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 Betreff des Beitrags: Liebe auf Umwegen
BeitragVerfasst: 1.07.05, 11:13 
Ehrenbürger
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1. Lichthoch, Abend
Der Abend schritt unaufhaltsam fort, Rolosin hat dem Brautpaar gratuliert und hielt stets ein wachsames Auge auf Mirian, seine Angebetene. Die Eifersucht stieg in ihm hoch als er sah dass zwei Männer neben ihr sassen, Alek Lancan und ein ihm unbekannter, der sich ab und an unerhört nahe zu Miri hinüberbeugte, worauf er von Rolo tödliche Blicke erhielt, auf den Hinterkopf zwar aber der Feldscher hoffte inbrünstig dieser möge es spüren. Den ganzen Abend wurde gefeiert und getrunken, doch an Rolosin schien der ganze Trubel vorbeizugehen, er hatte nur Augen für Mirian, sie die ihm vor einigen Tagen klar gemacht hatte dass sie sich noch nicht sicher sei was sie will, war sie doch erst seit kurzem von ihrem Verlobten Arel getrennt.

Ein Gedanke schoss Rolosin durch den Kopf: Arel der unehrenhafte Taugenichts, der einer Frau wie Mirian gegenüber Lügengebilde aufbaut, sich mit falschem Namen vorstellt und ihr, der vor Liebe blinden Mirian, zur Verlobung etwas schenkt was ihm nicht gehört, sondern das er irgendwo zusammengestohlen hat.
Nichts anderes als Wut stieg in ihm hoch, gegenüber solchem Abschaum, der sich noch dazu anmasste, eine ehrliche Königs- und Göttertreue junge Frau wie Mirian mit seinem Lügengebilde für sich einzunehmen.

In dem Moment trat die Rekrutin Alia vor ihn, die wohl Rolosins Blicke auf Mirian bemerkt hat, sie würde gerne mit ihm über das Bankett sprechen.. kurz zuvor sah er wie der Feldmeister Llewellyen den Mann der immer neben Mirian sass und kurz zuvor noch mit ihr bei den Tischen mit den Esswaren sprach, zu einem Gespräch wegführte. Rolo wusste genau was die Rekrutin und der Feldmeister vorhatten: Ihn und Mirian zu verkuppeln. Er überlegte blitzschnell, wie er der etwas naiven Rekrutin klarmachte dass sie das gefälligst sein lassen soll.
Schliesslich deutete Alia auf einen Korb voller Pfirsiche, natürlich direkt vor Mirian und meinte: "Seht euch mal die Pfirsiche an, Herr Feldscher, die sehen doch bedenklich aus, nicht?" Rolosin rollte mit den Augen und zischte ihr zu: "Lasst das, ich weiss schon was ich tue und weshalb", dann schritt er davon, direkt an Mirian vorbei, ihr noch zuflüsternd, sie solle sich doch bitte mit der guten Rekrutin unterhalten, er glaube dass sie ihn und Miri zusammenbringen wolle.
Diese stritt gegenüber Mirian alles ab: "Ich wollte doch nur dass er sich die Pfirsiche ansieht..", bis schliesslich der Feldmeister herantritt und fragte was los sei. Rolosin meinte ziemlich wütend: "Kamerad Llewellyen für euch gilt dasselbe wie für die Rekrutin, mischt euch nicht in Dinge ein, die euch nichts angehen".

Getroffen von der Blosstellung seines Verhältnisses mit Mirian schritt er zu einer Lücke in der entstehenden Burgmauer und setzt sich ans Seeufer, wo er sogleich zusammenbrach und leise verhalten schluchzte.
Mirian folgte ihm bald nach und versuchte ihn zu beruhigen, doch er war aufgebracht, verstand Tare nicht mehr und schmiss ihr entgegen, sie solle doch diesen Arel heiraten wenn sie damit glücklich wäre, er könne sich ja sowieso in die Fluten stürzen, es hätte doch keinen Sinn mehr. Nun fing Mirian an zu schluchzen und keifte ihm rüber, er sei ein Tolpatsch.

