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 Betreff des Beitrags: Manege frei!
BeitragVerfasst: 26.06.05, 01:27 
Altratler
Altratler

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(ooc. Ein Sammelthread um die aktuellen Ereignisse in und um den Zirkus Wendolyn in aller Munde zu halten :) Themenbezogene Beiträge der Spielerschaft sind natürlich erwünscht!)

Das zweite Schiff, zwei Masten, eine Stimme, schallend prescht sie über das Deck der "Imarin II.", dringt in jede Ritze, jede Ecke, über den Brandensteiner Hafen, bringt selbst die Überreste des einstigen stattlichen Kampfringes zum erzittern. "Abladen ihr faules Pack!" So die erste Ladung des vor einer Woche eingetroffenen Frachtkahns noch am Pier deponiert wurde, verschwinden die behaarten, grummelnden Schiffsmaaten, Kopftuchträger und Zur-Seite-Spucker in den dunklen Gassen Brandensteins. Kiste für Kiste mit sich schleppend. Der nächtliche Zyklus legte sich schon vor einiger Zeit schwarz und wohlig über die Insel. Der Regen pocht unauffhörlich und vermischt sich mit dem Schweiss der Tragenden. Unzufriedenes Germurmel, angestrengtes Schnauben und Flüche von gar garstiger Seemannsart sind auf den Strassen in Richtung Falkensee zu vernehmen und finden hinter dem Südtor ihr Ende. Als der Morgen fahl und grau verhangen mit Felas erfrischendem Licht einen alltäglichen Kampf ausfechtet, herrscht Stille. Die schimmernd-kühlen Morgentautröpfchen auf den neu ausgelegten Brettern, schwer liegend auf der weitläufigen Wiese nahe der Hauptstadt, geben nur einen Bruchteil des Glanzes wieder der wohl in Kürze die Gegend erfüllen wird. Stück für Stück wird er errichtet, der Circus Wendolyn.


Zuletzt geändert von Illis: 26.06.05, 01:40, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 30.06.05, 21:18 
Bürger
Bürger

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Ein seltsames Gespann war es, das man im Hafen Brandensteins erblicken konnte. Eine kleine burschikose Frau mit hunderten von klingenden Glöckchen an der Robe und ein großer, recht grobschlächtig wirkender Kerl in der Tracht der Brandensteiner Reiter. Wild konnte man sie gestikulieren sehen, während sie wohl erklärend auf den Boten einredete. Dieser ließ den Wortschwall geduldig mit hochgezogenen Schultern über sich ergehen.
Wenig später sah man sie, die Frau mit einer, der Mann mit zwei Kisten, wobei er sie, wohl um sie vom herabfallen abzuhalten, fortwährend mit dem Kinn festhielt, was ihm einen etwas schildkrötenartig wirkenden Gang bescherte.
Die erste Hürde stellte die Feste Seeberg dar, denn man stellte rasch fest, dass das Schicksal, sicher in Form eines Soldaten, ein Tor versperrt hatte. Von nun an übernahm der Brandensteiner Reiter Bolko die Führung.
Zielsicher gelangten sie bis zu jener Wegkreuzung, da man sich zwischen dem Pfad zum Nortravendorf und jenem nach Falkensee, dann jedoch tat sich ein Problem in Form mangelnden Orientierungssinns auf. Von der Begleiterin zum Lesen vorgeschickt starrte Bolko recht ratlos auf die Wegweiser. Doch da ihn seine schnelle Auffassungsgabe und sein Witz bisher immer aus brenzligen Situationen gerettet hatten, verfiel er auf die Idee, einfach eine Aufschrift zu erfinden. So wurde aus "zum Lehen Südfall" kurzerhand "Zu den Zwergen" und aus "Greifenklipp" "Elfen unerwünscht". Puh, diese Klippe war umschifft. Nur dumm, dass die beiden natürlich darauf prompt in die falsche Richtung liefen, denn zu den Zwergen wollten sie ja nicht. Als er bei den Nortraven angekommen auf dem Wegweiser "Greifenklipp" "Zum Meer" las, wussten sie trotzdem, dass sie falsch waren. also schlug man sich querwaldein weiter durch. Das nächste Problem trat auf, als man einen Turm im Wald erreichte, vor dem Blumen in den mannigfaltigsten Farben und Formen wuchsen. Während die Circusbotin diese eifrig umrundete, trampelte unser tapfere Recke natürlich mitten hindurch. Der rätselhafte Satz "Tritt nicht auf die Blumen, man weiß nie, wem man auf die Füße tritt", brachte jedoch sein Hirn ins Grübeln und seine Füße ins Stocken. So geschah es, wie es kommen musste, er bemühte sich tapfer, die nächsten Blumen zu übersteigen, die obere Kiste kam ins rutschen und schon lag sie klirrend auf einem bis dahin schönen, gelben, duftenden Blumenbüschel. Was packte da die Panik unseren Helden und betend, flehend und heulend rannte er im Kreis, unschöne Trampelspuren in die bunte Wiese ziehend. Währenddessen kniete die Botin lammetierend nieder, das zerbrochene Porzellan der Familie Wendolyn beklagend. Nachdem sie den guten Bolko wieder eingefangen hatte und barsch in Richtung Brandenstein zurücksandte, machte sie sich fluchend mit der restlichen Ladung auf, die Circuslichtung zu finden.

Wieder einmal schlich unser Held wie ein geprügelter Hund von dannen.


Zuletzt geändert von Jaluda: 30.06.05, 21:24, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 30.06.05, 23:20 
Altratler
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Der kleine Schimpanse klettert mit flinken Handgriffen dem wohlgeformten Bein der jungen Frau empor, umquert einmal ihre Taille und kommt erst auf der Höhe ihres Oberkörpers zur Ruhe, ein Örtchen um dessen den kleinen Primaten einige Männer beneiden würden. Noch immer schien das mit breiten Brettern ausgelegte Pier vor Brandensteins Mauern zu schaukeln, auf und ab, auf und ab in einem regelmässigem Tanz verwirrter Sinne. Noch einmal streicht sich der stämmige, kleinwüchsige Mann über den wamstigen Bauchansatz, zurrt sich seinen Schnurrbart zurecht und deutet in fadenscheinig höflicher Manier seine Gattin, eine stattliche, kokette Frau, deren feuerrotes Haar in so manch Auge brennen könnt', vor, die Gassen der Hafenstadt zu betreten. Der Vorhang öffnet sich, die Lichter sind auf sie gerichtet, die Schau muss weiter gehen. Aufgesetzt ist das einst fröhliche Lächeln, zurückgehalten werden die Anschuldigungen und Keifereien, Seitenhieb und böswilligen Äusserungen...

...zumindest bis zur nächsten Häuserecke.

Die Wendolyns betreten die Bühne.


Zuletzt geändert von Illis: 30.06.05, 23:23, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 1.07.05, 13:30 
Festlandbewohner
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… Hure …

Das Wort schwebte praktisch greifbar zwischen Isolde und Gerelda Wendolyn, zwischen Mutter und Tochter in der Luft. Die Erwiderung der Tochter ging in einem Schwall Tränen unter. Dann stand sie alleine am Marktplatz. Fluchend, nicht im Ansatz auf den Schein der heilen Familie achtend, überquerte sie den Marktplatz und verschwand in ihrer Unterkunft. Sie erklomm die Stufen bis hinauf und sackte auf einem der Stühle zusammen. Sie nahm das kleine Tagebuch aus ihrer Tasche und legte es vor sich auf das Schreibpult. Eine Weile lang starrte sie nur darauf hinab.

Es war einmal anders gewesen… damals…

Sie schlug das Tageuch auf und nahm den Stift zur Hand, welcher in einer kleinen Stofföse an diesem feststeckte.

Er war früher auch einmal so gewesen wie dieser Erudin… und die Familie war glücklich…

Sie setzte den Stift auf das Papier und begann damit ihre Gedanken festzuhalten. Gedanken über Wut, längst vergessene Gefühle und Unrecht.

