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 Betreff des Beitrags: Die Hafenmeisterei
BeitragVerfasst: 2.05.05, 18:43 
Altratler
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*Dunkelheit liegt über den Dächern und Strassen der Stadt Brandenstein. Wie eigentlich zu jedem Ende eines späten Dunkelzyklus halten sich hier und da nur einzelne Menschen in den Gassen auf, kommen aus dem Schatten, nur um wieder darin zu verschwinden.

Ebenso unscheinbar wie alle anderen, hebt sich kurz eine etwas größere Gestalt am Rande des Marktes aus dem Schatten, den Kopf leicht unter den dünn geflochtenen Zöpfen gesenkt. Ein kurzer, abweisender Blick wendet sich den wenigen Passanten an den schwach beleuchteten Ständen zu, ehe er wieder im Dunkel abtaucht und nur noch einen schnell verfliegenden mürben Geruch hinterläßt.

Wenig später werden die schwitzigen Züge des Mannes von den Hafenlaternen beleuchtet. Angespannt scheint der Blick, ebenso wie die Schritte, die ihn langsam auf das kleine Haus der Hafenmeisterei zutragen.
Von einem dumpfen Seufzen begleitet setzt sich der unschwer als Nordmann auszumachende auf eine der Kisten direkt vor dem Haus. Immer wieder wischt er Schweissfäden von den Wangen, als würde ihm selbst das Sitzen im schattigen Dunkel die letzte Feuchtigkeit entziehen.

Einige Passanten kreuzen wortlos den Weg direkt am Ring, ohne Aufmerksamkeit geschenkt zu bekommen oder zu geben - lassen ihn keine Miene oder Sehne verziehen. Erst, als die Tür der Hafenmeisterei schließt, scheint wieder Bewegung in seinen müden Körper zu kommen und unter einem Knarren der Kiste hebt er diesen schwerfällig und quälend nach oben den ersten aufkommenden Sonnenstrahlen entgegen. Quietschend wird die Tür von Innen aufgezogen und verkeilt, um etwas der trockenen Luft auch in den dahinter liegenden Raum zu lassen.

Recht erstaunt blinzelnd schauen die Augen des Mannes, der dahinter zum Vorschein kommt, aus dem Inneren am Nortraven auf, ehe sie ein schmales, aber freundliches Lächeln aufzeigen.*


"Thaliya, Herr Sorenson, so früh schon hier ? Was kann man denn für Euch tun ?"
"Aye, dej Ehr di, ik möcht nur wissen, wann dat nächste Schiff gen Norland, nach Dornwald, usläuft ..."


*Ruhig beobachtend liegt der feuchte, ernste Blick eine Weile auf den elfischen Zügen, bevor diese sich mit einem schmalen Wink in den schattenspendenden Raum hinein abwenden.*

"Kommt herein in den Schatten, ich werde im Schiffsbuch nachsehen ..."

*Die nüchternen Augen schweifen noch einmal kurz und prüfend nach hinten auf den leeren Steg. Dann beugt sich der Kopf unter der Türkante hinweg, einige Schweissperlen verlieren sich aus den untersten Bartspitzen direkt über der Türschwelle und die knapp unter zwei Schritt kleine Gestalt verschwindet aus der elenden Hitze. Aus dem düsteren Innenraum hört man nur kurz und leise, aber wesentlich entspannter*

"Mach aver schnell, ik hab gleich noch en Jagdprüfung, ouch wenn hver Gaurr wahrscheinlich eh wieder nej uftaucht ..."