Rolo begriff gar nichts mehr, stand auf und warf sich in kompletter Kleidung und Uniform in den See, schwimmen konnte er, auch mit Kleidung schaffte er es, einigermassen zu schwimmen und so hielt er gen Seemitte zu.. da hörte er hinter sich ein *platsch*, drehte sich um und sah Mirian, wie sie sichtlich Mühe hatte, sich über Wasser zu halten, in ihrer Kettenrüste. Er schwomm zurück und half ihr ans Ufer. Nachdem sich beide erholten fing Rolosin abermals ein "Idiot" ein, woraufhin er nur grinste und fragte, wer ihm denn in kompletter Kette nachgesprungen wäre.
Er stand auf und schritt stumm davon, unsicher was er von dem ganzen halten soll, als Miri ihm nachrief, und nun zeige er endgültig was für ein Trottel er wäre. Rolosin drehte sich um, sah entgeistert zu ihr, die Gedanken rasten in seinem Kopf, doch er ging zurück und setzte sich zu ihr, stumm. Dann meinte sie leise, er solle sie doch einfach mal reden lassen, denn all dieser Blödsinn den er hier tat würde sie nicht davon abhalten, ihn zu lieben..

Wie vom Blitz getroffen und nun schon gar nichts mehr begreifend sah er sie an, langsam zeichnete sich ein lächeln, dann ein grinsen auf seinem Gesicht ab. Mirian grinste zurück, stand auf und Schritt mit den Worten davon: "Ich muss ins Bett und mir etwas Trockenes anziehen". Auch er stand nun auf, ritt nass wie er war ihr nach und fiel schliesslich müde, aber im trockenen Nachthemd, ins Bett.


Zuletzt geändert von Rolosin Vadebor: 12.07.05, 18:27, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Die Unentschlossene
BeitragVerfasst: 1.07.05, 12:20 
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Einst sagte jemand das Herz eines Jugendlichen sei leicht zu bekommen. Dieser Jemand hatte wohl teilweise recht. Im fortschreitendem Alter ist das Herz wesentlich schwieriger zu erreichen. Menschen die schon einschlägige Erfahrungen und Enttäuschungen in der Liebe verspürt haben, verschlossen sich und ließen nur schwerlich jemanden vordringen zu ihrer Seele. Das ist Schade, denn jugendliche Liebe ist etwas reines, etwas unverfälschtes und von Naivität geprägtes. Sie ist aufopferungsvoll und gleichzeitig von großer Ergebenheit. Wenn man in dieser Jugendzeit die große Liebe findet, kann man stolz auf sich sein, denn all die Verbitterung und die Enttäuschungen mancher die falsch geliebt wurden bleiben einem erspart.

Es war eine wunderschöne Zeremonie. Ihr Herz war von Rührseligkeit gepackt und es fiel ich schwer das Wasser zu dämmen. Als sie sich umsah fiel auf, dass sie nicht die einzige war, die mit ihren Emotionen nicht hinterm Berg hielt. Selbst die erhabene Lehensrichterin weinte vor Rührung. Hochzeiten waren eben stets etwas tröstendes, etwas was einem Hoffnung schenkte für die eigene Liebe oder den eigenen Lebensweg. Die Braut war wunderschön in ihren aus Seide gefertigten Kleid und verborgen von einem hauchdünnen Schleier. Der Bräutigam war von stolzer erhabener Ehrhaftigkeit, auch wenn er schwach wirkte, kein Wunder bei diesen Verwundungen. Es zeigte seine Liebe zu ihr, dass er trotz der schweren Verletzungen gekommen war und mit ihr vor den Altar trat. Wie sehr wünschte sich die junge Knappin einen solchen Mann. Keinen Langfinger, keinen Taugenichts, niemanden der ihr Verlobungsgeschenk einem anderen gestohlen hat. Unweigerlich fast sie sich ans Ohr und spielte an dem Schmuckstück herum. Warum bedeutete ihr dieser Ohrschmuck dann so viel? Seit sie ihn bekommen hatte, hat sie ihn keinen Moment lang abgelegt. Selbst im Schlaf trug sie die Ohrringe. Diese Sentimentalität für ein ergaunertes Objekt machte sie stutzig, denn immer öfter fragte sie sich selbst, ob sie eine ehrlose Person ist. Jemand der die Gesetze nicht achtet und von schlechtem, falschen Charakter ist. Ihr bisheriges Leben bestand aus Ehrlichkeit, Tugendhaftigkeit und Edelmut. All jene Tugenden die ihr Vater jedem ihrer Geschwister und auch ihr in die Wiege gelegt hatte. Dies alles wurde von einem Menschen untergraben den sie so abgöttisch liebte. Tag um Tag stürtze diese Beziehung sie in einen argen Zwiespalt. Das sie nun auch Gefühle für eine andere Person entwickelte, vereinfachte die Sache nicht umbedingt. Jener Zweite war von Ehre, ging einem ehrlichen Tagewerk nach und war auch noch hoch angesehen. Rolosin, die Lichtseite ihrer Liebe und gleichzeitig ein so guter Freund, der sie augenscheinlich verstand, aber von unsäglicher Tolpatschigkeit war. Ein Wesenszug der ihn mit Arel verband.

