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"Der Hüter des Feuers" oder "die Mauer von Olawa":
Ohh er hasste sein "Amt" wie die Stadtväter seine Arbeit blumig nannten.
Seit nunmehr 53 Jahren lebte der alte Mann in der blühenden Hafenstadt Olwana.
Zahllose Bürgermeister, Stadträdte, Vogte und Kleinadlige hatte er bereits überlebt. Alle hatten sie andere Ziele, die einen Strebten nach Reichtum, die anderen nach politischer Macht, wieder andere strebten nach dem Wohl der Bürger. Keiner von Ihnen konnte sich lange halten in der prächtigen Stadt am Fuße des Berges Ol, einer der mächtigsten Manifestationen Tevras in Khalandra östlich der Skapen.
Einst war er ein junger Bursche gewesen, der in der Schmiede seines Vaters das ehrenwerte Handwerk des Schmiedes erlernte. Die Herrschaften kamen oft zu seines Vaters und später seinem Haus, denn sie hatten den Ruf die besten zu sein am Fuße des Ol. Der Ruf seiner Familie beruhte vor allem auf über Generationen überlieferten Mustern, Verzierungen und dem feingliedrigem Schmuck, den sie mit mündlich vom Vater zum Sohn über Generationen überlieferen Techniken herzustellen wussten.
Alles was die Schmiede seiner Familie Verliess war ein Kunstwerk aus Metall, ob es ein einfaches Hufeisen war, oder eine filigrane Brosche. Es war voll von fast sichtbarer Liebe und Gedult, ein wares Meisterwerk mit Runen, komplizierten Knoten und Meandern.
Seit mehr als sechs Generationen waren alle Söhne der Familie Schmiede gewesen. hiervon gab es nur eine Ausnahme, aber über diese sprach keiner aus der Familie gern. Es gab einen Schandfleck in der glänzenden Geshichte der ehrenwerten Handwerkerfamilie. Diese Schandfleck war der Bruder des Vaters des alten Mannes, Taran war er genannt worden bei seiner Geburt.
Allein schon seine Geburt war an einem Tag des Unglücks gewesen. Aus den Erzählungen seines Vaters wusste er, das Taran (der jüngere der beiden Brüder) während eines gewaltigen Unwetters zur Welt kam welches einen Großteil der Stadt unter Wasser setzte. So flüchtete die gesamte Familie mit samt der hochschwangeren Frau in eine kleine Hütte Bergauf in den Wäldern an den Hängen des Ol.
Hier nun kam es zur Niederkunft der guten Frau, und mitten in dieser stürmischen Nacht kam Taran zur Welt.
Es mag wohl so um sein fünftes Lebensjahr gewesen sein als Taran von zu Hause verschwandt. Fortan ward er nicht mehr gesehen für eine lange Zeit. Nur ab und an berichtete man sich das man Ihn in den Wäldern rund um Olwana herumstreunen gesehen habe.
Nun, wie gesagt die Famile sprach nicht so gern über diesen Ausreisser, so geriet er bald in Vergessenheit.
Doch wir schweifen ab, nicht der Bruder seines Vaters soll inhalt dieser Geschichte sein, sondern unser alter mürrischer Mann.
Mit 20 Jahren übenahm er die Schmiede seines schon stark geschwächten Vaters, er führte die Familientradition weiter wie es sich gehörte. Noch immer kamen die hohen Herren zu Ihm und wollten nichts als Waffen und Rüstungen von Ihm, obwohl er zu so viel nützlicherem und schönerem fähig war.
Doch all die Waffen und Rüstungen nutzten den hohen Herren gar nichts, alle Verloren sie die Macht kurze Zeit nachdem sie sie sich mit Wafengewalt oder Kauf genommen hatten.
Sie kamen auf mannigfaltige Weise vom Glück zum Unglück, meisst traten sie Ihre Herrschaft in gutem Willen an, doch die Macht korrumpierte Sie stets.
Dem einen rissen Bären alle seine Tiere so das er nicht mehr das Geld aufbringen konne sich an der Spitze des Rates zu halten, der Andere blieb auf einer Jagt für immer verschollen und wieder ein anderer starb auf ungewöhnliche Art in seinem Bett, und einen ganz anderen erwischte man beim ehebrich mit der Frau eines Adligen und enthauptete Ihn. So ward die Stadt stets im Wandel zwischen vielen Herren.
Das einzige was sie alle gemein hatten war das sie die Waffen und das Geld höher schätzten als die Menschen und Tiere Tares.
Als er an die dreißig Jahre herankam ergab es sich das er den Bruder seines Vaters - von dem er bisher nur gehört hatte - wiedersah. Der Anlass war ein gar trauriger, es ward der Tag des Todes seine Vaters.
