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Der Mond erhob sich ein letztes mal an diesem Tage um den letzten Dunkelzyklus mit spärlichem Licht zu versehen. Die meisten Personen schliefen schon wie es sich für einen züchtigen Bürger gehört. Die meisten - nichtaber alle.
Vom Pass aus in Richtung Brandenstein sieht man eine kleine Gruppe von drei Reittieren und einem Fussgänger sich den Weg hinab gen Kreuzung bahnen. Zwei der Reiter sitzen aufrecht, der dritte, so man ihn einen Reiter nennen möchte, liegt quer über dem Rücken des dritten Reittiers welches von jenem zu Fuss geführt wird. An den letzten Bäumen vor der Kreuzung machen sie halt und kurz darauf gibt es ein dumpfes Geräusch - der Liegende befindet sich auf dem Boden zu Füssen des Fussgängers. Seltsam und sichtlich ungesund verdreht liegt der Mann zu Boden. Mit leisem Kettenrascheln greift die Person, welchen ihn wohl von dem Rücken befördert hat nach seiner Hand und schleift ihn einige Schritte auf die Mitte des Weges. Dort angekommen wendet er den Mann mit dem gesicht hinauf und lässt dann ab von ihm.
Das fahle Mondlicht erhellt die Szenerie etwas, die Rüstung des Mannes am Boden schimmert an einigen Stellen noch auf. Im Vergleich zu diesem Glanz scheint jeder Ausdruck aus dem Gesicht des Mannes gewichen, bleich die Haut und leer seine Augen.
In seeliger Ruhe entfaltet der stehende neben dem Mann ein Papier und streicht es etwas glatt. Indess ist einer der anderen Reiter dabei mit nur leisem Scheppern einen Schild sowie eine blutige Klinge neben dem Mann abzulegen. Nachdem er den Zettel noch einen Augenblick betrachtet hat legt er diesen auf der Brust des Mannes am Boden ab, dabei leicht gehockt greift er mit der Rechten nach dem blutigen Schwert neben dem Körper, richtet sich auf und wendet die Klinge nach unten.
Mit den Worten:
"Der Herr möge deine gerechte Strafe sprechen!"
fährt die Klinge durch das Zentrum des Papiers in den Brustkorb des Mannes. Ketten brechen und durch die Kraft getrieben schneidet sich die scharfe Klinge durch das Fleisch des Mannes bis noch eine Handbreit in den Erboden. Völlig Emotionlos scheinen die Umstehenden dieses zu verfolgen und auch der Schwertführer scheint jenes recht gelassen hinzunehmen. Die Hand wandert vom Schwerte gen des Schildes welches er aufstellt und an die Klinge lehnt. Danach richtet er sich wieder auf und nickt den beiden anderen zu. Schweigend sitzen sie auf und folgen dem Mann welcher sein Pferd fortführt, gen Pass und in die Dunkelheit der Nacht.
Etwas später in der Nacht, so trug es sich wohl zu, ist der Mann gefunden worden. Die Klinge im Leib und den Schild zu seiner Seite aufgebahrt. Der Schrieb auf seiner Brust wohl schon leicht vom Blut jener Brustwunde vollgesogen dennoch mag man die eher gemalten Zeichen auf ihm noch lesen können.
"Für seinen Verrat, an seinen Brudern und Schwestern im Glauben, an den Wahrhaftigen Herren, Angamon, fand Xavier Radwulf den Tod."
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