Die ganze Feier über war sie sich der Anwesenheit des Feldschers gewahr. Er saß im Tempel hinter ihr, wachte mir Argusaugen über sie und ließ sie kaum einen eigenständigen Schritt machen. Zur erst war ihr seine Eifersucht nicht klar, erst als sie ihn beim herum wenden mit tödlichem Blick - gerichtet auf ihren Nebensitzer - erwischte, wurde ihr schlagartig klar wie er dachte und fühlte. Diese imbrünstige Eifersucht war ebenso Wesenszug ihres Verlobten, dieser hielt damit jedoch mehr hinterm Berg, was sie sympathisch, aber wiederum unehrlich fand. Die Öffentlichkeit von Rolosin's Eifersüchtelein war ihr eher peinlich. Den ganzen Abend gingen sich die beiden aus dem Weg. Zwar tauschten sie hin und wieder Blicke aus, die ihrerseits wohl wehmütig waren, wegen der Klufft die zwischen ihnen entstanden war, sonst hielten sie sich aber fern von einander. Mirian wusste, dass dem Feldscher dies recht war, denn er hatte unmissverständlich klar gemacht, dass er sichere Fronten wollte, bevor er sich auf irgendwas einließe. Dies war durchaus verständlich, wer setzte sich schon gerne in ein ungemachtes Nest? Selbst die unbeholfenen Versuche der noch so kindlich wirkenden Rekrutin halfen da nicht. Alles was diese sich einfing war eine Standpauke über Unerfahrenheit in solchen Dingen wie der Liebe und das ausgerechnet von einem 18 Jahre alten Geschöpf, dass selbst noch nicht den richtigen Platz im Leben gefunden hat. Rolosin's hinzu kommen wurde unterlegt von Missmutigkeit seinerseits. Er hielt nicht viel von den Versuchen der Bannerrekrutin und machte das unmissverständlich klar. Diese jedoch reagierte völlig überfordert und erwehrte sich mit Hand und Fuß - natürlich verbal - ihres Leibs. So zornig und gleichzeitig so niedergeschlagen hatte die junge Knappin den Feldscher noch nie gesehen. Als er dann auch noch kommentarlos davon raßte, folgte sie ihm entschlossen. Entschlossen? Nein, eher nicht, denn sie hatte keine Ahnung was sie ihm sagen sollte, aber allein lassen wollte sie ihn nicht. Als sie ihn hinter der neu gebauten Stadtmauer fand, hörte sie seine kläglichen Laute und sein Geweine. Als sie ihm Nähe geben wollte, durch eine Umarmung, wies er diese ab. Als sie Worte an ihn richten wollte, die unüberlegt in ihrem Geist aufgekommen waren, unterbrach er sie. "Geh zu deinen Arel, heirate ihn und lass mich zufrieden." Der Satz war wie ein verbaler Schlag ins Gesicht. Ernüchterung war das Resultat und kurz darauf innige Wut und Trauer. Auch sie hatte angefangen zu weinen und schmetterte ihm alle möglichen Beleidigungen entgegen. "Tolpatsch, Idiot, Trottel." All diese sanften Neckungen, die nur ein Anstoß in die rechte Richtung sein sollten. Was sie sagen wollte, hatte sie runter geschluckt. Diese Worte die sie so säuberlich zurecht gelegt hatte, verdiente er im Augenblick nicht. Sollte er sich doch seiner Verzweiflung hingeben, schwach wie er war. Als sie sich zum gehen wendete, hörte sie jedoch ein "Platsch" hinter sich. Wie vom Donner gerührt fuhr sie nach kurzem zaudern herum und sprang über die Klippe, im festen Glaube es versuche sein Leben zu beenden. Bedacht hatte sie dabei nicht, dass sie unter dem teuer geschneiderten Kleid noch ihre Kettenrüste trug. Diese war eine enorme Last im Gewässer und zog sie immer wieder unter den Spiegel. Nur mit Hilfe des Feldschers schaffte sie es wieder an Land. Dankbar war sie, auch war diese kurze Schwimmtour eine Erleicherung gewesen, jedoch war sie noch nicht gewillt ihre leisen Worte - diese ausgewählten Worte - an ihn zu richten. Diese Chance hatte er heute verspielt und sie wollte nur heim.