Zuletzt geändert von Gilfjur: 2.05.05, 18:46, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Die Hafenmeisterei (2)
BeitragVerfasst: 5.05.05, 13:55 
Altratler
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*Feste Stiefel unter den Füssen statt der Sandalen. Das Götter ließen es wieder zu, schenkten der Insel endlich wieder einige kühle Tage durch ihren Wind und ihr Wasser. Endlich wieder kalten Schlamm unter den Füssen und angenehmen Regen in den Blättern im Wald, durch den er sich der Hafenstadt näherte. Wundern tat es ihn recht wenig. Beide Götter hatten eine Weile ihre Elemente zurückgehalten und die Insel einer Prüfung unterzogen - da interessierte es ihn ebenso wenig, was mancher in der Stadt in Suff oder Hitzschlag an Spinnereien verbreitete.*

*Er schüttelte nur unbewußt den Kopf, drückte einige der letzten Zweige beiseite, die ihm den freien Blick auf den entfernten Torgang versperrten. Es war nur ein Augenblick, in dem seine Gedanken von der leicht fließenden Boe der vergangenen Tage umschlugen und in Windstille verstummten. Erst das leise Rascheln im Unterholz neben sich zog seine Aufmerksamkeit nach einigen langen Momenten wieder aus der Tiefe.*


"Na, ihr beden ..."

*Ein ruhiges Lächeln überzog seine frisch verschrammten Mundwinkel. Sein Blick traf sich mit den tiefbraunen Augen der beiden hellen, ausgewachsenen Tiere, ehe diese friedlich an seine Seite traten und ihre Blicke dann ebenso aufmerksam nach vorn zu den Mauern der Stadt hinüberwarfen. Von beiden Hunden gefolgt trug es ihn recht gemächlich durch das Tor, die dahinterliegenden Gassen und gepflasterten Straßen, bis zum Haus der Hafenmeisterei. Die eisenbeschlagene Tür stand weit geöffnet, ehe sie von einigen dumpfen Faustschlägen leicht gerüttelt wurde.*

"Dej Ehr, set ener hiyr ?"

*Er ließ den Blick durch den recht abgedunkelten Raum wandern über die Schemen der Stühle, riesigen Kisten und Säcke, als der größere der beiden Hunde an seiner Seite eine Bewegung zur Rechten laut und durchdringend anzukläffen begann.*

"Thaliya, Herr Sorenson ... würdet ihr bitte eure Hunde vor der Tür lassen ? Euer Schiff hat vor einigen Zyklen angelegt und wird am morgigen Tag wieder auslaufen, zum 7. Zyklus."

*Noch ruhig vor der offenen Türe stehend, begutachtete der hochgewachsene Mann die einzelnen am Steg angetauten Schiffe.*

"Welches davon soll et denn sein ?"
"Das am Weststeg, ein gutes Schiff, und es hat noch Platz für Euch und ... für Eure Tiere wohl auch ... sofern es nur die beiden sind ..."

*Mit einem schmalen Schmunzeln auf den Lippen, den Kopf wieder einmal vor der oberen Kante absenkend, trat er dann über die Schwelle in den dunklen Raum. Seine Augen versuchten sich langsam an das Dunkel zu gewöhnen und die Gestalt im Raum auszumachen.*

"Dat set ken Drachenschiff, da bezweifel ik, dat sich dat noch lang über Wasser halten wird ..."
"Oh, das tut es schon sehr lang, da braucht Ihr Euch nicht zu sorgen, es wird Euch sicher nach Dornw..",
"Wann kommt dat nächste Schiff von ure Bauart nach Dornwald hiyr an ?"
"... ich sehe gleich nach, wartet bitte einen Moment"

*Ruhig sah er dem leise seufzenden Elfen hinter dem Tisch beim Blättern zu. Wenn er gewußt hätte, dass der Elf selbst im Dunkel das genießerische Schmunzeln auf seinen Zügen hätte erkennen können, hätte er es vielleicht nicht gezeigt. Aber es war ihm auch so egal, er hatte noch viel Zeit und so ließ er den zufriedenen Blick gemächlich wieder zu den beiden Hunden an seinen Stiefeln absinken.*


Zuletzt geändert von Gilfjur: 5.05.05, 14:21, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 11.05.05, 11:38 
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*Die ersten Sonnenstrahlen fielen auf den Steg, als die Taue des Drachenschiffs losgemacht wurden. Die Mannschaft bestand nur aus Nortraven, Seemännern und Arbeitern, die geschäftig dabei waren, das Boot schnell vom Pier zu bringen. Er selbst hockte dagegen als einer von etwa einer Hand voll Passagieren am Ende des langen Schiffes und sah zurück zu den Kaimauern. Mit leerem Blick sah er die Marktgasse entlang, völlig leergefegt von jeglichem Anzeichen der Belebung. "Irgendetwas passt hier nicht", kam es ihm unweigerlich in seine Gedanken, die er aber gleich wieder verdrängte, um sich gewahr zu werden, was hier nicht stimmte.

