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Vorsichtig den Nachtopf balancierend trat sie an die kleine Feuerstelle hinter dem Haus. Goß den abgestandenen Urin in den alten Topf auf dem Feuer und trat, die Luft anhaltend zurück. Am besten wäre es gewesen wenn sie das Wasser einer Schwangeren hätte sammeln können, so musste es halt der ihre gereichen. Schäumend verkochte langsam die Flüssigkeit. Mit einem belaubten Zweig wedelte sie über dem aufsteigenden Dunst herum um den Gestank wenigstens halbwegs zu vertreiben. Zischend verging dann endlich der letzte Rest Feuchtigkeit und das Eisen des Topfes knackte. Mit einem dick gefalteten Tuch zog sie den Topf aus der Asche und löschte die Feuerstelle ab. Gründlich kratzte sie dann die braungelben, brüchigen Rückstände vom Topfboden und trägt sie im Mörser wie einen kostbaren Schatz wieder hinein. Zerstampft sie dort dann gründlichst zu einem feinen Pulver welches sie dann auf die geschmolzene gelbe Glasmasse rieseln lässt. Angespannt windet sie den zähen Glasklumpen um das Bronzerohr den Farbumschlag des salzigen Pulvers abwartend. Doch statt des erwarteten Blaues zeigen sich nur trübgraue Schlieren. Enttäuscht lässt sie den Atem aus und lässt das verdorbene Glas auf die Fläche des Ambosses rinnen. „Dann wird sie eben nur aus rotem Glas.“ Seufzend warf sie den abgekühlten Glasfladen in den Korb und nahm dann die rotgefärbten Glasstücke an die Esse.
Vorsichtig erwärmt sie eines der Stücke und als es die Konsistenz von warmem Wachs annimmt trennt sie, sie mit dem Spatel zu Nußkerngroßen Stücken auf bis sie wohl drei Dutzend vor sich auf dem Amboß liegen hat. Dann zieht sie sich einen Hocker an den Eisenblock heran, stellt den kleinen Brenner auf und legt eine Handvoll dünner Goldnadeln aus. Die erste Nadel wird gleich an ihrer Spitze über dem Brenner erhitzt und dann eine der kleinen rotgemusterten Glasstückchen damit aufgespießt. Sehr vorsichtig erhitzt sie dann dieses kleine Stückchen, dreht und wendet es in der kleinen konzentrierten Flamme des Brenners bis es nachgiebig und formbar ist. Konzentriert bearbeitet, zieht, dehnt und schiebt sie das Glas mit der feinen Zange in die Form die ihr vorschwebt, und ganz langsam nimmt es die Gestalt einer winzigen Fingernagelgroßen Rosenblüte an. Die roten Schlieren in dem Glas lassen die angedeuteten Blütenblätter kunstvoll hervorstechen. Vor dem endgültigen erhärten der winzigen Glasrose wird sie weiter auf die Goldnadel geschoben, so das sie die Rose an der Rückseite ganz durchsticht. Vorsichtig steckt sie die rosentragende Nadel dann in einen Klumpen weichen Tones und nach Stunden konzentriertesten Arbeitens spicken den Tonklumpen Einunddreißig rosengeschmückter Nadeln. Aufseufzend streckt sie die verkrampften Glieder und entrollte das Garn aus dem Schweifhaar Halas’hars knotete ein Ende um ihren kleinen Finger und fädelte die erste Glasrose auf die Schnur, genau den Abstand von einem halben Fingerglied einhaltend knotete sie das zähe Pferdehaar um die Perle und fädelte die nächste auf bis alle Einunddreißig Rosenperlen aufgereiht waren.
_________________ Jump Rope!
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