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[jetzt hat Hagen mich mit meiner Geschichte doch glatt inspiriert, auch kreativ zu werden, so, jetzt ist es fertig]
Warum...?
Dieses Wort ging ihm nicht mehr aus dem Kopf, in allen möglichen Variationen kehrte es wieder, immer dann, wenn er nicht zu erschöpft war, um überhaupt noch zu denken. Das Wort quälte ihn, griff seine Seele an, liess ihn Nachts nicht schlafen - in den seltenen Nächten, in denen er Nacht Wache stehen musste, in denen sie nicht angriffen, in denen keine Schreie die Dunkelheit zerrissen.
Warum hatte er sich freiwillig gemeldet...?
Strahlende Rüstungen, bunte Wimpel und Scherpen. Jauchzen, Freude, Klappern der Hufe und Wiehern der Pferde. Sire Broodar, der jüngere Bruder des greisen Junkers Leiron, und sein Neffe, Sire Trawaiin, der seinem Vater als Herr zu Krelbucht im Süden Malthusts, ritten durch das Dorf, begleitet von ihren Waffenknechten. Kinder, damals noch nicht nur dem Alter nach, sondern auch dem Geiste, säumten die einzige Straße des Dorfes, jubelten den Kriegern zu. Zarte, formbare Seelen, der Versuchung ausgesetzt, entwickeln Wünsche, Verehrung, Ziele.
Dann.. kam der reisende Händler, berichtete von Unruhen in Vandrien, von Übergriffen auf Lichtenfeld. 5 Monde später passierten die ersten Flüchtlinge auf der Suche nach einer neuen Heimat das Dorf. Ausgefragt nach der Lage in Vandrien, schwiegen sie nur, gingen eilig weiter. Verhuschte, zutiefst verängstlichte Gestalten. Dann erklomm Fela wieder den Himmel, und der Tag brach an, an dem der Anfang vom Ende begann. Sire Trawain suchte nach Freiwilligen, er würde ein Banner Soldaten nach Norden, nach Vandrien führen. Er hatte nicht lange gezögert, hatte seinen Vater Stolz gemacht und seine Mutter weinen lassen und sich dem Banner angeschlossen, an der Seite Fridlaks, seines besten Freundes.
Warum Fridlak..?
Die beiden Jungen waren eifrig gewesen, hatten schnell gelernt, und Fridlak war sogar zum Schildknappe Sire Trawaiins ernannt worden. Der altgediente Schildknappe der von Krelbuchts stand an der Seite Sire Broodars, und der junge Junker hatte sich so einen aus den jungen Rekruten gewählt. Im Carmar und Seker zogen sie durch die vom Bellum bunt gefärbten Wälder Nord-Malthusts., und andere Krieger schlossen sich ihnen an. Dann kam der Sekar, und sie erreichten die vandrische Grenze. 3 Tage lang hielt die Hochstimmung, die Vorfreude auf den Sieg vor. Dann blieben Sire Trawaiin und Fridlak nach einem Erkundungsritt aus. Als sie ihre Überreste fanden, war es unmöglich zu sagen, was zu welchem gefallenen Krieger gehörte.
Warum kämpfen sie weiter..?
Drei Wochen später waren die Übermütigen, die Unvorsichtigen, die Schwachen und die Helden tot. Sire Broodar hatte die Führung der Truppe übernommen, er hatte schon im Ersten Vandrischen Krieg gekämpft, und die anderen Adligen hatten sich seiner Führung untergeordnet. Noch immer hatte es keine Schlacht gegeben, wie er sie aus Geschichten kannte. Es waren einfach Leute verschwunden, heimtückische Fallen hatten einigen Kriegern die Beine abgerissen, zweimal kamen Pfeile aus dem Unterholz... und dann war da noch.. dieses Wesen gewesen, dass plötzlich in ihrer Mitte aufgetaucht war und über ein Dutzend Krieger zerrissen hatte, ehe sie es in Stücke gehackt hatten.. und dann dieses leise Lachen.. die lebenden Leichnahme ihrer Gefährten, die sich auf sie stürzten... die Nacht, die zu leben schien.. und die sie hasste..
Sire Broodar hielt die Truppe mit eisernem Willen zusammen. Schon vier Deserteure hatte er persönlich gerichtet, und es bestand kein Zweifel, dass er nicht zögern würde, ihnen weitere folgen zu lassen. Längst unterschied sich die Truppe kaum noch von den lebenden Leichnahmen, längst vergingen jeden Abend lange Minuten zwischen den einzelnen Worten. Kein Geplauder erfüllte mehr die Luft, alle lauschten nur noch in die Nacht hinaus, die Waffen immer griffbereit.
Warum starben sie nicht einfach..?
Der Morgen der ersten, echten Schlacht... Eine Schwadron Reiter, nicht mehr als 50, geführt von einem Mann in strahlend bronzener Rüstung, mit knochenbesetzem Schwert... Die Angreifer schnitten wie ein stählernes Messer durch von der Sonne aufgeweichte Butter.. die erschöpfen Soldaten leisteten kaum Widerstand, sie starben einfach... Er stand direkt hinter Sire Broodar, dessen Schildknappe war längst tot... Seine Freunde, Seine Kameraden fielen wie Halme unter der Sense... Er sah die Felder seines Vaters.. das Getreide unter der Sonne Malthusts... das Lachen der Mägde, die den Knechten das Essen aufs Feld brachten... das Wasser, das selbst im Astrael noch kühl war... die vielen Tagen mit Fridlok, voller Unsinn, ohne Sorgen... das Lächeln, das Antista, das schönste Mädchen aus Krelbucht ihm eines Abends geschenkt hatte... seine Hand rührte sich nicht, er zog keine Waffe.. erst das Blut aus Sire Broodars Hals, dass auf seine Wangen spritzte, brachte ihn zurück in die Realität.. der Mann in Bronze, mit blauer Tunika und Umhang stand vor ihm... die Klinge noch rot nachdem er Sire Broodar niedergestreckt hatte... Er sah seinem Tod ins Gesicht.. doch es kümmerte ihn nicht mehr.. er sehnte ihn sogar herbei, denn er erhoffte sich endlich Frieden.. Frieden...
Steh auf, Krieger, und komm mit!
Wenige Worte nur.. Lapidar, kalt, ohne Regung.. Doch als sie verklungen waren... hatte er seine Seele schon verloren..
Zuletzt geändert von A. de Perquin: 13.03.05, 06:18, insgesamt 1-mal geändert.
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