Nur einen klaren Gedanken daran konnte er nicht fassen - es fehlte etwas, etwas wichtiges. Jedes der Gebäude, jedes Fenster am Hafen betrachtete er eindringlich, einfach aus dem Zwang heraus diesen dünnen Gedankenzipfel zu greifen und an ihm zu zerren. Doch nichts war, die Gebäude lagen dort wie eh und je, ein paar Fahnen flatterten hier und da, es war still. Selbst Eydis Wind wehte kein bisschen, als das Schiff langsam ablegte. Die Segel blähten sich allmählich auf und drückten das lange Schiff geräuschlos ab in Richtung der offenen See. Dass trotz der Windstille selbst Banner flatterten und das Schiff ohne Muskelkraft sich löste, schien ihm selbsterklärend.*

*Irgendetwas stach ihn immer noch wie eine lautlose, aber lästige Mücke in seinen Gedanken, die sich langsam wieder der völligen Leere und Stille näherten. Er hatte nichts bei sich, keine Ausrüstung, keinerlei Erinnerungen, nur die tiefe Zufriedenheit, dass er nun auf dem ersehnten Drachenschiff saß, das ihn zurückbringen würde. Zurück in die tiefen Dornwälder, die Ruhe und Zeitlosigkeit am Platz seiner Ahnen.

Wie immer in diesen Momenten wandte sich sein Blick auf sein rechtes Handgelenk, die kleine Tätowierung aus Blatt und Hirschkopf, die sich dort am Innenarm abzeichnete. Das darüber liegende Holzarmband schob er ein wenig nur zur Seite, rieb mit einem Finger über die auf der Haut eingestochenen Konturen. Das Holzarmband, die kleinen Figuren darin, sie brachten ihn unbewußt zum Lächeln. In diesem Moment drehten sich die eingeschnitzten Tiere im Kreis, streckten ihre Glieder im Holz aus, das sich unter unsichtbarem Druck verformte. Das Muster zog das dünne Holz um sein Handgelenk zusammen. Unruhig und erschrocken von dem, was seine Augen ihm vorspielten, drückte er sich die Finger über die geschlossenen Lider und rieb sie kräftig.

Als der Zug in seiner Hand nachließ, hob er sie wieder an und betrachtete seinen ausgestreckten Arm, der zur Stadt angehoben war. Das Band und die Figuren darauf waren wieder ein dünnes, regloses Stück Holz, das um sein Handgelenk gelegt war. Er schüttelte den Kopf von diesem Hirngespinst noch ab, als ihm am langsam davon rollenden Pier die Schemen zweier Menschen und zweier Hunde auffielen, die nun dort standen.*

*Auf die Entfernung hin konnte er die Gesichter nicht erkennen, doch er war sich sicher, um wen es sich handelte. Die langen, hellgrauen, nach hinten gebundenen Haare des stämmigen Mannes mit der dicken Schnalle am Gurt, seine Haltung - und die langen, wallenden, schwarzen Haare der Frau neben ihm ließen ihn hektisch aufschrecken und nach hinten an die Reling stürmen. Er versuchte gar nicht erst, die vier zusammenstehenden Gestalten auf dem Pier genauer zu erkennen, sondern sprang einfach. Vom verlassenen Schiff aus stürzte er vornüber hinab und schlug hart auf die dicke Eisschicht auf, die das Heck umzog.

Benommen von dem überraschenden Aufprall auf das harte Eis sah er hinüber zum Steg, der sich nun wieder zu nähern schien. Mit der Zeit erst wurde ihm klar, dass er selbst auf allen Vieren Spann für Spann auf der Eisschicht krabbelte, um wieder zurück zum Pier zu gelangen. Die Hände schrammten sich auf den eisigen Kanten auf, schienen mit jedem Griff fester am Eis zu haften und sich immer schwerer zu lösen, bis sie schließlich festfroren.*

*Panisch hob sich sein Blick zu den hölzernen Stegen an, um die Gesichter zu erkennen, als die Eisschicht unter ihm nachgab. Das eisige Wasser umschlang ihn wie mit kräftigen Pranken an den Beinen, riss die im Eis eingekrallten Finger mühelos heraus und zog seinen Körper erbarmungslos hinab in die Tiefe.

