu hören gewesen war. Der Bolzen flog durch die Luft, schnell wie ein todbringender Dolch.
Er bohrte sich tief in seine Stirn und sein Gesicht verzog sich zu einer entsetzlichen Fratze aus Erstaunen und Schmerz. Die Augen und den Mund weit aufgerissen doch ohne einen Schrei sank der alte Assassine röchelnd zusammen.
Mavion blieb immer noch regungslos stehen, als der alte Kaufmann laut aufschrie und kurz darauf die Köchin mit einstimmte. Erst als der alte mit einem Säbel bewaffnet die Treppe hochstieg, wandte er sich hastig, als ob er plötzlich aufwachte, von dem im Tode erstarrten Gesicht seines Prüfers ab, und stürmte mit seiner Armbrust in der zusammengekrampften Hand in Richtung des Schlafzimmers. Das Seil würdigte er keines Blickes. Wie von Todesangst beflügelt, sprang er über die Brüstung des Balkons. Sein Sprung wurde glücklicherweise von ein paar Forsythienbüschen abgefedert. Seine Armbrust jedoch ließ er dabei fallen, doch ungeachtet dieses Verlustes oder des Schmerzes durch den Sturz, lief er einfach los.
Schnell rannte er fort, beseelt von nur einem einzigen Gedanken: Weg von hier. Eins stand für ihn fest, er würde nie zu den Assassinen zurückkehren können. Er rannte und rannte, immer weiter bis er an der Bank von Crowahst ankam. Eilig holte er seine verbliebenen Dukaten aus seinem Fach und begab sich auf direktem Wege zum Marktplatz, wo allmählich die Stände der fahrenden Händler abgebaut wurden. Er ging auf einen Händler dem er ansah, dass er aus Galadon stammte zu und fragte ihn nach der nächsten Station die er anführe. Der Händler meinte, als nächstes würde er wohl nach Torfeld fahren, und von da aus weiter ins Reichsinnere von Galadon um die Teppiche aus Endophal zu verkaufen. Mit ein paar Dukaten konnte Mavion den Händler dann auch überreden ihn in seiner Pferdekutsche mitzunehmen.
In dem hinteren Teil der Kutsche, in dem Mavion auf einer Fuhre von endophalischen Teppichen sein provisorisches Lager aufgeschlagen hatte und seine schmerzenden Glieder ausstrecken konnte, begann er über sich und seine Zukunft nachzudenken...
Was hatte er noch für Möglichkeiten ? Wohin konnte er noch gehen ?
Ohne weiter über seine Fragen nachdenken zu können schlief er ein. Vom Rumpeln des Pferdefuhrwerks wachte er auf. Etwas verschlafen und müde blickte er aus dem Anhänger der Kutsche und sah den Händler mit einem Grinsen vor sich auf dem Kutschbock sitzen.
„Guten Morgen der Herr“ sagte er schmunzelnd.
Mavion rieb sich den Schlaf aus den Augen und sah den Händler wohl etwas verdutzt an, denn dieser erklärte ihm gleich darauf grinsend, dass Mavion anderthalb Tage geschlafen hätte. Seufzend nickte Mavion, wollte aber auf die neugierigen Fragen des Händlers, warum er so dringend fort wolle nicht antworten. Der Händler nahm es achselzuckend hin und teilte Mavion mit, dass sie auf dem Weg nach Torfeld seien, von wo aus es nach Falkenstein weiterginge. Mavion nickte leicht und zog sich danach wieder auf die Ladefläche der Kutsche zurück. Dort dachte er nach, wie er sich wohl seinen Lebensunterhalt verdienen solle, wenn sie erst einmal in Falkenstein angekommen wären. Zurück nach Rothenbucht wollte er nicht, dort würden die Assassinen zuerst nach ihm suchen, wenn sie ihn denn verfolgten. Ausserdem war seine Mutter vermutlich nicht mehr gewillt ihn bei sich aufzunehmen, seit er ohne sie zu benachrichtigen auf die Akademie gegangen war, und sich die gesamten fünf Jahre nicht gemeldet hatte.
Als Attentäter wollte Mavion sich auch nicht verdingen, erst recht nicht nach den Erfahrungen mit seiner „Abschlussprüfung“. Mavion kratzte sich am Kopf. Was konnte er mit seinen erworbenen Fähigkeiten anfangen ?
Als Krieger würde er sich nicht verdingen oder als Leibwache, nein, auch das kam nach der Sache in Crowahst nicht mehr in Frage. Als Lehrer konnte er auch nicht arbeiten, ihm fehlten ja jegliche Bescheinigungen die einen Lehrstuhl zumindest an einer höheren Schule ermöglicht hätten. Mavion seufzte laut. Es würde nicht einfach werden sich nach einem ehrlichen Broterwerb umzusehen.