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Zuletzt geändert von Isodora: 1.07.05, 13:35, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Sonderlinge in Südfall...
BeitragVerfasst: 1.07.05, 17:41 
Bürger
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Beständig seufzend trippelte die junge Gerelda Wendolyn mit ihrem geliebten Äffchen auf dem Arm vorwärts. Am Sumpf vorbeikommend rümpfte sie die Nase. Na das waren ja Aussichten... jeden Tag diesen stinkenden Flecken durchqueren zu müssen, um in Gesellschaft zu kommen. Aber was nahm man nicht alles auf sich um einmal Ruhe zu haben vor gewissen Personen...
Ihre Miene änderte sich schlagartig, als sie in Südfall auf den ersten Menschen, respektive Nortraven stieß. Freundlich lächelnd nickte sie ihm zu. Dieser reagierte mit einiger verzögerung überraschend: Nach einem Blick auf den Affen der jungen Dame zog er barsch den Hammer. Mit schreckensgeweiteten Augen stolperte sie rückwärts, den sich zusammenduckenden Schimpansen an sich drückend. Während ein Mann dem Nortraven mehr oder weniger in den Arm fiel, das ganze aber befremdlicherweise auch noch amüsant zu finden schien und es als Nordmannssitte abtat, beruhigten sich Lage, Mädchen und Affe langsam.
Schnell stellten sich die beiden, der Nortrave und der Affenbeschützer als für die Taverne zuständig heraus. man klärte die Artistin auf, dass das Haus bald abgerissen werde, gestattete ihr doch befristet ein Zimmer zu. Tränen gab es beinah, als der Affe nicht mit ins Haus durfte, so dass sich der Nortrave auch in diesem Punkte erweichen ließ. Im Haus angekommen ging es so kunterbunt und seltsam weiter, wie es draußen angefangen hatte. Nachdem der Mann aus dem Obergeschoss rief "Halvard, ich bin ein Magier!" und dieser mit den Worten "Wartet, muss mal eben jemanden verbrennen", den Hammer zückend die Treppe hochgestürmt war, beschloss Gerelda, dass man Irren nicht widersprechen dürfe und gab sich fortan mustergültig brav. Man wurde sich handelseinig und ihr wurden die Schlüssel für das Zimmer mit dem Balkon ausgehändigt. Während der Nortrave schneller wieder das Haus verließ als Gerelda schauen konnte, drückte sie wenigstens dem zweiten Mann als Dank noch einen Kuss auf die Wange.
Erleichtert und doch recht zufrieden begann sie, sich in ihrem Zimmerchen einzurichten und auch ihr Äffchen turnte bald fröhlich am Bettgestell herum


Zuletzt geändert von Jaluda: 1.07.05, 17:43, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 4.07.05, 17:57 
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Wohnort: Tacatocoland :o)
Klitschnass stapfte das kleine Mädchen in die Stadt zurück, der Rock ihres roten Kleides klebte bei jedem Schritt an ihren Beinen, der sonstige Tuff von Wuschellocken hing in nassen Strähnen ihr Gesicht hinab, doch störte sie dies alles wie üblich nicht wirklich. War das ein Abend!
Sie mochte Onkel Bert und Tante Isolde, und wie sie das tat! Auch wenn die beiden sich gegenseitig nicht so gern hatten…
So richtig ganz hatte Mirella nicht alles verstanden was vorgefallen war, doch bei den Erwachsenen hatte sie es schon längst aufgegeben, alles verstehen zu wollen. Es machte ja sowieso keinen Sinn bei denen…
Der Onkel Bert zum Beispiel hatte eine richtige Familie, worum Mia ihn um alles in der Welt beneidete, doch was taten die? Den ganzen Tag streiten hat er erzählt – sogar im Schlaf! Wobei sie sich das ja schon wieder als richtig lustig vorstellte.
Richtig lustig war der Onkel Bert ja, der ihr zuerst bunte Lichter versprochen hatte, dann aber nicht konnte, weil er torkeln und zu Boden plumpsen und nach Bier riechen musste, was aber nicht so schlimm war, denn so konnten sie beide im herrlich strömenden Regen auf der Bühne sitzen und sich Geschichten voneinander erzählen. Doch gerade als der Blondschopf erklärt bekam, warum sie wegen dem wilden Urwaldbewohner nicht zu lecker aussehen durfte im Publikum, tauchte seine Frau auf.
Oh.. da kommt das Unheil durch den Regen gestapft… was auch passiert, schau ihr nicht in die Augen!
Mirella fand den gemurmelten Satz noch wahnsinnig ulkig, doch das Kichern verging ihr schnell wieder, als die beiden fürchterlich zu streiten beginnen. Dabei verstand das sie gar nicht, warum sie eigentlich so bös aufeinander waren. Nun gut… nicht alles, was sie zeterten, machte Sinn…
Mia furchte die kleine Stirn und versuchte diese Flut an neuer Information zusammen zu setzen, was ihr jedoch nicht wirklich gelingen wollte…
Der Onkel Bert war ein Suffkopp - hach, welch herrliches neues Wort – aber dafür musste die Gerelda irgendetwas von irgendwo ja herhaben, weil die Tante Isolde ja mit einem Herrn Nächstbesten dauernd liebäugeln tut, aber das tut sie nur weil der Herr Nächstbester ein Herz hat und bei ihr nicht Fussabtreten tut, aber der Onkel Bert tut auch nicht Fussabtreten sondern Traummiteinanderteilen und weil das Feuer alles samt Sohn gefressen hatte musste Onkel Bert die Klappe halten und Tante Isolde war ein Miststück weil sie nicht sehen wollte, was wirklich war…
Verwirrt schüttelte Mirella den Kopf, auf dem sich die feuchten Strähnen schon wieder langsam zu kringeln begannen. Es machte einfach keinen Sinn, egal wie sehr sie es im Kopf auch hin und herdrehte.
Weißt du… Erwachsene sind manchmal dumm… wir machen es uns schwerer als gut ist.
Tante Isolde war eine arg gescheite Frau, endlich mal jemand der Grossen, die es zugegeben hatte!
Wurde aber auch langsam Zeit… vielleicht sollte sie die liebe Frau, die in echt gar nicht so böse war wie es schien wenn sie brüllte, am besten gleich mit den Rittern und `Weihten reden lassen, könnte ja klappen…
Zum Zirkusgelände würde sie auf jeden Fall zurückkehren, hatte sie dort doch nachher noch einen so richtig echten Verrückten kennengelernt, der meinte, das könne man lernen! Und das Gehege mit dem umherhuschenden Schatten musste sie auch noch genauer untersuchen, unbedingt...
Vielleicht hatte sie ja Glück und wurde doch noch zum Dwarschim wenn sie genug Bier trinken und der doofe lange Bart endlich wachsen würde, denn dann würde Onkel Bert sie engaschimieren, hat er doch selber gesagt!

In ihre Grüblerei versunken, marschierte das durchnässte Mädchen langsam trottend Richtung Markt, als ein Schatten auf sie fiel und zwang, aufzusehen.
Mhm… wieso glaube ich, dass mir die Antwort nicht gefällt wenn ich dich frage wie du hierher kommst?, sprach Benion mit gerunzelter Stirn.
Das kleine Mädchen grinste ihn breit aus ihrem sommersprossigen Gesicht an.
Dann frag halt nicht Vati!
Der Diener Vitamas seufzte leise und blickte auf seine Schutzbefohlene hinab.
Wo kommst du denn her?

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Come on with the rain, I've a smile on my face...

[Quirian]: Ich will aber kein Eventler werden
[Becky]: Keine Sorge Quiri, die reden von guten Spielern..da gehörst du nicht dazu, also kannst du weiterhin Hüter bleiben..

Wir gegen Sie!
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[ !Riniel ] Hehe, wenn toco sich einmischt gibt's tote


Zuletzt geändert von tocopherol: 4.07.05, 18:01, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 5.07.05, 02:16 
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Lange lag sie schon wach im Bett und weinte. Die Tränenflut schien gar nicht versiegen zu wollen, als hätte jemand irgendwelche Schleusen geöfffnet und vergessen sie wieder zu schließen. Düsternis hatte sich ihres Herzens und ihres Verstandes bemächtigt und nichts auf Tare würde es jemals wieder ändern können.

Erst war der Schimpanse ausgerissen und dabei verletzt worden und dann... ja dann....

Sie stand wieder auf und zündete die Kerze an, welche ein weiches Licht über die Sachen in dem kleinen Zimmer in der Brandensteiner-Stadtmauer, warf. Sie zog den Stuhl zurück und setzte sich an den Tisch. Mit einer sachten Bewegung zog sie das Tagebuch zu sich heran und schlug es an der makierten leeren Seite auf.

Mein einziger Freund, mein Tagebuch,

Gerade einmal angefangen legte sie die Feder schon wieder bei Seite. Wollte sie wirklich festhalten wie er sie beschuldigt hatte, dass sie zu jedem ins Bett steigen würde? Wollte sie wirklich festhalten, dass er selbst einen Astrael-Geweihten dessen für schuldig befand in seinem Suff?

Eine ganze Weile lang saß sie so da, ohne den Hauch einer Ahnung wie es weiter gehen sollte. Dann nahm sie die Feder wieder auf und begann zu schreiben.

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BeitragVerfasst: 5.07.05, 14:17 
Altratler
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„..und das schlimmste waren ja die ständigen Hänseleien. Du glaubst gar nicht welch endlosen Qualen ein kleines Mädchen mit wirren Stoppeln am Kinn durchleben muss, wenn es von anderen Kindern beim täglichen Rasieren erwischt wird!“ Die bärtige Dame, sitzend auf einem der Schemmel vor dem Küchenzelt des Zirkusgeländes nahe dem Falkenseer’ Südtor, reckt ihre wohlgeformten Beine und mit ihnen die zierlichen Füsse in Richtung des knisternden Feuers.

