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 Betreff des Beitrags: Weg der Erkenntnis
BeitragVerfasst: 26.04.05, 21:11 
Altratler
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Nach der Bekanntgabe des Prätors verlies er die Bibliothek und machte sich auf den Weg zum Hospiz. Das Hospiz, dass er schon so gut kannte und in dem er einen Großteil seiner Zeit auf Siebenwind verbracht hatte. Doch nicht lange hielt es ihn dort - er war unruhig.

So verließ er kurz darauf wieder das Hospiz und wanderte durch Brandenstein. Beinahe zielstrebig und doch unterbewusst lenkte es ihn zu seinem Lieblingsplatz, der Küste gleich Südwestlich des Bellumschreins. Dort zog er seine Sandalen aus und setzte sich in das Gras. Sein Blick glitt hinaus auf das Wasser.

Er musste zurückdenken an das, was er gelernt hatte und an den Brief, den er vor einigen Monden zum Festland geschickt hatte. Die Hitze schien ihm dabei nichts auszumachen.

Plötzlich kamen ihm Worte in den Sinn und ohne lange darüber nachzudenken sprach er sie aus:

Gekommen vom Meer,
gestorben unter dem Einen,
getragen in den Lüften,
wiedergeboren um zu Dienen.


Darauf zeichnete sich ein leichtes Lächeln auf seinen Lippen ab.

Dienen.

Das war es, wozu er geschaffen war. Das war es, was ihm die Mutter auferlegt hatte. Sein Leben.

Sein Blick richtete sich wieder nach draußen und beobachtete das Spiel der Wellen. Er hätte diesen Schritt schon vor langer Zeit tun sollen, dass wurde ihm nun klar. Seine Frau würde ihn verstehen.

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Benion - vita et amor - Pater Brown Verschnitt, Häretiker und Lord der Vitamith - Geburtshelfer: 8 mal - Ehejahre-Rekordhalter
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BeitragVerfasst: 27.04.05, 19:03 
Altratler
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Seufzend trat er die Treppe im Hinterzimmer der Kapelle hinab. Celina hatte wie zu erwarten war seine Entscheidung nicht verstanden. Sie hatte nicht verstanden, dass er das ewige Ränkespiel in der Kirche leid war. Sie hatte auch nicht verstanden, dass er sich die Schuld an der Schwäche des Vitamaordens gab. Er war einfach nicht zum Politiker gemacht, denn dazu musste man Lügen und aufpassen was man wem gegenüber sagte. Nein, er wollte Dienen. Der Mutter dienen indem er ihren Kindern half. Das war es, was die anderen Orden übersahen und was sie falsch machten. Sie wandelten auf ihren hohen Wolken und blickten hochnäßig auf das Volk hinab. Doch sie hatten den wichtigsten Grundsatz vergessen: Wir sind Diener. Doch wann hatte er das letzte Mal einen von ihnen Dienen gesehen? Hatte er das überhaupt jemals?
Nein, er konnte seinen "Brüdern und Schwestern" nicht länger ins Gesicht schauen. Mit der Weihe bekommt man nicht mehr Verstand... nein, eher weniger und der Hochmut wächst.

Kurz viel beim Vorrübergehen sein Blick auf den Zettel Irianas, den sie neben seine Thesen geheftet hatte. Er konnte sich ein vergnügtes Schmunzeln nicht verkneifen, hatte sie doch genau so gehandelt wie erwartet... und so wenig verstanden.

Er hatte es satt, dass sich andere den Lorbeerkranz aufsetzten für Arbeit, die sie nicht taten.

Nachdenklich verlies er die Kapelle.

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BeitragVerfasst: 27.04.05, 21:10 
Ehrenbürger
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Ruhig und besonnen waren ihre Augen die Zeilen des offenen briefes abgefahren, den sie überraschend im Hinterraum der Kapelle vorgefunden hatte. Erst überlegte sie, ob sie antworten sollte. Sie wusste, dass er erwarten würde, dass gerade sie es tut. 'Nun', dachte sie, 'könnte ich ja, weil ich erwarte dass er erwartet, dass ich antworte ...' sie stockte, der Gedankengang wurde ihr zu kompliziert, aber sie wusste ja, was sie selber meinte. Und sie fand es albern... nein nicht albern... feige der Erwartung auszuweichen.

