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 Betreff des Beitrags: Der Regen ...
BeitragVerfasst: 18.11.04, 23:55 
Altratler
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... fiel in langen Fäden auf die hohen Bäume herab und ließ die kleinen Tropfen langsam durch das Blätterdach von Ast zu Ast hinabklettern. Nur wenige der Tropfen gerieten bis zu den unteren Auszweigungen des Stammes, um dort lautlos in dem schmutzigen Bärenfellumhang einer dort harrenden Gestalt einzusickern. Die Beine um den Ast geschlungen und die Fellkapuze tief in die Stirn gezogen, schien sie in den Regen hinauszusehen über die kleine Lichtung, auf der die hohen Gräser durch Wind und Regen wild durcheinander geworfen wurden. Still, reglos und unauffällig. Ein schwaches Zucken hob ihren Kopf an, als sich am anderen Ende der Lichtung einige Krähen aus den Wipfeln erhoben. Angespannt richtete die eingehüllte Gestalt ihre Sinne auf den Waldrand aus, an dem so plötzlich die Zeitlosigkeit um sie herum gebrochen worden war. Auch wenn sie darauf trainiert war, durch den Regen waren ihre Sinne beeinträchtigt. Die Augen sahen auf die Entfernung keine Bewegung durch die dichten Regenfäden, der Regen schlug jegliche Witterung zu Boden, doch mit den Ohren schien sie den letzten Klang eines Vogelrufs auszumachen. Ein Kauz von der gegenüberliegenden Seite. Unter der Kapuze drehte sich das Haupt leicht, wie bei einem sachten Kopfschütteln, ehe sich ihr Blick gleichsam nach links über das Feld richtete.

Recht schnell erkannte er von seiner erhobenen Position aus die gleichmäßige Bewegung der Gräser. Innerhalb all der Unordnung ein Stück der Ordnung, welches sich langsam durch die wehenden Halme schlängelte. Eine Weile beobachtete er die Spur und lauschte angespannt, als er aus dem Augenwinkel direkt unter sich Bewegungen wahrnahm. Die Farne bogen sich zur Seite, als zwei breitgewachsene Tier sie durchquerten und dann die Lichtung betraten. Wie drei Regentropfen in einer Schale liefen die drei Spuren langsam von zwei Seiten auf die Mitte der Lichtung zusammen, als sich auf linker Seite der Lichtung einige Vögel in den Himmel erhoben. Langsam zog der Blick hinüber, sein Oberkörper senkte sich nach vorn, um sich mit der Brust auf den Ast zu legen. Der Fellumhang wurde von dem darunter liegenden silbrig schimmernden Armschoner zur Seite geklappt, die nackten Hände darunter hoben geschmeidig und lautlos einen länglichen Bogen und den darin eingelegten Pfeil an. Die Ruhe des Baumes übertrug sich über den Ast durch seinen Oberkörper in den rechten Arm, der langsam und leise die Sehne spannte. Ruhend und aufmerksam überblickten seine verengten Augen an der Pfeilspitze vorbei die drei Punkte im Gras, die in der Bewegung zum Stillstand gekommen waren.

Langsam hob sich die in Fell gehüllte Gestalt etwas zwischen den Farnen ab. Der Blick folgte kurz später und erhob sich zu den Fingerkuppen, die langsam einen feuchten Erdklumpen zerbröselten. Geduckt folgte er der Spur, ehe er vor sich am Rand der Lichtung etwas ausmachte. Mit einer kurzen Drehung verschwand die Gestalt hinter dem Stamm der nächsten stämmigen Eiche. Der Tritt in den Schatten des Baumes liess einen Ast unter der Sohle des Mannes knacken, seine breite Gestalt schien kurz wie eingefroren und erstarrt. Ein Moment der Stille im fallenden Regen herrschte, ehe sich einige Vögel über ihm in Aufruhr erhoben. Rasch sackte sein Rücken an der Rinde hinab, die Hände schnellten unter dem Umhang hervor und formten sich unter der Kapuze, um einen aufgeregten Vogelschrei auszustossen. Nur einen Wimpernschlag später durchzog ein Surren die Luft, gefolgt von einem unweiten dumpfen Aufschlag im feuchten Gras. Unter dem Umhang zogen sich die groben Finger um ein langes Messer im Halfter herum. Mit gezückter Klinge wuchtete sich die Gestalt auf, um in Richtung des Waldrandes vorzustürmen.