Schnitt und Anfang. Sie auf ihrem treuen Pferd. Arnika die Ungestüme. Mittlerweile gehorchte sie ihr recht gut, auch wenn die Stute von der Feuchtigkeit der Reiterin nicht begeistert war. Wie ein begossener Pudel saß sie auf dem Rücken des Halbblut Stute aus Khalandrien. Immer noch war sie zornig auf den Feldscher und wütend auf sich selbst, weil sie so mit sich umspringen ließ. Was sollte sie aber anderes tun? So war sie eben, zu gutmütig für Tare. Den Ritt über ließ sie den kompletten Abend Revue passieren, bis sie Brandenstein erreichte und schließlich das kleine Häuschen. Ihr kleines Häuschen, auch wenn Arel als Mieter eingetragen war. Hier hatte sie viele schöne Stunden mit ihrem Verlobten verbracht, ihn besser kennen gelernt als jeder andere auf der Insel und er hatte ihr seine Lügen offen dargelegt. Ob das genügen sollte? Oder wollte sie von ihm verlangen sich gänzlich zu verändern? Ein ehrliches Leben zu führen so wie sie? Das konnte sie nicht, da er dann das selbe von ihr verlangen konnte. Sie wusste das er nicht angetan war von der Vorstellung, dass sie in Schlachten ritt. Hinter sich schloß sie leise die Tür des Schlafzimmers. Aus den nassen Kleidern stieg sie heraus und trat an das Bett heran. Er schlief so friedlich, genau wie dieser niedliche Welpe, den er ihr mitgebracht hatte vor gar nicht langer Zeit. Eingerollt lag das Hundekind am Bettende und zuckte ab und an im Schlaf. Diese häusliche Ruhe, dieses Gefühl des Familienlebens hatte sie nur bei ihm und saß sie zwischen zwei Stühlen und wusste nicht auf welchem sie Platz nehmen sollte. Sie stieg in das Bett, wickelte sich in die Decke, schmiegte sich an ihren Verlobten und schloß die Augen. Schon bald war sie von der Müdigkeit übermannt worden.

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"It seems as if heaven had sent its insane angels into our world as to an asylum, and here they will break out into their native music and utter at intervals the words they have heard in heaven; then the mad fit returns and they mope and wallow like dogs."
Ralph Waldo Emerson, 1841


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Zuletzt geändert von Shaila: 1.07.05, 12:20, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 2.07.05, 21:30 
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2. Lichthoch, zur 13. Stunde
Rolosin fühlte sich unwohl, auf dem Grat zwischen tiefer Liebe und gleichzeitiger Unsicherheit, was die Zukunft und ja sogar die Gegenwart anging. Nachdem er sich beim ersten Zusammenkommen mit Mirian heute bei ihr entschuldigte hatten sie sich nicht viel zu sagen, er konnte ihre abermals angestiegene Unsicherheit förmlich spüren, die Spannung zerriss ihn geradezu. Wird sie ihn abblocken? Ist gestern einfach zuviel passiert? Oder fühlt sie inzwischen auch schlichtweg zuviel um das ganze einfach so zu beenden? Die Gedanken schwirrten ihm viel zu schnell durch den Kopf. Doch dann hörte er ihre Stimme, sie würde später noch zu ihm ins Hospiz vorbeikommen, nachdem sie ihre Aufgaben erledigt habe.