Und auch der Bruder des Toten war ein Anblick der Ihn nicht gerade in Freudentränen ausbrechen lies. Ein alter Mann mit ledriger haut und zerzaustem Haar, und einem langen Bart welcher ueber eine alte zerzauste Leinenkutte ragte. Im hohen Alter von bestimmt 50 Jahren erwies der jüngere seinem älteren Bruder die letzte Ehre.
So ging es tagein tagaus, er fertigte Waffen, und die hohen Herren spalteten sich die Schädel damit. Doch fand er in seinem Eifer nicht die Zeit zu freien und blieb so allein und ohne Erben.
Alsbald war er der älteste noch arbeitende Handwerker der Stadt, aber im Alter von über 40 Jahren war er nicht mehr in der Lage mehr zu fertigen als vielleicht mal ein Hufeisen pro Tag.
So verliess Ihn alsbald das Geld welches er lange angespart hatte und bald musste er seine Schmiede verkaufen um sich ein paar Laib Brot kaufen zu können, welches zu kauen Ihm auch von Tag zu Tag schwerer fiel.
Doch die Stadtväter hatten ein Erbarmen mit Ihm und übertrugen Ihm alten Bettler diese Strafarbeit, welche sie großzügig "Amt" nannten. Seit es die Stadt gab, war es die Aufgabe des ältesten Sohnes der Stadt täglich auf den Ol zu steigen und dort oben den Berg zu beschauen.
Man nannte diesen Alten den "Hüter des Feuers".
Nun war er der "Hüter des Feuers", und er hasste dieses Amt.
Seine Aufgabe war es jeden Tag auf den Berg zu steigen und den Wald zu beobachten. keiner wusste mehr woher diese Tradition kam, und warum sie gepflegt wurde. Auch woher der merkwürdige Name kam, ob von der Tradition des behütens eines Lagerfeuers, oder von der uralten bronzenen Laterne die er trug. keiner konnte mehr sagen warum es "Hüter des Feuers" hiess und warum er Tag für Tag auf den Berg stieg.
Die einzige Antwort die man wusste war "Das war schon immer so !".
- Er hasste diese Aufgabe -
So stieg er Tag um Tag auf den Berg Ol und wusste nicht warum.
Jetzt jährte sich seine Geburt zum 53. male und wieder stand er oben auf dem Berg. Es hatte Ihn den ganzen Vormittag gekostet den steilen Pfad zu erklimmen welcher serpentienenartig den Berg hinaufführte, und er würde wohl den ganzen Nachmittag brauchen um denselben Weg hinabzukommen.
Eins war schon mrkwürdig, seit er die bronzene Laterne trug war er niemals früher oder später als zur Mittagsstunde auf dem kleinen Plateau angekommen und auch noch nie war er vor oder nach Sonnenuntergang an dem kleinen Haus angekommen, das Ihm die Stadt zur Verfügung gestellt hatte.
Mit diesn Gedanken betrat er das kleine Felsplateau, welches seine almittagliche Rasstätte darstellte. Eine grob behauene Bank aus einem toten Baumstumpf diente Ihm hier täglich als Ruheplatz.
So liess er sich nieder und begann sein Mittagmahl - ein Kanten trockenes Brot, etwas Wasser und ein Stück Käse - zu sich zu nehmen um sich für den allnachmittaglichen Abstieg zu stärken.
- irgendetwas war anders -
Langsam stieg Ihm ein Geruch in die Nase, er stammte nicht von den Tieren des Waldes, nciht von seinem Mahl, und auch nicht von irgent etwas anderem was er hier erwartete. Er erinnerte Ihn eher an eine Alchemistenstube. Er hatte einmal einen Alchemisten gefragt was das wohl für ein Gestank bei Ihm sei und dieser hatte Ihm erklärt das es ein Pulver namens Schwefel sei, das diesen Geruch verbreitete wenn es mit Ignis Flammen in Berührung kam.
Verwundert sah er sich um, da Ihm kein alchemistisches Werkzeug aufgefallen war, und zuseinem grosen schrecken stellte er fest das der Geruch von einem schmalen weissen Nebel herrührte welcher sich mit hoher Geschwindigkeit aus einem schmalen Spalt in dem Plateau in die Luft ergoss.
Als er sich dem nebel näherte stellte er mit Schrecken fest das er heisser war als jedes Metall das er je geschmiedet hatte, und der Riss aus dem er drang wurde immer größer und grösser. Langsam zwar, doch stetig.
Mit einer Geschwindigkeit die er sich selbst niemals zugetraut hatte, hastete er teils stolpernd, teils fallend den Berghang hinab. Mit zerschundenen Knochen erreichte er nach kurzer Zeit den Fuss des Berges.
In der Stadt angekommen wandte er sich ohne Atem zu holen dem Sitz des Bürgermeisters zu um diesen von seiner Beobachtung zu unterrichten.
(...)
Einige Tage waren Vergangen seit der Hüter des Feuers die merkwürdigkeiten am Gipfel des Ol gemeldet hatte, inzwischen stand eine dichte Säule von Schwefeldampf ueber dem Gipfel und verhuellte ihn ganz.