Ein Stechen in der Schulter ließ ihn kurz aufstöhnen, ehe er sich dem dumpfen Pochen im Kopf gewahr wurde. Seine Hände wurden von einem festen Strick vom Betasten der schmerzenden Stellen abgehalten. Die Überraschung ließ ihn den Schmerz kurz vergessen, verwirrt sah er zu seinen Sachen, die er eben noch am Körper getragen hatte, die nun aber vor ihm am Boden lagen. Der Geruch von Honig stieg ihm in die Luft, als er hinter seinem Jagdbündel drei in lange Fellumhänge gehüllte Gestalten stehen sah, von unterschiedlicher Größe und Statue. Der Regen hatte inzwischen aufgehört, das Tageslicht warf nun leichte Schemen unter die feuchten Kapuzen der drei, jedoch ohne die Züge darunter ausmachbar zu machen. Sie sahen ihn eine Weile an, als sich der in der Mitte näherte und vor ihm leichtfüßig in die Hocke niederging. Die Hand vor dem silbrigen Armschoner streckte sich vor und nahm mit dem Zeigefinger etwas Honig von der nackten Brust des gefesselten Mannes auf. Erst jetzt erkannte dieser die Struktur unter der Kapuze in Form einer rundlichen Holzmaske, durchgängig rund, ohne Schatten zu werfen. Ehe er einen Blick über die Öffnungen der Maske werfen konnte, wandte sich die Gestalt wieder von ihm ab und ging durch die anderen beiden auf die Lichtung zu, das kniehohe Gras dabei zur Seite wiegend, streifte die beiden Händ mit dem Honig kurz den anderen verhüllten Gestalten an der Schulter.

"Eôl fean, niah'mei."

Durch die Berührung drehten sich die zwei weiteren Gestalten wortlos mit ab, ohne dem am Stamm gefesselten und mit Honig beschmierten Mann einen zusätzlichen Blick zu widmen. Wie die Wölfe zuvor durchzogen ihre Bewegungen ebenso gleichmäßig die hohen Gräser auf der Lichtung und ließen den Mann allein.


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BeitragVerfasst: 20.11.04, 23:58 
Altratler
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Wieder luden die schweren, grauen Wolken ihre Feuchtigkeit über einem Großteil des Landes ab und wässerten Felder und Wege, auf denen sich bereits tiefe Pfützen im Morast gebildet hatten. In der Wildnis boten nur die tiefen Wälder mit ihrem dichten Blattwerk Schutz vor der Nässe, doch nur vor der Nässe. In den engen Forsten lauerten andere Gefahren für den Wanderer, der sich zu tief hineinwagte, erst recht bei dem Wetter, welches zu diesem Zyklus herrschte. So ließen die zwei Gestalten unter einem kleinen aufgespannten Fellzelt von einigen massigen Eichen zusätzlich geschützt den Regen Regen sein. Er war eher ein Freund, der Spuren verwischte und Witterung verschlug, den Geruch der Natur mit sich von den Blättern herunterspülte und somit den eigenen Gestank überdeckte.

Beide blickten kurz unter dem Fell hervor, die Gesichter unter den Kapuzen tief verdeckt, als der Schrei eines Falken durch den Regen an ihre Ohren gelangte. Reglos und unsichtbar saßen sie noch dort, als einige Büsche vor ihnen zur Seite gedrückt und von einer zierlichen Gestalt daraufhin verdeckt wurden. Der Regen triefte von dem dunklen und schmutzigen Umhang an allen Enden herab und vereinte sich zwischen den leichten Lederstiefeln mit der Pfütze am Waldboden. Nach kurzem Innehalten näherte sich die Person mit raschen Schritten dem Unterschlupf und huschte neben die beiden, so rasch und schnell, dass der Regen vom Umhang umhersprang.