Und sie hielt Wort. Nachdem die beiden eine Weile lang zusammen sprachen kamen sie sich abermals näher, zögernd anfangs, nahmen sie doch dann recht schnell die Schwertgurte ab - diese wörtlichen Keuschheitsgürtel die beinahe jede Annäherung verunmöglichten - und lagen sich schliesslich in den Armen. Mirian setzte sich dann ihm zugewandt auf seinen Schoss, anfangs unsicher zitternd, doch an seiner ruhigen Schulter entspannte sich auch die Knappin zunehmend.
Der Feldscher wusste selbst nicht, woher er jeweils diese Ruhe nahm, die in ihm aufkam, sobald sie in seiner Nähe war, fühlte er sich doch die ganze Zeit unsicher, wusste nicht was er mit der ganzen Situation anfangen soll, und doch diese stoische Ruhe sobald Mirian bei ihm war.
Im Gegensatz dazu die Knappin, die anfangs jeweils unsicher zitterte und haderte und immer einige Zeit brauchte, um sich zu beruhigen.
Kaum ein Wort fiel, glücklich drückten sie sich aneinander, sahen sich an. Dann auf einmal bewegte sich Mirians Kopf langsam, jedoch wie von einem Magnet angezogen, auf den seinen zu, haderte einen Moment, kaum einen Fingerbreit von Rolosins Kopf entfernt, als er den letzten Schritt tat und die wenige Distanz mit dem seinen überwand.. Der erste Kuss, zögerlich und unsicher von beiden seiten, nur einen Augenblick berührten sich die Lippen, doch kurz darauf der nächste, der schon von mehr Sicherheit, Zuneigung und Verlangen zeugte. Rolosin hörte ihr glückliches Aufseufzen und lächelte selig. Irgendwann sprach sie leise, mit sanfter Stimme und mit einem Schmunzeln durch seinen rötlichen Schnurrbart fahrend: "Der piekst". Er überlegte nur kurz, ehe er fragte ob er ihn abrasieren soll.
Doch sie wehrte mit ruhiger und sicherer Stimme ab, ihm in seine bläulichen Augen sehend: "Nein, lass ihn dran, er soll mein Mahnmal sein bis die Fronten geklärt sind, danach - gerne", woraufhin sich ihr Schmunzeln in ein Grinsen verwandelte. Rolosin nickte verstehend, seufzte gleichzeitig auf.
Ja die Fronten, Mirian sass zwischen zwei Stühlen, zwischen Rolosin und Arel, der sich laut ihren Aussagen jedoch seit Sieben Tagen nicht blicken liess, Rolosins Meinung nach kein Wunder für einen unehrenhaften Strauchdieb, womit er jedoch natürlich hinter dem Busch hielt.
Doch dieses Fernbleiben Arels machte es auch nicht einfacher, verunmöglichte es doch Mirian, mit Arel zu sprechen und sich endlich endgültig für einen der beiden zu entscheiden.


Einige Hellzyklen später: Rolosin am Meeresufer sitzend, ihm gegenüber der Akademie- und Bannerrekrut Horan Erandel, die beiden sichtlich lebhaft im Gespräch. Endlich hatte der Feldscher jemanden, mit dem er über das ganze Thema sprechen konnte, wenigstens einen Menschen den er danach fragen konnte, was er davon hielt. Lange sprachen sie, erörterten diesen und jenen Aspekt von Rolosins Beziehung mit Mirian, doch im grossen und ganzen waren sie sich einig: Nur nicht aufgeben und so gut wie möglich versuchen, die Eifersucht zu unterdrücken und so erst gar nicht zu zeigen.
Rolosin nahm sich vor, zu tun was er sowieso am liebsten tat: Möglichst viel Zeit mit der jungen Knappin zu verbringen, sie ab und an zu überraschen, ihr zu zeigen, was sie an ihm hatte: Einen ehrvollen, angesehenen jungen Mann.


