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In diesen Tagen wird man einen Mann beobachten können, wie er sich vom Hospiz aus auf den Weg zum Hafen macht. Er ist gekleidet in die Robe eines Dieners Vitamas und sein Haupt wird von orangenen Federn und Daunen geziert. Unter seinem Arm trägt er ein dickes Buch. Am Hafen angekommen, tritt er auf einen Kapitän eines Handelsschiffes zu. Jener verneigt sich respektvoll vor dem Geweihten und darauf könnte ein Beobachter folgende Konversation mitbekommen:
"Der Mutter zum Gruße, Kapitän." "Den Vieren zur Ehr, Hochwürden." "Würdet ihr mir einen Gefallen tun?" "Nichts würde mich mehr ehren, Hochwürden." "Gut, dann sorgt bitte dafür, dass dieses Buch wohlbehalten bei meinem Orden in Draconis ankommt." "Aye, Hochwürden."
Der Geweihte überreicht dem Seemann das Buch und verabschiedet sich dann. Der Kapitän sieht ihm kurz hinterher und trägt das Buch dann an Board.
Sollte man dennoch das Buch in die Hände bekommen und es aufschlagen, so wird man auf den Seiten nur dutzende von Berichte finden: Heiratsstatistiken, Namen von Geborenen und ähnliche Dinge. Wohl niemand wird den Brief bemerken, der geschickt in den Rücken des Buches eingearbeitet wurde.
Jener Brief, offenbar zur Sicherheit nochmals in einer fremden Sprache verschlüsselt, enthält übersetzt folgende Zeilen:
Der hochheiligen Mutter zum Gruße, Brüder und Schwestern.
Ich schreibe zu euch, weil ich versagt habe. Mir ist es nicht gelungen die Position eines Abtes auszufüllen oder gar ein würdiger Nachfolger für Schwester Tzara zu werden. Doch ich möchte mit meinem Bericht am Anfang beginnen.
Unser Orden hier auf Siebenwind ist zahnlos. Die Diener Bellums verhalten sich wie wilde Tiere und der Orden Astraels steht ihnen in nichts nach. Der Orden Morsans hingegen ist so gut wie nicht vorhanden. Wir haben keinerlei Möglichkeit uns gegen die anderen beiden Orden durchzusetzen. Sie haben nur wenig Respekt vor dem von Vitama geschenkten Leben und handeln wieder ihrer Lehren. Ich weiß, sie haben ihre eigenen Lehren nach den sie Handeln sollen. Dennoch sollten wir alle mehr Respekt füreinander haben. Ich verstehe nicht, wie der Schutz des Lebens mit dem reinigenden Feuer übereinkommen kann. Das Verhalten der anderen Orden führt dazu, dass meine Novizinnen zunehmend Zweifel an den Kirche hegen und ich weiß nicht, wie ich diese Zweifel wieder ausräumen soll, werden sie doch jeden Tag von Neuem bestätigt. Auch fällt es mir schwer Ketzer zu missionieren. Wie soll ich sie von dem Mitleid Vitamas und der Güte der Viere überzeugen, wenn jeder zweite von ihnen den Tod in den Flammen findet?
Schuld an dieser Misere trage einzig und allein ich. Ich weiß, dass die Mutter mir dies vergeben wird, doch ich bitte auch euch mir diese Schuld zu vergeben. Desweiteren möchte ich vorschlagen einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin für mich nach Siebenwind zu entsenden. Jemand, der den anderen Orden gewachsen ist und ihnen Einhalt gebieten kann. So diese Person eingetroffen ist werde ich mich aus dem Ordensleben zurückziehen, den Rang eines Hochgeweihten ablegen und Vitama fürderhin als Geweihter dienen.
Ich bedauere, dass ich die von euch in mich gesetzte Hoffnung nicht erfüllen konnte.
Möge die Mutter uns stets begleiten, Hochwürden Benion Sandelholz, Abt des Ordo Vitamae, Diözese Siebenwind, Mitglied des Hohen Rates, Kurat der vier Orden zu Siebenwind.
Darunter prangert ein einfaches Siegel, darauf abgebildet ein Schiff, dass als Segel eine Feder trägt.
_________________ Benion - vita et amor - Pater Brown Verschnitt, Häretiker und Lord der Vitamith - Geburtshelfer: 8 mal - Ehejahre-Rekordhalter Querdenker aus Leidenschaft.
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