Sein eigener dumpfer, abgehackter Schrei klang noch in seinen Ohren nach, ehe er sich bewußt wurde, dass er mit weit aufgerissenen Augen und von Schweißfäden nassem Oberkörper senkrecht im Bett saß.*


Zuletzt geändert von Gilfjur: 11.05.05, 11:48, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 11.05.05, 19:00 
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*Das Schiff legte nach einer Weile ab. Nun stand er allein am Ende des Steges, den Blick auf das Meer gerichtet und sah den Segeln nach, die Stück für Stück kleiner wurden. Die Kleidung, die er trug, war ungewöhnlich für ihn selbst, wahrscheinlich hätte ihn niemand so, wie er dort nun mit dem Rücken zu den Mauern gekehrt stand, wiedererkannt. Den Kilt, zwar nach nortravischem Vorbild geschneidert, jedoch mit einige unüblichen Verzierungen und versetzten Nähten versehen, trug er eigentlich nie - außer zu besonderen Anlässen, von denen dieser wohl einer war.

Eben noch hatte er sich mit einem landsmännischen Händler des Drachenschiffes unterhalten und ihm die kleine Schatulle mitgegeben, als Sendung nach Dornwald. Aus gutem Holz gearbeitet, aber unverziert, nur einen Spann lang und wenige Finger breit wie hoch, befand sie sich nun an Bord des Schiffes, das gerade am Horizont verschwand. Er hoffte, dass die Götter dem Schiff Wind und Wellen gaben, um es sicher nach Dornwald zu geleiten. Er hatte dafür am Schrein gebetet, nun lag es in ihren Händen, ob sie ihm seinen Wunsch erfüllten oder das Boot und seine Bitte mit Sturm überkamen. Er konnte nur weiter hoffen, dass der Händler in ein paar Wochen wieder hier am Steg erschien und seinen Lohn für die Rücksendung abverlangen würde, die er sich erhoffte.

In diesem Moment verschwand die kleine Kiste mit dem Schiff aus seinem Blickfeld. In ihrem Inneren nur ein kleines, geschnürtes Paket*, zwei verknitterte Zettel, die um einen schmalen, eckigen Runenstein gebunden waren. Die Schrift auf ihnen mit deutlichen keilartigen Strichen der nortravischen Runenschrift.*


*[ooc: die benutzte Schrift wird so nicht IG benutzt, sondern soll nur der Geschichte hier dienen, für alle Rätselmüden gibt es bald eine Übersetzung hier]


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BeitragVerfasst: 5.06.05, 12:12 
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Es ist fertig. Wieder war es fertig - naja, mal sehen. Er griff nach dem Amulett und drehte es in der Hand, ließ die Fingerkuppen über die feine Gravur im Holz streichen. Mhm, besser, aber gut? Unter den mehrlagigen Fellschichten um Schultern und Hüften achzte er sich vom Stamm hoch und trat am Mann vor sich vorbei, wieder den Spuren einige Schritt zum Waldrand nachfolgend - wieder mal. Die Stiefel hatten im kniehohen Schnee schon einen breiten Pfad gebildet. Er mußte gezwungen grinsen, als ob jemand diese Schneise als Spuren bezeichnen würde, naja. Früher hatten die Kinder hier gespielt auf der kleinen Lichtung, nun war sie leer und leblos. Nur noch die Tiere waren hier, die Hütte einige dutzend Schritt entfernt. Aber mal sehen - wie zuvor sackte er an zwei tiefen Eindrücken am Waldrand vor einem alten Baum nieder, die Unterschenkel füllten die Kuhlen passend aus. Die beiden Runensteine waren schon wieder ein wenig zugeweht vom fallenden Schnee. Sie waren kalt. Am Boden vor ihnen ein zerbrochenes Amulett, säuberlich ausgelegt. Aye, die Hütte. auch schon seit zwei Jahren verlassen, eigentlich seit vieren. Und das Amulett. Aye, die Kopie war besser diesmal, dem Original fast zu ähnlich - nur ob das gut war?

