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 Betreff des Beitrags: Blutregen
BeitragVerfasst: 4.06.05, 00:51 
Altratler
Altratler

Registriert: 9.12.01, 03:04
Beiträge: 2431
Der Elf sass still neben dem länglichen Erdhaufen. Die Dunkelheit hatte sich herabgesenkt, dunkle Wogen verdeckte Sterne und die drei Monde. Drei Begleiter, deren Stimmen ihm das ewige Lied zusangen. Das Lied von Verlust und von Entbehrung, von Liebe und Freude, Triumph und Verfall.
Er wiegte sich sanft und zurück. So still war es, so wunderschön, so wundervoll....
Er hatte beide Hände tief in die Erde gedrückt und seinen Herrn gebten dieses Stück Erde zu segnen. Der andere Ritter war gegangen, sein Haupt gebeugt, das Herz voller Zweifel.
Fühlte er nicht, dass sich der Keis vollendet hatte? Dass die Seele, die die Hülle verlassend hatte, die vor ihm in der Erde ruhte, zurückgekehrt war?
Dicke Regentropfen fielen auf ihn herab, liefen über sein Antlitz, den Nacken hinab unter die dunkle Robe die man ihm gegeben hatte. Die Robe, bestickt mit den Zeichen seines Herren. Er lächelte auf seine abwesende Art. Wie kamen diese Kinder auf die Idee er könnte IHM dienen? Er schloss die Augen und hiess den Regen willkommen, der ihn durchnässte. Hunderte feuchte Küsse auf seiner Haut, Finger aus Wasser, die durch sein Haar glitten, ihn über seinen Leib strichen.
Der Kreis des Lebens würde nicht enden, das Rad sich drehen...
Vor seinen inneren Augen wirbelten Bilder. Seine Seele breitete ihre Schwingen und trug ihn mit sich. 20 Morsans? 60?
Er hatte nie gezählt. Warum sollte er? Er hatte auch nie die Blätter an einem Baum gezählt, sondern dessen Lied gelauscht...