Nach einer mehrwöchigen Reise, die ohne größere Zwischenfälle verlief, kamen sie schließlich in Torfeld an. Da der Händler hier an dem Markt in der kommenden Woche teilnehmen wollte, leib Mavion zunächst eine ganze Woche Zeit sich umzusehen. Er quartierte sich in einer Herberge unweit des Brunnens ein, mietete das Zimmer für die nächste Woche und begab sich dann auf eine Erkundungstour durch die Stadt. Er lief durch die engen Gassen und begutachtete jedes einzelne Geschäft. Ob er nun beim Bäcker einige der Krapfen probierte, dem Schneider beim Sticken zusah oder mit dem Gemischtwarenhändler um den Preis für ein Beutelchen Tabak feilschte. Es tat gut, wieder in Galadon zu sein und die anderen Assassinen weit weg zu wissen. Vor einem besonders alten Gebäude macht er halt. Es schien schon viele Jahrzehnte zu stehen, aber dennoch, oder vielleicht auch grade deshalb ragte es in einer Mischung aus Stolz und Unbekümmertheit aus den anderen Bauten im postetranorischen Baustil heraus. Er ging näher an das Haus heran und ein großes Schild aus altem leicht angerostetem Eisen verriet ihm, dass es sich hier wohl um die Bücherei Torfelds handelte. Ein dagegen eher unauffälliges und vom Wetter in Mitleidenschaft gezogenes Stück Pergament, das an die Tür geheftet war, fiel ihm hingegen erst bei näherem Hinsehen auf. Darauf stand in etwas verwaschenen aber kunstvoll geschriebenen Lettern:
Die Buecherei zu Torfelde suchet zu nahestmoeglichem Termine einen Bibliothekar der gewillet zu arbeiten sei Bei interesse werde gebeten einzutreten und das wort an mich zu richten
Unterzeichnet war das Pergament mit einer äußerst verschlungenen und offensichtlich sehr geübten Handschrift. Nachdenklich rieb Mavion sich den Nasenflügel. Vielleicht würde eine Zeit der ruhe ihm ganz gut tun. Zufrieden mit dieser Idee trat er dann entschlossen ein. Hinter dem Tresen, der direkt vor ihm die hoch aufragenden Bücherregale bewachte, starrte ihn ein kleiner bärtiger Mann, offenbar schon recht hohen Alters, äußerst misstrauisch an. „Na junger Mann“, krächzte der Alte heiser, „kann der alte Speltmohn dir behilflich sein ? Suchst du ein bestimmtes Buch? Eine Karte der Umgebung ?“
Etwas irritiert sah Mavion den Alten an, bevor er anhob zu sprechen: „Entschuldigt bitte werter Herr Speltmohn, mein Name ist äh“, er zögerte einen Augenblick und in seinen Gedanken sah er zwei Assassinen durch Torfeld ziehen, die nach einem gewissen Mavion Kaufmann fragten, „ Ruben Molinger und ich sah euer Schild dort draussen“
„Ah“, das Gesicht des Mannes erhellte sich merklich, „ das Schild, natürlich. Ihr seid gekommen, weil ihr hier arbeiten wollt. Das ist fein, sehr fein“, murmelte er vor sich hin.
Mavion nickte stumm und ließ sich von dem Alten in der Bücherei herumführen. Herr Speltmohn, mit Vornamen übrigens Giesbert, zeigte Mavion, wo welche Bücher zu finden waren und wie die kompliziert anmutende Verleihregistratur des Alten organisiert war.
Giesbert Speltmohn erklärte Mavion, dass er die Bücherei noch von seinen Eltern geerbt hatte und um nichts auf der Welt aufgeben wollte. Zwar hatte er noch genug Geld um die eher schlecht laufende Bücherei am Leben zu halten, aber seine Gesundheit spielte nicht mehr so mit, wie er es sich wünschte. Deshalb brauchte er Mavion als Gehilfen, der ihm die schwierigen Arbeiten wie das Entstauben und vor allem das Hin- und Hertragen der Bücher abnahm. Mavion benachrichtigte den Händler, der über die Nachricht, wieder mehr Platz au der Ladefläche der Kutsche und trotzdem das Geld für die Fahrt behalten zu können nicht gerade unglücklich zu sein schien. In den folgenden Wochen arbeitete Mavion fast den gesamten Tag in der Buecherei des alten Speltmohn. Eigentlich hatte er dort nicht wirklich viel zu tun, und so las er in seiner Freizeit Buecher aus dem großen Fundus der Bücherei. Hier lernte Mavion das Lesen zu schätzen, dass er bald ebenso verehrte wie Astrael den Herrn des Wissens und Erkennens. Mavion ging jede Woche einmal in den Tempel des Ordo Astraeli zu Torfeld und nahm an den Messen teil, sowie an den daran anschliessenden Diskussionsrunden im Pfarrhaus, wo die neusten nachrichen aus Galadon ebenso besprochen wurden, wie auch die Werke berühmter Schreiber. Mavion verschlang die Bücher in der Bibliothek regelrecht und lernte sie ebenso wie Giesbert Speltmohn zu schätzen. Nicht nur als reine Quellen von Informationen, nein, die Bücher um ihn herum gaben ihm ein Gefühl von Sicherheit, von Wissen und von Stolz. So vergingen die Monde und Mavion übernahm immer mehr Aufgaben in der Bibliothek während der alte Speltmohn immer schwächer wurde. Als sein Arbeitgeber schließlich vollständig bettlägerig war, führte Mavion die Bücherei alleine.
