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Drückend liegt die Nacht über dem Land, die Stimmung angespannt. Feuchtigkeit hängt in der Luft und die Sterne spiegeln sich in den Pfützen wieder. Eine Bewegung stört die Ruhe des Minisees und Wasser spritzt zu den Seiten auf, als ein Fuß achtlos hineintritt. Eine schemenhafte Gestalt geht durch die Gassen Brandensteins, in einen Mantel gehüllt gen Westtor. Die Stadt liegt im Dämmerschlaf, alles ist ruhig, nur die Nachttiere und das Zirpen der Grillen ist zu hören. Mit leisem Knarzen öffnet die Gestalt das schwere Eisentor und verschwindet in der Dunkelheit des Waldes...
...Auf dem äußersten Felsen im Westen der Insel sitzt eine junge Frau, den Blick auf den endlos scheinenden Horizont des Meeres gerichtet. Dumpfes Licht glühender Kohlen erhellen fahl ihr Antlitz und geben den Blick auf ein sorgenvolles zart geschnittenes Gesicht frei. Tief wie der Meeresgrund scheinen die Gedanken in den funkelnden Augen zu kreisen. Strudel der Angst und Unsicherheit.
„Was soll ich tun?“ Diese Frage brannte sich Moment für Moment neu in ihr ein. Seit zwei Wochen hatte sie ihn nun nicht mehr gesehn und fast jeden Tag gab es neue Gerüchte und welche, die sich bewahrheiteten. Entführung, Drohungen, Mord.
Sollte sie ihn jemals wieder sehn? Wird er eins sein Kind in den Armen halten?
Eine sanfte Brise begleitet das leise Rauschen der Wellen, die gegen die Felsen branden. Immer noch reglos sitzt die Frau auf dem Felsen.
Fragen häuften sich zu einem unübersichtlichen riesigen Wall der undurchdringlich schien. Sie vermisste ihn. Wo war sein fröhliches Lachen? Wo seine tröstende Nähe wenn sie nicht weiterwusste? Wo seine sanfte Stimme und die Geborgenheit seiner Arme?
Immer dieselben Fragen, immer dieselben kühlen Blicke die sie scharf musterten. Mühelos gingen ihr die Antworten von den Lippen die jedes Mal auf das Gleiche hinausliefen. Nur keinen Anstoß für Unglaubwürdigkeit geben. Ihr Blick ruhig, das Innere aufgewühlt. Immerhin ließen sie sie letztendlich gehen..
Ihre Hand glitt zärtlich über ihren Bauch, ihre Miene bedrückt, fast schleierhaft. Was wird aus uns werden...?
Weit entfernt war ihre Heimat, weit über das Meer. Mindestens genauso weit weg kam er ihr vor. Unerreichbar im Moment. Keine Nachricht, keine Anzeichen, nur die umgehenden Gespräche zeugten davon das er noch da war. Sie betete, sie hoffte, ihr Glaube schwankte. Keinem mit dem sie darüber sprach. Keiner, dem sie sich anvertraute. Wenn doch nur Shabanna hier wäre.. Doch sie war nicht mehr da. Schmerzhaft erinnerte sie sich an die Geschehnisse der letzen Zeit. Schien sie alles zu verlieren?
Alles was sie tun konnte war warten...
... Bis die ersten Strahlen Felas über das Land kamen, saß sie, allein, auf das Meer starrend. Als wieder die Triebsamkeit der Helligkeit auftrat, war sie verschwunden...
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