Ein kurzes, gedämpftes Schniefen kam unter der Kapuze hervor, als die Gestalt noch etwas zurechtrutschte und dann eine winzige Kiste unter dem Umhang hervorzog. Aus gutem Holz gearbeitet, aber unverziert drückte sie der Gestalt in der Mitte die kleine Schatulle vor die Brust, nur einen Spann lang und wenige Finger breit wie hoch. Ein kurzes silbriges Schimmern warf das Licht auf Leder, als eine weitere Hand nach dem Kasten griff und ihn aufklappte. Die Kapuzen senkten sich leicht, um in das Innere der kleinen Holzkiste zu blicken, während einige Tropfen wohl das Blätterdach durchbrachen und auf das Felldach klopften.

Ein leichtes und zufriedenes, fast triumphierendes und von Innen herkommendes Lachen begleitete die Hand, die geschmeidig einmal in die Kiste griff und eine kleine, schimmernde Eisenspitze leicht und behutsam am Stift in die Höhe streckte. In das Metall waren feine, unscheinbare Rinnen eingearbeitet, die auf die Spitze zuliefen. Nur ein sehr schwaches Schimmern war beim näheren Hinsehen darin zu erkennen, als wäre das Metall an der Stelle geätzt oder zumindest behandelt worden. Von der größeren Gestalt zur Rechten kam kurz ein recht dumpfes Brummen, bevor die Pfeilspitze wieder zu den anderen in die Kiste gelegt wurde. Behutsam schloß die Hand sie wieder am kleinen Scharnier und wandte sich der kleineren eingehüllten Person zu, um ihr im Schatten der Kapuze über die Wange zu streichen. "Der Lieferant ?", wäre das Gesicht sichtbar gewesen, hätte sich ein bereits wissendes Schmunzeln darauf absehen lassen. So sprach er auch gleich selbst die Worte aus, "Erinnerung ist etwas schönes - Vergessen oft ein Segen ..."


Zuletzt geändert von Gilfjur: 21.11.04, 00:09, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 2.12.04, 08:07 
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Wieder trafen sich die drei, nachdem die Wolken sich am Himmel zusammengezogen hatten und den Wald langsam ins Gräuliche zogen. Er würde gleich einsetzen, sie warteten nur noch auf diesen Augenblick. Der Regen kam mit den Wolken, jeder Tropfen wuchs in ihnen auf und wurde dann auf seine Reise geschickt, hinabzugleiten durch die Luft, an der Seite der anderen, um dann doch seinen eigenen Weg zu gehen. Ob durch Geäst, über Dächer, Rinnen, Wege, irgendwann versickerte schließlich jeder Tropfen nach seinem Weg allein oder in der Vereinigung mit anderen im Dreck. Vielleicht gab er anderen die Kraft, diesen Weg ebenso zu gehen durch das Bündnis, vielleicht endete er einsam nach einem langen Pfad zwischen zwei Pflastersteinen. Doch jeder Weg endete und der Tropfen und sein Gang waren Geschichte. Es gab niemanden, der sich an den Einzelnen erinnerte, oder auch an viele, die in Form eines Regenlaufes durch die Strassen zogen. So wie sie kamen gingen sie - der Blick durch die Holzmaske klärte sich mit einem Mal und schwenkte nach oben durch die Blätter, als das Prasseln einsetzte. Seine nachdenklichen und in sich gekehrten Züge dahinter wandten sich zu einem gelassenen und beruhigenden, wenn auch schmalen Lächeln.

