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 Betreff des Beitrags: Verderben unter Angamons Hand
BeitragVerfasst: 28.02.05, 14:14 
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Reglose Einsamkeit in einer Fülle von Wärme umfasste ihre verspannten Glieder während sie mit tränenden Augen zur Lava hinabsah. Einst tobte hier ein Kampf aller Verzweiflung gegen das unabdingbare Ende und der kleine Sieg der Narren, für sie nicht mehr als ein Amusement der Macht, hatte diesen Ort zeitweise verwahrlost.
Er hatte in der Geschichte derer, die normalerweise auf den Brandensteiner Marktplatz ihre Zeit fristeten und darauf warteten, dass etwas sensationelles geschehe längst eine Bedeutung verloren.
Hier gab es nichts was ein kleiner Tagheld erringen konnte. Keine Lobpreisungen, Trophäen oder zu zerstörende Klischeepaläste, die mit Jungfrauenblut besudelt den armen braven Leuten der Stadt Angst machen sollten. Hier war nur eine weite Ebene schwarzen Sandes.
Und doch ... für sie hatte dieser Ort seine Wichtigkeit, denn hier würde sie niemand stören.

Sie wollte nachdenken.

Was tat sie nur falsch? Hatten diese Zweifel noch eine Bedeutung als den Wissensstand zu schüren sie hätte einen Fehler getan?

Blitzartig kam ihr das von Schmerz zerfressene Gesicht des jungen Mannes in Erinnerung. Wenn er es nur gekonnt hätte, hätte er sich ob des Schmerzes aufgebäumt bis seine Wirbelsäule gebrochen ist, hätte die kahlen Wände des großen Raumes in dessen Mitte er auf einem Seziertisch lag mit seinen Schreien erhellt. Doch er war hilflos, musste sich dem sägenden Geräusch, der seine Knochen abtrennte voll und ganz hingeben.

Sie atmete tief durch und schloss innigst die Augen.

Noch Zyklen vorher hatte sie ihn umarmt, wollte ihm Trost spenden und nun weigerten sich ihre Glieder, ihr Sein ihm zu helfen. Es war die Konsequenz des Schattens, in den sie sich vor Jahren begab. Aus dem sie nie mehr entfliehen konnte.

Gepresst, etwas zittrig entwich die Luft wieder ihre Lippen.

Verzweiflung

Nie wieder entfliehen können. Eine Gefangene für die Ewigkeit.
Sie wollte nicht, dass jemand Anderes diesen Weg geht auch wenn sie für sich überzeugt war, dass diese Geistespein ihr Schicksal war wollte sie diesen verzückten inneren Schmerz sonst Niemandem gönnen.


Verkrampft hielt sie mit beiden schwarz behandschuhten Händen den in Leinen gehüllten Gegenstand. Es war noch nicht gesegnet, es war noch nicht bereit. Es war nur ihre Konsequenz hier zu stehen und über ihren eigenen Fehler nachzudenken.

Wut

Er sah sie als Schwäche an, er sah sie als jenen Teil an der für den anderen Schwäche bedeutete. Wie konnte er sie nur so verspotten! Wie konnte er nach all dem was sie für ihn tat so hintergehen!

Finger um Finger löste sich von dem weißen Leinenstoff. Doch plötzlich hielt sie inne als sie die zweite Präsenz hinter sich die Stille durchbrechend spühren konnte.

Sie hatte ihm vertraut, gehofft, dass er anders war als jene, die sie mit blankem Hohn in Ewigkeit würdigten, dass er ihr eine wärmende Verzückung, ein Freund war.

blanke Enttäuschung

Einhaltsgebietend legte sich die ledernde Hand auf ihre Schulter und sie senkte Blick und zögerlich auch ihren Arm ab.