‚Wie schön sie doch ist, welch Anmut von ihr ausgeht. Dieses Haar, auf dem Kopf wie im Gesicht.’ Die Gedanken des kleinen endophalischen Stallburschen hoben sich weit über die Zelte und die Bühne hinweg um in verliebter, grotesker Weise in den Wolken über Siebenwind zu tanzen. ‚Vielleicht sollte ich meine Kenntnisse in der galadonischen Sprache ja doch verbessern um zu verstehen was sie sagt? Hach.. wie wunderschön…’

„Übrigens“, die Rotgekleidete senkt ihre Füsse ins kitzelnde Gras dessen Halme, kleinen tapferen Soldaten gleich, stramm zu stehen scheint, „hast du den alten Herbertus vorhin gesehen? Hatte sich wohl wieder das eine oder andere Bierchen zuviel hinter die Binde gekippt und danach den kleinen Urwaldmenschen mit Käsestückchen gefüttert.“ Andächtig kratzt sie sich durch den wohlgeformten Bart. „Nichts ist mehr so wie früher, kleiner Stallbursche, gar nichts.“

‚Ob sie ihre Gesichtspracht wohl mit Schmalz behandelt? Oh ja, kraul ihn.. Langsamer. Wie gerne wär ich doch eine Luth Mahid’r Filzlaus und verfinge ich mich in den struppigen Tiefen deines Bartes, holde Maid.’ Kreisend und unruhig pochen die unmöglichsten Ideen im Kopfe des kleinen Südländers, während er auf dem morschen, hölzernen Hocker kurz hin und her rutsch und weiter vorgaukelt auch nur ein Wort aus ihrem Munde zu verstehen.

„Noch nicht mal ein richtiges Zelt haben sie mehr, obwohl die Spenden aus Mittelgaladon ja für drei gereicht hätten! Aber das Feuer hat eben nicht nur den kleinen Rufus in Morsans Hallen befördert, nein nein, mit ihm alles, was die Dynastie der Wendolyns ausgemacht hat. Der Zusammenhalt, das positive Denken, die Liebe.. Hach, es ist schon zum Haare raufen!“

Während sich die beiden, wenn auch zugegebenermassen einseitig und angeregt unterhalten, sich die leidenschaftlichen Fantasien des jungen Endophalis ins unermessliche steigern, legt sich Tag für Tag, Augenzwinkern um Augenzwinkern eine erdrückende Tragik über den Circus, welchen selbst die in den fröhlichsten Farben strahlenden Laternen am, mit Stroh ausgelegten Wegesrand, nicht zu übertünchen wissen. Und doch, das Lachen, das Staunen, die Schau muss weiter gehen.

„Was schaust du mich überhaupt so lüstern an, Stallbursche?“


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BeitragVerfasst: 7.07.05, 05:52 
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Das Echo der Ohrfeige klang noch immer in ihren Ohren nach. Sie hatte ihn noch nie, noch niemals in ihrem Leben geschlagen, aber er hatte sie zu tief getroffen mit seinen Worten. Wieder hatte er ihr vorgeworfen, dass sie ihm untreu wäre. Dass alles stimmte doch gar nicht. Warum konnte er nicht sehen, warum nicht fühlen, wie es wirklich war? Ihr war nach weinen zu mute gewesen, als er sich abwandte, doch sie hatte in den Jahren nach der Katastrophe gelernt mit diesem Gefühl umzugehen und die Tränen zu unterdrücken. Sie richtet sich gerade auf und wurde wieder zu der stolzen Frau, zu der Frau, welche ihre Rolle in diesem grausamen Theaterstück war. Sie schritt den mit Stroh ausgelegten Weg hinab in Richtung der Bühne. Langsam erklomm sie die wenigen Stufen hinauf und blieb stehen, den Blick hinauf Richtung Hochseil.

Viele Gedanken gingen ihr in jenem Moment durch den Kopf, Erinnerungen an die letzten Jahre und an den vorletzten Abend, an welchem er sich so daneben benommen hatte in seinem Suff. So viele Erinnerungsfetzen, zu viele und mit dem Blick hinauf zum Hochseil, formte sich ein Satz. Unfähig ihn in ihrer Verzweiflung in ihrem Inneren zu behalten sprach sie ihn aus.

Fall doch endlich da runter du verdammter Dreckskerl.

Kaum war die letzte Silbe verklungen, bereute sie es auch schon. Wieder stiegen ihre Tränen in die Augen, fast zu übermächtig, fast zu viele um sie zu unterdrücken. Der Blick war gefangen von dem Seil, welches so hoch über der Bühne gespannt war. Sie wollte nur noch allein sein, weit weg von hier, aber dieses Glück war ihr nicht vergönnt. Wie aus dem Nichts aufgetaucht stand plötzlich Gerelda vor ihr. Dieses blonde, attraktive Mädchen, ihre Tochter, so traurig, Tränen bahnten sich ihren Weg aus den hübschen Augen. Gerelde warf sich in ihre Arme, ihr ganzer Körper, ihre Seele bettelte regelrecht danach von ihrer Mutter in den Arm genommen und getröstet zu werden. Etwas steif hob sie ihre Arme und umschloss ihre Tochter. Einige Augenblicke standen sie so da. Trauer, so viel Trauer. So viele Gefühle welche von Gerelda ausgingen. Sie konnte das nicht, sie war einfach nicht in der Lage. Die Welle von Gereldas Gefühlen drohte sie zu überwältigen. Sie konnte das nicht zulassen, sie würde es nicht ertragen können. Sie drückte sie von sich weg. Ich… mehr als dieses hölzerne Wort bekam sie nicht über die Lippen, es ging nicht und so wandte sie sich von ihrer Tochter ab, welche bereits die Stufen wieder hinab stolperte.

Sie musste ihr weg. Es fühlte sich so an, als würde die Luft an diesem Ort nicht zum Atmen ausreichen, als müsse sie jeden Moment ersticken. Weg, nur weg. Weg vom Circus, weg von den Leuten hier, welche alle um ihre Geschichte wussten, weg von diesem Trauerspiel.

Der Herrin Güte mit Euch ... werte Isolde.

Sie brauchte sich nicht einmal herumdrehen um zu wissen, dass es Amelia war. Sie hatte die junge Geweihte bereits einmal, auf dem Markt getroffen gehabt und sie hatte sie bei ihrem Mann gesehen als sie am Circusplatz angekommen war. Warum konnte sie sie nicht einfach in Ruhe lassen? Warum stand sie nun hinter ihr und versuchte mit ihr zu reden? Sie wollte nur Weg und lief an ihr vorbei, doch sie hielt sie zurück. Sprach von Liebe und Träumen. Liebe?

Eifersucht herrscht nur in dem Herzen, das um jemanden sehr in Sorge ist.

Ihr Mann sollte sie noch lieben? Nein, dass konnte nicht sein. Er war auch nicht eifersüchtig, er hatte nur Angst, Angst um seinen Traum, Angst, dass sie selbst seinen Traum vernichten könnte. War der Traum nicht schon längst wie eine Seifenblase geplatzt?! Und sie selbst… liebte sie ihn noch, so wie es Amelia behauptete? Konnte sie diesen Mann denn nach alle dem noch lieben? Noch immer sprach Amelia, doch sie hörte nicht mehr wirklich zu, wollte es nicht und konnte es schon gar nicht mehr ertragen. Zuviel Hoffnung sprach aus Amelias Worten, doch Hoffnung konnte sie sich nicht mehr gestatten, Hoffnung beinhaltete auch immer wieder Enttäuschung.

Irgendwann war es vorbei. Amelia war fort, ihre Tochter war fort und auch ihr Mann war wohl nicht mehr in der Nähe. Endlich Ruhe, Ruhe die sie sich so sehr gewünscht hatte. Doch mit der Ruhe kamen die Erinnerungen wieder und die Tränen, welche sie nun nicht mehr zurück halten konnte und wollte.

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BeitragVerfasst: 12.07.05, 00:27 
Altratler
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'Geträumt habe ich von dir, du liebliches Ding, letzte Nacht. Wie merkwürdig das Leben doch seine Spielchen mit mir treibt, sollte ich eigentlich in Heimweh an die Südlande versinken, kann ich an nichts denken ausser an dich. Dein strahlendes Lächeln, die vielen unbekannten Worte, welche unaufhaltsam deinen Mund verlassen wie das Wasser die eine Quelle, tief verborgen im Gestein des Igr-Tashadi, dein Bart, wie er sich bettet in dein Gesicht, es abrundet in seiner Schönheit, dir Charakter verleiht.' Der junge Endophali schwankt trunken auf dem kleinen Hocker hin und her, die Wärme, die Leidenschaft spürend, wie sie vom Feuer wie von der Bärtigen, ihm gegenüber sitzend, auszugehen scheint. Heisse Nächte, wallendes Blut... am Falkenseer' Südtor.

"Hast du gesehen, mein junger Freund", mit dem zurechteschnittenen Fingernagel zurrt sie eine Strähne ihres Kinnhaarwuchses und fährt in plauderndem Ton fort. "Die Rosi ist nun auch da. Der Herbertus hat sie gestern Abend angeblich aufs Gelände gebracht. Dieses eingebildete, arrogante Mistvieh. Man könnte meinen, ein Lama, welches seit Jahren mit Menschen in Kontakt ist hätte zumindest ein Fünkchen Anstand aber nein, nicht die Rosi. Die spuckt dir noch ins Gesicht, wenn du ihr gönnerhaft eine Rübe entgegen streckt. Und glaube mir", sie beugt sich vor, das rote Kleid wallt sich bis zu ihren Füssen, während sie dem jungen endophalischen Stallburschen auf die Brust tippt, "sie lacht dich dabei aus und geniesst es. Vermaledeites Lama!"