Bild

Es würde anders gespalten werden, ein anderer Bruch - zwei andere Häupter unter Eydis Augen und Händen. Aye, es war gut.

Die beiden alten Hälften legte mit dem kleinen eckigen Runenstein dazu wieder in die kleine Kiste und vergrub diese an ihrem Platz zwischen den beiden Steinen. Für den Jungen hatte er eine neue. Der Gestank daraus hätte ihm beim Öffnen vor einigen Tagen fast die Tränen in die Augen getrieben, beim Lesen der Botschaft war das dann eh geschehen - allerdings vor Lachen. Hm. Er musste wirklich mal wieder nach Siebenwind, um sich mit eigenen Augen davon zu überzeugen. Es war noch ein Weg zurück nach Dornwald.


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BeitragVerfasst: 14.07.05, 15:01 
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Noch eine ganze Zeit lang blieb er wach, konnte und wollte auch nicht schlafen.Immer wieder führte er seine Finger behutsam durch ihr Haar und an ihren Wangen entlang. Sie hatte so sehr geweint, war weggelaufen vor Scham und vor ihm selbst. Nachgeritten war er ihr, ob es einfach nur Intuition war oder die unter ihm vorbeigezogenen tiefen Einschläge der Hufen, beides führte ihn schnell zu ihr. Allein an dem Ort, wo sie einst so lange so still einfach nur friedlich gesessen hatten, einem ihrer beider Lieblingsorte, weitab von der dicken Luft der Städte und Menschen. "Ich habe Dich enttäuscht," sie schluchzte nur leise. Sie hatte ihnen beiden das Messer durch ihr Unwissen ins Fleisch gedrückt, aber er selbst hätte es sicher aufhalten können, und dafür, dass er es nicht getan hatte, gab er sich die Schuld. "Ich verzeihe Dir," auch wenn die Wunde verheilen musste, ihre Tränen brannten wie Salz darauf, "ich werde dir die Geschichte noch einmal erzählen, wenn du magst". Und so hatte er von den Seerosen erzählt, wie die Götter ihren Weg wie die der Geschöpfe lenkten, von der Bedeutung der Bäume und Tiere und den drei Säulen, derer sie sich nun beweisen musste. Spät erst waren sie zurück und sie war schnell eingeschlafen, mit einem sanften, erschöpften Lächeln um die Lippen und die feuchten Augen. Er würde ihr helfen, diese Prüfung zu bestehen, ohne diese zu seiner eigenen zu machen. Eine misslungene Prüfung lehrt jedem, es beim nächsten Male besser zu machen und sich nun erst recht zu beweisen. Auch wenn er diesen Satz bei jeder zweiten Jagdprüfung nutzte, besaß es heute doch eine ganz andere Bedeutung. Sein Blick wandte sich langsam dem Tisch zu, auf dem die kleine Kiste stand. Sie hatte sich so gefreut, als sie die Schatulle vor einigen Tagen in ihren von der täglichen Arbeit am Holz angerauhten Händen gehalten und geöffnete hatte und der strenge Duft der Tannennadeln in ihrer Nase kitzelte.


"Das sdinkd nach Baum. Was da wohl drin isd?" "Du sollst da nich dran riechen, du sollst das Ding nur wegbringen, Mann. Such einen Boten in Brandenstein und gib das Ding auf." "Einen Boden, dha, isd gud. Und dann komme ich schnell zurück, um das Deck ganz glidzernd zu pudzen."