So antwortete sie und legte ihren Schrieb neben den Brief. Was sie geschrieben hatte war bewusst an seine Zeilen angelehnt gewesen. Er sollte den Widerspruch verstehen. Da er ohnehin überall Widerspruchvermutete, so ihr Gedanke, würde er ihn auch hier vertragen.

Eine Weile später stand die aufrechte junge Frau an den Klippen Brandensteins. Hinter ihr lag ruhig der Schrein des Herrn. Zwischen seinen Säulen wisperte leise der laue, heisse Seewind. Zur linken sah man den Turm der Magier auf seiner Insel. Er lag ruhig dort, ruhig in der flirrenden Hitze, die von den felagewärmten Dachpfannen aufstiegen. Der Frieden, von dem Celina gesprichen hatte, war da. Es war Frieden, und das nur, weil den Frieden jemand verteidigt hatte, der nicht alles durch ein vitamarotes Leseglas sah. Die junge Frau fuhr sich in einer angewohnten, hunderte male ausgeführten Bewegung durchs Gesicht, um eine blutverkrusteteSträhne des glatten blonden Haares hinter ihr Ohr zu streiche. Ihre Hand klebte vor Nässe von Luft und Haut. Sie stockte und fuhr sich über den Hals und weiter hinab; sie spürte, wie die Schicht Schweiss und Luftfeuchtigkeit vor ihrer Hand floh und ihr das warme Nass zwischen die Brust und unter den Panzer ran.
Es war garnicht so friedlich, dämmerte ihr. Es drohte schon wieder Gefahr. Sie wendete sich um, die heissen Beine in den schweren Panzerhosen schienen unwillig in der Hitze.

'Wann nur' dachte sie, während ihre angewohnt festen und entschlossenen Schritte das Gras an den Klippen niederdrückten, 'wann nur werden sie verstehen, dass Frieden den Kampf braucht, um erhalten zu werden. Und wann nur werden sie lernen, dass Aufrichtigkeit kein Hochmut ist, sondern Selbsterniedrigung vor Weltlichem nur feiges Kriechen und damit der Weg in Niederlage und Verdammnis.' Ihre Gedanken gingen in ein mürrisches seufzendes Murmeln über.
"Er hat es noch immer nicht verstanden...."


Zuletzt geändert von Dracona: 27.04.05, 21:12, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 28.04.05, 13:56 
Ehrenbürger
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Das Gespräch war beendet.
Die Nachricht war wie ein Schlag gewesen.
Mit hängenden Schultern und noch vollkommen benommen von den gesagten Worten trat sie langsam die Treppe zur Sakristei herab.
Unten hing schon das Pergament mit der Bekanntmachung.
Ihr Blick huschte nur über ersten paar Zeilen.
Er hatte seine Ämter aufgegeben.. alle...
Ihre Füße fanden den Weg, den sie in jeder Krise gingen:
Zum Nest, dem heiligen Symbol der liebenden Mutter.
Erschöpft sank sie davor in die Knie... das Gesicht in den Händen begraben.

Doch auch im Gebet fand sie keine Ruhe.
Ihre Gedanken kreisten immer wieder um das gleiche Wort:

......alleine.......

Verlassen von ihrem Abt, wie aus heiterem Himmel, ohne Vorwarnung.
Ohne Vorwarnung?
Hatte er sich nicht verändert?
Der einst gütige und fast schon übervorsichtige Vater war erst zum distanzierten Bruder.. und dann zum gleichgültigen Fremden geworden.
Wer war dieser Mensch? Kannte sie ihn noch?
Wie er Bruder Wim auf dem Balkon abgefertigt hatte....
Wo war die Liebe, wo die Sanftmut geblieben?

....... alleine.... und alleine gelassen.... im Stich gelassen......

Er sagte er würde da sein, würde Hilfe leisten, beraten, doch ihr Herz wusste es besser, fühlte die Distanz.

Wo war Mutter Tzara, wo war Rose?
Wo waren die Mentoren auf dessen Rat sie so viel gab und den sie so dringend brauchte?
Wenn nur Amelia da wäre, sie wäre eine Stütze.
Doch Amelia würde wieder kommen..... er auch?

Es stand ihr nicht zu so zu denken.
Er hatte die meiste Erfahrung, er wusste es besser, immer!
Er hatte in den letzten Monden viel für den Orden getan, vielleicht hatte er das Recht zu gehen, die Pflicht weiter zu geben.
Er war am Anfang alleine gewesen...... nun ließ er auch sie alleine....

