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Von der Tragik nächtlicher Sandstürme
Wenn Felas Lauf sich gen Ende neigt, tauchend die Bäume des Waldes in taubes rotes Licht, so tanzen die Schatten zu Melodien von Harfe und Laute, zu Gesängen jener, welche niemals wieder in den Genuss eines Abendrotes kommen werden.
Wenn es still wird über den neuen Landen, Tier und Gefleuch den ihren Atem anhalten, Ehr erweisend vor den ruhigen Augenblicken Tares, dann Flüstern die unhörbaren Stimmen, wecken Gefühle welche nie dagewesen, niemals sein werden.
Wenn die Nacht sich schlängelt durch Gestrüpp und Farn, zischend und verschlingend, dann werde dem Geschehen auf den Brettern der Bühne, welche einst grosses Schauspiel darzubieten hatte, Leben eingehaucht.
Nur undeutlich heben sich die beiden schemenhaften Gestalten vom Dunkelrot des Bühnenvorhanges ab. Wellen schlägt dessen Saum, regelmässig, fliessend.Verwirrt war er, zugegebenermassen. Verstossen, ohne jeglichen Zweifel. Und um einige Knochen leichter, deutlich fühlbar. Schien es ihm deshalb als befände er sich, an diesem grotesk passenden Orte, wie in einem schlecht inszenierten Theaterstück, handelnd von Liebe und Laster, von Trug und Lug? Der schwarze Sand, zu ihrer beiden Knien liegend, scheint schwer. Zu schwer als dass er sich das Ganze noch einmal anders überlegen konnte und den kleinen Haufen, keine Hand voll, wieder zurück in seinen Lederbeutel rinnen lassen würde. Und so steigen sie auf. Die federleichten Körner, fügen sich zusammen zu einem Wirbel, sie und ihn gleichermassen umschliessend. Blumen, noch eben wild verteilt auf den Brettern der Bühne, dieser kleinen Welt, gesellen sich dazu. Ein Augenzwinkern der Zeit und die Blütenpracht entzündet sich, bildet mit dem gähnenden Schwarz des stetig kreisenden Sandes, zum Himmel steigend, einen lebenden Sternenhimmel. Tanzend, glimmend. Kniend ihre Körper im Auge des Sturmes. Nun war es also so weit, jenes, von allen erwartete Finale, kurz bevor der Vorhang fällt und sich die Akteure dem Meer des Beifalls hingeben. Wieso tat er dies? Hinter ihm, seinem Blicke entzogen, löst sich eine brennende Blüte aus dem Sandwirbel, findet den gewollten Wege über seine Schultern hinweg zu ihren Lippen. Umgarnend die feinen Konturen, spielend mit ihrer Weichheit. Doch sie lässt es nicht zu. Der Kuss welcher in ihm brannte wird nicht erwidert. Das Sandgebilde sackt in sich zusammen, verteilt danieder fallend über Bühne und Waldboden. Der Vorhang fällt. Niemand klatscht, niemand verlässt zufrieden, kulturell gesättigt das Geschehen und erzählt sich noch Tage danach vom imposanten Ende einer Geschichte von Unsicherheit und jugendlichem Übermut.
Wenn Felas Licht sich langsam legt über die Ebenen, tauchend alles in ein flammend’ rotes Licht. So weichen die Schatten, welche des Nachts noch Furcht erregende Klauen und Fängen und machen Platz für das stolz emporragende Geäst der Bäume, tragend den Duft des Morgens.
Wenn der Atem des Lebens zurück in die Lungen der Natur findet, ihren Beinen und Armen Bewegungen verleiht, dann erheben sich die Stimmen der Tiere, breiten sich aus wie ein Lauffeuer über die Weiten der Insel.
Wenn der Tag anbricht, scheinen jegliche Gedanken an Tragödie, unglückliche Liebe und heldenhafte Tode durch des Dolches Klinge in der Brust nichtig und lächerlich.
Denn mal ehrlich, wer mag schon zweitklassige Theaterstücke.
Zuletzt geändert von Illis: 2.03.05, 21:13, insgesamt 1-mal geändert.
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