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Janos' Lippen waren trocken geworden und die eisige Kälte des prasselnden Regens ließ ihn stumm zittern. Seine Hände fühlten sich kühl an. Würden sie wohl bald der Kälte zum Opfer fallen? Sicherlich nicht, wenn er es schaffen würde schnell genug wieder nach Brandenstein zurück zu kehren.
Warum hatte er bloß diese schreckliche Angewohnheit immer abseits der Wege zu gehen? War es wirklich noch von Nöten dass ihn Niemand entdeckete? Er hatte doch nicht's mehr zu verbergen und seinen Weg gefunden. Der Traum, erinnerte er sich selber. Irgendetwas hatte er noch in diesem Traum gesehen, aber es schien ihm schier unmöglich sich daran zu erinnern. Er wusste dass da noch etwas war, aber was war es? Wer er schon so lange in der Kälte gewesen, dass er sich nicht einmal an einen einfachen Traum erinnern konnte?
Seine Füße trugen ihn weiter, durch Schlamm, vom Regen runter gedrücktes Gras und feuchtes Laub. Der Geruch von Frühling lag in der Luft, was etwas beruhigendes an sich hatte, denn das würde bedeuten dass der Morsan hoffentlich bald endete. Still schweigend ging er weiter, immernoch tief in seinen Gedanken versunken ohne den Weg den er beschritt und den nur er kannte wahr zu nehmen.
Es hatte etwas mit dieser Frau zu tun, dessen war er sich ganz sicher. Doch was war es? Er besinnte sich wieder und erinnerte sich an die Bilder die er noch von seinem Traum hatte. Diese wunderschöne Frau... Sie kam ihm irgendwie so vertraut vor... Warum!? Er wusste es nicht, und würde auch für's erste nicht darauf kommen, egal wie lange er darüber nachdenken würde.
Was unterscheidet Lüge und Traum von einander?
Wann bricht die Grenze zwischen Traum und wirklichkeit?
Wenn man sie brechen kann, wurde es schon getan?
Wer kann sie brechen? Er!?
Schwermütig entschlo´sich Janos eine pause zu machen und ließ sich zu Boden gleiten. Seinen Rücken lehnte er an einem völlig durchnäßtem Baumstumpf an. Die Kälte berührte ihn nicht mehr, denn zu tiefgreifend waren seine Gedanken. Er erinnerte sich an einen man in seiner Heimat, der immer wenn er solch misteriöse Fragen beantworten wollte etwas von dem besonderem Kraut geraucht hatte, dass die Halblinge wohl herzustellen vermögen. Janos hatte selbst etwas davon, und er entschlod sich etwas zu rauchen.
Die Wirkung war verblüffend. Schon nach wenigen Zügen fühlte sich sein Körper ungewöhnlich taub und fremdartig an. Sein Blick änderte sich. Er konnte sich nur noch auf einzelne Objekte konzentrieren, diese klarer sehen aber der Rest drum herum war völlig verschwommen. Leicht war er, leicht wie eine Feder. Lächelnd blickte er gen Himmel und die herunter prasselnden Tropfen schienen ihm so langsam zu fallen, dass er ihnen ohne Mühe hätte ausweichen können. Alles war zurückgedreht. Das Aufprasseln der dicken Tropfen auf einem Stein neben ihm erschreckte ihn, denn es war als einziges Geräusch um ihn herum nicht leiser gedreht, sondern extrem verstärkt in Klang und Ton.
Um ihn herum schwebten Langsam Gesichter, nein, Bilder von längst vergangenen Tagen:
Sein Lehrer für den Umgang mit dem Schwert,
sein Vater der ihn verließ um auf eine Jagt zu gehen und winkte,
seine Mutter die weinte,
seine Schwester...
Seine...Schwester?
Er hatte überhaupt keine Schwester!
Seine Schwester!?
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