Sie hatte viel gegeben, viel verloren und noch mehr erreicht. Sie konnte die Macht zwischen ihren Fingerkuppen pulsierend spühren wenn sie es nur gewollt hätte. Aber wollte sie sie jemals haben? Wollte sie, dass ihr in Wut ausgesprochenes Wort so konsequent ausgeführt wurde? Er lag im Sterben...

Ihre Haare umspielten das trostlose Gesicht, ihre Verkrampfung löste sich langsam in tiefste Taubheit, dass wie ein Nagelpochen pulsierenden Herzschlages ihre Brust füllte.

Etwas wichtiges, menschliches starb in ihr.

Es war vorbei.


Zuletzt geändert von Missy: 28.02.05, 17:20, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 2.03.05, 21:07 
Altratler
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Von der Tragik nächtlicher Sandstürme

Wenn Felas Lauf sich gen Ende neigt, tauchend die Bäume des Waldes in taubes rotes Licht, so tanzen die Schatten zu Melodien von Harfe und Laute, zu Gesängen jener, welche niemals wieder in den Genuss eines Abendrotes kommen werden.

Wenn es still wird über den neuen Landen, Tier und Gefleuch den ihren Atem anhalten, Ehr erweisend vor den ruhigen Augenblicken Tares, dann Flüstern die unhörbaren Stimmen, wecken Gefühle welche nie dagewesen, niemals sein werden.

Wenn die Nacht sich schlängelt durch Gestrüpp und Farn, zischend und verschlingend, dann werde dem Geschehen auf den Brettern der Bühne, welche einst grosses Schauspiel darzubieten hatte, Leben eingehaucht.

Nur undeutlich heben sich die beiden schemenhaften Gestalten vom Dunkelrot des Bühnenvorhanges ab. Wellen schlägt dessen Saum, regelmässig, fliessend.Verwirrt war er, zugegebenermassen. Verstossen, ohne jeglichen Zweifel. Und um einige Knochen leichter, deutlich fühlbar. Schien es ihm deshalb als befände er sich, an diesem grotesk passenden Orte, wie in einem schlecht inszenierten Theaterstück, handelnd von Liebe und Laster, von Trug und Lug? Der schwarze Sand, zu ihrer beiden Knien liegend, scheint schwer. Zu schwer als dass er sich das Ganze noch einmal anders überlegen konnte und den kleinen Haufen, keine Hand voll, wieder zurück in seinen Lederbeutel rinnen lassen würde. Und so steigen sie auf. Die federleichten Körner, fügen sich zusammen zu einem Wirbel, sie und ihn gleichermassen umschliessend. Blumen, noch eben wild verteilt auf den Brettern der Bühne, dieser kleinen Welt, gesellen sich dazu. Ein Augenzwinkern der Zeit und die Blütenpracht entzündet sich, bildet mit dem gähnenden Schwarz des stetig kreisenden Sandes, zum Himmel steigend, einen lebenden Sternenhimmel. Tanzend, glimmend. Kniend ihre Körper im Auge des Sturmes. Nun war es also so weit, jenes, von allen erwartete Finale, kurz bevor der Vorhang fällt und sich die Akteure dem Meer des Beifalls hingeben. Wieso tat er dies? Hinter ihm, seinem Blicke entzogen, löst sich eine brennende Blüte aus dem Sandwirbel, findet den gewollten Wege über seine Schultern hinweg zu ihren Lippen. Umgarnend die feinen Konturen, spielend mit ihrer Weichheit. Doch sie lässt es nicht zu. Der Kuss welcher in ihm brannte wird nicht erwidert. Das Sandgebilde sackt in sich zusammen, verteilt danieder fallend über Bühne und Waldboden. Der Vorhang fällt. Niemand klatscht, niemand verlässt zufrieden, kulturell gesättigt das Geschehen und erzählt sich noch Tage danach vom imposanten Ende einer Geschichte von Unsicherheit und jugendlichem Übermut.

