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Tag der Verfärbung der Laubblätter
Liebes Tagebuch,
dieser Eintrag wird der letzte Eintrag sein, den ich auf Siebenwind verfasse. Zu viel Trauer und bittere Enttaeuschung musste ich ertragen. Dabei dachte ich, dass jedes Volk seine eigene Siedlung bekommt. Anscheinend hat es sich der Amradell der biundai sich dies ganz anders ueberlegt und wagt es wirklich nur noch Siedlungen zu erlauben, in denen auch Menschen leben, um uns falls wir mal auflehnen sollten, kontrollieren zu koennen. Falls wir keine Menschen in unseren Doerfern erlauben sollten, wuerde den Rittern, ja ich schreibe Ritter, statt Schildkroeten, befohlen werden, dass sie diese Siedlungen in Brand setzen. Ich frage mich wirklich, warum ich mit ihnen kaempfte. Damit wir unterdrueckt werden, anstatt, dass man mit uns koorperiert und als Freunde behandelt? Es ist unfassbar, ich fuehle mich so verraten. Ich erkenne nicht mehr wirklich, den Unterschied zwischen den biundai mit denen ich kaempfte und den biundai, wie Amanda, Arianka und Selina, die ich sogar niah nannte, ist. Sie hatten mich vor den Leuten, wie den Amradell der biundai gewarnt oder die Elendur der Seelen, wie Anais und Anaiah.... Sie alle wuerden nur zu ihren Gunsten luegen um ihre eigene Macht zu vermehren und falls dies nicht helfen sollte, werden sie Gewalt anwenden. Ich bin so verwirrt. Was soll ich nur glauben? Ich fuehle mich so leer. Was ist, wenn wir doch die ganze Zeit gegen die falsche Seite kaempften? Ich koennte es mir nie verzeihen....
In meinem Gram habe ich Ardanielle von mir weggeschickt, weil die Gefuehle der Enttaeuschung und des..... Hasses allmaehlich Ueberhand nahmen. Ich erzaehlte ihr dass, was ich eigentlich nicht wirklich fuehlte. Sachen wie, dass ich sie nicht mehr liebe und sie besser mit Lytharis gehen sollte.... Ich bereue es... Mein Herz fuehlt sich leer an und ich kann kaum noch ohne sie atmen... Diese Insel ist es nicht wert, dass ich die iama meines Leben verliere und, dass ich allmaehlich, aufgrund der Enttaeuschung und Verwirrung verrueckt werde.... Daher habe ich mich entschieden Siebenwind zu verlassen und Ardanielle zu suchen.... Obwohl ich so viele Freunde auf dieser Insel vermissen werde.
Sel’Ni’Ahir Garath, Kikia, Melwyn, Kaspar,Deradur, Grollger, Altuminion, Anais, Anaiah, Mek-Ra-Tosch, Bashnak, Tudor, Siegi und all den anderen die ich als niah betrachte und noch nicht abgereist sind....
Tag des Vollmondes
Liebes Tagebuch,
wieviele Monde sind seitdem ich Miandrell verließ vergangen? Es kommt mir eine Ewigkeit vor. Oh Miandrell, wie vermisse ich deine Idylle und doch deine innewohnende Fröhlichkeit. Doch dieses Opfer, dich nur für einige Augenblicke nicht zu sehen und fühlen, ist mir Wert um der Kampftänzer Miandrells zu werden. Tirvyr, lange wirst du diesen Titel nicht behalten. Denn ich befinde mich auf dem Weg nach Vandrien, den Ort wo du die letzen Sommerläufe verweiltest. Dort werde ich versuchen zu helfen, wie ich dies schon auf Siebenwind tat. Doch anders als früher, werden Ardanielle, Melwyn, Deradur und all die anderen niah' nicht an der Seite stehen.
Tag der ersten Blüte der Schneeglöckchen
Liebes Tagesbuch,
welch unfassbarer Lärm, beinahe wäre ich beim Hufgetrampel der gepanzerten Pferde, dem Klirren der Eisenrüstungen und dem Geschrei der biundai verrückt geworden. So viele ihres Volkes hatte ich noch nie am selben Ort gesehen. Es müssten um die Tausende sein. Alle sind sie bewaffnet und scheinen sich für einen Krieg zu rüsten. Auch wenn die haim, in welcher sich die Masse versammelt, sich fernab befindet. Kann ich den Missklang des Terthaos laut und deutlich hören, nein fühlen, sodass es mir schwindlig ist. Als ich das Terthao bat, meine SInne zu verfeinern, konnte ich die stinkende haim riechen. Es ekelt mich all die Jauche so penetrant zu riechen und die hastigen Herzpulse, der biundai zu hören. Irgendwie erinnern sie mich an Ameisen. Auch sie sind zahlreich, leben in einem begrenzten Raum und sind immanent im Krieg mit anderen. Hektisch läuft ihr Leben ab, und in ihrer Naivität setzen sie Macht und Reichtum mit Glück zusammen. Das erklärt wohl ihr seltsames Verhalten und Denken.
Am Rand der Wälder waren einige Feldlager der biundai und ich konnte im Verborgenenen in Erfahrung bringen, dass die haim Ersont's Tal heißt und schon immer eine Sammelort der elendur' biundai war. Nun haben sie sich alle gesammelt um in die Region Vandrien zu ziehen. Anscheinend ein Ort des Einen, der die Zerstörung Tares anstrebt. Viele Geschichten, die ich vernahm, erinnerten mich an die Zeit auf Siebenwind. Jedoch waren auch einige dabei, die ich als kreative Übertreibung entlarven konnte. Wenn ich nach Vandrien gelangen will, muss ich wohl oder übel ihnen folgen.