Die Gedanken drehten sich immer weiter, weiter in der Spirale die nur zu Trauer und nicht Klarheit führt.
Stetig kämpfte ihr Verstand, der begreifen wollte, mit dem Herz, dass nur lieben konnte.

Hatte sie etwas falsch gemacht?
Ist sie nicht genug für ihn da gewesen?
Der Heiler ist ein schlechter Patient, gerade der Heiler der Seele.
Bedurf ein Hochgeweihter der Heilung?
Stand er der Mutter nicht viel näher?
-Konnte- sie ihn überhaupt verstehen?

Er hatte sie auf diesen Moment nicht vorbereitet, hatte sie nicht in ihre Pflichten eingeführt.
Sie wurde vor vollendete Tatsachen gestellt.
Kümmerte es ihn, wie verwirrt sie war?
War es ihm wichtig und überhaupt von Bedeutung, dass sie keinen Halt mehr hatte?

"Wenn du nicht Äbtin wirst, dann ist der Orden ohne Führung" hallte es in ihren Ohren.
Nun trägst du also die Verantwortung... die Bürde... und das alleine.... ohne Hilfe... ahnungslos......


Und wieder das erstickende Gefühlt der Einsamkeit...... verlassen zu sein......

Jetzt nicht mehr denken müssen... nun einfach nur noch schlafen.... schlafen und träumen.... von Dingen die ganz weit fort sind.....

Ihre Füße fanden den Weg zur Sakristei, die Treppe hinauf zu den Betten.
Es war mitten in der Nacht.
Ihr müder Geist hatte nur noch die Worte für Lifna.... die Traumbotin.....


In jeder Nacht, die mich umfängt
darf ich in deine Arme fallen.
Und du, die nichts als Ruhe denkt
behütest mich, behütest alle.
Du birgst mich in der Finsternis,
dein Traum ist mir im Schlaf gewiss.


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BeitragVerfasst: 8.05.05, 23:46 
Altratler
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Seufzend sah Benion von dem Gemüseschneiden auf und zum Fenster hinaus. Er hatte sein Amt nun seit einigen Tagen niedergelegt und diese Zeit hatte ihm gut getan. Endlich konnte er wieder das tun, zu was er sich berufen fühlte: dienen. Doch gleichzeitig plagte ihn auch ein schlechtes Gewissen. Celina schien mit der ihr auferlegten Bürde nicht zurecht zu kommen, dabei hatte er sich erhofft, dass sie daran wachsen würde.

Nachdenklich dachte er an die Zeit vor über zwei Jahren zurück, als die Mutter Oberin ihm offenbart hatte, dass er Hügelau verlassen sollte um nach Siebenwind zu gehen. Sie hatte gesagt er würde dort gebraucht werden.

Und tatsächlich, so war es auch gekommen. Kaum war er Geweihter, schon hatte er die Bürde des Abtamtes übernehmen müssen. Beinahe ein Jahr lang hatte er den Orden allein geführt... und das alles andere als gut. Er hatte den Orden geschwächt und es nicht geschafft dem Ordo Belli und Ordo Astraeli etwas entgegenzusetzen, die sich gegenseitig im Hohen Rat die Ämter zu schoben. Und wenn der Ordo Vitamae dann doch einmal ein Amt abbekam, so war es jenes mit der meisten Arbeit - und dem wenigsten Dank. Was konnte der Ordo Vitamae schon bestimmen? Nichts. Er war jediglich zur Ausschmückung der Kirche da. Einer Kirche, die wie ein großes Segelschiff im Nordmeer auf einen Eisberg zusteuerte - und das mit voller Fahrt. Nie würden die anderen Orden einsehen wie wichtig der Kontakt zum Volk war. Würden sich alle Orden diesem Ziel widmen, so wäre ein Amt wie jenes des Defensor Fidei garnicht notwendig. Aber so versank Siebenwind zunehmend im Unglauben. Ja, er hatte manchmal das Gefühl, dass es schon genügte mit dem falschen Fuß aufzustehen um auf Siebenwind zu IHM überzulaufen. Wenn die Leute doch blos wüssten, was sie ihrer Seele damit antaten. Das Leben in Morsans Hallen würde weitaus länger dauern als hier auf Tare und dorthin konnte man weder Geld, noch Ruhm oder Macht mitnehmen. Einzig und allein die Liebe war dort noch von wert.