Wenn Felas Licht sich langsam legt über die Ebenen, tauchend alles in ein flammend’ rotes Licht. So weichen die Schatten, welche des Nachts noch Furcht erregende Klauen und Fängen und machen Platz für das stolz emporragende Geäst der Bäume, tragend den Duft des Morgens.

Wenn der Atem des Lebens zurück in die Lungen der Natur findet, ihren Beinen und Armen Bewegungen verleiht, dann erheben sich die Stimmen der Tiere, breiten sich aus wie ein Lauffeuer über die Weiten der Insel.

Wenn der Tag anbricht, scheinen jegliche Gedanken an Tragödie, unglückliche Liebe und heldenhafte Tode durch des Dolches Klinge in der Brust nichtig und lächerlich.

Denn mal ehrlich, wer mag schon zweitklassige Theaterstücke.


Zuletzt geändert von Illis: 2.03.05, 21:13, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Gefühl und Mitgefühl
BeitragVerfasst: 2.03.05, 23:07 
Einsiedler
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Wohnort: In "deinem" Schrank!
Als die Klinge in den Leib hinabtauchte sang sie beharrlich mit süßer nun blutbenetzter Zunge das Lied von leichtfertigen Worten und noch leichtfertigeren Taten.

Er konnte die liebliche Stimme in seinem Geiste wiederklingen hören. Wie sie seine Gedanken süßlich den Sinne des Liedes immer weiter spinnend entlockte... doch im kalten Raume schwieg selbst die Stille.

Kein Schrei der das Lied in Gedanken zerreißen konnte, kein Wehklagen, dass das sanftmütige Lächeln auf von Schatten umgarnten Zügen hat erschüttern können. Und so brachte das Lied, dem sich die Klinge in ihren ruhigen beharrlichen Tanze hingab, den Schmerz, Sühne der Leichtfertigkeit... für den Betrachter sowie des Betrachteten... so teilte sich die Schuld in dem flinken Spiel des Fleisches, wie die Haut sich teilte, preisgab was das Leben vorrantrieb.

Augen schrieen für den Unmündigen. Zwei entsetze Paare krampften zitternd in ihren Höhlen. Sie, die den Schmerze fühlten unfähig den Körper ab der Klinge zu führen durch zehrende Taubheit und sie, die den Schmerze mitfühlten innerlich zerrissen wie die klaffende Wunde, sodass durch die Pupillen unerwehrt die Bilder rannen, wie die kühle Luft sich nun in den Leibe hinabsenkte.

Gefühl und Mitgefühl, beide haben sie gelitten...
Das Mitleid mein Freund... die Dummheit ebnete der Erkenntnis durch meine Hände die Wege, Hände die Zweie straften doch nur Eines taten.
Der Schmerz sollte bald verblassen vor der Erkenntnis und verzweifelnd stumme Schreie sollten wie so oft nur der Anfang einer Lehrung sein, die über das vergossene Blut hinausging.
Die Klinge verstummte, nur leise flüsterten noch die dünnen Bahnen die rötlich schimmernd an ihr entlang krochen, unschuldiges weißes Tuch mit beider Schuld benetzten.

Die Grausamkeit enthielt den Schuldigen das liebliche Lied vor, dass noch immer das verborgene Lächeln schürte, sanft und liebevoll, blickte es der Vorfreude der Lehrung entgegen.
Es sah der Zukunft tiefster Zufriedenheit spiegeln, in den benetzten Windungen die von der von lieblich Sange zerteilten Haut freigegeben wurden.

Doch der Lieder ließen der Stille nicht lange Einzug im Sinnesbilde, tief und kräftig erhellte sie ein neuer Sang...
Nicht minder Kunstvoll in den Ohren schwelgend, nicht minder schürend, doch seiner Artung her mehr dem Tatendrang die Kraft verleihend. So rann von rhythmisch wiegenden Stahlzähnen ein neues Lied empor dass sich in die Symphonie der Erkenntnis mischte...
Das Lied des Verlustes.
Und prunkvoll kam es zu seinem Ende, wie Paukenschläge das Geräusch der beiden splitternden Knochen bevor sie sauber aus dem Leibe entfernt wurden, und die sorgfältig geheilten Wunden Fühlenden und Mitfühlenden in doch getrübtes gutes Ende führten.