Er hebt erwartungsvoll seinen Blick von ihrem tippenden Finger an, während seine Gedanken wieder ihr Eigenleben entwickeln. 'Ja, berühr mich, hör nicht auf. Sogar dein Finger, mit der vollendenden Dreckkruste unter dem Fingernagel scheint perfekt. Was soll ich bloss tun. Es zerreisst mich innerlich, diese Spannung zwischen uns, spürst du sie auch? Ach könnte ich dich doch nur verstehen. Nein! Nein, nicht den Finger zurück ziehen, nicht den Fing...'

Sie zieht ihre Hand zurück und bettet sie zur anderen in ihren Schoss. "Jaja, die Rosi. Der Herbertus berichtete, dass ihr auf der ganzen Überfahrt über schlecht gewesen sein, das Deck des Schiffes habe sie garniert und einige Pfunde verloren. Geschieht ihr ganz recht, wenn ich bedenke, wie oft sie mich schon hinters Licht geführt und ihre Spucke im unpassensten Augenblick meinen Bart verunstaltet hat. Lamas.. Übrigens, wenn wir eben gerade so miteinander philosophieren.. Findest du nicht auch, dass die Isolde in letzter Zeit ziemlich ungesund dreinschaut? Der Stress wohl, nicht nur die Last der zerrütteten Familie, nein, ständig muss wieder was gerichtet, angebracht, genäht, abgeholt und ausgebessert werden. Den Clown von heute Morgen hat auch sie angeschleppt. Ein kauziger Kerl. Spricht kein Wort und kommuniziert über seine Bewegungen, Gesten und übermässige Grimassen. Etwa genau so gesprächig wie unser Freund im Käfig. Nennt sich ein wilder Urwaldmann, schläft aber auf einem Baumwollkissen, welches ein Mädchen vor ein paar Tagen vorbei gebracht hat. Wirre Welt. Da lobt man sich doch die eigene Normalität", spricht sie und massiert innigst ihren Bart.

Und weiter sprudeln ihr die Worte aus dem Munde, füllen den Tag und die leisen Stunden, bevor sich der Vorhang hebt und das eingeübte Lächeln sitzen muss. Keinen Fehler, jene machen sie zu genüge in ihrer Familie. Denn dafür Leben die Wendolyns, den Applaus, das Staunen, der heikle Tanz auf dem Seil, ins Wanken gebracht durch Probleme und Hoffnungslosigkeit.

"Deine Hand auf meiner? Stallbursche, du willst doch nicht etwa..."


Zuletzt geändert von Illis: 12.07.05, 00:34, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Auf dem Zirkusgelände bei Falkensee
BeitragVerfasst: 14.07.05, 01:16 
Edelbürger
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Registriert: 31.07.03, 14:28
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Der 1. Hellzyklus - zwei Gestalten, eine junge Frau mit blonden Haaren und ein alter Mann in einer rostroten Robe, betreten das Gelände des Zirkus, wo sie zuvor noch der Vorstellung sowie des "Unfalls" beigewohnt hatten.

Eine Weile schauen sich beide um (auch im Zelt Enzo Wendolyns), reden dabei miteinander, die Frau klettert sogar eine der Strickleitern hoch zu dem Pfahl, wo auch Herbertus Wendolyn hochgestiegen war und hatte dort den Balken untersucht.
Dann gingen beide in das kleine Zelt mit den roten Vorhängen, wo die Artisten sich aufgehalten hatten während der Vorstellung und von dort aus in den nahen Wald. Vor allem die junge Frau sah sich den Waldboden und die Umgebung an, doch dann trennten sich beide wieder.

Während der alte Mann wieder von dannen schlurfte, blieb die Frau zurück, liess sich an einem Baum am Waldrand nieder, legte sich auf ihrem Schoß ihren Bogen, an dem sie die Sehne einhakte und neben sich ein paar Pfeile. Danach sah sie rüber zu dem Gelände des Zirkus, schlug ihren Umhang um sich und verharrte so beobachtend....

_________________
Q: I've always tried to teach you two things. First, never let them see you bleed.
James Bond: And the second?
Q: Always have an escape plan.


Zuletzt geändert von Kikia: 14.07.05, 01:38, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 14.07.05, 01:31 
Einsiedler
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Der Alte schnappte sich noch sein Reittier, eine dicke gutmütige Stute, und ritt durch den Sumpf nach Südfall.
Vom Tier abgestiegen begab er sich gemütlich schlurfend zur Taverne zurück. Unter dem auffälligen Balkon drückt er sich etwas in das Gebüsch und den kleinen Zierbaum um dort bei einem leichten "un"gemütlichen nickerchen relativ schwer erkennbar zu Wachen.

Wärend er so döst geht er noch einmal stück für stück den ganzen Abend durch. Dreht und wendet gedanklich all die Indizien die er seidher gefunden hatte und fügt sie in mehreren kombinationen zusammen. Er ruft noch einmal die Gesichter der Anwesenden in sein Bewusstsein und unterteilt sie in Zuschauer und Verdächtige. Irgendeines dieser Gesichter gehörte dem Schuldigen. Davon war er überzeugt. Er würde mit allen Reden, er würde sie alle prüfen. Und er würde finden was er suchte.

Mit diesem letzten Gedanken sank er dann schliesslich in einen Traumlosen schlaf, des öfteren zuckt er des Nachs wohl zusammen und schaut sich etwas um, durch Umgebungsgeräusche geweckt, ehe er wieder einschläft.


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BeitragVerfasst: 14.07.05, 02:34 
Altratler
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Beiträge: 7374
Wohnort: Berlin
Alles zerbricht vor meinen Augen, mein Bruder, oh du fehlst mir so, Mutter, liebst du mich noch? Schwester, bin ich für dich da? Vater...

Einen Moment sah der braungebrannte Stallbursche auf, zur Köchin. Eine neue Kuriosität, die Rotäugige Fischjongleurin? Nein, aber verheult und nervös...

"Reichst du mir noch einmal etwas von dem Eintopf?"

"Aber ja, Enzo", sagte sie mit einem Schluchzen, "iss viel, das brauchst du jetzt."

"Ja... "

Ach Vater! Dieses Seil! Warum hat uns das Schicksal so getroffen? Und warum hast DU es dazu kommen lassen?

Still und stramm richtete er sich auf, die Mine festgefroren und zu Boden gerichtet, wie immer. Zu Boden, dort wo der ganze Mist rumlag, den er aufkehren musste. Der Eintopf würde ihm gut tun.

Am Zelt, man hatte es unerlaubter Weise betreten, machte er kehrt.

Liegst du da noch? In meinem Zelt? In meinem Bett? Schläfst du, Vater? Stöberst du nicht etwa in meiner Truhe? Dort habe ich doch...

... nein, ich kann nicht neben dir Essen, Vater. Wir teilen uns nicht eine Tafel und nicht ein Bett, es ist MEIN Zelt, es ist MEIN Bett, was hast du überhaupt in meinem Leben noch verloren, selbst jetzt, wo du doch endlich...


Er kippte den Eintopf auf dem Strohboden um, und rannte wieder, rannte los in den Wald. Wie erst vor kurzem, als es geschah... als das Seil gerissen ist, ja, er ließ Dolch und Apfel fallen und rannte los, sich noch kurz vom Tode seins Vaters vergewissernd...

Ob ich wohl traurig wirkte? Ich bin es wohl... Vater, warum lässt du mich im Stich?

Und so rannte er in die einkehrende Dunkelheit, in den Wald, in die Stille, zu sich zurück, in seine Welt.


Zuletzt geändert von Riniel: 14.07.05, 02:37, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 14.07.05, 08:14 
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...laut Rufend stapfte er umher, sah sich um, befragte die Leute nach dem Verbleib von Isolde bis er sie schliesslich im Tempel fand.
Zu ihr setzte er sich nieder, griff ihre Hand und flüsterte ihr leise einiges zu.
Nach einer ganzen Weile dann erhob er sich und verliess das Zimmer ebenso leise wie er es auch betreten hatte.


Nur ein kurzes Umsehen, dann band er das Pferd los, saß auf und ritt gen Brandenstein.


"Liebste Isolde, warum nur muss dir so viel Leid wiederfahren warum nur ?" murmelte es leise vor sich hin als er in seinem Zimmer saß und seinen Tee trank.
So wie er dich behandelt hatte hat er es verdient diese kleine dicke Kerl der sich dein Mann schimpfte ... "ja gedemütigt hat er mich auf dem Fest neulich
mir das Bier auf den Kopf gekippt, er hat dich nicht verdient" surrten ihm die gedanken durch den Kopf.

"Er hätte es doch nie erfahren müssen, hat er es erfahren ?" Schoss es ihm dann durch den Kopf "Nein sicher nicht, er war vielleicht ein Rülpel, ein Säufer, ein zorniger Mann, aber sehr Klug schien er nicht zu sein" wieder übermannte ihn eine Welle von Gedanken.

