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Schmerz, Einsamkeit, Wahnsinn. Traum.
Weiches Leinen, in das der Kopf sinkt. Ruhe von einem anstrengenden Tag, vielleicht tiefe Rachsucht, die in den Schlaf treibt.
Schmerz. Schwärze um mich. Nichts.. bin ich tot? Lebe ich? Ich fühle mich lebendig. Aus dem Dunkel schälen sich Gestalten. Der Geruch von Tod, von Schweiß, von Erbrochenem. Tiefstes Menschsein, oder doch Abschaum.
Um meinen Körper liegen Fesseln. Auf dem Rücken? Gestalten.. keine Lippen, keine Augen, keine Gesichtszüge.. kein Körper? Die Hände aus schwarzem Schatten sind wenigstens echt. Ich will mich wehren. Unfähig dazu.. warum? Nichts.. Kälte. Ihre Hände an mir. Saugen die Kraft aus mir. Verflucht, was ist das? Ich denke, wie wach, nur klarer. Zorn erfüllt mich, vielleicht Trotz? Und doch, jede Kraft verlässt mich, kein Schwert in den Händen, um sie zu vertreiben, keine Kraft, sie mit Magie zu zerstören. Nackt wie ein Fisch an der Angel, zappelnd und doch endloser Wehrlosigkeit ausgesetzt.
Schmerzen, Blut, Folter. Mir wird schlecht, mein innerstes Sein bäumt sich auf. Was sie auch immer sind, was sie auch immer wollen, sie brechen meinen letzten Willen. Kräfte, die ich nicht kenne. Was, verflucht, was?
Die Hände, die keine Hände mehr sind, die Knochen mit einigen Fleischfetzen und verrottender Haut sind, greifen nach meinem Hals, würgen, pressen, der Gestank meiner eigenen Verwesung frisst sich durch meinen Hals. Schreie in den Ohren, ein Widerhall meiner eigenen.
Schweißgebadetes Erwachen. Hektisches Umschauen. Nur ein Traum, nur ein Traum. Nur ein Traum. Nicht verzagen. Ein Blick zum Fenster, instinktiv. Kein dunkler Schatten, der hinter den grünen, dünnen Gardinengittern lauert. Oder doch?
Verlassen. Sie steht vor mir, und sie keift mir entgegen. Schwach! Verdammt und unfähig! Unwürdig ihrer weiteren Aufmerksamkeit! Ihre Fingernägel bohren sich in mein Fleisch. Ich konnte nichts dafür, ich musste den Namen nennen. Sie hatten Klingen, hatten Feuer, hatten Wasser, hatten ihre Knechte.
Sie hat natürlich kein Verständnis. Verraten hat sie uns, leiden soll sie! Verstoßen! Was kann sie noch falsch machen! Aussätzige!
Ich sitze in der kalten Höhle. Kann mich nicht blicken lassen, sie wissen alles über mich. Kann nicht nach Hause, sie hassen mich, sie fürchten mich, sie würden mich umbringen. Kann nicht ruhen, bin zu alleine. Kein Vertrauen mehr, nichts.
Ich sitze an meinem Fels und starre auf die Ritzereien. Verfalle ich selbst? Bin das überhaupt ich? Ist das nicht meine Mutter? Ich spüre dunkles Sein, dunkle Macht, die durch meine Adern schießt. Irgendetwas ist daran falsch, es besticht mich, es hintergeht mich, es korrumpiert mich, ich verändere mich. Ich habe keine Kontrolle über mich selbst, es nährt sich an meiner Angst wie von einer bittersüßen Frucht. Nein!
Ich brauche sie. Sie dürfen mich nicht im Stich lassen. Sie brauchen mich! Nein, das kann nicht sein. Die Bilder verschwimmen. Mein Herz rast, Einsamkeit, Angst, Schrecken. Alles so real. Es darf nicht sein, niemals! Ich hätte nie verraten!
Schweiß rinnt über die Poren. Der Mund ausgetrocknet, der Atem rast, das Herz schlägt im Rhythmus eines Schwertduells zweier junger Narren. Jedes Pochen klirrt in den Ohren, jeder Atemzug rasselt durch die Schläfen. Ein Glas Milch. Ja, das wird helfen. Ja, das wird es sein. Ein Schritt vor die Türe. Es ist nicht Dunkeltief, alles ist so gewöhnlich. Zufall, sicherlich. Wieder ins Warme, wieder unter die Decken. Ruhe. "Gute Nacht."
Wahnsinn. Ich knie auf dem Boden, schreie meine Verzweiflung heraus. Tot, tot, tot! Am Ende wird Galtor sie alle bekommen! Verflucht sollen sie sein, verflucht!
Ich spüre Hände, die meinen Körper zu Boden drücken, schreie meinen Zorn schrill durch das Gemäuer, als sich Eisen um den Hals schmiegt, als sich Eisen um die Hände schmiegt. Ein Fluch soll über sie kommen, kein Eisen und keine Weihe wird sie retten!
Keine klaren Gedanken, doch eine erschreckende Erkenntnis: Ich bin wahnsinnig. Meine Hände zittern, mein Herz donnert in der Brust, meine Haut brennt. Nein! Nicht sie, den Verstand verlieren, sie würde es niemals! Nein! Sie war klar im Kopf, stets gewesen! Warum tat ich es dann? Warum tue ich das? Meine Hände suchen seinen Hals, drücken dagegen. Die Flucht wäre die klügere Wahl, aber ich drücke, ich drücke, bis sich seine Hände von meinen Schultern lösen, bis das Zittern erstirbt, bis Blut aus seiner Nase quillt, aus seinem Mundwinkel rinnt, als ich ihm den Dolch das sechste Mal in die Brust steche.
Tränen, die über meine Wangen schwemmen wie Sturzbäche. Kalter Schweiß, der meine Stirn heruntertrieft. Machtlosigkeit, ich kann meinen Körper nicht mehr lenken.
Schreie bohren sich durch meine Ohren, Atmen fällt schwer, wird unmöglich, jedes Stück meines Körpers fühlt sich an, als würde es bei lebendigem Leibe faulen. Meine Finger werden taub, meine Zähne fühlen sich an, als würde jeder einzeln zum gleichen Moment herausgerissen, tausend Messerstiche überziehen den Körper, Kraftlosigkeit, Wehrlosigkeit. Wilder Zorn, der kein Ziel findet.
Sie fährt auf, schlägt sich den Kopf an der Wand und sinkt wieder herab. Der leise Aufschrei hat die Vögel in den Bäumen unruhig gemacht, erstes Zwitschern. Der Morgen graut. Das Morgengrauen wird zum grässlichsten Grauen, das sie seit langem erlebt hat. Hastiger, trockener Atem, die Laken verschwitzt, die Finger zitternd, Eiseskälte im ganzen Körper trotz der lauen Vitamanacht. Das Gefühl, dass etwas Unheiliges sie berührt hat. Unheilig, schwarz und voller dunkler Kraft.
Zuletzt geändert von Phobie: 30.03.05, 01:30, insgesamt 1-mal geändert.
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