Die Erkenntnis wurde ihm fein säuberlich aus dem fleischlichen Leibe gerissen, auf das sie später wieder in seinen Geiste Einzug finden sollte, in beider Geister.
Denn beider fehlerhafte Leichtfertigkeit war von der Lieder klang so zerrüttet, dass sie nun offen der Weisung waren in ihren orientierungslosen Taumel, berauscht von dem Sange.
Es wird seinen Sinn erfüllen... und das Lächeln verblasste.

_________________
Bild

Ich fing alle Wunden ohne Rücksicht ein
Ließ keinen Schutz zurück für all die Menschlein - wein'!
All der süße Schmerz von Draussen kam herein
Den Trost will ich nicht missen, nie und nimmer - nein!


Zuletzt geändert von Shroud: 2.03.05, 23:12, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 2.08.05, 01:04 
Altratler
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Abendessen

Eine kleiner Nager, ausgemärgelt und selbst auf der Suche nach Verwertbaren, sei es Abfall oder Müll, solange es auf auf den Rippen bleibt und über weitere qualvolle Tage hinweg hilft, ist es von einem Keller voller nährender Köstlichkeiten nicht zu unterscheiden. Man passt sich an. Man wird angepasst in diesem Land, das kein Leben zulässt, jegliche Hoffnung vertilgt, wie die Oger einen der streunenden Krieger. Stark und dumm wie ein Ballen Stroh.

Da war sie wieder. In dunkle Schatten gehüllt kauert sie unter dem Baum der ihrem Blut entwachsen ist, ihr Kind, in der Wiege von Ödnis und Verderben. Weit hatte das Gewächs seine Wurzeln durch die leblose Erde geschlagen, gar hier in diese kleine Höhle, über seinen Kopf hinweg. Er hatte sie beobachtet, immerzu, war ihr gefolgt auf Schritt und Tritt. Ungesehen. Ihr Wandel war ihm nicht fremd und trotzdem wandte er sich nicht von ihr ab, musste in ihrer Nähe sein. Wenn Mensch, Zwerg oder Elf von Wahn spricht, so meist mit verachtungsvoller Zunge, nicht wissend, dass sie ihm selbst schon lange verfallen sind. Zurecht, denn ein Gefühl welches das tiefste Innerste erfüllt, die hinterste Ritze des Körpers belebt, kann nicht schlecht sein.

Das Knacken seiner Finger als er die Hand ausstreckt war er gewohnt, langes Warten, harren auf die Liebste, eingerostete Knochen. Schnell wurde jenes Geräusch jedoch vom schmerzerfüllten Quiecken der Ratte abgelöst, in Flammen aufgegangen und von ihrem Dasein befreit.

Sie war nicht alleine, das Stapfen und Pochen unzähliger Schritte konnte nicht richtig sein, suchte sie doch den Platz bislang alleine oder mit ihrem Gatten auf. Als stünden sie auf dem Marktplatz um den Pranger, geniessend ein Stück wunderbarster Bardenkunst, reihten sich die Fremden um sie und ihr Werk, gepflegt, gehegt, geliebt. Wie gerne er doch ihren Kopf gestützt hätte als er nach vorne, der Wucht des Hammers nicht standhaltend, geknickt ist. Wir gerne er ihre Hand genommen hätt' flüsternd Worte, tröstend und beschwichtigend. Doch nein, harrte er in der kleinen düsteren Höhle, beobachtend den Frevel und das Leid. Pulsierend vor Schmerzen windeten sich die knorrigen Wurzeln des Baumes über ihm, während sein Rumpf, der mächtige Stamm und das dürre Geäst ihr Leben aushauchten. Sie brachten sie weg.