Lächelnd musste er an seine Frau denken, die ihm in der Vergangenheit so oft den Rücken gestärkt hatte und ohne die er auch niemals den Orden hätte allein leiten können. Celina fehlte so eine Person. Doch was tun? Wieder Abt werden? Nein, das wollte er nicht. Sollte die Kirche doch auf Siebenwind scheitern, er jedenfalls wollte damit nichts zu tun haben. Und die Möglichkeit etwas zu ändern gaben sie ihm nicht. Also würde er nur noch dafür sorgen das die Lehren Vitamas so gut wie es eben ging gewahrt blieben.

Doch was dann? Das wussten bis jetzt nur die Götter.

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BeitragVerfasst: 9.05.05, 00:02 
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Weit, weit weg in einen Haufen Sägespäne schlief ein Elf. Das Lächeln auf seinen Gesicht war so friedlich wie das ganz kleiner Kinder, die noch nichts vom Leid der Welt erfahren haben. Er war sehr mager, auch wenn die harte Arbeit seine Körper sehnig hatten werden lassen und seine Hände waren rauh und rissig. Selig schien er zu schlafen, nur waren seine dunklen Augen offen und er sah mit leeren Blick zur Decke des neuen Tempels. Plötzlich weiteten sich seine Augen. Verwunderung und Ergebenheit huschten über seine blassen Züge. Dann ein sanftes Lächeln und ein leises Wispern.
"Ja, Herr, ich komme....."


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BeitragVerfasst: 13.05.05, 11:33 
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Sie sitzt auf der Bank am See, die so langsam zu ihrer Lieblingsbank wurde. Hier kann sie auf das Wasser schauen und ihren Gedanken nachhängen. Hier haben sie auch schon oft gemeinsam gesessen und geredet. Gut, im letzten Jahr war es nicht so oft, dass sie reden konnten, er hatte viel zu tun. Aber das wird sich nun ändern.

Sie war sehr erstaunt, als er ihr seine Entscheidung mitteilte, aber es musste so kommen. Er wollte diesen Posten eigentlich gar nicht. Er wollte solange sie ihn kannte eigentlich nur Gutes tun.
Er half von Anfang an im Hospiz, nicht nur Krankheiten und Wunden heilen, sondern und was ganz wichtig war, er sprach mit den Leuten. Er fand immer die richtigen Worte, dafür bewunderte sie ihn. Als er schließlich Geweihter wurde, hatte er den Vitamaorden ganz alleine zu leiten, keine schwere Aufgabe, solange er noch alleine war. Als Celina und Amelia zu ihm in den Orden kamen, wuchsen seine Aufgaben. Sie sahen ihn als ihren Vater an, er sie als seine Kinder. Sie war oft traurig, wenn er wieder über „seine“ Kinder sprach, konnte sie ihm doch nie eigene schenken. Sie zog in Betracht dem Laienorden beizutreten, um näher bei ihm zu sein, verwarf es dann aber wieder. Sie fühlte sich im Orden nicht wohl. Sie kam sich immer wie ein Eindringling vor. Ja, es waren alle nett zu ihr, aber sie hatte das Gefühl, nur weil sie seine Frau war.

Dann wurde er Abt. Er sagte schon gleich zu ihr „Samira, das ist nicht das was ich wollte, das ist Politik.“ Damals verstand sie seine Worte nicht, heute ist ihr einiges klar geworden. Wie oft kam er niedergeschlagen aus dem Ordenshaus zurück, weil er entweder allein bei einer einberufenen Versammlung war oder er wieder einmal nicht ernst genommen wurde. Sie konnte nur machtlos zusehen wie er litt, dabei hatte sie auch Probleme, die sie gerne mit ihm besprochen hätte, aber sie konnte ihn damit nicht auch noch belasten.
Sie weiß genau, er hat sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, sie hofft nun, dass er wieder zur Ruhe kommt.

Langsam steht sie auf und wirft einen letzten Blick über das Wasser. Es wird langsam dunkel und er kommt gleich nach Hause. Sie wird ihm noch das Abendessen bereiten.