Nach nicht allzu langer Zeit schließlich nahm Morsan den alten Speltmohn zu sich. Die Bücherei fiel ebenso wie sein restliches Erbe an den Ordo Astraeli. Im Tempel riet man mavion, es doch einmal in Falkenstein zu versuchen, man stellte ihm einen Empfehlungsbrief auf den Namen Ruben Molinger aus, unter dem er immer noch lebte und wünschte ihm Lebewohl.
Mit der nächsten Droschke reiste Mavion dann nach Falkenstein, die Hauptstadt der gleichnamigen Baronie in der auch Torfeld lag. Mit dem Empfehlungsschreiben suchte er zunächst den dort gelegenen Tempel des Ordo Astraeli auf. Der Tempeloberste unterhielt sich mit ihm einige Zeit in seinen Gemächern. Er fragte ihn über die Situation in Torfeld aus und ließ sich die Grüße der dortigen Astraeli ausrichten. Anschliessend sprach er mit Mavion über dessen weiteren Weg. Mavion fragte, wo man einen Mann wie ihn denn brauchen könne, beziehungsweise wohin er gehen könne. Der Oberste runzelte nachdenklich seine faltige Stirn.
„Nun Ruben“, sprach er, „ viele junge Männer wie du suchen ihr Glück heutzutage auf fernen Wegen, abseits des ausgetretenen Pfades. Sie wollen mehr Wissen erlangen. Wissen über neues. Sag mir Ruben, hast du schon einmal von der Insel Siebenwind gehört ?“ Mavion verneinte dies. Der Priester fuhr fort: „ Siebenwind ist ein Eiland inmitten des Nordmeeres, umtost von Stürmen. Unser geliebter König Hilgorad entdeckte es vor etwas mehr als 10 Jahren und besiedelt es nun seit einiger Zeit. Die Prophezeiung besagt dass jenes Eiland von äußerster Wichtigkeit für uns alle sein wird.“
Mit offenem Mund hörte Mavion ihm zu. Ein neues Eiland. Das würde für ihn bedeuten, er wäre endgültig aus der Reichweite der Assassinen von Crowahst. Er könnte neue Erfahrungen sammeln. Erfahrungen die niemand aus Rothenbucht je haben würde. Begeistert nickte er „ Fahrt fort Vater, erzählt mir mehr von Siebenwind.“
Der Tempeloberste nickte und lächelte sanft: „Ich dachte mir dass es dir gefallen würde mein Sohn. Jedes Viertel Jahr legen die Schiffe von Melos Koin hier an. Herr Koin ist ein recht wohlhabender Seehandelskaufmann, der auch Handelskontakte zur Insel Siebenwind unterhält. Ich könnte euch eine Fahrt mit einem solchen Schiffe ermöglichen Ruben.“
Mavion stimmte freudig zu. In den nächsten Wochen und Monaten arbeitete er für den Orden im Theater, das von den Astraeli in Falkenstein betrieben wurde. Sie führten verschiedenste Stücke auf, um dem einfachen Volk Wissen zu vermitteln und den Glauben begreifbarer zu machen. Er arbeitete gern und gut im Theater und seine Rollen beherrschte er mühelos, dank der Rollenspiele die sie bei den Assassini gelernt hatte um im täglichen Leben nicht aufzufallen.
Nach etwa 8 Wochen war es soweit. Der mächtige Handelskahn der Koins war in den Hafen von Falkenstein eingelaufen. Der Tempelsoberste des Ordo Astraeli hatte sein Wort gehalten und Mavion konnte mit seinen wenigen Habseligkeiten eine der Gästekabinen auf dem Schiff beziehen. Die Überfahrt auf dem Schiff war recht eintönig, die Mannschaft hatte meist viel zu tun und bei den Mahlzeiten in dem Speisesaal unter Deck nahm auch niemand groß Notiz von Mavion. Er vertrieb sich die Zeit mit der Lektüre der Bücher, die ihm er aus der Bibliothek des alten Speltmohns hatte mitnehmen dürfen.
Nach 3 Wochen ereignisloser Reise, erscholl an Deck dann plötzlich der Ruf: „LAND IN SICHT“ . Tatsächlich, das Schiff der Koins legte bei Etriska an, um Vorräte aufzunehmen und einen kleinen Teil seiner Waren an die Verwalter des Lagerhauses zu verkaufen im Gegenzug für eine Menge wirklich schöner aber leider recht unprofessionell erlegter Tierfelle
Neugierig sah Mavion sich auf der kleinen Insel um...