Wer entscheidet ob das Gute gut ist? Wer richtet über die Richtenden? Ist es der Bettler der am Strassenrand kauert und beobachtet wie ihn die Menschen mit Verachtung Strafen, der Bankier welcher Tag für Tag seine Arbeit tut und niemals ein Lächeln, denn ein freundlcih Wort zum Danke bekommt, der Geweihte der das Gute damit verbreitet in dem er Böses tut oder am Ende doch nur die Banalität der Mehrheit? Jene welche von Fehlern gezeichnet sind und sich tagtäglich in so vielen kleinen Dingen täuschen und irren?

Mit einer schnellen Bewegung durchbohrt der zugespitzte Holzstecken den knusprig-dampfenden Rattenkörper, ehe der Jüngling ohne Haupthaar und mit flammend-rotem Spitzbart aus dem Loch kriecht. Felas greller Schein blendet ihn. Sie konnten richten, so sollten sie auch damit rechnen gerichtet zu werden. Denn das Gute wie das Böse liegt im Auge dessen, der auf den letzten Gefallenen hernieder blickt und seinen Fuss auf dessen Brustkorb stellt. Das reine Feuer war zurück.

Herzhaft beisst er in den gebratenen Rattenspiess.


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BeitragVerfasst: 2.08.05, 13:07 
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Glaube entspringt aus eigener innerster Überzeugung, dass die eigenen Taten für sich begründen kann. Niemals könnte wahrer Glaube durch Andere in Zweifel gebracht oder zerstört werden. Er existiert nicht ob Anderer, sondern weil man selbst diesen Glauben, diesen Weg und diese Überzeugung wählte. Alle Eigenschaften, die man rühmt oder hasst sind Teil des Lebens, das man führt und die eigene Bestimmung bekommt erst dann einen Sinn wenn man erkennen kann was das Leben wirklich bedeutet.

Sie hatte den großen imposanten Baum gebändigt und wartete auf das Schicksal derer, die aus Leichtfertigkeit ihren Weg zu ihrem Kinde suchten. Sie wussten nicht welcher Bedeutung er entsprang. Sie wussten nicht welchem Wesen er entsprang. Sie wussten gar nichts. Aber sie wollten ihn zerstören. Er war eine Bedrohung.

Ein Zyklus verging, den Strahlen Felas folgte die Dämmerung.

Nervosität machte sich in ihr breit.

Was, wenn sie sie doch besiegen könnten? Nein, das war nicht möglich. Sie wusste doch genau was zu tun war. Sie konnten nicht siegen.

Die Dunkelheit umfasste ihre schwarze Robe. Sie stand still dort und starrte in die weite Ferne wo sie meinte Fackeln zwischen dürren und toten Ästen erkennen zu können.
Das Schicksal würde sie zu ihr bringen.
In Reih und Glied würden sie ihren Worten lauschen und sie würden nichts verstehen.

Viele kamen, mehr als sie an den Fackeln schätzte. Hohe Magier, hohe Geweihte, Ritter, Krieger, Elementargeweihte und selbst ihre Sklaven folgten diesem Ruf.

Verräter.

Sie lächelte lippenlos auf.

Heroisch standen sie dort während die Maga ihre Arme wie beschützend um die Anwesenden erhob und ruhig zu Sprechen begann. Sie lud sie ein ihre Bestimmung zu erfüllen, lud sie ein den Baum zu zerstören.

All jene Wesen kamen hierher weil sie meinten sie würden dem Guten folgen um das Böse, Niederträchtige zu besiegen. Oh, sie hatte nichts dagegen böse und niederträchtig zu sein aber sie wusste es wenigstens auch. Jene, die ihr gegenüber standen meinten sie würden richtig und im Guten handeln.