Mit einem fröhlichen Strahlen im Gesicht und flinken Bewegungen war er auch schon von Deck gesprungen und auf dem Weg in die Stadt. Gleich im ersten Gebäude zur Linken schien reges Treiben, die eine Hälfte der schweren Eisentür stand leicht auf, sodass der gleichmäßige Pegel des geschäftigen Handelns und Feilschens bereits auf die Straße drang. Drinnen musste man sich wohl anstellen, zwei Tresen waren im Innenraum nur besetzt und dafür so viele Leute, dabei hatte er es doch so eilig! Da, da wurde ein Tresen für ihn frei, der weiße Heilermann hatte wohl vergessen, was er wollte.
"Dhaliya, ich suche einen Boden!", die Gelegenheit ließ er sich nicht nehmen. "Ehm ... ich glaube, wir verkaufen keine Böden, da solltet Ihr Euch vielleicht an einen Schreiner wenden," die hellblaue Robenfrau war aber lustig. "Einen Schreiner? Nein, einen Boden, einen Boden! Ich muss ein Paked absedzen! Und viel Zeid hab ich nichd, ich muss noch den Boden an Deck schrubbern und pudzen!" "Den ...? Nun, wenn Ihr einen BoTen meint ..." "Dha, dha, einen BoDen, genau!" "... hinter Euch die Dame gehört zu den Brandensteiner Reitern, vielleicht fragt Ihr die mal." Dem Deut nachschauend nahm er direkt am zweiten Tresen hinter sich die buntgekleidete Frau mit dem komischen Hut nun genauer in Augenschein. Sie war wohl gerade mit ihrem Geschäft fertig, das war aber sehr trefflich! "Auf bald, ich geh dann jetzt den Deros suchen!" Nein, er musste doch noch zuerst ... "Nein, nein!" Wenigstens zog er so die Aufmerksamkeit der Frau im Abwenden doch gerade noch auf sich. "Doch, doch" "Nein, nein, ich brauche einen Boden!" "Ich habe einen ganz tollen Boden, direkt unter meinen Füßen!" Oh, die bunte Frau war noch lustiger als die hellblaue. "Einen ganz dollen Boden? Nein, aber nichd so einen Boden, sondern einen Boden! Zum Paked einschicken!" "Oh, dann brauchst Du ein Schiff!" "Nein, nein, ich komme doch vom Schiff! Und das Paked doch auch!" "Dann brauchst du einen Boten!" "Dha, das sage ich doch! Einen Boden!" Einige Male nickte er eifrig, auch wenn er irgendwie nicht wirklich ein Stück vorangekommen war. "Da bist du bei mir ganz fein richtig! Was ist das denn für ein Paket und für wen?" Recht flink zeigte er das kleine Kistchen mit dem Botenzettel darauf aus seinem Beutel nach vorn. "Ein Paked für Gifur Soresan, oder so ..." "Oh, den kenn ich! Der ist von der Gloria in Südfall!" Sie kannte den Herrn Soresan, das war gut! Dann konnte er gleich wieder Schrubbern gehn an Bord! "Aber das kostet dich zwei Kuchen!" Das war nun gar nicht mehr gut. "Aber ich habe keinen Kuchen!" "Das ist nun gar nicht so gut ..." "Nein, das isd nichd gud." Seine Taschen waren auch ganz leer, den Hosenstoff zog er ein wenig nach außen. "Da muss ich den Kapidän fragen, was er sagd! Der kann vielleichd Fischmünzen geben ..." "Gut, dann einen Haufen schöner Fischmünzen!" Rasch lief er wieder zum Hafen zum Kutter hin, besorgte einen Haufen der fischigen Münzen aus einem der Laderäume und war ganz schnell wieder bei der bunten Frau. "Hier! Ein Haufen Fischmünzen, sind die gud?" "Oh, ja, fein fein, dann gib mir mal das Päckchen und ich mach mich gleich auf den Weg!" "Das ist gud! Aber ersd brauche ich noch eine Underschrifd auf dem Besdellbladd, damid der Kapidän weiss, wer das Paked gelieferd had! Brauchsd du einen Sdifd?" Schnell hatte die bunte Frau seinen Zettel bemalt, mit einem

Morgn *und einem kleinen Hut daneben* :smoke2:

Das Kistchen hatte sie auch, so konnte er jetzt endlich dem Kapidän sein Deck schrubbern!


Zuletzt geändert von Gilfjur: 14.07.05, 16:41, insgesamt 1-mal geändert.

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