Dicke Tropfen fielen auf sein Gesicht. Dunkle Tropfen und sie schmeckten leicht salzig. Er lächelt verwirrt in die Finsternis. Fela die Strahlende, war nicht erschienen und selbst das Licht der Sterne war verblasst zu einen kalten trügerischen Schimmer. Er sah nicht den dritten Mond, er sah ihn nie - und doch hörte er dessen Lied aus Schmerz und Leidenschaft, Trauer und Verrat. Er fühlte eine Hand auf seiner Schulter, stark und schwielig. Als er seine dunklen Augen auf die Gestalt richtete die vor ihn aufragte, erkannte er die Farben der Diener Bellums. Er lächelte ihm sanft zu, fühlte sich zurück in den Tempel geschoben und auf eine Bank gedrückt. Vor ihm erhellten Kerzen den Hochaltar, er sah die Insigniender Viere, die in deren Licht erstrahlten.
Vor den Altar hatten sich die Geweihten versammelt und wandten nun den Blick zu den jungen Novizen der den Elfen hineinbefördert hatte. Obsidian, wie sie ihn nannten wischte sich sachte über das nasse Gesicht und roch an an der roten Feuchigkeit die aus seinen Haaren tropfte.
Der Novizen neigte sein Knie vor dem Hochgeweihten des Bellum.
"Schwertmeister, ich fand ihn draussen auf dem Weg zum Morsansacker. Ich sah, dass sich was im Schatten zu regen begann. Ich fühle.... Übel. Ein Unheil, das mein Herz erstarren lässt. Es regnet Blut..."
Der Elf richtete seinen Blick nachdenklich auf seinen Gastgeber, bei dem er nun schon eine Weile wohnte, dem er ruhig und höflich folgte und dem er bei seiner Arbeit zur Hand ging. Er betrachte beunruhigt dessen geschientes, hochgelagertes Bein. Als die Dunkelheit kam und Licht und Hoffnung verschlang, als die Kinder der Viere ihre Häuser von innen versiegelten und nur furchtsam nach draussen spähten waren Lunor und er durch Mendel geeilt. Niemals hatte er gesehen, dass der Morsansgeweihte so.... hastig war. Noch immer klang dieses schrille Heulen in seiner Seele nach, das in der gestrigen Nacht die Finsternis zerissen hatte. Er fühlte erneut wie wie sich die Schatten verdichteten, zusammenliefen, sich zur tiefsten Schwärze vereinigten. Er hatte die Augen geschlossen und war den Geräuschen von Lunors Schritten gefolgt, wissend, dass was auch immer seine Augen sehen würden, seine Seele tiefer verletzen würde, als die Krallen, deren Scharren er auf den Pflaster Mendels hinter sich hören konnte. Er wusste, sie liefen zu den alten Hügelgräbern, fern des Morsansackers. Doch er fühlte nicht den Frieden, den dieser Ort sonst ausstrahlte, er fühlte nur abgrundtiefe Bosheit, die drohte das Lied seiner Seele zu ersticken. Fühlte nur, wie Kälte in sein Herz sickerte und ihn zu lähmen versuchte. Um ihn herum zischelte und wisperte es, aber er öffnete nicht die Augen. Folgte dem Tritt Lunars, dem Pochen des Stabes auf dem Pflaster. bis der Boden weich, sumpfig wurde und sie bei den Gräbern standen. Es roch faulig, falsch.... tot. Und dann schleuderte etwas Lunors Leib durch die Luft. Obsidian fühlte wie dessen Körper gegen ihn prallte, ihn umriss und hörte Lunor vor Schmerzen schreien, schreien...
Ohne die Augen zu öffnen hatte er den Leib des Geweihten an sich gezogen. Er wusste nicht was dann geschah... Er wusste nur das er... sang? Er sang von seiner geheimen Lichtung aus dem Wald seiner Kindheit, von den Felastrahlen die goldene Flecken über tiefgrünen Blätter tanzen liesen, vom Tanz der Füchse in den warmen
Nächten...
Niemals hatte er von diesen geheimen Ort gesungen, dem Ort den jeder seines Volkes tief im Herzen trägt...
Und er fühlte, oh er fühlte, dass sich ihm etwas zuwandte. Wie ein Raubtier, dass einer neuen, verlockenderer Fährte folgte. Und er fühlte wie seine Gedanken zu verwischen begannen, wie etwas an seiner Seele zerrte. Hungrig, verlangend.
Dann bewegte sich Lunor, er hörte zum ersten Mal dessen Stimme. Leise und fest erklang dessen Stimme, schien selbst Obsidians Stimme noch zu übertönen, die in ein sinnloses Heulen übergegangen war. Er hörte wie der Stab des Geweihten krachend auf Stein traf...
Und es still wurde.
Er hatte gierig die Luft eingesogen, seine Kehle schmerzte. Dann hatte er das schlaffe Bündel, das Lunor sein musste aufgehoben und zurückgeschleppt. Er brauchte die Augen nicht zu öffnen, zu oft war er den Weg gegangen. Aber diesmal rannte er ihn, wie ein Hirsch den man zu Tode hetzt. Erst als man im Vitamaschrein Lunors Körper aus seiner Umklammerung löste hatte er die Augen geöffnet. Hatte auf die Statue aufgeblickt und gefühlt wie wieder Wärme sein Herz erfüllte, wie er sein Lied wieder fand, während seine menschlichen Freunde hastig und beruhigend auf ihn einredeten. Eine schmale Hand hatte hart seine Schulter umspannt und ihn in den Astraelschrein geschoben. Er sah in Felandors blasses Gesicht, den forschenden Ausdruck seines Lehrers.
Obsidian sah stumm zu ihn auf. Sah in die klugen blauen Augen und wusste erwürde niemals jemanden mit den tiefen Grauen belasten, dass er verspürte sondern es tief in seinen Inneren begraben, bis er stark genug war es zu bekämpfen. Er lächelte zu dem Astraelgeweihten hoch, atmete ein, und war wieder nur Obsidian. Stille umfing ihn, das Lied seiner Seele war wieder rein. Seufzend wandte sich Felandor wieder ab.

"Wo sind die Götter in solchen Zeiten? Werden sie sich unser nicht annehmen?"