"Liebste Isolde kräme Dich nicht denn er hat es verdient, erkennst du es denn nicht ? Er hat dir das schlimmste angetan was man einem nur antun kann. Er hat Dich verlassen, auf ewig, er ist tot ... am liebsten würd ich ihn dafür u......" Wieder rissen die Gedankenfetzen ab und er schlürfte seinen Tee. "Mist" meinte er sich aufrichtend.
"Jetzt kann man ihn nichtmal mehr strafen für seine Taten, selbst dem hat er sich entzogen dieser Wendolyn"

Er stellte sein Teeglas beiseite, griff Kohlestift und ein Pergament und notierte sich alles darauf was er von der Familie Wusste, was er gesehen hatte, was ihm Isolde erzähle. Er zog einen Strich.
Nachdenklicher Mine tippte er mit dem Stift auf dem pergament eine weile, ein kleiner Fleck war das Resultat, ehe er dann die Namen aufschreib, mit Bemerkungen und einige davon einkreiste.

Er zuckte auf "warum?" packte alles fein säuberlich wieder zusammen, das Pergament und den Kohlestift in seiner Innentasche verstauend.
"Nein ich sags niemandem" der gedanke dann ein lächeln als er sich zu Bett begab. Er zog sich die Decke bis über den Bauch, drehte sich auf die Seite und schloss die Augen.
"Hätte ... es nicht getan hätte ich es getan" er zwang sich nicht daran zu denken als er die Worte nuschelte und schlief dann seelenruhig ein.


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BeitragVerfasst: 14.07.05, 11:35 
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Der Glanz, das Strahlen, die Zuschauer, das Staunen.
Die Perfektion. Die Glückseligkeit.

Alles war perfekt gewesen, die Vorstellung hatte sich in all ihrer Pracht vor den Zuschauern abgewickelt. Jede Bewegung saß, jedes Handzeichen fand seine Antwort, jeder hundert mal geübte Schritt war sicher und fest, jeder Scherz löste die gewünschte Reaktion aus.

Perfektion. Heile Welt. Endlich wieder.

Jede Vorstellung erlebte Gerelda wie ihre erste. Mit flatterndem Herz und lachenden Augen, die sie manchmal kaum hinter der Maske der Professionalität verbergen konnte und wollte.

Der Abschluss, der krönende, er rückte näher.

Des Stehens müde mischte sich die junge Frau unters Publikum, lächelnd, träumend dem Ende der Vorstellung entgegenblickend.

Dann: Der Schrei. Widerhallend in dutzenden Kehlen, aufschreckend, angstvoll. Panik um sie her. Sie selbst: Erstarrung.
"Nein". Das einzig mögliche Wortm, die einzige Antwort, die sich ihrer Kehle entrang: "NEIN!"

Ihr kleiner Affe wusste nicht recht, wie ihm geschah, als sie ihn hochriss, tränenblind fortlaufend. Fortlaufend - wie immer.
Stolpernd erreichte sie Falkensee und kauerte sich in ihrem Kämmerchen auf den Boden, den arglos tröstenden Affen, der den Kummer der Herrin spürte, sah sie nicht mehr durch den Tränenschleier.
"Es ist nicht wahr!"
Wimmernd begann sie sich ihre eigene kleine Welt aufzubauen, Stein für Stein, Stück für Stück. Jeden Lichtglanz des Abends schloss sie in ihr Herz, doch das Ende, der schreckliche Schrei, das Knacken, der leblose, verdrehte Körper, all diese Bilder durften keinen Einlass finden.

Lange war sie so gesessen, als ein Klopfen sie hochriss. "Das Spiel muss weitergehen". Erneut legte sie ihre Maske auf, trat zu der Tür. Das Gespräch mit dem unfreundlichen, fast sadistisch sprechenden Ermittler bohrte sich wie ein glühender Dolch in ihre Eingeweide. "Mord. Ein Mordfall. Es war Mord", war das einzige, was in ihren Gedanken widerhallte, ein höhnisches Echo, wieder und immer wieder. "Mord! Und du kennst den Mörder! Natürlich tust du das! Wo ist nun deine kleine heile Welt?". Zitternd bemühte sie sich um Fassung vor den beiden fragenden, bohrenden, kalten Menschen, die da vor ihrer Tür standen. In ihrem Kopf hämmerte es ohne Unterlass. "Mord. Ein guter Mord. Ja, es war Mord!"
Als sie glaubte, es nicht mehr auszuhalten, zog sie sich zurück, igelte sich in ihr Zimmer ein, schob feste den Riegel vor.

Allein. Fürs erste sicher vor den weiteren, drängenden Fragen. Aber nicht sicher vor den eigenen Gedanken.


Zuletzt geändert von Jaluda: 14.07.05, 12:04, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 14.07.05, 15:20 
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Es gibt da etwas das ich dir sagen muss, doch erst nach der Aufführung, wir sollten langsam los.

Seine Stimme war anders als sonst, sein Blick so anders als in den letzten Jahren. Sie gingen zusammen Richtung Zirkusgelände. Als sie dort ankamen, war dort schon einiges zu tun. Der ein oder andere Zuschauer war schon da und auch die Künstler von der Insel waren dort, so wie es vereinbart gewesen war.

Isolde schlenderte mit einer Leichtigkeit über den Platz, die sie schon so lang nicht mehr gespürt hatte. Als ihre Tochter angerannt und neben ihr zum stehen kam, gab sie ihr einen Kuss auf die Wange. Es wird alles wieder gut, alles so wie es sein sollte. Sie wusste es einfach.

Alles lief glänzend. Dann kam dieses Ritual. Sie ging auf die Bühne hoch und kündigte ihren Mann an. Es war wirklich so wie es früher gewesen war. Sie stand unten, sah hinauf zu ihm. Er war dicker als früher, ja, aber es würde keinen Unterschied machen. Es war als wäre er für diese Art Kunststück geboren worden.

Sie starrte noch immer zum Seil auf als es bereits gerissen war und Herbertus unten aufgeschlagen war. Wie in Trance bekam sie es mit, als ihre Füße sich nach vorne bewegten. Da lag er, mitten auf der Bühne. Blut, sein Blut. Sie sackte zusammen. Tränen flossen über ihr Gesicht. Irgendwer nahm sie in den Arm, führte sie sogar fort. Sie bekam es nur am Rande mit. Immer wieder sah sie wie das Seil riss und er hinab fiehl.

kann nicht sein... darf nicht sein... kann nicht sein... darf nicht sein...

Immer wieder, immer und immer wieder. Es durfte einfach nicht sein. Nicht jetzt. Warum jetzt? Hin und wieder drang Amelia zu ihr durch, wobei es eher die Stimme war, als die Worte, denn diese verstand sie noch nicht einmal. Dann war da dieser süßliche Geruch und die angenehme schwere die sie befiehl und welcher sie sich gerne hingab.

Schlaf. Traumloser schlaf.

Als sie wach wurde schrieb sie ein paar Zettel. Lief über die Insel um diese zu verteilen. Sie war nur noch ein Abbild ihrer selbst, blass, die Augen rot unterlaufen und immer wieder Tränen, welche sie plötzlich nicht mehr unterdrücken konnte.

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BeitragVerfasst: 14.07.05, 15:40 
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Larissa torkelte langsam durch den dunklen Wald. Es war vielleicht doch ein Glas Klares zu viel gewesen. Sie war sich recht sicher in der Nähe Brandensteins zu sein, und doch kam sie nicht hin obwohl sie schon seit längerem im Wald umherlief. Sie wurde das Gefühl nicht los sie würde im Kreis laufen aber ihr Kopf schien unter dem Alkoholeinfluss jeglichen Orientierungssinn verloren zu haben. Schließlich gab sie es auf und ließ sich taumelnd auf den nächstbesten Baumstamm sinken.

Zu viel war das gewesen, viel zu viel. So nah hatte sie an der Bühne gestanden als der arme Mann hinunterfiel, noch gesehen wie sich sein Kopf in einer grotesken Weise verdrehte als er aufschlug. Er war doch so nett gewesen der Mann. Die kleine Frau schniefte betrunken.
Sie wusste selbst nicht warum sie direkt als er gefallen war "Mordanschlag" geschrieen hatte bevor ihr das ausgesprochene Wort und das Passierte wirklich klar wurde und der Schock sie erstarren ließ.
Irgendwie war sie sich noch in ihrem jetzigen Zustand sicher dass sie recht gehabt hatte. Zu schnell hatte sich das Seil gelöst gehabt, zu schnell für einen einfachen Riss. Es sah eher..abgefallen aus. Jemand hatte ihn umgebracht den netten Zirkusmann.

Erneut schniefte sie. Warum war sie bloß hingegangen. Ja tanzen wollten sie und Simone, aber hätte sie gewusst so etwas sehen zu müssen wäre sie sicher lieber in Brandenstein geblieben. Ein weiteres Schniefen. Wer tat bloß so etwas, wer ließ den armen Mann sterben. Der Mörder musste ihn sicher sehr gehasst haben, aber wofür? Was musste jemand tun um solchen Hass zu verdienen?