In der ganzen Stadt gab es nur ein Thema - was wohl die Ursache für diesen Rauch ist ? - fragten sich die Bürger ebenso wie die Edlen und Bettler.
- doch diese Nacht sollte die sein die das Schicksal von Olwana entschied -
Als die Sonne hinter dem Horizont verschwunden war sah man es deutlich, die Kuppe des Ol war hell erleuchtet vom Verheerenden Feuer des Ignis, eine gewaltige rotleuchtende Masse wälzte sich langsam aber sicher den Hang hinab und verschlang alles auf seinem Weg. Wälder, Tiere, Hütten und Menschen wurden gleichermaßen Opfer des sich langsam aber stetig Talwärts wälzenden Schreckens.
Diejenigen, welche nicht gelämt waren on dem Schrecken drängten sich dem Hafen zu, wo viele ertranken als sie von den fliehenden Massen von den Schiffen und von den Kaien in das Hafenbecken gedrängt wurden.
- eine Stadt war auf der Flucht -
Die ganze Stadt ? nein.
Ein einzelner alter Mann mit einer bronzenen Laterne stand da und starrte von Furcht und Faszination gebannt auf die näherrückenden Massen flüssigen Feuers.
Nunmehr war er allein so glaubte er, da legte sich ihm eine Hand auf die Schulter und er vernahm eine Stimme welche er niemals glaubte wieder zu hören. Konnte das sein ? Kein Mensch lebte so lange. Er musste schon weit über 70 Jahre auf Tare weilen, der dessen Stimme er nur einmal gehört und doch nie vergessen hatte.
- so waren sie zu zweit -
Er wandte sein Haupt um und sah was er nicht fuer moeglich gehalten hatte, der Bruder seines Vaters, der Schandfleck seiner Familie - Taran -, so wie immer, in zerlumpten Leinenkleidern mit Zerzaustem Haar und langem Bart stand er neben Ihm und hatte seine Hand auf seine Schulter gelegt.
"Hab keine Furcht mein Junge." Sprach Taran zu dem 53 Sommer zählenden Mann mit der Laterne.
Er wandte sich dem Meer zu, deutete mit dem Stab auf eine Stelle, an welcher die Stadtmauer auf den Strand traf, und etwas geschah was von den flüchtenden kaum wahrgenommen wurde in Ihrer Verzweiflung.
Eine gewaltige Säule von Wasser aus Xans endlosem Meer erhob sich Kirchturmhoch über den strand. Mit einer leichten Drehung aus der Hüfte beschrieb er einen langsamen Bogen mit dem Stabe, und die Säule formte sich zu einer gewaltigen Mauer von Wasser welche die stadt in einem Halben Kreis von Küste zu Küste umspannte. Stetig im Fluss wie das Meer selbst bäumte sie sich auf und verharrte doch an dieser Stelle.
Die rotgluehende Feuerwalze brandete an gegen die Mauer aus Wasser und erstarrte aufgrund dieser sanften Berührung, wurde ueberflutet von den nachdrängenden Massen von flüssigem Feuer, welche ebenfalls erstarrten unter der sanften Beruehrung.
So ward eine gewaltige Mauer aufgetuermt in Stunden, in welchen Feuer gegen Wasser anbrandete, Kirchturmhoch stand nun der Fels als Mauer um die Stadt.
Die Luft kuehlte die letzten Reste des rotglühenden Alptraumes, welcher an der Mauer zum stehen gekommen ward.
- vom Geist eines gelenkt, siegten Wasser, Erde und Luft ueber die verheerende Kraft des Feuers. -
Als die Mauer errichtet, das Wasser verflossen und der Wind sich gelegt hatten ward auch das Feuer erkaltet und neben dem alten Mann mit der Laterne brach eine Gestalt erschoepft zusammen.
"Alle haben dich gefürchtet, ja teilweise gehasst, warum hast du das getan Taran ?"
Fragte er alte Mann mit der Laterne den schwachen alten, der neben Ihm auf dem Boden kauerte.
"Ein jedes Wesen verdient eine zweite Chance."
sagte Taran leise und verstarb.
(...)
So kam es das man entschied das stets der älteste mann der Stadt, diese regieren sollte. Der erste Bürgermeister dieser neuen art trat sein Amt im Alter von 53 Jahren an.
Heute, im Jahre 13 nach Hilgorad ist er schon 65 Jahre alt, und regiert noch immer die Stadt Olwana.
Vor fünf Jahren gewährte Vitama seiner jungen Frau trotz des hohen alters Ihres Gemahles die Gnade einen Sohn zu gebähren.
Vor einem Monat nun verschwand dieser Sohn auf seltsame Weise, keiner weiss wohin.
_________________ Acta non verba.
Zuletzt geändert von Tyralf: 4.10.02, 12:38, insgesamt 1-mal geändert.
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