Er blickte auf und sah in die harte Züge eines Mannes in eiserner Haut. Der Elf streckte die Hand aus und fuhr über fasziniert über die kalte, harte Schale des Mannes neben ihn. Sie nannten ihn "Ritter", obwohl der Elf ihn wohl eher "Krabbe" genannt hätte. Kurz wandten sich die harte Züge des Mannes ihm zu und ein kurzes Lächeln erhellte dessen Gesicht.

Er hatte Krabbe einst weinend und schreiend über einen einen flachen Grabhügel gefunden. Er wusste nicht mehr warum er Krabbe festgehalten hatte, die Schläge eingesteckt hatte, die auf ihn eintrommelten und dann den schluchtzenden Mann festgehalten hatte bis keine Tränen mehr kamen. Erst dann erzählte er Krabbe von dem Lächeln der jungen Frau, als der Bote des Herrn in den Tempel kam um sie zu holen. Krabbe hatte ihn nur angestarrt, lange, lange Zeit. Als damals Fela wieder aufging hatte er genickt und war zu diesen riesigen, plumpen Haus gegangen, dass sie "Burg" nannten. Aber Krabbe kam danach immer zu den Vieren und sprach mit Lunor. Mit dem Elf sprach er nicht, es war nicht nötig. Sie sassen einfach nebeneinander, sahen sich an und empfanden die Gesellschaft des anderen als wohltuend.

Krabbe blickte wieder zu Felandor, als dieser antwortete.

"Es gibt Zeiten, da die Götter es den Menchen überlassen, auf sich selbst zu achten. Sie prüfen uns, um zu sehen, ob wir fähig sind, und selbst zu helfen."

Obsidian sah, wie der Ritter unbewusst Haltung annahm.

"Und wenn wir dessen nicht fähig sind?"

Die Stimme Felandors, war kühl und hart wie die Haut Krabbes.

"Wir müssen es sein. Furcht allein macht den Menschen schwach. Wenn man sich fürchtet, zittern die Hände, die Füsse geben nach und der Geist kann den Händen und Füssen nicht sagen, was sie tun sollen."

Krabbe nickte und wandte sich ab, den Räumen Bellums zu. Osidian verneigte sich stumm vor Felandor. Er kannte kein anderes Geschöpf, das mit Worten allein einen Mann sein Herz wiedergeben konnte. Dann trotte der Elf dem Ritter nach, setzte sich neben ihn während dieser betete und teilte mit ihm seine Stille.


Zuletzt geändert von DEZZ: 4.06.05, 11:55, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 10.06.05, 02:25 
Altratler
Altratler

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Beiträge: 2431
Narimas Arme schlossen sich um den Elf. Er wendete ihr den Blick zu, während sich ein Schwall von menschkichen Worten über ihn ergoss. Narima, so jung so zerbrechlich, war erfrischend wie der Sommerregen. doch diesmal spürte er die Furch in ihr. Sanft strich er ihr über die Wange und betrat wie man ihn gehiessen hatte den Vitamaschrein. Lunor hatte die Augen geöffnet. Sie hatten ihn mit Bandagen umwickelt und das Bein geschient. Kein Laut kam von seinen Lippen, aber seine Augen sprachen von Schmerz und Furcht. Obsidian knite stumm neben ihn nieder. Dann fühlte er sich im Nacken gepackt, als sein Gastgeber ihn zu sich zog. Verwirrt schloss der Elf die Augen, dass jene nicht das Grauen verraten konnten und dann.... dann fühlte er es. Ein Tasten... in ihm. Lunor begehrte Einlass. Einlass in seine Seele. Obsidian wollte sich losreissen, für immer das Grauen in sich einschliessen, bis er verstand das Lunors Angst ihm galt. Er atmete tief durch und öffnete sich ihm, hies ihn willkommen. Er wusste nicht wie lang der Morsangeweihte durch seinen Geist schritt. Wie lang ihrer beider Körper starr verharrten, Stirn an Stirn gelehnt, bis er das leise Lachen hörte. Er öffnete langsam die Augen, sah in Lunors erleichtertes Gesicht. Und spürte dann die federzarte Berührung seiner Augenlider. Obsidian nickte. Niemals durfte etwas sein innerste Lied berühren. Und die Augen waren die Tore zur Seele....


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