Zuletzt geändert von Rolosin Vadebor: 2.07.05, 21:37, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 12.07.05, 17:19 
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Die letzte Nacht hatte sie kaum geschlafen. Die Frage wie viel sie für Rolosin empfand hielt sie wach oder weckte sie, wenn sie doch in Sekundenschlag fiel. Am Morgen, als bereits Fela ihre Strahlen durch die Schlafzimmerfenster warf, erwachte sie mit klarem Verstand. Müde war sie immer noch, denn sie hatte höchstens ein oder zwei Dunkelzyklen geschlafen. Schnell hatte sie sich angekleidet und ihren Waffengurt angelegt (ohne fühlte sie sich meist ziemlich nackt und wehrlos). Ein kleines Frühstück nahm sie noch ein, dann verließ sie das Haus. Es war ein ereignisloser Tag. Sie schlenderte ziellos durch Brandenstein und beobachtete die Bewohner bei ihrem Tagewerk. Ein paar Bekannte grüßte sie ihm vorbeigehen, die Floskeln wurden meist freundlich erwiedert. Wirklich ereignisreich wurde der Tag erst zum Nachmittag hin. Sie stand demotiviert auf dem Markt und warf gelangweilte Blicke in die Menge. Alles schien ihr so fern und da sie so viel freie Zeit hatte, waren die Gedanken bezüglich ihres Liebesproblems ihre ständigen Begleiter. Aus dem Gewirr der umher wuselnden Stadtbewohner stach ein Mann mit rötlichem Haar und eigenwilligem Schnäutzer hervor. Insgeheim hatte sie sich gewünscht auf ihn zu treffen, aber nun da sie vor ihm stand fehlten ihr die Worte. Eine recht einfache Konversation führten sie, welche aufgesetzt und routiniert daher kam. Ein paar Floskeln wie "wie geht's dir?" waren das größte Highlight ihrer verbalen Verständigung. In aller Öffentlichkeit wollte sie auch nicht ausführlicher reden und einen Seelen-Stripp hinlegen. Zum Schluss hin vertröstete sie ihn und nutzte die Notlüge, dass noch etwas dringendes zu erledigen sei. Danach ließ sie den Feldscher stehen und machte sich auf den Weg heim. Hier konnte sie sich an den erloschenen Kamin setzen und in Ruhe weiter nachdenken.

Der Abend kam schnell. Fela verdunkelte sich und kündigte einen erneuten Dunkelzyklus an. Mirian hatte keinerlei Antrieb aufzustehen, aber sie musste ihr versprechen halten, auch wenn sie an diesem Tag sehr unsicher war und es für ein großes Wagnis hielt. Zum 7. Dunkelzyklus verließ sie ihr Haus und begab sich auf den Weg über den Markt, an der Burg vorbei zum Hospiz. Dort fand sie ihren geliebten Feldscher vor. Eine Weile führten sie ausgiebige Konversation und kotzten sich förmlich aus. Genau das hatte sie gebraucht. Arel war seit Tagen verschwunden, nicht mal einen einfachen Brief hatte er hinterlassen und sie fühlte sich geringfügig verraten. Das sie trotzdem noch gefühle für ihn hegte, verunsicherte sie aber nur noch zusätzlich. Den nötigen Abstand zu ihrem Verlobten fand sie in den Armen Rolosin's, der stets für sie da war und sie niemals mit Diebesgut beschenken würde. Durch ihre zwiespältigen Gefühle war sie angreifbar und offen für ihn geworden. Dies tat sie kund, indem sie in einen innigen Kuss mit ihm verschmolz, während sie auf seinem Schoß saß. Alle Alarmglocken in ihrem Inneren läuteten, aber sie war taub dafür. Ansich war dies sehr unsittlich und irgendwie war sie sich dessen auch bewusst, aber wenn die Liebe Vitamas ins Spiel kam, reagierten schon ganz andere Menschen irrational.