Tag des ersten Schneefall in Miandrell
Liebes Tagebuch,
Ich bin schon seit längerem in diesem Lande, in welchem das Terthao aus dessen Lied heraus schon klagt. Vandrien, wenn man diesen Namen desöfteren im Mund zerfließen läßt, merkt man wie kalt dieses Lied im Terthao sein kann. Chaos, Hoffnungslosigkeit, Hunger, Tod, Verzweiflung und die ständige Angst herrschen in diesem Landstrich. Wäre ich früher zu erst hierher, anstatt nach Siebenwind, gegangen, dann denke ich würde mein Lied im Terthao bis zu dem jetzigen Zeitpunkt wohl kaum klingen. Ich empfinde tiefstes Mitleid mit denjenigen, die rein gar nichts mit dem Krieg zu tun haben, aber dennoch zwischen den beiden Parteien zu zerbrechen drohen. Glaube, Fanatismus und Loyalität mögen Tugenden der biundai zu sein. Aber Kinder können, damit nicht anzufangen, wenn sie jeden Tag nur hungern und die Ungewissheit herrscht, ob sie nicht am nächsten Tag von einer Räuberbande oder von der Inquisition in Brand gesetzt werden. Ich kann einfach nicht tatenlos zu sehen, diesen biundai muss geholfen werden. Mehrere Jahresläufe mussten sie dieses Leid über sich ergehen lassen, ohne die Aussicht, dass es jemals enden wird. Mir ist klar, dass ich als Einzelner es nicht schaffen werde, ihr ganzes Leid ein Ende zu bereiten. Doch schon der einzelne Funken Hoffnung mag ihnen Licht und Fröhlichkeit in ihrem so kurzen Leben geben. Wir werden sehen....
Tag der ersten Kirschblüte
Liebes Tagebuch,
Nun müssten langsam die ersten Kirschblüten in Miandrell erblüht sein. Wie ein Meer aus Weiß sieht mein Wain nun sicherlich aus und wenn ein Windhauch vom Meer kommt, so scheint es als würde man in Lothorien sein, sodass man nie mehr weg will. Um einen herum die Blüten, die mit dem Lied es Windes tanzen und mittendrin, bin ich, wie ich all diese schöne Idylle genieße.
Doch mein einziger niah', der letzen Monde, schweife ich aus und schreibe dir nicht, was in diesen Tagen geschah. Ich war in der gestrigen Nacht in Hörweite eines Marktplatzes, wo man sich anscheind traf um neue Geschichten zu erzählen. Zum ersten Mal seit mehreren Monden empfand ich, dass mein Tun einen Sinn ergibt. Besser wäre es nun dir zu schreiben, wie die Leute dies wortlaut erzählten.
"Wenn man ihn nicht erwartet, die Angst überhand nimmt und das Herz ohne Hoffnung ist. So erzählt man sich, dass der Larysei der Viere kommt um uns vor den Häschern des Einen und den marodierenden Räubern zu schützen.
Ich hörte von einem Freund vom Nachbardorf, dass er in der Nacht vom Himmel herabgeflogen kam und seinen himmelblauen Flügel ausbreitete, als die Räuber ihn und seine Tochter umringten. Das Gesicht konnte er nicht erkennen, weil ein glänzender Stoff aus himmelblau um seinen Kopf schlang. Doch konnte er an seinen Augen sehen, dass er wie man es über Larysei erzählt, nicht weiblich oder männlich war. Seine Haare waren blutrot und wallten im Winde der Nacht. Schwirrend und schnell waren seine Bewegungen, es schien so als wäre er einer von Bellums persönlicher Garde, die er schickte um mich und meine Tochter vorm Tode zu retten. Doch kurz nachdem er alle niederringte, flog er wieder weg. Die Räuber jedoch, wurden vielleicht von seinem silbernen Schwert niedergestreckt, doch hatten sie nur Prellungen erlitten und schworen zu den Vieren, nie mehr zu rauben."
Es ist wirklich interessant, was neue Kleidung bewirken kann und ein Seidenschal für das Gesicht. Außerdem dachte ich nie, dass man einen Kampftänzer für einen Larysei halten könnte. Doch denke ich, dass man dies nur denkt, weil die biundai recht abergläubisch sind.
Tag der ersten Frucht in Miandrell
Liebes Tagebuch,
heute habe ich eine Schlacht vom Weite mitangesehen. Es erinnerte mich sehr an Siebenwind. Weteka heißt diese haim und man sagt sich, wenn man diese Feste der geblendeten Anhänger des Einen erobert, dann wird der Krieg enden. Doch erstaunlicherweise hielten sie sich schon seit mehreren Monden einer Übermacht stand. Doch was mich wirklich dazu brachte zu realisieren, dass dieser Konflikt für eine lange Zeit nicht enden wird, war der Anblick wie es nur wenigen Reitern gelang das Heer der biundai zurückzuschlagen. Zu meiner Verwunderung jedoch musste ich mitansehen, dass sich unter diesen Reitern ein Vetter der haim befand. Dies hatte mich so geschockt, dass ich mich der Schlacht abwendete. Ich brauche halt und die kann ich nur bei meiner iama finden. Ich werde zur Hafenstadt Venturia gehen und nach Siebenwind segeln....
Zuletzt geändert von Daluwirh: 3.11.05, 17:57, insgesamt 1-mal geändert.
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