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 Betreff des Beitrags: "Unterm alten Apfelbäumlein"
BeitragVerfasst: 30.06.05, 18:38 
Altratler
Altratler

Registriert: 9.09.04, 20:53
Beiträge: 663
Endtag der 30. Triar, 16 nach Hilgorad
Einen Löffel für den König, einen Bissen für das Geburtstagskind

„Noch ein Stück auf den Weg, mein Jungchen, wir wollen ja nicht, dass du dich in den Gassen Brandensteins verläufst, vom Fleische fällst und das am Jubeltage unseres geliebten Hilgorads. Dem hätte der Kuchen bestimmt auch gemundet.“ „Gewiss Jacob, gewiss, aber nun lass mich ziehen, es warten Abenteuer, wilde Schlachten und neunköpfige Ungeheuer mit unglaublich fauligem Atem auf mich! Das heisst, wenn mir meine Rüstung ob eurer reichhaltigen und köstlichen Verpflegung auf hoher See noch passt.“ „Mein Vater wusste in seiner alles umfassenden Weisheit schon zu berichten, dass man bei einem guten Mahl gescheiterweise zwei Mal zulangen soll. Erst wenn der Hosenbund drückt ist man satt, so stell dich doch dort vorne bei meinem Weib noch an, sie schöpft die letzten Reste ihrer Trubenauer Trollwurzsuppe aus, erneut erwärmt zwar, doch ebenso sättigend wie eh und je.“ Die spinnenartige, dürre Hand des alten Zausels legt sich auf die Schultern des kindsspeckigen Ritterverschnittes. „Glück auf deinem Weg, scheine er auch noch so steinig und unüberwindbar und denk dran, junger Krieger, ein Traum vor Augen hält jung, belebt die müden Geister und schenkt dir die Kraft, welche du gebrauchen kannst um dein Ungeheuer von seinen Köpfen zu erleichtern.“ Mit einem scheppernden Geräusch lässt Grete den ausgebeulten Suppenlöffel in den angerosteten Topf, welcher ob seines Erscheinungsbildes wohl schon mehr Jahre überstanden haben dürfte als die beiden Dörwälder Trockenpflaumen zusammen, fallen. „Ich glaube das waren alle, mein lieber Mutz.“ Nach vorne gebeugt schlurft er zu ihr herüber, stellt sich hinter sie und berührt mit seiner knöchernen Hand ihre Wange, Altersfleck auf Altersfleck, den glasigen Blick der grauen Augen auf die vorbeischlendernden Männer und Frauen richtend, welche die letzten Wochen über von ihnen bekocht, bebacken und bemuttert wurden. „Da ziehen sie dahin ohne sich ein Dankeschön von den Lippen ringen zu können.“ „Das war doch schon immer so, mein Lieber. Die Kinderchen breiten ihre Flügel aus und verlassen das heimische Nest um Abenteuer zu erleben und sich selbst zu finden. Stolpern werden sie über so manchen Stein, aber eines ist gewiss, es wird ihnen nicht anders ergehen als uns, Mutz, die Zeit wird ihnen den richtigen Weg weisen.“ „Ein lauschiges, plätscherndes Bächlein und eine kleine Schenke im Schatten eines alten, knorrigen Apfelbäumleins.“ Wähernd sich ihre alten spröden Lippen, über deren Rand schon so manches Wort seinen Weg fanden, zu einem saftigen Kusse berühren, steigt der wohlduftende Rauch aus dem gusseisernen Topf weit über ihre Köpfe hinweg, beobachtet die Neuankommenden, von tapferen Recken bis hin zu den intelligentesten unter den Arkanen, wie sie in die verworrenen Gassen Brandensteins strömen und sich in jenen, dem betörenden Ausrufen der Marktschreier, hallenden Geräusch von Pferdehufen, verlieren.


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