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Ruhig und besonnen waren ihre Augen die Zeilen des offenen briefes abgefahren, den sie überraschend im Hinterraum der Kapelle vorgefunden hatte. Erst überlegte sie, ob sie antworten sollte. Sie wusste, dass er erwarten würde, dass gerade sie es tut. 'Nun', dachte sie, 'könnte ich ja, weil ich erwarte dass er erwartet, dass ich antworte ...' sie stockte, der Gedankengang wurde ihr zu kompliziert, aber sie wusste ja, was sie selber meinte. Und sie fand es albern... nein nicht albern... feige der Erwartung auszuweichen.
So antwortete sie und legte ihren Schrieb neben den Brief. Was sie geschrieben hatte war bewusst an seine Zeilen angelehnt gewesen. Er sollte den Widerspruch verstehen. Da er ohnehin überall Widerspruchvermutete, so ihr Gedanke, würde er ihn auch hier vertragen.
Eine Weile später stand die aufrechte junge Frau an den Klippen Brandensteins. Hinter ihr lag ruhig der Schrein des Herrn. Zwischen seinen Säulen wisperte leise der laue, heisse Seewind. Zur linken sah man den Turm der Magier auf seiner Insel. Er lag ruhig dort, ruhig in der flirrenden Hitze, die von den felagewärmten Dachpfannen aufstiegen. Der Frieden, von dem Celina gesprichen hatte, war da. Es war Frieden, und das nur, weil den Frieden jemand verteidigt hatte, der nicht alles durch ein vitamarotes Leseglas sah. Die junge Frau fuhr sich in einer angewohnten, hunderte male ausgeführten Bewegung durchs Gesicht, um eine blutverkrusteteSträhne des glatten blonden Haares hinter ihr Ohr zu streiche. Ihre Hand klebte vor Nässe von Luft und Haut. Sie stockte und fuhr sich über den Hals und weiter hinab; sie spürte, wie die Schicht Schweiss und Luftfeuchtigkeit vor ihrer Hand floh und ihr das warme Nass zwischen die Brust und unter den Panzer ran.
Es war garnicht so friedlich, dämmerte ihr. Es drohte schon wieder Gefahr. Sie wendete sich um, die heissen Beine in den schweren Panzerhosen schienen unwillig in der Hitze.
'Wann nur' dachte sie, während ihre angewohnt festen und entschlossenen Schritte das Gras an den Klippen niederdrückten, 'wann nur werden sie verstehen, dass Frieden den Kampf braucht, um erhalten zu werden. Und wann nur werden sie lernen, dass Aufrichtigkeit kein Hochmut ist, sondern Selbsterniedrigung vor Weltlichem nur feiges Kriechen und damit der Weg in Niederlage und Verdammnis.' Ihre Gedanken gingen in ein mürrisches seufzendes Murmeln über.
"Er hat es noch immer nicht verstanden...."
Zuletzt geändert von Dracona: 27.04.05, 21:12, insgesamt 1-mal geändert.
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