Plötzlich setzte sie sich etwas gerader hin. Der Wilde...angebunden, herumgezerrt, vor allen vorgeführt. Das gäbe genug Gründe für Hass aber der Wilde war zu dumm gewesen...oder tat er bloß so? Andererseits schien er doch sicher angebunden doch war er das immer? Unmöglich wäre es nicht. Sie stellte sich selbst oft genug dumm wenn auch nicht auf eine derart gravierende Weise. Was ist wenn der Wilde das selbe tat, all das nur vorgespielt hatte?

Larissa presste sich die schmalen Hände an die Schläfen. Nein jetzt war es genug. Schluss, daran würde sie nicht mehr denken und sich einmischen schon gar nicht. Sie mischte sich nie ein, jetzt würde sie nicht damit anfangen. Taumelnd erhob sie sich und torkelte weiter. Erst mal Brandenstein erreichen...und dann den ganzen schrecklichen Abend ganz schnell vergessen.


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BeitragVerfasst: 14.07.05, 23:33 
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Zu einem Späteren Zeitpunkt hockt der Alte in seiner Rostroten Robe am Hafen und blickt aufs Wasser.
Vieles hatten sie heute wieder in Erfahrung gebracht. Vieles blieb ihnen verborgen. Morgen würde er durch das Tagebuch vielleicht etwas mehr erfahren. Er war überrascht das sie zugestimmt hatte, eigentlich hatte er sich schon damit abgefunden gehabt es stehlen zu müssen.
Er hatte bei Isolde Wendolyn aber nicht den selben Fehler gemacht wie bei Gerelda. Sie so knallhart mit seinen Thesen zu konfrontieren das ihr garkeine zeit mehr zum Nachdenken blieb und ihr hier und dort etwas entschlüpfen würde vielleicht, war ein großer Fehler gewesen. Er hatte sie völlig falsch eingeschätzt. Er hielt sie zuerst für schwach und leicht zu kontrollieren. Er irrte sich. Nicht mal als er in ihr zimmer eingebrochen war hatte er etwas gefunden.
Naja, er hatte ja noch eine zweite Option mit ihr zu reden. Nur das würde komplizierter werden.

Ebenso war da noch der Sohn den er bei Isolde angetroffen hatte. Dessen Gekreische er selbst durch die dicken Mauern hören konnte. Ihn hatte er zunächst vorallem Verdächtigt, doch er schien selbst für sich nach dem Mörder zu suchen, besser noch er beschuldigte eindeutig seine Mutter des Mordes. Was war nur geschehen.

"Ach Bob, tu nich so als wüssteste alles..... Denk ans Angln, hab Geduld. Heut warste zu hektisch, morgn gehstes richtig an. Zuerst ma werdn wir diese verrückte Familie verstehn lernn"


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BeitragVerfasst: 15.07.05, 16:31 
Altratler
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Lange krabbelte die dicke schwarze Fliege am Mauerwerk herum, fühlte die unebene Beschaffenheit unter ihren dürren, ausgemärgelten Beinchen. Auf und ab, hin und her. Desinteressiert liess sie die Körper der ansonsten verführerisch stinkenden Kühe und Schafe in den Gattern hinter sich, es galt sich an etwas anderem zu laben, süsslich, frisch. Doch diese verflixte Stadtmauer, die Brandenstein umgibt scheint ihrem Vorhaben ein unvollrichtetes Ende zu setzen, wehrte sie doch schon ganz anderes Geschütz ab. Krabbelnd, suchend, scheint die Nervosität, die Vorfreude in dem kleinen, mit unzähligen Augen bespickten Körper ins Unermessliche zu wachsen. Da! Ein Spalt! Von einem frischen Windstoss begleitet, lässt die Fliege den kalten Stein hinter sich und schwingt sich surrendeweise in die warme Luft des Zimmers zu ihren Kollegen, welche volkstänzerisch über dem leblosen Frauenkörper kreisten. Der Duft von frisch gefärbten Stoffen hatte sich schon längst mit dem herben Geruch geronnenen Blutes vermischt.

Isolde Wendolyn ist tot. Und die Fliegen frohlocken über den Köpfen jener, welche noch immer versuchten den Fall aufzuklären.


Zuletzt geändert von Illis: 15.07.05, 16:35, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 15.07.05, 16:57 
Edelbürger
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Es brummte und rumorte, die Luft zwischen den beiden Hüten glimmte und verschwamm. Hannah auf ihrem Kopf und der Hut der Leiche , Isoldes Hut, auf der mit Kuchen verschmierten Glaskugel. Hannahs Bauchband begann zu glühen und auch Isoldes Hut schien in Bewegung zu geraten. Ein Kampf um Erinnerungen tobte, seitdem sie Worte für eine Wiederkehr der Bilder gesprochen hatte. Schließlich gelang es Hannah und eine Folge von Augenblicken offenbarte sich im Innern der Kugel:

Eine Hand führt ein Messer, sticht wie von Sinnen auf einen Leib ein und Blut spritzt umher. Das Messer hebt und senkt sich, es durchbohrt den Körper immer wieder.

Erudin Gropp und Isolde, in inniger Umarmung verharren sie, nichts bewegt sich.

Der Wilde im Käfig, er steht am Gitter und ein Mädchen, es kommt auf ihn zu und hält vor ihm an, reicht ihm etwas durch die Gitterstäbe.

Wieder eine Hand - könnte es die gleiche sein ?- wieder mit einem Messer. Diesmal kein Körper sondern ein Seil , es ist beschädigt, es wird nicht mehr halten.


Die Bilder verschwanden, der Kuchen war verbraucht. Nur noch die Reste konnten von der Kugel geleckt werden, er schmeckte schal.


Zuletzt geändert von Aurian: 15.07.05, 16:58, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 15.07.05, 19:37 
Einsiedler
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Zusammen mit Frau Morgen hatte der Alte herausgefunden das die Tochter Gerelda nicht in ihrem Zimmer war. Doch hörten sie als sie die Türe öffneten im unteren Geschoss einen Flüchtigen. Doch auch dieser ging ihnen durch die Lappen. Ohne weitere Hinweise, ohne nächste Station waren sie nun wieder in Falkensee.

Hier fand sie es. Frau Morgen rief den Alten zu sich und gemeinsam folgten sie einer blutigen Spur vor dieser Südlandisch gehaltenen Taverne bis hin zum See, wo sie schon auf sie wartete.


Gerelda Wendolyn - Tot und mit dem Gesicht im Wasser treibend.

Mit mühe schafften es die zwei den Körper der zierlichen einstigen schönheit aus dem Wasser zu bergen. Doch ihre Wasserleiche, jeglichen Glanz verloren, verriet ihnen keinen weiteren Hinweis mehr. Eine Brandwunde an einem Finger, doch was sagte das schon aus?

Nun war von der einst Glohreichen Familie nurnoch einer Übrig. Der letzte Wendolyn - Enzo.

Oder?


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BeitragVerfasst: 15.07.05, 22:14 
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Sie überlegte fieberhaft. Das war es...es klang so verrückt. Verrückt, so ähnlich hatte auch Isolde in ihrem Tagebuch geschrieben. War es das? War dies das Geheimnis welches Herbertus mit sich herumgetragen hatte? War es das was Isolde begriff als sie von der Kiste am Hafen hörte? War es...möglich? Larissa atmete tief durch. Sollte sie dies zu den öffentlichen Zetteln schreiben? Oder nur Hagen bescheid sagen? Doch wenn es wahr war...war der Rest der Familie in großer Gefahr. Sie mussten Bescheid wissen!
Sie raste los.


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BeitragVerfasst: 15.07.05, 23:04 
Edelbürger
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Kringelkrümmel über der Kugel liessen sie glimmen, liessen sie leuchten und liessen sie Bilder zeigen. Sie starrte auf den bunten Nebel der sich in der Kugel gebildet hatte, er wabberte von links nach rechts, mal fanden sich Farbklekse, mal war es ein bräunlicher Einheitsbrei. Schließlich bildeten sich Formen, verschwommen erst, dann doch sichtbar:

Eine Hand - jene Hand? Gut Möglich. - sie hielt die Papiere über das Feuer und liess sie brennen, machte sie unkenntlich.

Eine zarte Hand, die Hand einer Frau. Sie hielt die Feder und schrieb in die Gedanken Isoldes nieder. Es war die ganze Seite, es war früher.


Noch unzufrieden, doch den Kuchenvorrat erschöpft, verstaute sie die Kugel wieder, laut schmatzend, nachdem sie sie von den zuckersüßen Kringelbröseln befreit hatte.