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Samira Sandelholz-Das Leben einer Elfe auf der Insel Siebenwind


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BeitragVerfasst: 30.05.05, 19:35 
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Nachdenklich saß er einmal mehr an seinem Schreibtisch und blickte zum Fenster hinaus. Einzelne Tropfen prasselten gegen die Scheibe und rannen hinab wie Tränen. Zuerst schien Ignis Siebenwind in ein zweites Endophal zu verwandeln wollen und nun musste Xans Badewanne übergelaufen sein. Seufzend sah er wieder vor sich auf den Brief, den er in den letzten beiden Tagen dutzende Male geschrieben hatte. Er enthielt Zeilen, die er bisher nie gewagt hatte zu schreiben, und wenn er verschickt werden würde, dann gab es kein zurück mehr. Doch noch zögerte er. Sollte er es wirklich wagen?

Erneut schweifte sein Blick zum Fenster, der Regen hatte sich noch ein wenig verstärkt. Er musste zurückdenken an die Vitama auf Hügelau und den Tempel der Mutter in Hardhaven. Bei solchen Wetter hatte er oft in einer kleinen Gartenlaube gesessen und seine Gedanken schweifen lassen. Es war damals als er gelernt hatte zu meditieren. Ja, in Meditation war er wirklich gut. Doch auch Meditation würde ihm in dieser Lage nicht weiterhelfen.

Er sollte vielleicht mit Samira reden. Doch sie hatte in letzter Zeit viel durchgemacht. Durch seine Blindheit, für die er sich immernoch schalt, hatte sich ihr Frust immer weiter aufgebaut. Nein, ihre Seele brauchte Ruhe.

Sein Blick schweifte wieder auf den Brief. Doch wen dann fragen? Mit wem reden?

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BeitragVerfasst: 3.07.05, 10:48 
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Langsam schlenderte er durch das immernoch von den beiden Monden erhellte Falkensee zurück. Das Lichthhoch neigte sich dem Ende zu und schon bald würde Fela wieder hinauf steigen. Er spührte schon wie sich Vitama langsam wieder von Tare entfernte. So würde es also ein ganzes Jahr dauern bis sie wieder so nahe wäre. Leise seufzte er auf und warf einen kurzen Seitenblick über das Wasser des Sees hinweg. Seine Schritte verlangsamten sich und er kam nicht umhin das Farbenspiel des silbernen Astreyon und des goldenen Vitamalins auf dem Wasser zu bewundern.

Leise seufzte er auf, als er an die vergangene Tempelweihe und Ernennung der Prätorin zurückdachte. Wieder einmal war ihm vor Augen geführt worden, dass er mit seiner Entscheidung die Kirche zu verlassen und einen eigenen Orden zu gründen nicht falsch gelegen hatte. Zu schnell hatte er sich Hoffnung gemacht, dass sich etwas ändern würde, wenn Tzara Prätorin wurde - doch er war enttäuscht wurde. Was er erlebt hatte, hatte nichts mit dem Dienst an den Vieren gemein. Es war ein Personenkult. Und dann auch noch diese lächerlichen Rosenblätter, die von der Decke hinabfielen. Wie konnten sie blos einen Magier heranziehen um dem Volk so göttlichen Willen vorzugauckeln? Aber da erinnerte er sich an die Lehrstunden in seiner Anwärterzeit: Ein Wunder zu vollbringen war leicht - viel leichter als die meisten glaubten. Das wichtige dabei war, dass man so tun musste als ob es etwas sehr ernsthaftes und wichtiges war, denn das war es, was das Volk erwartete. Ganz ähnlich wie beim Heilen: ein Patient wurde sehr viel schneller gesund, wenn er an die Behandlung glaubte - selbst wenn diese gar nichts bewirkte.
Aber konnte man das Volk so hinters Licht führen? Indem man ihnen vormachte die Viere hätten auch nur irgendetwas mit der Auswahl von Tzara zu tun gehabt? Waren es doch nichts anderes als Machtspiele gewesen - wie immer - die über den nächsten Prätor entschieden.
Sachte schüttelte er den Kopf. Nein, die Kirche hatte sich noch nicht geändert - und würde wohl noch einen langen Weg vor sich haben.

Seufzend beschleunigte er wieder seine Schritte gen Südtor. Als er am ehemaligen Schatten Viertel vorbeikam, dass der Sire auf seinen Vorschlag hin in Vitamalinviertel umbenannt hatte, hielt er wieder inne. Dort lag seine Zukunft. Bei dem einfachen Volk.

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