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Am zweiten Tag nach der Wandlung des Lustgärtchens geht eine Frau durch das verlassene Falkensee. Junge Wunden zieren ihr Antlitz und alte Narben ihren Blick. Und beides trägt sie in stillem Stolz. So wie das durch Schlachten und Kämpfe geadelte Schwert an ihrer Seite.
Sie wählt ihre Schritte mit Bedacht. Und während sie in scheinbar willkürlicher Folge vor Stätten und Häuser in Falkensee tritt, scheint ihr Gang durch die Stadt sich auf seltsame Art zu einer rituellen Prozession zu wandeln:
Sie verharrt bei den Toren der Stadt, in deren Torhäusern jung schimmerndes Metall und aufwändige Seilung geduldig ihrer Nutzung harren.
Sie verbleibt vor all den Stätten und Häusern und Wachstuben des Banners, die verlassen und kaum genutzt in einem beklemmenden Schlaf zu liegen scheinen.
Sie tritt auf den Marktplatz, wo Wimpel und Banner in stolzem Gepränge nutzlos im Wind flappen, der drohend kühl aus Osten weht.
Und dann - am Ende ihrer seltsamen Prozession - tritt sie vor das verwandelte Lustgärtchen und seinen weinverschwendenden Brunnen. Lange verharrt sie dort, als ob der Anblick wichtig wäre. Als ob er eingebrannt werden müsse in jene Reiche ihrer Seele, in denen es kein Vergessen gibt.
Und ehe sie sich abwendet, webt sich ihre Stimme in tonloser Bitterkeit in die verlassene Stille Falkensees und verhallt dort ungehört.
"... und am Grenzwall fallen eure Soldaten unter den Klingen und Klauen des Dunkels, weil ihr ihm schon Monde lang ein Fallgitter verwehrt."
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Kaum einen halben Zyklus später sieht man eine Frau in der Torburg am Wall im schutzlosen Torbogen stehen. Junge Wunden zieren ihr Antlitz und alte Narben ihren Blick. Und beides trägt sie in stillem Stolz. So wie das durch Schlachten und Kämpfe geadelte Schwert an ihrer Seite.
Sie steht dort Seite an Seite mit anderen namenlosen Kriegern. In stiller, ernster Wacht, um die freien Städte Siebenwinds vor den Klauen und Klingen des Dunkels zu schützen.
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