"Wir gehen.", recht kurz und knapp klang die Anweisung, so hob sich die schmale, hochgewachsene Gestalt aus dem Unterstand gleich in den Regen hinaus, den Köcher frisch gefüllt mit einigen länglichen Pfeilen, deren Federn durch den Gang behutsam am Fellumhang hin und hergedrückt wurden. Die anderen beiden folgten ihm wortlos heraus aus dem Unterstand, hinaus in den grauen Wald, der langsam wieder sein altes Gesicht zeigte. Nicht mehr diese Lebhaftigkeit, das Überraschende - ein Schrei oder eine Bewegung im sonnigen, schattenwerfenden Licht, welches die Blumen und Gräser in grellen Farben erstrahlen ließ, sondern nur die sanfte Ruhe des regenverhangenen Forstes selbst, die weder die Tiere noch die meisten Menschen mit sich zog. Das eintönige Prasseln im Takt, das Grau, welches sich über Bäume und Felder zog, als wäre es zeitlos. Erinnerung war nicht nötig in einer zeitlosen Welt. Die drei suchten diese Beruhigung, das Leben in einem andauernden Augenblick, vielleicht in der Hoffnung, es würde ewig währen. So gab ihnen der Regen immer wieder das Gefühl, den Funken, dass es so bleiben könnte.

Der kleine Mann drängte sich hastig durch die Büsche und warf die Zweige mit den Händen rasch und unaufmerksam vor sich zur Seite. Der Weg mußte vor ihm liegen, wenn nur dieser Regen und die Wolken nicht wären, die ihm Sicht und Orientierung nahmen. Mit seiner Ausrüstung hatte er es noch leicht gehabt, nur das Wichtigste hatte er mitgenommen, seinen leichten Bogen, die Klingen, seine Bündel mit Wasser und Nahrung, aber die dicken, schweren und mit Wasser vollgesogenen Felle in seiner Schultertasche erschwerten jeden zusätzlichen Schritt durch das dichte Unterholz. Doch erinnerte ihn das massige Gewicht ebenso bei jedem Fußtritt an die erfolgreiche Jagd. Der Gedanke daran ließ ihn einige Schritt lang gleichmäßig und kurz durchatmen, ehe er sich seiner jetzigen Situation wieder besorgter gewahr wurde. Angestrengt sah er nach vorn, rieb sich mit dem schmutzbedeckten Handrücken einige Tropfen aus den Augen und blinzelte durch die gräulichen Zweige, die sich kaum vom Hintergrund abhoben. War dort der Weg ? Ein hoffnungsvolles Lächeln setzte sich auf seinen Lippen ab, als er sich eilig seinen Weg nach vorn durch das nasse Gestrüpp bahnte.

Auf zittrigen Beinen und bis auf die Haut durchnässt stand er nun im prasselnden Regen mitten auf dem Pfad, den Blick in Richtung der vor ihm liegenden Biegung gewandt. Er sah nach den leicht gebogenen Weglauf entlang und lächelte vor Erleichterung, eine nicht mindere Last fiel von ihm ab, als er die Stelle wiedererkannte, die ihn zur Stadt führen würde. Das Glücksgefühl überdeckte alles weitere, so schob er seine Ausrüstung und den Schulterbeutel aufgemuntert zurecht und beschritt den Weg mit langsam sicherer werdenden Gliedern. In der Biegung angelangt kam ihm mit einem Schlag ein Gedanke in die Sinne, der ihn unruhig zurückblicken ließ. Unwohl breitete sich von seiner Brust aus als er zurücksah an die Stelle, wo er vor ein paar Augenblicken noch gestanden und gelächelt hatte. Er konnte sich schwach daran erinnern an diesen Augenblick zuvor, doch an den davor - er hatte einen Weg gefunden, aber für das Auftauchen des Weges vor seinen Augen fehlte ihm jede Erinnerung. Stück für Stück und Schritt für Schritt versuchten seine Gedanken den Weg zurückzugehen. Er hatte den Weg gesucht, er hatte ihn gefunden, aber weshalb und wie und was davor - alles daran war wie aus seiner Erinnerung gespült. Zögerlich rieb er sich mit der Rechten am Hals, knapp über einer kleinen, aber frischen Schnittwunde, die ihn bei der unsanften Berührung kurz aufzucken ließ, ehe sich seine Fingerspitzen mit feinen Blutspuren benetzten. Diese Wunde, er hatte sie nicht gehabt, als er die Stadt verlassen hatte, daran konnte er sich erinnern - aber an was konnte er sich nicht erinnern ? Die Wunde ... der Weg .. und der Wald ... in diesem Moment veränderte sich das bisher gleichmäßige Muster in den seichten Schlammpfützen und den Blättern und Gräsern um ihn herum. Der Regen ging langsam zurück und verebbte dann mit einem Schlag, während die letzten Wolken über ihm vorüberzogen. Auch diesmal hatten er und die Tropfen keine Erinnerung an sich zurückgelassen.