Am Ende stand wieder diese nagende Frage im Raum. Wer würde ihr Glück bringen? Wer würde der Vater ihrer Kinder sein und sie behandeln wie sie es sich wünschte? Arel war grobschlächtig und in mancherlei Hinsicht ein Tolpatsch, aber gerade das machte ihn so liebenswürdig. Sie war sich immer seiner Liebe bewusst und spürte sie allgegenwärtig, aber konnte sie mit einem Beutelschneider glücklich werden? Man stelle sich den Skandal vor wenn dies an die Öffentlichkeit käme. Die Knappin eines Ritters, liiert mit einem Kriminellen. Der krasse Gegensatz war Rolosin. Ein eher bodenständiger Mann von einfacher Weisheit, der einer ehrbaren und angesehenen Arbeit nach ging. Bei ihm würde sie sicher Geborgenheit erfahren und könnte sich seiner ungetrübten Lyoalität sicher sein.

Diese Frage wird wohl lange wie ein Damokles Schwert über ihrem Haupt schweben und irgendwann kam auch die Erkenntnis, nur war nicht absehbar wann und in welcher Form.

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Zuletzt geändert von Shaila: 12.07.05, 17:39, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 12.07.05, 18:06 
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*einige Tage später wohl*
Rolosin zersprang beinahe aus Vorfreude, er hatte alles geplant um Mirian eine gelungene Überraschung zu bieten, er wollte sie zur Quellenhöhle beim Wall führen, in der Hoffnung dass sie diese noch nicht kennt. Das Pferd war gesattelt, mehrere Leinentücher hat er eingepackt, nun hiess es nur noch warten. Warten auf seine Geliebte Knappin.
Ja, für ihn hatte sich in den Tagen die Beziehung soweit gefestigt dass er sie in seinen Gedanken durchaus "Seine" Mirian nannte, es war nur noch eine Frage der Zeit, bis sie endlich merken würde, dass dieser Taugenichts eben wirklich zu nichts taugt, erst recht nicht dazu, ihr Mann zu werden. Die Unsicherheit in Rolosins Handeln sowie seinen Gedanken um die Beziehung zu Mirian wich nach und nach, immer mehr wurde sie Ersetzt durch tiefe Zuneigung, Vertrauen und Liebe. Immer öfter verbrachten sie die Abende zusammen, ja schliefen gar in ihren Armen ein, an Orten wo sie hofften, nicht gefunden zu werden. Mal im Lazarett zu Seeberg, mal im nördlichen Wald zu Brandenstein.

Es war soweit, sie kam ins Hospiz. Er wies sie sogleich an, ihr Pferd zu holen, er habe etwas vor mit Ihr. Er sah ihr die Freude geradezu an, und es beruhigte ihn zunehmend, war er doch bis anhin beinahe zersprungen vor Vorfreude und Spannung wie sie reagieren würde. So ritten sie los, als es in Richtung Wall ging wurde sie unruhig, meinte, das wäre ein schlechter Scherz und sie wäre schon oft genug in den Ödlanden gewesen. Doch er, ruhig wie meist in solchen Situationen, meinte nur, sie solle ihm Vertrauen.

Schliesslich waren sie dort, es war wunderschön, wie sie sich im warmen Wasser in den Armen lagen, beide total entspannt, und es geniessen konnten. Aller Stress, alle Gedanken jeglicher negativer Natur fielen von ihnen ab, es mussten Stunden gewesen sein die sie im Wasser verbrachten, gemessen an den Händen, die danach aussahen als wären sie um Jahre gealtert.
Und abermals fühlte sich Rolosin nur umso sicherer, sie bald endgültig für sich zu haben, er redete sich ein, es könne sich nur noch um Tage handeln, bis sie die vermaleideten Ohrringe abnahm und den Strauchdieb der sich natürlich immer noch nicht gemeldet hat, links liegen liess. Das wenige an Rückmeldung was er von ihr in die Richtung bekam waren immer inniger werdende Küsse, er spürte wie sie sich in seiner Gegenwart immer mehr fallen liess und einmal erwiderte sie sogar sein Liebesgeständnis, leise in sein Ohr gehaucht.

Ja, es konnte sich wahrlich nur noch um Tage handeln. Oder aber Arel kommt doch irgendwann zurück, vom Einen getrieben, genau im falschen Augenblick, denn wenn er jemals zurückkam, da war sich Rolosin sicher, dann genau dann wenn es drauf an käme. Doch der Feldscher betete zu den Vieren und zu den Herren der Elementarkräfte, dass dies nicht eintreten möge.