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BeitragVerfasst: 16.07.05, 11:45 
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BRUUUNOOOOO!
Außer sich vor Sorge brüllte der Blondschopf durch die Gassen von Brandenstein.
Dieser verflixte Hund! Sie hatte ihn doch gerade erst gesehen!
Plötzlich hörte sie sein aufgeregtes Bellen hinter sich… und nach einer ausgelassenen Begrüßung stürmte der kleine Zottelknäul mit einem auffordernden Kläffen schon wieder in die Richtung aus der er gekommen war, sich aber immer wieder vergewissernd, dass das Mädchen ihm auch folgte.
Mirella seufzte abgrundtief - sie wusste, was das jedesmal bedeutete…
Ärger und Schelte… für sie. Doch nach den ersten Schritten funkelten die grünen Augen schon abenteuerlustig…

Mit kryptischer Miene begutachtete der Lockenkopf eingehend die ausgiebigen Blutspuren an der westlichen Stadtmauer, folgte ihnen langsam bis zu einer schweren Eisentüre.
Komm Mia… lass uns… gehen… tönte es höchst unwohl neben ihr von dem zwei Kopf größeren Jungen, der leichenblass an ihrem Ärmel zupfte. Völlig entsetzt wandte sich ihr Blick ihm zu, während die kleine Hand aufgeregt auf die Flecken deutete.
Sag mal spinnst du Balta?!? Das ist eeeeeeechtes Blut!
Und schon war sie furchtlos zur Türe hinein, der kleine Hund dicht an ihrer Seite, die schon rote Schnauze folgte witternd den Blutspuren am Boden. Der Junge erblickte die Leiche im Nebenzimmer zuerst, doch stellte er sich nicht schnell genug quer in den Türrahmen, denn hinter ihm ertönte schon der erschrockene Aufschrei.
TANTE ISOLDE!
Es nutzte dem Burschen nichts, so sehr er sich auch im Durchgang breitmachte, er wurde wütend zur Seite gestossen.
GEH WEG DA! brüllte Mirella ausser sich und eilte zum leblosen Körper, wo sie aufschluchzend zu Boden in die Blutlache sank und heftig an der toten Zirkusfrau zu rütteln begann , während der Bub davoneilte…

Tante Isolde… wach auf… wach aaaaaauf Tante Isolde… so wach doch aaaaauf…
Leise klang das verzweifelte Wimmern durch den stillen Raum, als die Erzgeweihte und Anhang hereinstürzten. Das kleine Mädchen lag fest an Isolde Wendolyns blutüberströmten Leichnam gepresst quer über ihr, das Gesicht an das durch die unzähligen Stichwunden rotgetränkte Hemd geschmiegt.
Mia… geh bitte raus… bringt sie hinaus!

Stumm sass der Ordensschützling auf der vordersten Bank der Kapelle, den zottelige Hund, der genauso wie sie am gesamten Leib blutverschmiert war, fest an sich gedrückt. Unaufhörlich wurde der schmale Körper von schluchzen gebeutelt, während Tränen still ihren Weg durch das Blut auf ihren Wangen bahnten. Die unnatürlich geweiteten Augen starrten teilnahmslos in die Flamme der Altarskerze.
Tante Isolde hatte Löcher im Bauch… so richtige, echte Löcher… die mussten wieder zugemacht werden… sonst purzelt ja das ganze Essen wieder raus… und wie würden sie nur wieder das ganze Blut in sie hineinbekommen…
Die Tür ging auf und Tzara Rengis sah zu der kleinen Gestalt.
Schau weiter nach vorne Mia… schau bitte weiter nach vorne…

_________________
Come on with the rain, I've a smile on my face...

[Quirian]: Ich will aber kein Eventler werden
[Becky]: Keine Sorge Quiri, die reden von guten Spielern..da gehörst du nicht dazu, also kannst du weiterhin Hüter bleiben..

Wir gegen Sie!
Eventforum
[ !Riniel ] Hehe, wenn toco sich einmischt gibt's tote


Zuletzt geändert von tocopherol: 16.07.05, 11:46, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 16.07.05, 21:39 
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Lautlos schluchzend wackelte die Frau mit Bart ins Küchenzelt hinein.
Niemand sollte ihre Tränen sehen, schon gar nicht der endophalische
Stallbursche. Wahre Löcher hatte man ihr heute in den Bauch gefragt, kalt,
hartherzig, ihr unbarmherzig die Nachricht von Isoldes Tod überbracht. Und
nun auch noch Gerelda, diese kleine, unschuldige Frohnatur. Warum war dieses
Unglück über die Familie gekommen, zu der sie sich schon fast selbst
rechnete?

Da stand der Kuchen, den die Köchin am Abend noch gerichtet hatte, den aber
niemand hatte anrühren wollen in all dem Kummer. Nun aber musste sie etwas
tun, um die Tränen, die nicht aufhören wollten zu fließen, zu stillen.
Wo waren denn die Messer. Leise, damit die gute Köchin nicht erwachte,
kramte sie in einer der Kisten. Da, das Geflügelmesser, die Obstmesser..
aber da musste doch irgendwo auch das Kuchenmesser sein!
Niederkniend wühlte sie weit hinten in der Kiste, vorsichtig, um in keine
Klinge zu greifen, da umschlossen ihre Finger plötzlich einen Beutel. Einen
Beutel, der da , in der penibel geordneten Küche eigentlich nichts zu suchen
hatte. Neugierig, ihre Tränen fast vergessend, zog sie ihn hervor. Schwer
wog er in der Hand und als sie mit fliegenden Fingern die Schnur aufzog,
verschlug es ihr den Atem.
So viel Geld!
Verblüfft griff sie in den Beutel, dann blickt sie zur schlafenden Köchin
hinüber.
Ob das das Kopfgeld war, von dem Isolde gesprochen hatte?


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BeitragVerfasst: 16.07.05, 22:18 
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Enzo wollte gerade zu den Lamas um sich um die stolzen Tierchen zu kümmern, auch wenn alles den Bach runter ging, konnte er die armen Tiere ja nicht verhungern lassen. Er trat gerade als die letzten Strahlen Felars Tare berührten aus seinem Zelt, er besah sich den Ort der letzten Geschehnisse. Es sah gar nicht so schlimm aus in diesem rötlich schimmernden Licht. Kaum zu glauben, dass sein Vater dort gestorben sein sollte, dort, mitten auf der Bühne. Er schlurfte Richtung der Bühne vor, ging langsam die Stufen hinauf und blieb an einem der Blutflecke stehen. Er presste die Lippen fest aufeinander. Er sollte nicht mehr hier sein, er sollte irgendwo, weit weit weg von all den schlechten Dingen sein. Die Lamas, jetzt hatte er sie doch fast vergessen, doch dann war da dieses kalte Metall an seinem Hals. Konnte es sein? Würde ihm jetzt auch noch das letzte Stündlein schlagen? Würde er nun seinen Eltern und seiner Schwester in Morsanshallen folgen?

Na Brüderchen… hast du schon auf mich gewartet?

Es konnte nicht sein und doch war er es, Rufus. War Rufus es gewesen? Wo kam er überhaupt her? Warum lebte er? Dann hörte er weitere Stimmen, irgendwer kam den Weg hinauf zur Bühne. Sonderermittlerin Morgen und Sonderermittler Bob näherten sich, in ein Gespräch vertieft immer weiter an. Dann ging alles sehr schnell, oder ging es langsam? Enzo wusste nur noch, dass er Angst hatte, Angst vor seinem eigenen Bruder, welcher jetzt in Seelenruhe aus dem Nähkästchen plauderte. Rufus befreite sein Gesicht grob von der ganzen Schminke, welche den Clown ausmachte.

Die große Attraktion! Die Gebrüder Wendolyn.. Erleben sie ein Verwechselspiel der Extraklasse!

Rufus Stimme hallte in Enzos Ohren wieder. Warum nur? Wie konnte dies alles nur geschehen? Er flehte Rufus an ihn gehen zu lassen, doch dieser hatte andere Dinge mit ihm vor und dachte nicht im Traum daran seinen Bruder gehen zu lassen.

Enzo sah seinen toten Körper bereits auf die Bühnenbretter aufschlagen, sah vor sich wie sein Blut über das Blut seines Vaters floss. Er würde sterben, hier und jetzt, auf dieser vermaledeiten Insel, so wie seine Familie gestorben war, abgeschlachtet von der Hand seines Bruders. Frau Morgen und Bob redeten auf Rufus ein, wollten ihm klar machen, dass er falsch liegen würde mit der Annahme, dass er seiner Familie egal gewesen war. Doch er wollte es nicht hören, fuchtelte plötzlich mit dem Dolch in der Luft herum. Das Metall an Enzos Hals war weg, weg, er könnte versuchen… Schnell machte Enzo ein paar Schritte vor, stolperte die Treppe hinunter und fiel zitternd und weinend ins Gras. Noch immer redeten Frau Morgen und Bob auf Rufus ein, welcher langsam die Leiter hinauf zum Mast erklomm, immer wieder abstreitend, von sich weisend, dass seine Familie ihn geliebt hatte. Dann kam Ruhe über ihn, er verharrte einen Moment lang ganz oben auf dem Mast … dann sprang er.

Da lag er auf der Wiese mit gebrochenen Knochen, Blut um ihn herum. Rufus war tot.

Wie in Watte gehüllt, ging Enzo Richtung des Zeltes in dem die Küche untergebracht war. Das Geld, er musste ihnen das Geld geben. Sie hatten es schließlich herausbekommen. Das Geld, dort war es. Das Geld. Bob redete mit ihm, doch es prasselte an ihm hernieder wie Regentropfen an einer glatten Glasscheibe, nichts davon drang wirklich zu ihm vor. Er musste das Geld finden, doch es war nicht da, es war weg. Enzo wurde etwas in die Hand gedrückt, er solle essen. Essen? Warum essen? Was sollte er essen? Wie mechanisch hob er das Stück Fleisch zum Mund und kaute darauf herum. Nur wenig später, wurde ihm komisch, alles war so… anders, seine Lider wurden so schwer und dann sackte zur Seite und verfiel in einen traumlosen Schlaf.