Das war der Unterschied. Die Maga wusste um ihr Selbst, ihre Widersacher wussten es nicht.
Kurz merkte die Maga, dass der Mob ob ihrer Worte unruhig wurde. Unsicher sahen sie zu den Geweihten, die sofort einzellig ohne überhaupt zu wissen was sie tun Gebete entstiegen.

Ihre falschen Götter würden auch nicht wissen was ein Genie wie sie vorhatte. Sie war brillant! Durch und durch!
Genie und Wahnsinn liegen nur leider sehr nah aneinander.


Ihr Kind brannte und schrie.

Das Feuer zeichnete jedes Gesicht in eine wahnverzerrte Fratze. Sie lechzten nach jenem Verderben, jener Gewalt, die sie von sich stoßen wollten. Sie waren im Innern genauso wahnsinnig und verdorben wie sie es war. Sie lebten in ihrer Spiegelwelt und meinten ihr eigenes Spiegelbild wäre ein Feind, den sie bekämpfen mussten. Arme ängstliche Schäfchen.

Wieder lächelte sie auf, ging zwischen den nun zuckenden hilflosen Ästen vorbei zu dem Mob hin, kniete sich hin um sich von ihrem Kinde zu verabschieden.

Sie wusste was passieren würde. Sie gingen auf den Spiegel zu, näher, noch näher.

Doch bevor ihr Schauspiel, die Lehrung einsetzen konnte wich ihr Blick der Dunkelheit. Sie wurde bewusstlos.


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BeitragVerfasst: 13.09.05, 15:44 
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Dunkler kalter Stein.
Irgendwo weit hinter mir höre ich das gleichmässige träge Tropfen von zähflüssigem roten Blut. Die Zeit wird es bald gerinnen lassen und mir jenes Geräusch ersparen.
Der Blick über starr verkrümmte Leichen um den Lichtpunkt aus der Decke, in dem ich in Rot gehüllt daliege.
Plötzlich sausen Bilder der merkwürdig entstellten Fratzen vor meinem inneren Auge. Ersticktes Entsetzten, das ihre Kehlen verließ als sie sich ein letztes Mal krümmten. Die Angst, die sie empfunden haben lässt mich erschaudern.
Ich schließe die Augen.

Wind pfeift über meine in Schatten gehüllte Kleidung. Sie kriechen zu allen Seiten von mir weg. Sie fliehen vor mir.
Als ich die Augen wieder öffne stehe ich vor dem Altar.
Ich halte das spitze kühle Eisen zwischen den Fingern. Die Kälte in meinen Gliedern lässt meine Hände zittern.
Auf diesem Weg bin ich allein. Auf diesem Weg war ich immer allein. Nur das seelenlose Eisen und ich.
Ein Schnitt in meine Haut. Nach dem kurzen stechenden Schmerz berauscht mich Wärme. Es ist die einzige Wärme, die ich noch empfinden kann.
Ich lächele sanft auf und schließe die Augen.
Eine Melodie erklingt wissend in meinem Kopf. Ich sehe die Zukunft vor mir.

Kreischen, Flehen und wie sie mich anflehen.
"Nein, bitte!"
"Nein!"
"Bitte!"
Ein schmerzverzogenes Stöhnen. Ein Wimmern. Sie werden eine Ewigkeit wimmern, vor mir kriechen.
Lächelnd genieße ich ihr Leid im stillen Vergnügen.
Ich spühre den leichten Stoff von Vorhängen als ich an ihnen vorbeigehe. Ich sehe das junge gefesselte Mädchen auf dem Altar, streiche über ihre nackte weiche Haut. Sie fleht mich mit ihrem Blick still an. Meine Finger streichen über ihre geröteten Wange. Sie gehört mir. Überall sehe ich sie. Junge Dinger, die mich unschuldig und unwissend mit von Tränen verquollenen Augen anflehen. All das gehört mir. Ich nehme einen Kelch, gieße schwarze Milch hinein und trinke.