Zuletzt geändert von Gilfjur: 2.12.04, 19:33, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 31.12.04, 01:02 
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Allein saß er nun dort, im Dunklen. Nur wenig Regen fiel in dieser Zeit noch, doch immer, wenn erst das Tröpfeln auf den Blättern einsetzte und sich mit der Weile in sanftes Prasseln wandelte, schloß er die Augen, um jeden dieser bleibenden Augenblicke zu geniessen. Weit weg von Mauern und Feuern und weit entfernt von den beiden Tropfen, die ihn eine Weile auf seinen Weg begleitet hatten. Ihr Weg hatte sich wieder gespalten und nun versickerten sie langsam, um wieder ihre eigenen Pfade zu gehen, bis die Erde sie wieder freigab. Erinnerungen daran waren ihm unwichtig geworden. So viele Erinnerungen waren im Regen verschwommen, die eigenen und die ihrer Beute, diese Bilder in Gedanken waren so wertlos, dass er fast durch die Schwärze vor sich laut aufgelacht hätte. Doch er blieb still. Tief sog er die nächtliche, kühle und von Wald und Gras durchzogene Luft durch die Nase ein und schloß langsam die Augen.

In der Schwärze vor ihm zeichneten sich Bilder ab von der Jagd. Sie hatten allen ihre Erfüllung genommen, um selbst zu ihrer zu gelangen. Waren sie egoistisch, nur an sich selbst denkend ? Jeder von ihnen war es und sie waren es auch gewesen, allein um der Jagd Willen. Vielleicht war es doch der Jagdtrieb selbst gewesen, keine Gesinnung oder guter Wille, den sie sich zugesprochen hatten, oder gar eingeredet. Es war unwichtig geworden, denn der Regen war vorüber. Der graue Regenvorhang zog sich zurück, und alles verwandelte sich in silbernes Glas. Und das Glas blieb liegen, es breitete sich aus und verging nicht, Spuren und Eindrücke hinterliess es, von denen, die es betraten. Es war nun eine andere Zeit, Tropfen fielen nicht mehr und die Erinnerungen an sie waren bereits verblasst.

Ohne es zu merken, hatte er die Augen geöffnet. Das Bild der Dunkelheit, welches sie erblickten, war das gleiche, doch erschien es ihm lebendiger. Es war der Wald um ihn herum und kein Abbild seiner Erinnerungen, die er nun wieder abschüttelte. Unter leisem Knirschen der Stiefel im Schnee rückte er sich auf und hielt inne. Ein schwaches Schmunzeln zog sich auf seine Züge. Auch wenn Regen und der glasige Schnee ihm zuvor noch so gegenteilig vorkamen - man konnte sie hören, spüren und schmecken, ohne sie vor Augen zu sehen. Sie waren sich ähnlich, ... und irgendwann würde auch das silbrige Glas am Boden zu Tropfen zerschmelzen und irgendwann würde auch wieder Regen in Tropfen durch die Bäume fallen.

Beruhigt von diesem Gedanken griff er sich mit der Linken unter die Kapuze und zog die Holzmaske vom Gesicht ...


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