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Zuletzt geändert von Isodora: 16.07.05, 22:21, insgesamt 1-mal geändert.

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Mit der Flöte in der Hand saß der Alte auf einer Bank in Brandenstein und spielte ein einfaches doch durchdringendes Lied.

Vollendet

In seinen Gedanken ging er alles noch einmal durch.

Der Sturz von Herbertus Wendolyn. Das angeschnittene Seil. Eindeutig Mord. Enzo, der direkt hinter ihm saß und nervös an seinem Dolch herumgemacht hatte.
Gerelda Wendolyn die sich beim Verhören als schwierig herausgestellt hatte. Versagen der Ermittler in diesem Fall. Isolde Wendolyn, welche im lautstarken Streit von Enzo beschuldigt wurde die Mörderin zu sein. Der alte Bob wie er ihr seine Fragen stellte und das Versprechen das Tagebuch einsehen zu dürfen. Die Leiche Isoldes am Tag darauf. Das Tagebuch in dem eine Seite fehlte. Frau Morgen welche sich als äusserst effektiv herausstellte. Immer wieder sah sie durch ihre Kugel die Hand des Mörders. Enzo der spurlos verschwunden war. Gerelda, knapp verfehlend, sowie auch ihren Mörder. Kurz darauf die Leiche Gereldas im Wasser treibend. Die Bergung, dann das Zimmer der Tochter. Das Finden der verlorenen Tagebuchseite und wiedermal Frau Morgen, welche in der Lage war die stücke zusammenzusetzen. Die Seite die den Hinweis auf den angeblich verstorbenen Bruder preisgab. Er könnte noch leben. Das rätselhafte Verschwinden der restlichen Zirkusleute. Jegliche Anhaltspunkte verloren geglaubt abermals die Kugel und Frau Morgens einschreiten. Die Mörderhand auf der Zirkusbühne, zwei Schatten zeichneten sich dort ab. Zurück an der Zirkusbühne die Überraschung. Es war der Clown, der Enzo in seiner Gewalt hielt. Die Demaskierung des Clowns, wie vermutet war es Rufus Wendolyn. Rufus wie er letztlich ohne Enzo zu töten und verletzter Seele die Leiter zum Hochseil erklomm... und sich schliesslich hinabstürzte. Die Beruhigung Enzos durch ein schwaches Gift und seine Befragung im halbschlaf die ergab das er vollkommen unschuldig ist. Der Heimweg nach Brandenstein und das überbringen der Botschaft an Sire Steiner.
Das Ende, hier auf der Bank mit der Flöte in der Hand.

Befriedigend? Vier Familienmitglieder Tod, eines hat überlebt und wird schon bald erkennen das es alleine zurückgeblieben ist. Nein, nicht befriedigend, aber dennoch gelöst und einen gerettet. Es ist vorbei. Zumindest für die Ermittler.

Es war Aufregend gewesen, es hatte ihm Spaß gemacht. Doch jetzt hatte er eine Pause verdient. Keine Leichen mehr in den nächsten Monden. Nicht auf seiner Insel.

Mit einem lächeln spielte der Alte sein Lied zuende und murmelte noch einmal leise....

Vollendet


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BeitragVerfasst: 16.07.05, 23:16 
Edelbürger
Edelbürger

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In ihrer Tasche zuckte es, es bewegte sich etwas. Der Kuchen gut verschnürrt und eingepackt, durch einen Beutel von der gierigen Kugel getrennt. Sie brummte und pulsierte - was will die Alte? Nun, hervorgeholt, es dürstet sie nach Kuchen. Bekommt sie ihn eben, eine Hand voll Sahnetorte auf die Kugel geklatscht, hübsch garniert mit einem Pfirsich und schon spuckt sie ihre geheimen Bilder aus. Garstige Kugel, sie zeigte nur Ausschnitte:

Isolde und Erudin Gropp, das Bild einer Umarmung, doch keine Liebenden, kein Glück. Er reicht ihr ein Taschentuch, sie nimmt es.

Ein kleines Mädchen, es steht am Gitter des Affen und reicht ihm etwas. Diesmal ist es zu erkennen: Ein Kissen. Der Affe nimmt es und bettet seinen Kopf darauf.

Der Wilde und die Kuh. Die Kuh verformt sich, verändert sich schnell, verliert zwei Beine, bekommt Arme, lernt aufrecht zu gehen: eine weisshaarige Frau. Sie schenkt dem Wilden die Freiheit.


Andere Bilder, schroffer, unschärfer, neuer? :

Die Hand - es wird die gleiche sein - sie hält ein Messer, dicht gepresst an die Kehle eines anderen. Zwei Schatten, ein roter Teppich, das Bild schwenkt, es ist die Bühne. Das Messer.

Sie schnappt sich Bob und erst im Gehen klaubt sie die Tortenstücke von der Kugel. Eine schreckliche Ahnung, sie eilen zurück...


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BeitragVerfasst: 16.07.05, 23:19 
Altratler
Altratler

Registriert: 9.09.04, 20:53
Beiträge: 663
Tänzelnd, surrend hebt sich die kleine schwarze Fliege vom Dache eines Marktstandes in die Höhe, dreht ihre Kreise über der gerade laufenden Gerichtsverhandlung. Alle Leichen haben sie ihr weg genommen, diese Geweihten und rechtschaffenen Bürger, all das süssliche Blut an welchem sie sich doch noch so lange hätte laben können. Und nun? Nun war sie wieder auf der Suche, fliegend durch die mehr oder minder engen Gassen Brandensteins, über Blumenbeete, Pflastersteine, über Köpfe und Menschen hinweg, welche mit unbewussten Handschlägen nach ihrem Leben trachten. Müde und ausgelaugt lässt sie sich auf dem Schild, angebracht am Mauerwerk eines beliebigen Gebäudes nieder. Krabbelt über das grosse hölzerne "B" hinweg, welches nur einen Teil des Wortes "Burgtaverne" darstellte. Welch Glück sie doch hatte, dass diese merkwürdige, wirre Person mit ihrem gelben Hemd und grünen Rock just in dem Moment die Tür öffnete, die Schenke verliess und ihr so Einlass in die warme Stube gewährte. Die kleine Fliege blickt aus ihren unzähligen zweifelnden Augen zurück. Sprach die Dame wirklich mit ihrem Hut? Wie dem auch sei, in einer Taverne wird etwas Bekömmliches aufzutreiben sein, ein Leckerlie versüsst den Tag. Die hektischen Flügelschläge, auf und ab, auf und ab, verlieren immer mehr an Kraft, je länger sie suchend durch die Räumlichkeiten gleitet. Was haben die Menschen von den Leichen? Wieso nehmen sie sie alle mit? Soweit sie wusste war dies zumindest in ihrem Kulturkreis keine Delikatesse. Ausser Puste findet das vielbeinige, beflügelte Insekt auf einem Beutel, welcher zumindest ein bisschen nach Süssem, Kringel oder Torte vielleicht, roch, seine Ruhe. Welch Schreck sie doch traf als das Stückchen Glas, welches aus der Tragetasche lugte ein Eigenleben zu entwickeln schien. Bilder wanderten, spiegelten, brachen sich in ihrem Glanze. Grund Genug für die Fliege, des Schockes Tiefe voll und ganz auskosten und leblos zu Boden zu fallen.

Denn dort, verborgen von irgendwelchen Blicken, noch bruchstückhaft beschmiert von der einst sahnigen Torte, erwachte die Glaskugel der Frau Morgen zu neuem Leben, die letzten Bildnisse, welche noch an die Familie Wendolyn erinnern sollten:

Auf hoher See, weich wogen sich die Wellen unter der frischen Brise der Meeresluft, reist die Imarin II. aufgeplusternder Segel gen' Festland. Weg von der Insel, weg von all den Gräueltaten und merkwürdigen Bewohnern. Vorne am Bug des Schiffes, dort wo das abendliche, eindunkelnde Licht, der Kuss von Felas feuerrotem Schein und dem Horizont am schönsten anzuschauen ist, stehen die bärtige Frau und ihr südländischer Liebhaber, den kleinen Schimpansen der Wendolyns auf den Schultern tragend. Noch immer verlassen Worte, viel und schnell ihren behaarten Mund und noch immer versteht er keinen Laut von jenen. Doch Liebe verbindet und Liebe lässt im Eifer des Gefechts über einige Missetaten hinweg schauen. Und so tätschelt sie an die Seitentasche ihres Rockes, das Kopfgeld bei sich wissend und eine gesicherte Zukunft vor Augen haltend, dort am glühenden Horizont, in Richtung Heimat.

- Ende -

(ooc. Danke an all jene welche mitgerätselt haben und Gratulation ans Ermittler-Duo "Kugelrund und Bob"! :) )


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