Meine Macht. Meine Welt. Meine Regeln.

Ich blicke aus dem Raum heraus zu dem blutroten Mond auf, der mich wie ein hütendes Auge anzustarren scheint. Sein verhöhnendes Licht ist mir bekannt. Tief ziehe ich den Pesthauch der Luft in meine Lunge und lächle. Weit ab höre ich das Donnern des Kampfes. Ich lausche den immerwährenden Schreien, den zuckenden Bewegungen um mich herum. Nirgendwo gibt es Ruhe. Wir sind überall.

Flackernd sehe ich die Vergangenheit vor mir. Blaue Blüten eines Vergissmeinnicht. Hilflosigkeit. Tränen. Ein Dornenpfad. Die Fratzen. Ich will ihnen helfen. Ich will sie von dem Schmerz erlösen. Ich will dem Schicksal trotzen. Ich reiße mir die Haut auf, ich fühle selbst diesen Schmerz nur um ihnen zu helfen. Dunkelheit umfängt mich. Ich sehe mich an dünnen Puppenspielerfäden zucken. Das liebliche Lächeln meines Liebsten, das wissende Lächeln meines Meisters. Rechts und Links. Beide Hände halten sie die Fäden.

Ich halte das spitze kühle Eisen zwischen den Fingern. Die Kälte in meinen Gliedern lässt meine Hände zittern.
Ich will diesen Weg nicht gehen. Ich wollte diesen Weg nie gehen. Ich starre das seelenlose Eisen an.
Ein Schnitt in meine Haut. Nach dem kurzen stechenden Schmerz berauscht mich Wärme. Ich habe diese Wärme noch nie gespührt.
Hoffentlich darf ich sie nochmal spühren. Die Hände tätscheln fast liebevoll meinen Kopf.
Der Mond starrt mich aus dem Himmelszelt an. Er ist schwarz. Er ist fast unsichtbar und doch starrt er mich an. Ich fühle es.

Seine Macht. Seine Welt. Seine Regeln.

Ich öffne die Augen. Ich reiße die Puppenfäden mit samt der Haut von mir. Nun bin ich frei. Ich lächle sanft.
Der Mond starrt mich aus dem Himmelszelt an. Er ist schwarz. Er ist fast unsichtbar und doch starrt er mich an. Ich sehe hoch. Ich fühle es.

Meine Macht. Diese Welt. Seine Regeln.

Das Schnauben eines Pferdes. Ein Mann in der Bellumsrüstung. Sein Schwert erhoben. Er will mich töten. Ich lächle sanft.
Ein Schnitt in meine Haut. Nach dem tiefen Schmerz zieht sich Kälte in meine Glieder.

Der Mond starrt uns aus dem Himmelszelt an. Er ist schwarz. Er ist fast unsichtbar und doch starrt er uns an.

Das seelenlose Eisen ruckt aus meinem erstarrten Leib. Angst hat mein Gesicht in eine merkwürdig entstellte Fratze verwandelt. Ersticktes Entsetzen verließ meine Kehle. Ich falle auf dunklen kalten Stein.

Der Mond starrt uns aus dem Himmelszelt an. Er ist schwarz. Er ist fast unsichtbar aber er starrt uns an und er weiß alles.

Der Blick über starr verkrümmte Leichen um den Lichtpunkt aus der Decke, in dem der Gerüstete in Eisen gehüllt dasteht.
Er senkt die Klinge und schließt die Augen

Ruckartig reißt es mich in die Wirklichkeit zurück. Ein Blinzeln. Ich schließe die Augen, öffne sie wieder...

... und stehe vor dem Altar. Stille um mich herum. Die Wunde ist noch offen. Ich halte den Dolch. Der Wind pfeift durch das Hochplateau an dem der Altar steht. Ich bin allein. Hier bin ich immer allein. Nur das seelenlose Eisen und ich.


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