Eindrücke
Natur, wuchernd, wachsend, verwesend und weiterwuchernd. Ein betäubender Geruch, schwülstig, nach verwesender Fruchtbarkeit stinkend und Kopfschmerzen verursachend. Alles erwächst aus dem Tod von allem. Eine dünne, lächerliche lebendige Schicht, wie eine Haut, um das verschmähte Innere zu verbergen, über unzähligen Schichten des Todes und der Verwesung, tief herabreichend, bis in das dunkelste Innere. Hohle lächerliche Tarnung... Doch abgerissen an jenem Orte, dem Spiegel ohne Verzerrungen, ohne Schlieren, nur die Wahrheit.
Tod, gewalttätig, grausam, alles entreißend, gnadenlos und ohne Unterschied. Zeichen des Siechtums, der Pest, der langsamen, sich dahinziehenden Verdammnis. Madenzerfressene aufgeblähte Leiber, die Haut spröde und grau, wie altes Pergament. Verborgen unter weihrauchgeschwängerten Worten und Reden, verdeckt von hölzernen Käfigen und begraben unter tonnenschwerer Erde, sich selbst überlassen, unbeobachtet...
Doch ans Tageslicht gebracht an jenem Ort, dem Spiegel ohne Verzerrungen, ohne Schlieren, nur die Wahrheit
Feuer, nützlich, wärmend, lichtspendend, ein gezähmtes Wesen, ein Geschenk. Zerstörerisch, Verwüstung und bloße schwarze Asche hinter sich lassend, kümmerliche Überreste, karge Erinnerungen an das Leben, das Treiben, die Vergangenheit. Züngelnd und zischend und fauchend sich in Fleisch grabend, es verbrennend in höchsten Schmerzen bei lebendigem Leib. Gewaltsam, ungezähmt, wild und unsagbar heiß, nicht aufzuhalten auf seinem zerstörerischen Weg durch Land, Stadt, Tier und Mensch...
Doch sein wahres Wesen offenbarend an jenem Ort, dem Spiegel ohne Verzerrungen, ohne Schlieren, nur die Wahreheit.
Geist, ein großartiges Geschenk. Die Fähigkeit des Denkens, des Planens, des Abschätzens, des Schaffens. Ein Licht in der Dunkelheit, eine flammende, hell leuchtende Fackel des Verstandes und des Verstehens. Aus ihm entspringen Kultur, Verstehen und Schaffen aller verständigen Wesen. Kunst, Musik, Literatur, Mathematik, Philosophie. Doch ein Licht in der Dunkelheit wirft Schatten, lange, verzerrte, huschende Schatten. Angst, Furcht und Grauen entspringen jener Fackeln, huschen über unsere Gedanken und zupfen, ziehen, zerren an jeder Faser unseres Denkens, wie geschickte Lautenspieler entlockt die Angst uns Schreie und Handlungen nach ihrem Willen, nach ihrem Plan. Und wie ein Raubtier grinst uns die Urangst aus den Ecken unseres Verstandes an, lechzend und sich verzehrend. Das Grauen vor dem Sein selbst, vor der Selbsterkenntnis selbst, eine existenzielle Angst, die keinem Tier zueigen ist, keinem Ding, außer uns.
Krieg, ein ehrenvoller Wettstreit der Völker, voller Geschichten und Legenden von Helden, von tapfren Mannen, Legenden voller Mut und Ehre, Tapferkeit und Stolz, Ruhm und Heldentaten. Gülden glänzende Rüstungen und ein heiliger Schimmer auf den blankpolierten Schwertern. Doch... Dreck, Schlamm, Blut, der beissende Geruch von Verwesung und von Angst, Männer, die um ihr Leben kämpfen, dreckig um sich schlagend, kratzend, beissend, alle Ehr’ vergessend, während sie sich unbarmherzig an ihr eigenes Leben krallen. Wut und Hass und Zorn in ihren Gesichtern, als Knochen brechen, Blut fließt, Muskeln durchtrennt werden und Fleisch geschnitten. Pferde wiehern, gehen durch, trampeln durch die Reihen und brechen Fleisch und Knochen der eigenen Mannen, wie auch der Feinde. Das surrende, todbringende und unheilverkündende Geräusch von Pfeilen, die wie Rachevögel durch die Luft schneiden, und sich in das Fleisch von Freund und Feind graben, dort fest mit Widerhacken fest hängen und unsagbaren Schmerz verursachen. Die Festen und jedes Land erschüttert vom Geschrei der kriegerischen Horden, die Sphären aus den Angeln gerissen, Tare selbst überzogen mit den Narben vergangener Schlachten.
Die wahre Bedeutung, sein unverzerrtes Wesen zeigt sich an jenem Ort, jenem Spiegel der Realität.
Wasser, vollkommen rein und klar, eine angenehme kühle Nässe, die die Lippen sachte kitzelt
Wir trinken tagtäglich davon, beiläufig, undankbar und nicht bewusst. Erst in der Not erkennen wir, das Wasser uns am Leben erhält. Dass es Felder gedeihen lässt, bis sich schwere Ähren sachte im Winde wiegen. Der Quell des Lebens, ein wahres Lebenselixier. Ein Geschenk, welches wir nicht erkennen, welches wir annehmen, ohne nachzudenken.
Und ein Irrtum, ein Denkfehler, typisch für naive Geister, die es nicht wagen, ihre Gedanken zuende zu bringen bis zur allerletzten Konsequenz. Ja, wir trinken Wasser, dürsten danach, sind unfähig ohne es zu überleben. Doch nicht Wasser hält uns am Leben, durchdringt uns allheilend. Nein, Wasser wurde zu Blut und Blut wird geschaffen aus Wasser. Ist es nut Blut, das durch unseren Körper pulsiert, das uns am Leben hält? Während wir Wasser verschwenden, damit Dreck und Schmutz von unseren Körpern waschen, es schlichtweg beiläufig anbieten und verschenken, gibt kein Mensch leichtfertig sein Blut. Nicht einmal einen Tropfen, ein harmloses nichts. Wir sind uns den Wert von Blut bewusst, so unschätzbar kostbar erscheint uns unser eigenes Blut. Steigern sich Krieger in einen Rausch, wenn sie das Wasser der Feinde stehlen? Nein, ihr Gemüt wallt auf, wenn sie Blut anderer vergießen, wenn sie sich vollkommen bewusst sind, welch unvorstellbare Macht sie über ihre Feinde besitzen, in dem Moment wo die Klinge sich durch Fleisch und Knochen frisst.
Blut bedeutet leben, bedeutet Heilung, Ist es nicht das Blut, das unsere Wunden verschließt, dass sich wie ein Panzer über unseren schwächlichen Körper legt? Es formt uns täglich neu, fließt durch unsere Adern, allreinigend und allheilend. Blut, nicht Wasser, formt uns, formt unser Fleisch und unseren Körper, bewahrt ihn vor dem Tod, ernährt jede Faser des Seins.