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„Die Gestalt auf der anderen Seite der Gitterstäbe war in einen weiten dunklen Mantel gehüllt, die Krempe des Hutes war tief ins Gesicht gezogen, und kurz konnte ich unter den Kleidern die glänzende Klinge eines Schwertes hervorblitzen sehen. Es war verboten, sich in der Stadt zu bewaffnen – und man tat dies nur, wenn man dem Banner angehörte oder beabsichtigte, etwas Verbotenes zu tun. Oder es bereits getan hatte.
Obwohl alle meine Sinne sich dagegen sträubten und selbst mein Verstand es nicht guthieß, schleppte ich mich nach vor an das Gitter, in der Bemühung, einen Blick zu erhaschen. Ein leises, gurgelndes Lachen war plötzlich zu hören, und ich spürte dessen Kribbeln in meinem Nacken und tief in meinem Herzen. Mit einem Schlage wurde alles um mich noch dunkler, noch trostloser, und eine kalte unsichtbare Faust schien meine Lungen zu umklammern und mir das Atmen zu erschweren.
In diesem Moment hob die Gestalt eine Hand und warf etwas auf den Boden, sodaß es an den Gitterstäben zum Liegen kam. Ich hob meinen Blick an und versuchte, ein Gesicht auszumachen, doch es wollte mir nicht gelingen. Also lag ich weiter auf dem schmutzigen Boden des Prangers, nicht wissend, ob ich eine Frage stellen oder wieder in meine Ecke zurückkriechen sollte.
Wieder erklang das merkwürdige Lachen. ‚Greift ruhig zu!’ erklang in diesem Moment die Stimme, die nicht minder beklemmend war. Mit zittrigen Fingern tastete ich nach dem Paket und zog das Tuch auseinander, in das es eingehüllt war. Zum Vorschein kam ein halber Brotlaib und etwas Wurst. Verwirrt starrte ich auf die Gestalt, die sich noch immer nicht bewegt hatte. ‚Wieso?’ fragte ich mit leiser Stimme, unfähig, etwas anderes zu fragen oder sagen, und vor lauter Furcht erfüllt, es könnte mir wieder weggenommen werden. Ich hatte schon viele Stunden nichts mehr zu essen gehabt und war beinahe verrückt vor Hunger. Vielleicht nicht nur beinahe, schoß es mir dann durch den Kopf.
Erneut dieses gurgelnde Lachen. ‚Noch einen angenehmen Zyklus.’ Der Mantel schwang, als sich die Gestalt umwandte. ‚Wie... wie kann ich Euch bloß danken?’ stammelte ich und zog hastig das Essen durch die Gitterstäbe hindurch und an mich. ‚Keine Sorge, wir werden uns wiedersehen, dann könnt ihr mir euren Dank erweisen.’ Die Gestalt lachte leise. ‚Nehmt es einfach als Gruß von Angamon!’
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Der Ork wartete nicht Alienors Zustimmung ab, sondern schleppte sie einfach mit sich in die Nähe des Lagerfeuers, das im leichten Wind unruhig flackerte und so nur schemenhaft die übrige Umgebung preisgab. Von einem Orkenlager war nicht mehr viel übrig, außer einigen langsam verwesenden Tierkadavern, anderen Essensreste und eingetrockneten Blutflecken am Boden. Und einem unbeschreiblichen Geruch, der Alienor empört keuchen ließ. Hinter sich hörte sie die hastigen Schritte Rodas´, der nach einem Moment des Schreckens gefolgt war.
„Zöhne Gezichtäh, thu höhrän!“ polterte der Ork fröhlich, und bei seinen Worten schoß etwas Spucke in Alienors Richtung. Angeekelt wischte sie sich heftig mit dem Ärmel über ihr Gesicht und starrte ihn empört an. Doch der Ork kicherte nur heiser. Rodas sprang an Alienors Seite und zog sie schützend an sich. Sie blickte zu ihm auf und flüsterte leise: „Ich glaube nicht, daß er uns etwas tun will. Er ist wohl einsam.“ Mitleidig blickte sie über die trostlosen Überreste eines ehemaligen Orkenlagers. Und war er noch so unansehnlich und stank er noch so sehr, sie empfand dennoch Mitleid mit einem Wesen, das von allen anderen zurückgelassen worden war. Rodas’ Blick war skeptisch, aber er widersprach ihr nicht.
„Zetzhähn, aphär thalli thalli!“ Der Ork deutete mit seiner Pranke auf den Baumstamm, der vor dem Lagerfeuer lag. Rodas runzelte ob des bestimmten Befehls die Stirn, doch Alienor ließ sich gefolgsam vor dem Feuer nieder. „Komm, Rodas, wir müssen ohnehin warten, bis jemand von der Feste wieder da ist. Da können wir genauso gut seine Geschichte anhören.“ Rodas verdrehte die Augen, setzte sich aber dennoch neben Alienor auf den Baumstamm.
Der Ork verzog sein Gesicht zu einem breiten Grinsen, wobei es schwer war, zwischen einem Grinsen und einer Grimasse zu unterscheiden. Er fuhr mit seinen Pranken zwischen Alienor und Rodas und schob die beiden auseinander, sodaß er seinen massigen Körper genau zwischen sie plazieren konnte. Rasch rückten beide noch etwas weiter von ihm ab, als sie des Geruchs gewahr wurden, der von ihm ausströmte.
"Oarghli erzählenz iähtzt ainäh zöhnäh Gezikthä! Hättänz fatzt ainäh raichäh Pimphimänz gehairatät!" Sein lautes Lachen polterte durch die Dunkelheit und ließ Alienor zusammenzucken. "Apähr wähä iahr höränz noargh zuh!"
"Aber dann bitte in einer Sprache, die wir etwas besser verstehen", murmelte Rodas mit einem genervten Unterton.
Der Ork schenkte ihm einen grimmigen Blick. "Dann ich halt sprechen eure merkwürdigen Wörter", antwortete er mit einem Knurren.
[OOC1: Jap, spät kam dieser Teil. Aber besser spät, als nie.
OOC2: Die Geschichte des Orken ganz in Orkisch überstehe weder ich, noch alle, die´s lesen - also wird mein Ork gebrochenes Deutsch sprechen. Vergebt mir diesen Fauxpas!

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