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BeitragVerfasst: 28.07.05, 13:22 
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Zwei Wochen später

Es war früh am Morgen. Sie lag wach auf der sauber gemachten Bettdecke und war schon komplett eingekleidet. In ihrem Kopf reihten sich tausend Gedanken aneinander. Diese nagende Unsicherheit war kaum noch ein Bestandteil von ihr, nicht weil sie sich entschieden hat, nein, nur weil sie es nicht mehr an sich ran ließ. Genau wie Arel zuvor war Rolosin seit Tagen nicht mehr aufgetaucht. Komischerweise störte es sie nicht so sehr wie damals bei ihrem Verlobten. Es war ihr regelrecht egal und sie wusste er würde früher oder später wieder auftauchen. War er ihr gleichgültig oder hatte sie nur Gewissheit, dass er Zuverlässiger war als Arel? Die zu Ordnung viel ihr schwer. Sie merkte wie die Gedankengänge sie betäubten und wieder einknicken ließen in eine wenig positive Gefühlswelt. Sie erhob sich und verließ ihr Haus.

Fela hatte sich bereits vom Firmament verabschiedet als sie vor ihre Haustür trat. Aus ihrer Nase lief immer noch Blut und ihr Gesicht hatte die kränkliche Farbe von Kreide angenommen. So viel war heute geschehen. Durch all die Überlegungen stark aufgewühlt war sie ihrem Herren immer wieder ins Wort gefallen und sie hatte sich auf Basis von purem Hass mit einer angesehenen Lehensangestellten gestritten. Dann war da noch die Entsorgung der Prangerleiche und natürlich die Kapellentür, welche ihr schwungvoll von Sir Lavid gegen das Nasenbein geschlagen worden war. Die danach angedrohte Ermahnung wegen vermeindlichen Lauschens nahm sie nicht mehr für voll. Ein weiterer, unbedeutender Tropfen auf den heißen Stein. Die Entsorgung der Leiche war noch nicht mal der Abschluss des Tages. Mal davon abgesehen dass sie ihr Frühstück nach der Überstellung des Kadavers in die Krypta wieder gesehen hatte. Knackend drehte sie den Schlüssel im Schloss, schleppte sich ins Haus und hinein in ihr Schlafzimmer. Mühsam entledigte sie sich der unendlich schweren Kettenrüstung, ehe sie ermattet und erschöpft auf ihr Bett niedersank. Die Tür zum Schlafzimmer ging leise, jemand trat bemüht schleichend ein. Ein sinnloses Unterfangen, kannte sie doch die Eigenarten jene Person zur Genüge. Eine Weile blieb sie stumm, ließ ihn heran kommen und vergrub ihr Gesicht in den Laken. Dann sprach sie ihn an; "Was tust du hier Arel?" Ihr ehemaliger Verlobte reagierte ertapt, blieb dann aber eine Weile eher zurückhaltend schweigsam. Sie benötigte all ihre Kraft um sich aufzusetzen und ihr geschundenes Gesicht ihm zu zuwenden. Auf seinem Gesicht sah sie ein unsicheres Lächeln. Sie dachte eigentlich am Ende dieses Tages sei sie vollkommen abgestumpft, aber sein Anblick hatte etwas beschwichtigendes. Für einen Moment vergass sie die schmerzhaft bumbernde Nase und das flaue Gefühl in der Magengegend. So schnell diese positive Resonanz auch gekommen war, wurde sie vertrieben von purer Vernunft. Sie hatte im Moment nicht die Kraft sich auf Diskussionen einzulassen. "Geh bitte, ich bin erschöpft, ich will allein sein." Das er auf die Worte nicht begeistert reagierte war kaum verwunderlich. Nach einiger Zeit des Zögerns gab er aber nach, nickte nur und verließ ihr Gemach. Lange Zeit starrte sie die Tür noch an, durch die er verschwunden war, dann brach sie im Bett zusammen und schlief ein. Eine von Unruhe beseelte Nacht erwartete sie und am Morgen erwachte sie mit kalten Schweiß am ganzen Körper. Die Kleidung und die Zudecke klebten an ihr.

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Zuletzt geändert von Shaila: 28.07.05, 13:22, insgesamt 1-mal geändert.

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